Brandis | DelfinTeam (1). Abtauchen ins Abenteuer | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

Brandis DelfinTeam (1). Abtauchen ins Abenteuer

Spannendes Delfinabenteuer ab 12
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-401-81003-4
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Spannendes Delfinabenteuer ab 12

E-Book, Deutsch, 252 Seiten

ISBN: 978-3-401-81003-4
Verlag: Arena Verlag eBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Meere, Strände, Unterwasserwelten - packende Delfinabenteuer für Jugendliche ab 12 Sandra findet nichts langweiliger als ihre Ausbildung bei der Bank. Deswegen ergreift sie sofort die Gelegenheit, als ihr ein Job als Taucherin in einem DelfinTeam in Florida angeboten wird. Weit weg von Deutschland lernt Sandra gemeinsam mit ihrer Delfin-Partnerin Caruso die neue Umgebung kennen, übt die gemeinsame Sprache ein und bereitet sich auf ihre Einsätze im Meer vor. Und schon bei ihrer ersten, richtigen Mission mit Caruso wird es gefährlich: Das Bergungsschiff Antares sucht im Meer nach der Silberfracht einer versunkenen spanischen Galeone, doch ein noch größeres Rätsel gibt Sandra das merkwürdige Verhalten der Menschen an Bord auf. Als sie herausfindet, was dahintersteckt, ist es schon fast zu spät ... Bestsellerautorin Katja Brandis erzählt packend und spannend von der ganz besonderen Verbindung zwischen Mensch und Tier. Das Delfin Team ist die realistische Analogie zu der berühmten Seawalkers-Reihe. Weitere Bände von Katja Brandis: Woodwalkers Seawalkers Koalaträume Gepardensommer

Katja Brandis, geb. 1970, studierte Amerikanistik, Anglistik und Germanistik und arbeitete als Journalistin. Sie schreibt seit ihrer Kindheit und hat inzwischen zahlreiche Romane für junge Leser*innen veröffentlicht. Sie lebt mit Mann, Sohn und zwei Katzen in der Nähe von München. www.katja-brandis.de
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Teil 1

FOLGE DEINEM TRAUM

Sandra taucht ab

Ein gestreifter Fisch mit Flossen, die wie wehende Seidenschals aussahen, schwamm vorbei. Dann eine Gruppe von drei gelben – wie hießen die noch mal? Gemächlich durchquerte eine Schildkröte das Bild, toll, die kam nicht oft. Ein Stück weiter witschten zwei Clownfische in einer Anemone herum …

»Frau Weidner, wir bräuchten hiervon fünf Kopien. So bald wie möglich, bitte.«

Sandra zuckte zusammen und tippte schnell auf die Leertaste ihres Keyboards, damit der Aquarium-Bildschirmschoner verschwand. Mist, wieso hatte sie nicht aufgepasst? Jetzt hatte Reuschenbach sie beim Nichtstun erwischt! Oder eher beim Glotzen auf ein Rudel virtuelle Fische, und das war noch peinlicher. Sandra schnappte sich ein paar herumliegende Blätter und versuchte auf die Schnelle, beschäftigt zu wirken. »Aber gerne, Herr Reuschenbach.«

Ihr Ausbildungsbeauftragter, ein drahtiger Mann Ende vierzig, blickte sie durch seine randlose Brille mit zusammengekniffenen Augen an. »Wie kommen Sie mit dem Eintippen der Belege voran?«

»Ganz gut – meine Finger rauchen schon fast«, versuchte Sandra abzulenken.

»Prima, dann schaffen Sie die bestimmt auch noch«, sagte Reuschenbach kühl und legte ihr einen dicken Packen auf den Schreibtisch. Sie konnte genau sehen, dass ihm das Spaß machte.

»Nur so wenige?«, fragte Sandra frech. Reuschenbach würdigte sie keiner Antwort und verschwand.

Lange nachdem er gegangen war, starrte Sandra auf den Papierstapel vor ihr. Das durfte echt nicht wahr sein! Noch mehr Belege! Jetzt war sie seit einem halben Jahr Azubi in der Bank, und alles, was sie tat, war, am Kopierer zu stehen, Ablage zu machen und Belege einzugeben. Wozu hatte sie eigentlich Abitur gemacht? Hierfür hätte auch Sonderschule gereicht!

Sandra fühlte sich elend, als sie sich auf den Weg den Gang hinunter zum Kopierer machte. Sie ging schnell – aber nicht schnell genug. Von rechts schoss jemand auf sie zu: »Ach, könnten Sie das auch schnell mitnehmen?«

Sandra beschleunigte ihre Schritte, aber jetzt hatte auch Frau Alzey aus der Abteilung Bauträgerfinanzierung sie gesehen. Sandra mochte sie nicht – sie lächelte ständig, aber ihr Lächeln hatte etwas Verkniffenes, und Sandra wusste, dass ihre Lieblingsbeschäftigung war, über Kollegen zu lästern. Bevor Sandra flüchten konnte, hatte Frau Alzey sie eingeholt und schichtete einen dicken Stoß Kreditakten auf die Ladung, die Sandra sowieso schon trug. »Nehmen Sie das auch noch mit? Vielen Dank. Jedes Blatt dreimal. Und bitte ein bisschen schneller als gestern.«

»Gerne, aber jetzt brauche ich einen Gabelstapler«, murmelte Sandra.

Frau Alzey stelzte davon. Sie trug wie so oft ein dunkelblaues, mit einem bunten Tuch garniertes Kostüm und beigefarbene Strumpfhosen. , dachte Sandra. Sie kam an einem Aktenschredder vorbei und war in Versuchung, den ganzen Stoß Papier durch den Reißwolf zu jagen und sich dann in irgendein Land abzusetzen, wo sich nicht alles um Einzahlungsbelege drehte.

Als Sandra mit dem Kopieren fertig war, war es Mittag. Frau Alzey war wie immer nicht in die Kantine gegangen, sondern saß mit einem Becher Diätquark und einer Banane an ihrem Schreibtisch und las irgendein Promi-Klatschblatt. Sandra murmelte »Mahlzeit«, ließ den Aktenstapel neben eine Abbildung von Lena Gercke mit Baby im Tragetuch fallen und machte sich aus dem Staub.

Sandra konnte nur an eins denken: jetzt schnell zu Thomas. Sie nahm den Aufzug in den fünfzehnten Stock und schlängelte sich zwischen Schreibtischen und Gummibäumen zu ihrem Freund durch. Thomas war einen halben Kopf größer als sie – was bei Sandras hundertdreiundsechzig Zentimetern nicht schwer war –, hatte blondes, zurückgekämmtes Haar und eine bunte Designerbrille. Im Gegensatz zu ihr war er in der Bank beliebt. Für Sandra war er, seit sie sich in der Kantine kennengelernt hatten, der Rettungsanker. Thomas war im zweiten Lehrjahr und half ihr geduldig beim Kampf mit rechtlichen Bestimmungen und den Feinheiten der Buchhaltung. Knapp fünf Monate war es jetzt her, dass sie sich dabei verknallt hatten. Komisch, wie schnell das manchmal ging, wenn sonst niemand nett zu einem war. Oder man sich das zumindest einbildete. Schon in den ersten Wochen hatte sich Sandra in der Bank den Ruf eingehandelt, eigensinnig zu sein, und das klebte an ihr wie ein frischer Kaugummi, den jemand auf den Bürgersteig gespuckt hat. Jede neue Abteilung, in die sie kam, wusste schon über sie Bescheid.

Doch diesmal hatte Thomas keine Zeit für sie, seine ganze Aufmerksamkeit galt dem Computer. Er sah nur kurz auf, lächelte zärtlich und sagte »Moin, moin«, als sie ihm die Hand auf die Schulter legte. Selbst nach acht Jahren in Frankfurt redete er, als würde er immer noch in Bremen leben.

»Ich muss dich unbedingt nachher sehen«, sagte Sandra leise.

Thomas zog die Augenbrauen hoch, fragte aber nicht, was los war. »Sieben Uhr, bei mir?«, schlug er vor und Sandra nickte.

Thomas hatte eine eigene Wohnung. Er hatte die Wände mit asiatischen Holzschnitten verziert und in seinen Regalen standen reihenweise Japan-Bildbände und -Reiseführer. In der Ecke lag die Tasche mit seiner Kendo-Ausrüstung. Seit zwei Jahren lernte Thomas die Kunst des japanischen Schwertkampfs.

»Was ist denn los?«, fragte Thomas, setzte sich auf seinen Futon und nahm Sandra in die Arme. Er roch nach frischer Luft und Regen, weil er mit dem Fahrrad gefahren war, und ein bisschen nach seinem Parfum, dessen Name sich Sandra nie merken konnte. »Du sahst heute Mittag aus, als hätte Reuschenbach dich gezwungen, seine Schuhe abzulecken.«

»Ich halte es nicht mehr aus, Tom«, sagte Sandra. Ihr saß ein dicker Kloß in der Kehle. »Ich schaff’s einfach nicht. Wenn ich morgens daran denke, dass ich wieder in die Bank muss, würde ich am liebsten um mich schlagen.«

»Nerven dich die ganzen Hilfsjobs? Da muss man eben durch.« Thomas lockerte seine Krawatte und zog sie aus. Er behielt Hemd und Stoffhose auch abends an. Sandra warf sich nach Feierabend meist in Jeans und eins ihrer vielen U2-T-Shirts. »Wenn du zeigst, dass du dich für die Themen interessierst, dann traut man dir auch mehr zu und gibt dir interessantere Sachen. Bei mir hat das auch so funktioniert.«

Thomas stand auf und steckte ein Räucherstäbchen an, das einen Duft nach Sandelholz verbreitete. Dann machte er für sich einen grünen Tee und goss Sandra einen Orangensaft ein, weil er wusste, dass sie keinen Tee mochte.

»Dir merkt man eben an, dass du hoch hinauswillst«, sagte Sandra und ließ die Hand über den rauen Leinenstoff des Futons gleiten. Thomas wollte nach der Lehre Betriebswirtschaft studieren und dann in die Bank zurückgehen, um so in die Führungsetagen aufzurücken. »Aber Nina hat mir neulich in der Berufsschule erzählt, dass sie schon im zweiten Jahr ist und immer noch hauptsächlich kopiert.«

»Dann brich die Lehre doch ab.«

Sandra seufzte tief. »Ich habe meiner Mutter versprochen, dass ich die Ausbildung fertig mache. Ich werde noch mal mit ihr reden.«

»Wie bist du überhaupt auf Bankkauffrau gekommen?«

»Ich hatte nach dem Abi überhaupt keine Ahnung, was ich werden wollte. Und meine Mutter hat mir eingeredet, dass ich doch etwas Vernünftiges machen sollte, sonst würde ich werden wie mein Vater. Also habe ich mir gedacht: Okay, du kannst gut mit Zahlen umgehen – bewirb dich bei der Bank!«

»Du brauchst einen Traum«, sagte Thomas. Sein Smartphone dudelte los, aber er brachte es mit einem Knopfdruck zum Schweigen. Sandra war ihm dankbar, dass er dieses eine Mal nicht dranging. »Irgendwas, auf das du dich freuen kannst, wenn du arbeitest«, fuhr er fort. »Glaub mir, das hilft. Dann schafft man’s viel besser, den Alltag zu ertragen.«

»Ich freue mich wahnsinnig auf unseren Urlaub – mit dir nach Japan zu fahren.« Sandra streckte sich auf dem Futon aus und legte den Kopf in seinen Schoß. Sie fühlte sich furchtbar erschöpft. Wenn sie sich ihre Zukunft vorstellte, dann sah sie nur eine graue Nebelwand. Der Gedanke, die Lehre abzubrechen, war gleichzeitig verlockend und erschreckend. Erschreckend, weil sie nicht wusste, was sie stattdessen machen könnte. Studieren vielleicht? Aber was? Wenn sie jetzt abbrach, würde sie danach wahrscheinlich genauso herumdriften wie nach dem Abi, als sie mit ihrer besten Freundin Nadja kreuz und quer durch Europa getrampt war. Schade, dass Nadja nicht mehr hier war, sie studierte inzwischen in Berlin Politikwissenschaft …

»So was wie einen Urlaub meine ich nicht«, sagte Thomas. »Und außerdem ist Japan vor allem...



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