E-Book, Deutsch, 156 Seiten
Brandt Album
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-6853-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Liebesgeschichte in zwei CDs
E-Book, Deutsch, 156 Seiten
ISBN: 978-3-7562-6853-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ina Brandt ist im echten Leben Beamtin in einem Ministerium. Den Luxus, nur aus Spaß zu schreiben, hat sie bewusst so gewählt und genießt es sehr, sich nicht unter Druck zu setzen. Mit Gedichten und Zeichnungen bringt Ina Brandt ihren Lieben schon lange immer wieder mal ein Lächeln in graue Tage. Bis sie einen Schreibwettbewerb bei ihrem Verlag Books on Demand gewann, und als Hauptpreis einen Roman veröffentlichen sollte. "Album" ist nach drei Gedichtbüchern das erste Prosa-Werk der Autorin. Sie lebt mit Mann und Kind im Speckgürtel von Berlin.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
CD 1
1.
Irgendwas mit L
Max Giesinger
Seid ihr schon mal neben wem Fremdes aufgewacht? Also, komplett Filmriss? Wisst ihr, wie man sich da erschreckt?
Boah. Ich leb ja schon eine Weile allein. Und genieße eigentlich auch mein großes Bett. Na, so groß ist es ja nun gar nicht. Klein genug, dass dieser Mensch da ein wenig verschwitzt an mir klebt.
Wer ist das? Und wenn ich jetzt duschen gehe, wacht der auf und raubt mich aus? Ich schaue ja auch aus Prinzip keine Psychothriller. Aber eine leise Ahnung, was mit dem Einsetzen der leise warnenden Soundtrack-Musik passieren würde, habe ich schon. Wie krank ist das denn eigentlich, dass ich erst mal an Bedrohung denke? Könnte ja auch alles ganz romantisch und schön sein? Der Soundtrack fehlt, ich sag es euch. Man wüsste genau, wo die Reise hingeht. Es wird wohl ein Schutzmechanismus sein, dass man erst einmal auf sich aufpasst, und die Lage verstehen muss.
Sein Arm liegt auf meinem Bein und ist schwer. Er schnauft leise beim Schlafen und atmet warm in meinen Nacken. Wenn ich jemanden sehr, sehr mag, finde ich das wunderbar. Gerade ist es aber etwas zu neu … mit diesem Mann dort.
Puh. Ich versuche mal langsam, mich aus dem Bett zu schieben. Verdammt … Da zieht er mich im Halbschlaf an sich. Und nun?
Der zweite Versuch glückt. Ich gleite lautlos wie eine Feder im Sommerwind … nein, ich stolpere über Klamotten, die den Weg zwischen Tür und Bett markieren. Na, immerhin scheinen wir zielstrebig gewesen zu sein.
Moment. Also, ich bin allen Ernstes mit einem Fremden nach Hause? Und dann Klamotten … ähm, was hatte ich gestern drunter?
Falls er genauso viel getrunken hatte, ist es vielleicht auch egal gewesen. Oh Mann!
Unter der Dusche hab ich das Gefühl, den Abend abzuspülen, irgendwie. Mich reinzuwaschen. Weil man doch so etwas nicht macht. Oder? Ich zumindest nicht. Bisher.
Aber die Dusche ändert nichts daran, dass da ein komplett fremder Typ in meinem Bett liegt.
Ich öffne das Fenster und mache Kaffee. Bin ja nicht so, ich mach mal etwas mehr, vielleicht möchte er ja auch einen.
Er umarmt jetzt die Bettdecke, ich bin ja nicht mehr da. Irgendwie hat das was Süßes. Überhaupt, also rein optisch, gratuliere ich mir ein bisschen zu dem Fang.
Kann schon sein, dass ich den auch nüchtern ausgesucht hätte. Aber da hätt ich mich nicht getraut, so viel ist auch klar. Er hat ziemlich kurze, fast schwarze Haare, ein ganz schönes Gesicht, und sieht erst mal schlank und groß aus, was ich erahnen kann. Das Shirt liegt eng am Oberkörper an, und er gehört zu denen, die das tragen können.
Ich bin ein bisschen hin- und hergerissen, zwischen Lachen, Schämen und ein bisschen Schiss, was er sagt, wenn er wach wird.
Kann ja ein Idiot sein. Kann auch nett sein. Magst du einfach da liegen bleiben bitte? Und weiter süß aussehen? Ich male mir dann einfach aus, wie der Abend war. Realität ist was für Anfänger.
Und wie nenne ich dich nur?
Wieso sind die Menschen eigentlich nicht beschriftet, sodass man weiß, mit wem man es zu tun hat?
Oh. Er wird wach … Jetzt bin ich nervös und gehe in die Küche. Mich an einer Kaffeetasse festhalten.
Mit der Tasse, die schön groß ist, und meinen zu langen Strickjackenärmeln verdecke ich fast mein Gesicht, als ich vorsichtig wieder ins Zimmer schaue.
Nützt nix. Er hat mich entdeckt.
Sein schiefes Grinsen lässt mich vermuten, er weiß genauso wenig wie ich, was passiert ist.
»Kaffee?«, frage ich.
»Ja, gern. Schwarz bitte, ohne alles.«
2.
Say You Won’t Let Go
James Arthur
Wow … mein Leben dreht sich! Und ich möchte gar nicht, dass es aufhört! Ja, mag sein, paar Drinks zu viel hatte ich auch gestern. Aber so schlimm war das nicht. Jetzt ist es wie Kettenkarussell, mit Fliegen und Kribbeln und irgendwie ist alles verrückt.
Bin gerade zu Hause angekommen. Anstatt auf einen Bus zu warten, bin ich einfach gelaufen. Das hat auch nur eine knappe halbe Stunde gedauert und ich habe die Zeit kaum gemerkt. Alles lief immer wieder in meinen Gedanken ab.
Ich sollte von vorn anfangen zu erzählen. Gestern war ich in einem Club, mit Ben und Jerry. Jerry heißt eigentlich Sören, aber er mag auch gern Eis. Na ja, wir sind zu dritt eine ziemliche Kaspertruppe.
Der Abend war erst mal recht normal; wir haben gequatscht und bisschen was getrunken. Nachher sogar getanzt.
Irgendwann haben sich zwei Mädels dazugesellt, und mit einer kam ich ins Gespräch. Ich weiß nicht mehr so viel von dem, was wir geredet haben. Die Musik war viel zu laut, und ich habe sie immer nur anstarren können, fürchte ich fast. Weil ich sie mit jeder Minute hübscher fand.
Wir tranken noch etwas und gefühlt war außer uns niemand sonst mehr da. Ich weiß gar nicht, wann Ben und Jerry abgehauen sind.
Die Kleine hat mich irgendwann raus gezogen vor den Club. Da konnte man besser reden und es war nicht so heiß.
Wir gingen ein Stück … aber auf einmal zog sie rüber Richtung Hecke. Und übergab sich. Wow, okay, sie hatte wohl echt genug. Ich schaute, ob sie okay ist, nahm ihr die Haare aus dem Gesicht und blieb, bis es wieder ging.
Ihren dankbaren Blick werd ich nie vergessen. Völlig fertig legte sie ihren Kopf gegen meine Schulter.
Als ich sagte: »Baby, du musst ins Bett!«, huschte ein Grinsen über ihr Gesicht.
»Wenn du mitkommst?«, sagte sie. »Nur zum Aufpassen, natürlich.« Das musste ich auch. Der Weg war zwar nicht weit, aber sie war echt hinüber.
Ganz selbstverständlich zog sie mich mit sich ins Haus. Und in die Wohnung. Okay … Was sollte ich jetzt machen? Ich spielte weiter den Fürsorglichen, ließ sie ne Kleinigkeit essen und trinken, Zähne putzen, und sie war anhänglich und folgsam wie ein Kind. Und in allem trotzdem so eine wunderschöne Frau.
Sie hatte ein Kleid an, so ein enges, schwarzes – richtig sexy. Das fing sie dann an auszuziehen. Na ja, sauber war es nicht mehr nach der Aktion. Aber sie bekam es nicht auf, und schon wieder wollte sie meine Hilfe. Mir wurde wärmer.
Aber ich bin ein Gentleman. Ich habe also geholfen, wenn ich musste, und ihrem Wunsch gern entsprochen, da zu bleiben.
Weißt du, wie wenig man sich so einem hilflos wirkenden Mädchen entziehen kann? Wenn es zugleich die schönste Frau der Welt ist? Das ist sie, ich kann es nun umfassend beurteilen.
Sie zog sich ein Top über (ja, ich gebe zu, ich hab sie wieder angestarrt …) und bestand drauf, dass ich bleibe … rollte sich in meinen Arm, und zack schliefen wir ein.
Das Nächste, was ich mitbekommen habe, war, dass sie mit einer Kaffeetasse, hinter der sie fast nicht zu sehen war, ins Zimmer kam.
Ich musste blinzeln. Es war schon hell, das Fenster weit auf, und es roch nach Kaffee, und irgendwas Fruchtigem. Schätze, sie hatte geduscht.
Krass. Da wache ich bei dieser Frau im Bett auf. Die gar nicht mehr so hilflos und daneben aussieht, sondern nur noch schön. So richtig schön. Die Haare noch nass und die Haut rosig, und ihre Augen funkeln irgendwie interessant. Eine weiße zu große Strickjacke, darunter ein überlanges Shirt, wie ein Kleid. Und dann Beine. Schöne Beine.
Und nun? Den Fürsorglichen braucht sie nicht mehr. Komische Situation.
Ich grinse sie schräg an und irgendwie weiß keiner, was man sagen kann.
Zum Glück bietet sie mir Kaffee an.
Als ich frage, ob es ihr besser geht heute, sagt sie, sie weiß nichts mehr von gestern. Na, das wundert mich nicht …
Wahrscheinlich hat sie viele Fragen, denk ich mir. Sie stellt aber keine. Stattdessen reden wir über das Wetter, und ich schaue ihre CD-Sammlung an. Als der Kaffee leer ist, fällt mir nichts mehr ein.
Ich fühle mich unwohl, die Situation ist total verrückt und ich viel zu gefangen von ihr.
In der Küche liegen Zettel und Stift. Ich ringe mich durch, ihr meine Nummer aufzuschreiben. Natürlich nur, falls noch was ist oder so.
Und dann kommt sie zu mir, stellt sich auf ihre barfuß Zehenspitzen, und küsst mich, kurz, auf den Mund. Und sagt: »Danke für letzte Nacht.«
Jetzt bin ich verwirrt. Warum sagt sie das? Ist ihr doch alles wieder eingefallen? Oder hat sie es gar nicht vergessen? Oder denkt sie, wir waren zusammen im Bett? Na gut, waren wir ja. Aber denkt sie, wir hätten … Puh.
Den ganzen Heimweg über purzelt mein Herz nur so vor Aufregung. Hoffentlich ruft sie an, oder schreibt was. Ich muss sie wiedersehen! Und wieder küssen. Und ihr dann alles erzählen. Damit sie keinen Dreck denkt. Meine Güte. Was mach ich hier?
Das Handy vibriert. Ist sie das schon? Oh. Zehn Nachrichten von Ben, und zwei Anrufe. Ob ich okay bin. Junge, so okay war ich noch nie!
3.
Queen of Rain
Roxette
Ich tagträume aus dem Fenster. Habe ich je was anderes gemacht? Diese Telefonnummer starrt...




