E-Book, Deutsch, 255 Seiten
Braun Legal - illegal... Mir egal
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-95849-463-3
Verlag: Brandenburg-Buch 2015
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, 255 Seiten
ISBN: 978-3-95849-463-3
Verlag: Brandenburg-Buch 2015
Format: EPUB
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meine guten geschäfte zwischen ost und west. als frührentner zu zeiten der ddr konnte ich im alter von 30 jahren in den westen reisen. der zufall half und das schicksal nahm seinen lauf. es entwickelten sich abenteuerliche begebenheiten, offizieller und vor allem inoffizieller handel zwischen ost und west. 10 aufregende jahre immer mit einem bein im stasi knast.
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VERMITTLER ZWISCHEN OST UND WEST
Seit meiner Urlaubsreise mit dem Wartburg war schon wieder fast ein Jahr ins Land gegangen. Ab und an hatte ich bei Wendt zu tun mit Filmerei oder Arbeiten an seinen Fahrzeugen. In der Zwischenzeit ergaben sich aber noch andere Möglichkeiten. Beim Filmdreh mit Autos arbeitete ich seit kurzem auch für einen Herrn Groß. Wir lernten uns beim Dreh kennen. Der Herr Groß war ein ausgesprochen kleiner, älterer Mann, der zusammen mit seinem Sohn genau wie Wendt Autos für Filmaufnahmen bereitstellte. Am Dreh sprach er mich an, ob ich Zeit und Lust hätte, auch für ihn zu arbeiten. So ergaben sich weitere Möglichkeiten für mich, gutes Geld zu verdienen. Groß zahlte auch ganz anders, sehr viel ehrlicher. Wenn er mir am Tag zusammen mit einer Sprechszene 150 DM versprach, dann zahlte er mir auch genau diese Summe aus.
In der Zusammenarbeit mit Wendt gab es ebenfalls eine Neue-rung. Seit einiger Zeit verdiente ich auch im Osten, also bei mir zu Hause Westgeld. Das kam so; er brauchte dringend ein bestimmtes Ersatzteil für eines seiner Autos genauso wie die schon beschriebene Kupplungsscheibe. Nämlich einen Starter für seinen kleinen Opel Blitz. Ein Dreivierteltonner LKW Baujahr 1939. Ich versprach, mich im Osten umzusehen. Gleich am nächsten Tag setzte ich eine Annonce in die „Neue Zeit“. Eine Woche später stand sie drin und wenige Tage drauf fuhr ich nach Cottbus. Es war genau der Starter, den ich brauchte. Er wurde von mir gut bezahlt, und drei Tage später baute ich ihn in den Opel ein. Das war praktisch mein Einstand für weitere Geschäfte für Wendt im Osten. Bald ging es nicht mehr um Kleinigkeiten. Wendt hatte Blut geleckt, er wollte mehr. Ich sollte im Osten auf Fahrzeugsuche gehen. Das heißt, er sagte was er gerne hätte und ich versuchte es zu finden und käuflich zu erwerben. Da traten aber sofort einige wichtige Fragen auf. Ich saß bei Wendt im Büro, und wir diskutierten über unser gemeinsames Vorhaben. Da ging es z.B. um die Bezahlung für gekaufte Objekte im Osten.
„Wie sollen wir das handhaben?”
„Das ist überhaupt kein Problem, ich komme rüber und bringe das Ostgeld mit.”
„O.k. und dann? Wenn ich jetzt ein Fahrzeug aufgetrieben habe, wie kommt es in den Westen?”
„Ich habe das schon mal vor einigen Jahren gemacht. Es gibt in Ostberlin eine Firma, die genau auf solche Geschäfte spezia-lisiert ist.”
„Was es alles gibt und wo soll das Teil derweil stehen?”
„Immer langsam, erst mal schauen, ob überhaupt was zu bekommen ist. Dann machen wir uns die nächsten Gedanken.” Ich schaute etwas ungläubig, war aber neugierig, wie das laufen würde.
„Haben Sie denn schon etwas Spezielles im Auge?”, wollte ich von Wendt wissen.
„Eigentlich alles was alt ist und am liebsten vom Militär.”
„Na, das ist doch mal eine Aussage, da werde ich mich umschauen, vielleicht ergibt sich was.” Spätestens ab dann las ich die Fahrzeuganzeigen noch gründlicher in den Ostzeitungen. Die meisten standen sowieso in der „Neuen Zeit“, und die hatten ich und Karl schon lange abonniert. Karl schilderte ich mein Gespräch mit Wendt und machte ihn auch scharf, nach aus-gefallenden Fahrzeugen in der Zeitung zu schauen.
„Im Übrigen, was macht dein Rentenantrag?”, wollte ich von Karl wissen.
„Du wirst lachen, meine junge Ärztin will ihn sehr bald schreiben.”
„Na endlich, wird aber auch Zeit. Im Westen ist so viel zu tun. Du könntest sofort loslegen.” Er merkte, ich meinte es ernst und wollte sich gleich nächste Woche kümmern.
Es dauerte überhaupt nicht lange, da fiel mir eine Anzeige ins Auge. Es wollte jemand aus der Gegend von Halle ein altes DDR Motorrad verkaufen. Eine BK 350 ccm, so eine Maschine hatte vor vielen Jahren mein Bruder. Ich kannte diesen Typ, es handelte sich um en BMW Nachbau, auch mit Kardanantrieb aber auf Zweitakterbasis. Im Westen war so ein Motorrad völlig unbekannt. Nachdem Wendt davon erfahren hatte, war er Feuer und Flamme. Es gab bei ihm im Depot schon eine MZ, aber eine BK natürlich noch nicht. Ich schrieb den Motorradverkäufer eine Postkarte, und zwei Wochen später fuhr ich mit Karl zusammen Richtung Halle. Hinterm Wartburg hing unser Hänger, um das Gerät gleich mitzunehmen. Die Preisverhandlungen verliefen etwas zäh. Er wollte 2.000 Mark für die BK. Das war auch durch Wendt abgesegnet. Aber die Mühle war nicht im besten Zustand, und ich wollte keine 2.000 Mark geben. Am Motorrad fand ich noch so manche kleine Macken und außerdem merkte ich, dass mein Gegenüber das Teil unbedingt loswerden wollte. Karl schüttelte seinen Kopf und flüsterte:
”Gib ihm doch die Zweitausend, dann ist Ruhe.” Davon wollte ich nichts wissen. Ich kaufte immer so, als wenn es für mich per-sönlich wäre. Außerdem, handeln gehörte nun mal dazu. Zum Schluss bezahlte ich 1.300 Mark und wir luden das gute Stück auf. Papiere und Kaufvertrag wurden überreicht und wir summten mit unserer ersten Trophäe gen Heimat. Das Motorrad stellte ich in meiner Garage so lange unter. Mir war immer noch schleierhaft, wie das gehen sollte, wenn noch mehr dazu kommen würde. Karl erst, der wollte von dieser Schiene gar nichts wissen. Er half mir, bekam 5 DM pro Stunde und alles andere ging ihn nichts an. Zumindest zu Anfang, später legte auch er jegliche Skrupel ab.
Eines Abends klingelte es kurz, und in derselben Sekunde stand Karl bei uns in der Veranda. So war's bei Karl immer, egal in welcher Situation man sich befand, er stand im Zimmer ohne auf ein „Herein“ zu warten.
„Was ist los?”, wollten ich und Susanne wissen. Mit einer
gekonnten Handbewegung knallte er einen DDR-Reisepass auf unseren Tisch.
„Ist das deiner?”, fragte ich völlig verdattert.
„Das ist meiner, den habe ich seit gestern in der Tasche.”
„Du Armleuchter, vorige Woche hast du mir noch erzählt, deine Doktersche wäre noch beim Schreiben.”
„Ich wollte nichts sagen, so lange nicht klar war, dass es auch wirklich mit dem Pass klappt. Es hat geklappt und nun kann es richtig losgehen.”
„Das kannste aber glauben! Wenn du willst, dann fahren wir übermorgen mit meinem Auto rüber. Es liegt Arbeit an, ohne Ende. Und du verdienst dir auch gleich die ersten Märker im Westen.”
AB JETZT ZU ZWEIT
Zum abgemachten Zeitpunkt fuhr ich los, um Karl ab zu holen. Er stand schon vor seinem Grundstück und lauerte auf mich.
„Haste alles dabei, Pass, olle Hose und was zu essen?”
„Ich hab alles, fahr endlich los. Warte schon 'ne viertel Stunde, nie bist du pünktlich.”
„Kommst schon noch früh genug zum Klassenfeind.” Der Käfer heulte auf und brummte vorwärts. Als wir in der kurzen Schlange vor dem Grenzkontrollpunkt standen, meinte ich zu Karl:
”Mal sehen, was die heute sagen.”
„Wieso, was sollen sie denn sagen?”
„Na, bis jetzt bin ich immer nur alleine rüber gefahren.”
„Meinst du die kennen dich schon?”
„Darauf kannst du einen lassen.” Wir waren dran, wie üblich, erst mal die Pässe zeigen. Der Grenzer haute mit unseren schönen Büchlein ab und kam ewig nicht wieder.
„Siehst du, es geht schon an der ersten Kontrolle los.”
„Wieso?”
„Na weil das bei mir schon ewig nicht mehr so lange gedauert hat.” Dann kam er aber doch noch und reichte uns unsere Pässe durch die Scheibe. Nun weiter zum Zoll, ich war gespannt. Es ging los mit dem üblichen Türen und Klappen öffnen. Dazu brauchte mich keiner mehr aufzufordern. Wir standen nun beide neben meinem Auto und der Zöllner kramte in demselben herum. Nach ein paar Minuten durfte ich wieder einsteigen. Karl aber sollte dem Zollbeamten folgen. Zusammen mit seiner Tasche ver-schwanden sie in der seitlichen Baracke. Abgesprochen war alles zwischen uns, wir fahren zu meiner Tante und helfen ihr beim Renovieren. Zu essen haben wir dabei, weil wir Tantchen keine Umstände machen wollten. Erst nach gut 20 Minuten erschien
Karl. Er stieg ein und grinste, aber so, dass kein anderer außer ich es sehen konnte.
„Hast du alles? Können wir endlich los?”
„Von mir aus, ich habe alles.” Ich schaute mich um, sah aber niemanden, der sich um uns kümmern wollte. Na dann nicht, ich startete meinen Boliden und fuhr langsam an. Daraufhin stürzte der Zöllner von vorhin aus der Barackentür. Also beobachteten sie uns doch. Bevor er seinen Mund aufmachte, fragte ich ihn, ob wir jetzt fahren könnten. Fahren Sie, waren seine zwei Worte die er uns gönnte. Nachdem ich in den zweiten Gang geschaltet hatte, waren wir auch schon im Westen. Karl war mucksmäuschenstill und schaute nur. Nach knapp 4 km erreichten wir unser Ziel. Wendt hatte einen S-Bahnbogen als Werkstatt, in dem ich schon des Öfteren zu tun hatte. Nun zeigte ich meinem Kumpel die Stätte unserer gemeinsamen Freizeitbeschäftigung. Eine richtige Werkstatt, so wie wir sie verstanden, war der S-Bahn Bogen nicht. Alles war vollgemöhlt mit den unmöglichsten Sachen. Teilweise mit Folien abgedeckt oder einfach so rum liegendes Werkzeug.
„Wie sollen wir da arbeiten?”, wollte Karl wissen. „Nach jedem Schraubenschlüssel suchst du doch erst 'ne Stunde in diesem Chaos.”
„Ruhig Blut mein Lieber, du weißt doch noch gar nicht, was wir hier anstellen sollen.”
„Na, dann mal raus mit der Sprache.”
„Genau, raus gehen wir erst mal, weil wir den LKW, der da vorn auf der Straße steht, rein fahren müssen.”
„Was denn, diesen riesigen Autotransporter?“
„Genau, mit ihm werden wir...




