Braun | Schilddrüse im Gleichgewicht | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 196 Seiten

Reihe: TRIAS

Braun Schilddrüse im Gleichgewicht

Hashimoto, Schilddrüsenunterfunktion & Co.: Hormonchaos, Stimmungsschwankungen, Übergewicht und Zyklusstörungen in den Griff bekommen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-432-11990-8
Verlag: Enke
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Hashimoto, Schilddrüsenunterfunktion & Co.: Hormonchaos, Stimmungsschwankungen, Übergewicht und Zyklusstörungen in den Griff bekommen

E-Book, Deutsch, 196 Seiten

Reihe: TRIAS

ISBN: 978-3-432-11990-8
Verlag: Enke
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Kleines Organ – große Wirkung!

Eine gesunde Schilddrüse in Balance ist das A und O für einen guten Stoffwechsel, für mehr Energie, einen beschwerdefreien Zyklus und Fruchtbarkeit sowie für Verdauung und Gewicht. Oft wird nicht erkannt, dass viele Beschwerden ihre eigentliche Ursache in diesem kleinen, aber so wichtigen Organ haben. Dr. Braun führte viele Jahre eine Schilddrüsenpraxis und hat als Nuklearmediziner stets den ganzen Körper im Blick. Auf Basis seiner eigenen langjährigen Erfahrungen und neuester Studien sieht er Zusammenhänge, auf die es wirklich ankommt. Wenn Sie fundierte Antworten und passende Lösungen zur Linderung Ihrer Beschwerden suchen, hilft Ihnen dieses Buch weiter – Aha-Erlebnisse inklusive.

  • Taktgeber Schilddrüse: Wie sie mit anderen Hormondrüsen wie Nebennieren oder Eierstöcken sowie mit dem vegetativen Nervensystem zusammenarbeitet und welche Auswirkungen Hashimoto, Unter- oder Überfunktion, heiße Knoten oder eine Struma haben.
  • Diagnose & Therapie: Welche Untersuchungen sind sinnvoll und welche Fragen stelle ich beim Arzt? Welche Laborwerte sind wirklich wichtig und was sagen diese aus? Hilfreiches Wissen zu Medikamenten und Verfahren und die aktuelle Studienlage zu natürlichen Hilfen wie Schwarzkümmel, Ashwaganda, Rosenwurz.
  • Ernährung, Mikrobiom, Mikronährstoffe: Erfahren Sie, welche Möglichkeiten Sie mit einer antientzündlichen Ernährung haben und wie eine starke Darmflora Ihnen hilft. Entdecken Sie, welche Rolle spielen Selen, Jod und Vitamin D spielen.

Für alle, die es genauer wissen und endlich Hilfe finden wollen!

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Zielgruppe


Gesundheitsinteressierte


Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Wie die Schilddrüse funktioniert


Als Energiezentrale unseres gesamten Körpers steuert die Schilddrüse unseren kompletten Stoffwechsel und beeinflusst zahlreiche Körperfunktionen.

»Hab ich Schilddrüse?« Diese Frage analog zu »Ich habe Rücken« habe ich während meiner Praxisjahre oft gehört. Klar, die Antwort ist ein eindeutiges Ja! Nur eines von 30 000 Neugeborenen wird tatsächlich ohne Schilddrüse geboren, wir nennen diesen Zustand Athyreose. Diese führt zu einer schweren Unterfunktion der Schilddrüse, einer Hypothyreose, das Neugeborene kann sich geistig und körperlich nicht richtig entwickeln, bleibt im Wachstum zurück.

Denn die Schilddrüse ist eine überaus wichtige Hormondrüse, die zahlreiche Vorgänge im Körper steuert, allem voran den Stoffwechsel. Wenn sie gut funktioniert, sorgt sie dafür, dass wir immer genau die Energie zur Verfügung haben, die wir benötigen, um morgens nach dem Aufstehen gleich in die Gänge zu kommen und voller Energie und Tatkraft aus dem Bett zu springen; arbeitet sie zu träge, sind wir schon am frühen Nachmittag müde und lustlos und können nur noch mühsam die Aufgaben des Tages bewältigen.

Funktioniert die Schilddrüse nicht so, wie sie soll, hat dies verschiedene Beschwerden und Erkrankungen zur Folge. Produziert die Schilddrüse bei einer Überfunktion zu viele Hormone, kann sich dies unter anderem in Nervosität, Reizbarkeit, Schlafstörungen, Gewichtsverlust oder Durchfall äußern. Eine Unterfunktion der Schilddrüse, wenn sie also zu wenig Hormone bildet, kann Symptome wie Müdigkeit, Schwäche, Gewichtszunahme, Konzentrationsstörungen bis hin zu Depressionen verursachen.

Der Schmetterling im Hals


Die Schilddrüse befindet sich in der Mitte des Halses unterhalb des Kehlkopfs. Sie besteht aus zwei Schilddrüsenlappen, die sich rechts und links von der Luftröhre befinden, und einem Verbindungsstück, dem Isthmus. Ihre Form erinnert an einen Schmetterling, manchmal ist sie auch hufeisenförmig. Medizinisch wird sie als Glandula thyreoidea oder kurz Thyreoidea bezeichnet.

Die Schilddrüsenzellen, die Thyreozyten, haben sich zu kleinen Kügelchen oder auch Bläschen zusammengeschlossen, den Schilddrüsenfollikeln. So können sie mehr leisten und sind besser vor Einflüssen aus der Umgebung geschützt. In den Follikeln ist das Schilddrüsenhormon in Form des Eiweißstoffes Kolloid gespeichert. Das Kolloid ist zähflüssig wie Honig.

Die Thyreozyten sind zuständig für die Produktion der Schilddrüsenhormone. Dazu benötigen sie Jod und die Aminosäure Tyrosin.

Die Anatomie der Schilddrüse

Schilddrüsenfollikel

So gelangt das Jod zur Schilddrüse


Stellen sie sich vor, Sie essen ein leckeres Fischbrötchen. Sie beißen genüsslich ab, kauen gründlich und schlucken das Stück Brötchen und Fisch hinunter. Über die Speiseröhre gelangt es in den Magen und wandert weiter in den Dünndarm. Dort wird das darin enthaltene Jod über die Schleimhaut aufgenommen und gelangt in die Blutbahn. Es wandert über die Venen des Darms und die untere Hohlvene zum Herzen und wird über die Schlagadern weitertransportiert zur Schilddrüse, wo die Schilddrüsenzellen schon bereitstehen, um die kostbare Fracht in Empfang zu nehmen und die Ladung zu löschen.

Das ist jedoch nicht so einfach, denn dazu muss das Jod aus dem Blutstrom entfernt und über die äußere Wand der Schilddrüsenzelle in das Zellinnere geschleust werden. Das ähnelt dem Vorgang an einem Kanal mit seinem Schleusensystem, wo, z. B. im Panamakanal, die Schiffe, die ihn benutzen, um etwa dreißig Meter angehoben werden müssen. Das kostet natürlich einiges an Energie.

So entwickelt sich die Schilddrüse im Embryo

Die Schilddrüse beginnt sich bereits in der vierten Schwangerschaftswoche zu entwickeln. Gegen Ende des ersten Schwangerschaftsmonats ist sie in der Lage, einen wichtigen Eiweißstoff, das Thyreoglobulin, zu produzieren.

Mit der Produktion von Schilddrüsenhormonen hat es der Embryo dagegen nicht so eilig. Erst am Ende der ersten 3 Schwangerschaftsmonate, wenn die Organentwicklung abgeschlossen ist, ist auch die fetale Schilddrüse bereit, ihrer Hauptaufgabe nachzukommen: der Synthese von Schilddrüsenhormonen. Bis dahin hat die Mutter über die Plazenta das kleine Wesen mit Schilddrüsenhormonen versorgt.

Nach 3 Monaten der Embryonalentwicklung ist das Wichtigste geschafft, was die Schilddrüse betrifft. Die restlichen 6 Monate steht der Embryo auf eigenen Beinen – natürlich nur im übertragenen Sinne. Wir verlassen uns als Beobachter darauf, dass die zukünftigen Mamas sorgsam auf ihre Schilddrüsengesundheit achten. Was Sie als Leserin, falls Sie betroffen sind, dafür tun können, erfahren Sie ? später.

Natrium-Iodid-Symporter – ein Schleppkahn


Die Leistung, welche die Schilddrüsenzelle vollbringt, um Jod sozusagen bergauf zu transportieren, ist größenordnungsmäßig damit zu vergleichen: Jod wird, in der Fachsprache ausgedrückt, gegen ein Konzentrationsgefälle von etwa 1:30 aus dem Blut ins Zellinnere geschafft. Im Klartext: Der Jodgehalt der Schilddrüse ist 30-mal so hoch wie der Jodgehalt des Blutes.

Dafür steht ein Schleppkahn bereit, der sein Frachtgut, das Jodid, durch die Schleuse transportiert: der Natrium-Iodid-Symporter. Dieser fungiert als Transportprotein und befördert jeweils ein Jodid-Ion zusammen mit zwei Natrium-Ionen. Ionen sind geladene Teilchen, die entweder positiv oder negativ geladen sind. Das Jodid-Ion ist negativ geladen, das Natrium-Ion positiv. Die beiden ergänzen sich ganz gut.

Eine weitere Kleinigkeit: Jodid wird oxidiert durch das Enzym TPO, die thyreoidale Peroxidase. Für einen kurzen Moment entsteht dabei Wasserstoffsuperoxid, ein hochtoxisches Zellgift, das sofort, fast noch im Augenblick des Entstehens, unschädlich gemacht wird. Dabei ist Selen, eingebaut in das Enzym Glutathionperoxidase, im Spiel. Auf Selen und seine Bedeutung für die Schilddrüse wird in einem ? späteren Kapitel genauer eingegangen.

Jod vs. Jodid

Das Element Jod wird als Jodid bezeichnet, wenn es sich in Form von Jodwasserstoff z. B. mit Natrium oder Kalium zu einem Salz verbunden hat. Die Reaktion zwischen Natronlauge und der Säure Jodwasserstoff ergibt demzufolge das Salz Natriumjodid.

Pendrin – das Schnellboot


Jodid ist also glücklich im Inneren der Schilddrüsenzelle, des Thyreozyten, angelangt. Dort kann es sich allerdings nicht gemütlich niederlassen: Es wird sofort von Pendrin, einem weiteren speziellen Transportprotein, durch die Auskleidung der Thyreozyten in das Innere des Schilddrüsenfollikels, das sogenannte Lumen, befördert. Jodid hat somit zwei Hürden oder, um im Bilde zu bleiben, zwei Schleusen zu überwinden.

Die Produktion der Hormone


Das Jod ist zur Stelle. Damit die Schilddrüse ihre Hormone produzieren kann, braucht sie noch einen zweiten Baustein: die Aminosäure Tyrosin. Davon ist im Allgemeinen ausreichend im Körper vorhanden.

Der Startschuss kommt von oben


Alle Baumaterialien stehen bereit, nun kann’s losgehen. Dazu bedarf es eines Impulses von der Hypophyse, der Hirnanhangsdrüse, die hinter der Nasenwurzel und den Augen gut geschützt in der Schädelbasis sitzt. Der Hypophyse übergeordnet ist der Hypothalamus, ein Abschnitt des Zwischenhirns, der unter anderem mit dem limbischen System in Verbindung steht.

Wenn die Konzentration der Schilddrüsenhormone in den Geweben abgesunken ist, schüttet die Hypophyse das Thyreoidea-stimulierende Hormon (TSH) aus. Es gelangt über das Blut an die Oberfläche der Schilddrüsenzellen, wo es an einen Rezeptor, den TSH-Rezeptor, andockt. Dadurch wird der Aufbau der Schilddrüsenhormone angeregt: aus 3–4 Jodatomen und Tyrosin. Die Schilddrüsenhormone werden im Follikel am Thyreoglobulin zusammengebaut und gespeichert.

Der Schilddrüsenregelkreis

Thyreoglobulin (Tg)

Thyreoglobulin, abgekürzt Tg, ist die Speicherform der Schilddrüsenhormone. Dieses Eiweiß wird in der Schilddrüse gebildet, es bindet die Schilddrüsenhormone L-Thyroxin (T4) und T3 und speichert sie auf diese Weise. Im Bedarfsfall spalten sich die Hormone wieder vom Thyreoglobulin ab und können dann ins Blut abgegeben werden und in den Organen ihre Aufgaben erfüllen.

Die Schilddrüse ist die einzige Hormondrüse, die ihre Produkte, die Schilddrüsenhormone, in größeren Mengen speichert, für Notzeiten sozusagen. Die Vorräte der Schilddrüse an Hormonen würden, selbst wenn die Produktion zum Stocken käme, mehrere Monate reichen. Beruhigend zu wissen …

Lego mit Molekülen


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Dr. med. Wolfgang Braun ist Nuklearmediziner und Schilddrüsenspezialist. Über viele Jahre führte er eine große auf Schilddrüsenerkrankungen spezialisierte Praxis in Augsburg. Sein tiefgehendes Expertenwissen und seine langjährige Erfahrung mit Betroffenen bilden die Grundlage dieses Ratgebers.



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