E-Book, Deutsch, 176 Seiten
Braumann Durch Orient und Okzident
2. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9824-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Kunstreisen des Hubert Sattler auf vier Kontinenten
E-Book, Deutsch, 176 Seiten
ISBN: 978-3-6957-9824-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Geb. 14.7.1952 in Köstendorf bei Salzburg, Architekturstudium und Univ. Ass. an der TU Wien; Tätigkeiten in Raumplanung und Raumforschung; Referatsleiter beim Amt der Salzburger Landesregierung; Vorstandsmitglied des Salzburger Stadtvereins. Vielfältige Veröffentlichungen in den Fachgebieten Raumordnung und Geschichte des Städtebaues, Bearbeitung und Publikation von Biographien und Reiseberichten historischer Persönlichkeiten.
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3. Die große Ausstellungsreise
Am 20. Mai 1829 veröffentlichte Johann Michael Sattler in der seinen Dank an die Salzburger Bevölkerung für das überwältigende Interesse am Panorama. Zugleich kündigte er dabei seine bevorstehende an, auf welcher er das Panorama der Stadt Salzburg in anderen Städten ausstellen wolle. Sollte er dadurch veranlassen – also zu einer Reise nach Salzburg – und auf diese Weise , so wäre dies der schönste Lohn für seine Bemühungen.27 Touristische Werbung war schon damals ein bedeutendes Argument!
In der Folge wurde das zusammengerollte Panorama, das rund drei Zentner wog [über 150 kg], und ebenso der zerlegte Ausstellungspavillon auf Pferdewagen verladen. Johann Michael Sattler machte sich damit in Begleitung seiner Frau, der Tochter Marie und des Gehilfen Sebastian Großdeßner auf den Weg nach München.28 Die bayerische Hauptstadt hatte sich seit Beginn des 19. Jahrhunderts zu einem kulturellen Zentrum entwickelt; besonders der seit 1825 regierende König Ludwig I. förderte den Ausbau Münchens zu einer Stadt der Künste.29 Deshalb durfte Sattler dort auf ein interessiertes Publikum hoffen. Er baute den Panoramapavillon mit mehreren örtlichen Helfern vor dem Karlstor auf, benachbart zu einem Zirkus und verschiedenen Schaustellern. Die Ausstellung erfuhr bald großen Publikumszuspruch und erhielt positive Zeitungsmeldungen. Sogar König Ludwig I. besichtigte das Panorama und lobte es in höchsten Tönen.
Nach drei Monaten in München reiste Johann Michael Sattler mit seinem Panorama weiter. Das nächste Ziel war Linz, wobei er einen Teil der Strecke dorthin möglicherweise zu Schiff auf der Donau zurücklegte. Denn die sperrigen Einzelteile des Pavillons waren sicherlich auf dem Wasserweg leichter transportierbar. Die oberösterreichische
Landeshauptstadt war zu dieser Zeit oberster Verwaltungssitz auch für das Land Salzburg, das ja seit 1816 als „Salzachkreis“ dem Erzherzogtum Österreich ob der Enns angegliedert war. Sattler blieb mit seinem Ausstellungspavillon den ganzen Winter über in Linz. Durch mehrmaligen Wechsel der Bilder in der trachtete er das Interesse der Bevölkerung aufrechtzuerhalten.
Im März 1830 reiste Sattler auf der Donau schließlich weiter nach Wien. Dort konnte er seinen Pavillon auf der Biberbastei am Donaukanal im Bereich des heutigen Franz-Josefs-Kais aufbauen. Bald lobte die Wiener Presse das ausgestellte Panorama in höchsten Tönen, was zu einem großen Publikumsandrang führte. Am 22. April 1830 besichtigte sogar Kaiser Franz I. die Ausstellung30 und betonte sein über das Panorama der Stadt Salzburg!
Von Wien ging die Ausstellungsreise Anfang 1831 weiter nach Brünn, dem Zentrum Mährens. Im Sommer baute Sattler dann sein Ausstellungsgebäude in Prag am Josephsplatz auf. Erneut meldete die Presse einen regen Besuch des Panoramas und der . Für deren Gemälde verwendete Johann Michael Sattler hier im Übrigen erstmals die Bezeichnung Mit diesem Begriff wurden damals einerseits in der Presse interessante Mitteilungen aus aller Welt bezeichnet; andererseits verstand man darunter
Der geplanten Fortsetzung der Reise stellte sich allerdings ein unerwartetes Hindernis entgegen – eine bisher unbekannte ansteckende Krankheit, die „asiatische Brechruhr“ oder Cholera. Von Indien ausgehend hatte die Choleraepidemie 1830 Galizien erreicht, sie brach im September 1831 in Wien aus und gelangte gegen Jahresende 1831 nach Prag. Die Cholerabakterien verbreiteten sich über Abwässer im Grundwasser, was Brunnen und Trinkwasser verseuchte und so zu neuen Ansteckungen führte.33 Die Seuche forderte schrecklichen Tribut, fast zwei Drittel der Erkrankten verstarben! Wie überall wurden auch in Prag von den Behörden strenge – Verordnungen (Quarantänebestimmungen) und Reisebeschränkungen zur Eindämmung der Ausbreitung der Krankheit verfügt. Wohl oder übel musste Johann Michael Sattler mit seiner Frau und seiner Tochter daher vorerst in Prag bleiben, wohin auf seinen Wunsch auch Sohn Hubert nachgekommen war. Glücklicherweise erkrankte niemand aus der Familie an Cholera.
Erst im Juli 1832 konnten die Sattlers mit ihrer Ausstellung weiterreisen. Nun ging es nach Dresden, der Hauptstadt des Königreichs Sachsen. Dresden zählte zu dieser Zeit mit seinen 100.000 Einwohnern zu den größten deutschen Städten. Nachdem Sachsen im Jahr 1831 eine fortschrittliche Verfassung erhalten hatte, befand sich das Land zudem im Aufstieg zu einer führenden Wirtschaftsnation in Mitteleuropa. Dies versprach für Sattlers Panorama ein zahlreiches Publikum. Im Oktober 1832 ging es dann weiter per Schiff auf der Elbe nach Magdeburg in Preußen, wo erst vor kurzem die Choleraepidemie erloschen war. Im Jahr 1833 kehrte Sattler nochmals in das Königreich Sachsen zurück, diesmal nach Leipzig, um hier seine Ausstellung zu zeigen. Vielleicht war es die schon damals bestehende Leipziger Messe, die auf viele Besucher des Panoramas hoffen ließ?
Das kleinräumige Nebeneinander verschiedener Königreiche wirft im Übrigen ein Schlaglicht auf die politische Fragmentierung Deutschlands nach den Napoleonischen Kriegen.34 Doch für einen Schausteller – als der Johann Michael Sattler ja unterwegs war – bedeutete diese Situation sogar einen Vorteil, denn damit waren zwischen einzelnen Hauptstädten keine langen Reisen nötig!
Nächste Station war die preußische Hauptstadt Berlin. Sie hatte nach dem Ende der Koalitionskriege gegen Frankreich einen starken Bevölkerungszuzug sowie ein beträchtliches Wirtschaftswachstum erfahren. Unter König Friedrich Wilhelm III. war sie zudem zu einer repräsentativen Residenzstadt ausgestaltet worden. Vor allem die Bauten von Friedrich Wilhelm Schinkel prägten das klassizistische Stadtbild.35 In dieser wirtschaftlichen und kulturellen Aufbauperiode wurde das am Gendarmenmarkt ausgestellte Salzburg – Panorama begeistert aufgenommen, wie die am 21. Juni 1833 berichteten. Sogar die in Wien druckte Anfang Juli den Beitrag eines Berliner Korrespondenten ab, der in höchsten Tönen die des Panoramas lobte.36 Diese Begeisterung schlug sich auch in offiziellen Ehrungen für Johann Michael Sattler nieder: Er erhielt den Titel eines „Professors“ sowie als besondere Anerkennung von König Friedrich Wilhelm III. höchstselbst die große goldene Medaille für Kunst und Wissenschaft37 verliehen!
Noch im selben Jahr reisten die Sattlers weiter zu Wasser auf der Elbe nach Hamburg. Neben Bremen war Hamburg der wichtigste deutsche Seehafen und hatte bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts über 100.000 Einwohner. Der mittlerweile sechzehn Jahre alte Sohn Hubert begann inzwischen selbst Reiseskizzen anzufertigen: In Form von aquarellierten Tuschefeder- und Bleistiftzeichnungen hielt er etwa den Hamburger Hafen und den Neuen Markt mit dem Sattlerschen Ausstellungspavillon fest.38 Die Reise mit dem Salzburg – Panorama führte im folgenden Jahr 1834 weiter in die dänische Hauptstadt Kopenhagen. Bald darauf setzten die Sattlers nach Göteborg in Südschweden über, und in der Folge erreichten sie die norwegische Hauptstadt Christiania, das heutige Oslo. Auch hier dürfte die Ausstellung des Panoramas der Stadt Salzburg großen Eindruck gemacht haben, denn Johann Michael Sattler erhielt das Diplom eines „Freien Bürgers der skandinavischen Halbinsel.“39
Hubert Sattler entwickelte in dieser Zeit bereits größere Selbstständigkeit als Landschaftsmaler, zweifellos angeregt durch die großartige norwegische Naturlandschaft – obwohl er selbst in seiner „Kurzbiographie“ seinen ersten Aufenthalt in Norwegen kaum erwähnt.40 Schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts war Norwegen ja Ziel von Künstlern der Romantik, die seine Gebirge, Wasserfälle und Fjorde in ihren Zeichnungen und Gemälden festhielten und so die europäische Kulturwelt mit der dramatischen Qualität von Norwegens Landschaften bekannt machten. Anfangs suchte Hubert Sattler seine Motive in der Umgebung von Christiania: So hielt...




