Bramley | Wie Himbeeren im Sommer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

Bramley Wie Himbeeren im Sommer

Roman
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-641-17961-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

ISBN: 978-3-641-17961-8
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Lass alles hinter dir und finde dein Glück

Die junge Freya hangelt sich von einem Job zum nächsten. Als sie erfährt, dass ihr Onkel Arthur einen Zusammenbruch hatte und Hilfe auf seiner verwunschenen Farm braucht, ändert sich alles. Kurz entschlossen macht Freya sich auf zum Ort ihrer Kindheit, einem verzauberten Stück Land, das sie insgeheim sehr vermisst. Schnell stellt sich heraus, dass der Schwächeanfall ihres Onkels das kleinste Problem ist. Freya folgt ihrem Herzen und beschließt, die Farm zu retten. Und kommt dabei auch ihrem eigenen Glück auf die Spur …

Cathy Bramley lebt mit ihrem Hund in einem kleinen Dorf in Mittelengland. Von ihrem Haus blickt sie über Felder, Streuobstwiesen und Pferdekoppeln. Geschichten und Bücher waren schon immer ihre große Leidenschaft, doch sie leitete erst viele Jahre lang eine Marketingagentur, bevor sie sich dazu entschloss, als Autorin noch einmal neu durchzustarten. Von ihrem Erfolg war sie dabei wohl als Einzige selbst überrascht.
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Kapitel 1

Die Tür schwang auf, die Glocke darüber bimmelte, und ein angenehm kühler Luftzug wehte von draußen herein, als ein paar Mädchen im Teenageralter das Café verließen.

»Adios, amigas!«, rief ich ihnen nach. »Ciao, bellezze!«

Es war Gründonnerstag. Die Kinder hatten Schulferien, und die Frühlingssonne hatte uns den ganzen Tag über einen steten Zulauf beschert. Jetzt, gegen vier, wurde es ruhiger, und das war auch ganz gut so, denn nachdem ich unsere neue Angestellte, die sechzehnjährige Amy, in die hohe Kunst der Zubereitung von Espresso, Cappuccino und Latte Macchiato eingeweiht hatte, glich der Bereich hinter dem Tresen einem Schlachtfeld – überall Kaffee- und Milchpfützen, dazwischen haufenweise Tassen, Löffel und Kännchen. Auch an uns hatte die vergangene Stunde Spuren hinterlassen: Meine roten Haare waren infolge mehrerer Dampfstöße aus der Kaffeemaschine krisselig wie die eines Pudels, und Amys Stirn zierte, gleich einer dritten Augenbraue, ein länglicher Kaffeefleck.

Dafür durchzog das himmlische Aroma von frischem Kaffee den Raum, und Amy beherrschte allmählich die Bedienung der Maschinen. Ich sah ihr über die Schulter, während sie Milch aus dem Aufschäumkännchen in ein hohes Glas goss.

»Perfekt!«, rief ich. »Und nicht vergessen: Immer schön langsam, damit der Schaum nicht zusammenfällt.« Puh. Streckenweise hatte ich befürchtet, sie würde es nie lernen. Mit zitternden Händen stellte Amy das Milchkännchen ab und atmete erleichtert auf.

»Na, was meinst du?«, fragte sie und biss sich auf die Unterlippe, während wir ihren ersten Latte Macchiato beäugten.

Ich lächelte sie an. »Ich glaube, langsam hast du den Dreh raus.«

Und keine Sekunde zu früh, denn gleich hatte ich Feierabend, und dann musste sie allein hinterm Tresen die Stellung halten. Ich legte ihr einen Arm um die Schultern und drückte sie.

»Jetzt musst du nur noch die Geschmacksnerven der Chefin überzeugen«, sagte ich und deutete mit dem Kopf in die hinterste Ecke des Cafés, wo Shirley, über einen Stapel Rechnungen gebeugt, an einem kleinen Tisch saß. Ihr linkes Bein lagerte auf einem Stuhl – eine Angewohnheit, die sie beibehalten hatte, nachdem sie sich im Herbst den Knöchel gebrochen hatte.

Wegen dieses Knöchels war ich hier gelandet. Ich bin mit Shirleys Tochter Anna befreundet, und als diese mich vor ein paar Monaten bat, im Shenton Road Café auszuhelfen, bis ihre Mutter wieder einsatzfähig war, nahm ich das Angebot dankend an. Von meinem damaligen »Promotionjob« in Manchester (Flyer und Gutscheine vor Supermärkten verteilen) hatte ich die Nase nämlich längst voll. Seither wohne ich in Annas Gästezimmer in Kingsfield, einer Kleinstadt in der Grafschaft Derby, und arbeite im Shenton Road Café.

Das hohe Glas schepperte leise auf der Untertasse, während Amy im Schneckentempo die paar Meter zu Shirley zurücklegte. Ich beobachtete sie dabei so gespannt wie einen Seiltänzer bei der Überquerung der Niagarafälle.

Shirley nippte an dem Getränk und hob dann anerkennend das Glas. »Sehr lecker. Gut gemacht, ihr zwei. Amy, hiermit bist du offiziell befugt, die Kaffeemaschine zu bedienen. Und zu deiner Information: drei Tütchen Zucker für mich.«

»Ja! Amy for president!«, johlte ich und reckte die Faust, während Amy mit verlegen gesenktem Kopf und verschränkten Beinen dastand.

Ich machte einen Knicks in Richtung Shirley, wobei ich mit den Fingern einen imaginären Rocksaum anhob. »Tja, dann kann ich ja jetzt den Hut nehmen.«

Shirley schüttelte glucksend den Kopf und widmete sich wieder ihren Unterlagen. War es tatsächlich so? Hatte sich mein Job hier erledigt?

Auf einmal schlug mir das Herz bis zum Hals. Vielleicht war es wirklich wieder einmal an der Zeit für eine berufliche Veränderung. Nachdenklich stierte ich auf Shirleys braunen Haarschopf, bis ich merkte, dass mich Amy einigermaßen verwundert musterte.

Ich schüttelte den Kopf, deutete auf den Mopp und trug ihr auf, die Pfützen auf dem Boden aufzuwischen, während ich mich daranmachte, den Tisch abzuräumen, an dem vorhin die Mädels gesessen hatten. Du lieber Himmel. Ich war feuerrot angelaufen bei meinen reichlich unvorhergesehenen Überlegungen, was mir wohl deutlich anzusehen war, da ich normalerweise weiß wie ein Albino bin.

Es ist doch immer dasselbe mit dir, Freya Moorcroft. Nie hältst du es länger als ein paar Monate irgendwo aus. Und was ist eigentlich mit Duweißtschonwem? Ich dachte, du LIEBST ihn?

Ich blies entnervt die Backen auf und stapelte geräuschvoll die Teller, um die bissigen Stimmen in meinem Kopf zu übertönen. Shirleys Café boomte, und das war – ohne prahlen zu wollen – zu einem guten Teil mir zu verdanken. Als ich vor einem halben Jahr hier anfing, gab es nur Pulverkaffee, und auf der Karte stand kaum mehr als einige Ofenkartoffel-Variationen. Kein Wunder also, dass sich nach 14 Uhr kaum je Kundschaft in das Café verirrte.

Mittlerweile steht hinter dem Tresen neben einem Toaster für die Zubereitung leckerer Panini eine schicke verchromte Kaffeemaschine, deren Dampfdüse faucht wie ein erboster Schwan, und das kostenlose WLAN (ebenfalls eine Empfehlung von mir) kommt vor allem bei den jungen Gästen sehr gut an. In Teenagerkreisen gelten wir inzwischen als In-Schuppen, sodass der Laden nach Schulschluss täglich eine gute Stunde lang aus allen Nähten platzt.

Der Absatz von heißer Schokolade und Smoothies hat sich verdoppelt, und nachmittags kommen die Leute in Scharen, um Tee zu trinken.

Die vergangen paar Monate waren ganz schön hektisch, aber genau so mag ich mein Leben. Je quirliger, desto besser. Shirley hatte mir mehr oder weniger freie Hand gelassen, nachdem ich sie davon hatte überzeugen können, dass ihr Café einer Rundumerneuerung bedurfte, und deren Umsetzung hatte mir großen Spaß gemacht. Aber auch privat lief es hervorragend. Ich genoss das Zusammenleben mit Anna sehr und hatte viele neue Freundschaften geschlossen. Und vor allem hatte ich vor vier Monaten meinen Freund Charlie kennengelernt. Ach, Charlie …

Wann immer ich an ihn dachte, bekam ich den verträumten Gesichtsausdruck dieser Frauen in der Werbung, wenn sie sich einen Löffel Joghurt in den Mund schieben. Charlie ist groß und durchtrainiert und hat tolle blaue Augen und ein umwerfendes Lächeln. Und als würde das noch nicht genügen, ist er auch noch Feuerwehrmann.

Mein Leben in Kingsfield gestaltete sich also ziemlich annehmbar.

Aber jetzt … Ich hielt inne und starrte aus dem Fenster. Mein Blick schweifte über die Läden auf der gegenüberliegenden Straßenseite, einschließlich des Pubs an der Ecke und der am baumlosen Straßenrand geparkten Autos. Seit Oktober immer mehr oder weniger derselbe Ausblick. Und meine Arbeit konnte ich inzwischen quasi mit verbundenen Augen erledigen. Einhändig und im Kopfstand.

Amy dagegen fehlte es noch an der nötigen Routine, wie ich feststellen musste, während ich sie verstohlen bei der Beseitigung des Chaos hinter dem Tresen beobachtete.

Ich brachte ihr das schmutzige Geschirr. »Na, wie war dein erster Tag?«, erkundigte ich mich. »Kannst du dir vorstellen, hier zu arbeiten, oder hab ich dich mit den ganzen verschiedenen Kaffeesorten verschreckt?«

»Ach, als Übergangsjob ist es ganz okay«, erwiderte sie. »Ich will damit ja bloß die Zeit bis zur Uni überbrücken.«

»Ah ja.« Es gibt doch nichts Ernüchternderes, als von einer Sechzehnjährigen darauf hingewiesen zu werden, dass die Tätigkeit, mit der man sich seine Brötchen verdient, für sie nur die unterste Sprosse auf der Karriereleiter ist.

»Entschuldige«, murmelte sie angesichts meiner wohl etwas konsternierten Miene und tauchte die Hände ins Spülwasser. »Das ist jetzt irgendwie falsch rübergekommen. Ich meine, es ist echt überhaupt nichts dagegen einzuwenden, in einem Café …« Sie verstummte und beugte sich noch tiefer über das Spülbecken.

Ich lachte. »Hey, kein Problem. Ist doch gut, wenn du weißt, was du mit deinem Leben anfangen willst. Ich hatte zwar den erforderlichen Notendurchschnitt für die Uni, aber keine Ahnung, was ich studieren sollte.« Ich zuckte die Achseln. »Also hab ich nach dem Abschluss ein Jahr Pause eingelegt, um ein bisschen rumzureisen.«

Aus dem einen Jahr waren mittlerweile zehn geworden.

Tante Sue sagt immer, ich würde eben »an der Universität des Lebens studieren«. In den Augen meiner Mutter dagegen ist mein beruflicher Werdegang eine totale Vergeudung der teuren Privatschulausbildung, die man mir hat angedeihen lassen.

Amy warf einen Blick über die Schulter zu Shirley hinüber, dann sah sie wieder zu mir. »Ich will hier arbeiten, bis ich meinen Schulabschluss in der Tasche habe. Dann möchte ich Architektur studieren und danach nach London ziehen. Das Studium dauert einschließlich Praxisjahr und allem Drum und Dran mindestens sieben Jahre. Da werd ich jeden Cent brauchen.«

»Verstehe. Tja, dann viel Glück!« Ich schluckte, lächelte flüchtig und suchte schleunigst das Weite.

Du meine Güte. Das Mädel ist noch nicht einmal mit der Schule fertig und hat bereits einen Zehnjahresplan aufgestellt. Ich dagegen fühle mich schon toporganisiert, wenn ich mir einen Zehntagesplan zurechtgezimmert habe. Ich bin ein richtiger Karriereschmetterling. Ich kann nicht anders. Wann immer ich einen neuen Job antrete, nehme ich die Herausforderung mit Handkuss an und stürze mich mit Feuereifer in die Arbeit. Und sobald ich meine Tätigkeit aus dem Effeff beherrsche, verspüre ich aus unerklärlichen Gründen...


Bramley, Cathy
Cathy Bramley lebt mit ihrem Hund in einem kleinen Dorf in Mittelengland. Von ihrem Haus blickt sie über Felder, Streuobstwiesen und Pferdekoppeln. Geschichten und Bücher waren schon immer ihre große Leidenschaft, doch sie leitete erst viele Jahre lang eine Marketingagentur, bevor sie sich dazu entschloss, als Autorin noch einmal neu durchzustarten. Von ihrem Erfolg war sie dabei wohl als Einzige selbst überrascht.



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