Stadtgeschichte
Freiburg ist eine Gründung der Zähringer. Diese stammten vom mittleren Neckar, waren vom 11. bis 13. Jh. neben den Staufern und den Welfen eine der führenden Adelsfamilien im heutigen Baden-Württemberg, brachten es mit dem Silberabbau im Schwarzwald zu beträchtlichem Vermögen und expandierten Richtung Rheintal und Schweiz. Seit 1091 hatten die Zähringer oben auf dem Freiburger Schlossberg eine Burg. Die gemeinhin recht zuverlässigen Annalen des Augustiner-Chorherrenstifts im elsässischen Marbach berichten, noch im gleichen Jahr habe Herzog Bertold II. die Stadt gegründet. Andere meinen, erst Bertolds Sohn Konrad sei es gewesen, der mit Zirkel und Lineal um die Kreuzung des Handelswegs von Basel nach Frankfurt mit der Ost-West-Achse von Breisach ins Höllental eine Stadt planen ließ und ihr 1120 das Markt- und Stadtrecht verlieh.
Freiburg, Stadt zwischen Schwarzwald und Vogesen (im Hintergrund)
1218 starb die Zähringer Hauptlinie aus. Freiburg ging an die Grafen von Urach, die sich später Grafen von Freiburg nannten. Doch Freiburger Bürger und Freiburger Grafen verstanden sich schlecht. Meist ging der Streit ums Geld und darum, wer denn nun das Sagen hatte. Um die ungeliebten Herren loszuwerden, zerstörten die Bürger schließlich die Burg, kauften sich 1368 vom Haus Freiburg frei und unterstellten sich sogleich dem Schutz der Habsburger. Für die nächsten Jahrhunderte bis zur Auflösung des Heiligen Römischen Reiches (1806) gehörte Freiburg damit zu Vorderösterreich. Das hatte Folgen.
Auf der Habenseite steht die Gründung der Universität (1457) durch Erzherzog Albrecht VI. Nach der Rudolphina in Wien war es die zweite Uni in den habsburgischen Landen. Dank der Landesherren blieb Freiburg auch in den Wirren der Reformation der katholischen Sache treu, und die später den Jesuiten übergebene Universität wurde ein Bollwerk des Katholizismus, während die Konkurrenz in Tübingen, Heidelberg und Basel die protestantische Lehre pflegte.
Weniger erfreulich für die Freiburger war, dass sie mit der Zugehörigkeit zu den Habsburgern auch in deren Kriegshändel verwickelt wurden. Im Dreißigjährigen Krieg sank die Bevölkerungszahl nach mehrmals wechselnder Besatzung und den damit verbundenen Plagen von 14.000 auf 2000 Seelen. Danach wurde die Stadt Zankapfel zwischen den Habsburgern und den über den Rhein drängenden Franzosen und gehörte mal den einen, mal den anderen. Mit Napoleons Flurbereinigung kam Freiburg dann zu Baden und wurde bald auch Sitz eines Erzbistums. 1827 konnte der vormalige Münsterpfarrer Bernhard Boll als erster Erzbischof ins Münster einziehen.
Machen wir einen Sprung in die jüngste Vergangenheit. In den 1970er-Jahren wurde die Universitätsstadt im Zuge der Auseinandersetzungen um das bei Wyhl geplante Atomkraftwerk zu einem Zentrum der Alternativkultur und Umweltbewegung. Heute sind diese Kräfte in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Was dem Stuttgarter die Kehrwoche, ist dem Freiburger die Mülltrennung. Mit Dieter Salomon bekam Freiburg als erste deutsche Großstadt ein bündnisgrünes Stadtoberhaupt. Der neue Stadtteil Vauban mit seiner energie- und flächensparenden Bauweise gilt als Vorzeigeprojekt, in der Solarbundesliga steht die Breisgaumetropole in der Spitzengruppe. Als problematisch gelten dagegen Freiburgs öffentliche Finanzen. Wenig Industrie, viele Studierende und viele schlecht bezahlte Beschäftigte des öffentlichen Dienstes sorgen für geringe Steuereinnahmen und eine fürs Musterländle außergewöhnlich hohe Verschuldung, welche die Stadtspitze auch mit Verzweiflungstaten wie dem Verkauf der städtischen Wohnungen und der Schließung von Museen in den Griff zu bekommen versuchte.
Münster und Münsterplatz
Freiburgs kompakte Altstadt entdeckt man bequem zu Fuß. Zwar beginnen die meisten Stadtführungen am Rathaus, doch wir begeben uns gleich mitten hinein ins Zentrum der Stadt, zum Münster Unserer Lieben Frau, dessen 116 m hoher Turm noch immer die gesamte Stadt überragt. Es kommt einem Wunder gleich, dass dieser schon im Mittelalter vollendete Turm die Wirren der Zeiten und damit auch die Bomben von 1944/45 überstanden hat.
Baugeschichte
Schon in den frühen Jahren der Stadt stifteten die Zähringer an der Stelle des heutigen Münsters ein Gotteshaus. Anhand des im Boden gefundenen Grundrisses und einzelner noch erhaltener Skulpturen, z. B. eines jetzt im Augustinermuseum ausgestellten Löwen oder des Tympanons im Südportal, wird dieses Münster I noch ins 11. Jh. datiert. Der letzte Zähringerherzog Bertold V. (reg. 1186-1218) ließ diese Kirche nach dem Vorbild des Basler Münsters erneuern und vergrößern. Bis zu Bertolds Tod waren das bis heute erhaltene spätromanische Querschiff mit der Vierungskuppel sowie ein Chor fertiggestellt. Die neuen Stadtherren, die Grafen von Urach, brachten auch einen neuen Stil. Statt nach Basel blickte man nun nach Straßburg und übernahm von dort die Formensprache der
französischen Gotik. Dieser gemäß entstanden Langhaus und Turm. Der bekam 1258 mit der drei Tonnen schweren „Hosanna“ seine erste Glocke, die seit eh und je freitags um elf geläutet wird und deshalb auch „Knöpfleglocke“ heißt, denn dann stellt die gute Hausfrau das Wasser für die Knöpfle auf den Herd. Die fünfzehn anderen Glocken des heutigen Münstergeläuts wurden erst 1959 geweiht.
Während viele große Kirchen des Mittelalters erst Jahrhunderte später vollendet wurden, war das Freiburger Münster mitsamt dem üppigen Skulpturenschmuck der Fassade und den prächtigen Wasserspeiern bereits um die Mitte des 13. Jh. fertig. Besonders bewunderten die Zeitgenossen den Turm mit seinem filigranen Maßwerk. Der Basler Kunsthistoriker Carl Jakob Burckhardt (1818-1897) nannte ihn gar den „schönsten Turm auf Erden“. Gut getarnte Bleianker halten die Konstruktion zusammen. Die Bürgerschaft, die inzwischen vom Landesherrn die Verantwortung für das Gotteshaus übernommen hatte, hätte es nun dabei bewenden lassen und sich ihres Meisterwerks erfreuen können. Doch da war noch der spätromanisch antiquierte Chor. Größer, schöner und moderner sollte er werden, und so engagierte der Rat den Baumeister Johannes von Gmünd aus der Architektendynastie der Parler für einen Neubau mit Chorumgang. Nach einem frühen Modell von VIP-Logen konnten die reichen Familien der Stadt die Fenster und die Kapellen im Chor stiften und sich damit hier einen privaten Andachtsraum mit Grablege sichern. Aus Geldmangel schleppte sich das ambitionierte Projekt dahin. Erst 1513 konnte der neue Chor geweiht werden. Vom Turm aus sieht man, dass seine Achse ein paar Grad von der des Langschiffs abweicht. Mit einer Renaissance-Vorhalle (1620) am Südportal wurde der Bau im Wesentlichen abgeschlossen.
Ausstattung
Schon das Hauptportal und die Vorhalle überwältigen mit der Fülle und Farbenpracht ihrer Figuren. Hauptthemen des Tympanons sind das Leben Christi und das Weltgericht. In der Mitte der unteren Reihe greift bei der Seelenwaage ein Teufelchen nach der für zu leicht befundenen Seele. Darüber frohlocken links vom Gekreuzigten die Erlösten und werden rechts die Verdammten in Ketten dem Höllenschlund zugeführt. Auch die Seitenwände der Vorhalle mahnen die Kirchgänger zu einem frommen Leben: so das dankbare, weil leicht zu erkennende „Gleichnis von den klugen und törichten Jungfrauen“, wobei die fünf klugen mit ihren erhobenen Lampen zur Linken stehen und die nachlässigen gegenüber. An der Nordwestwand reicht der „Fürst der Welt“, also Luzifer, in Gestalt eines galanten Verführers (über dessen Rücken freilich das Gewürm kriecht) seinem weiblichen Pendant „Frau Begierde“ eine Rose. Ein Bocksfell signalisiert das teuflische Wesen der Dame.
Münsterchor mit Hochaltar
Hier schlägt der Stadt die Stunde
Wie verteilt man Christus und die zwölf Apostel auf die vierzehn Pfeiler von Langschiff und Vierung? Mit Paulus als Lückenfüller. Gemeinsam tragen sie die Kirche. Viele Fenster sind noch mittelalterliche Originale. Im Langhaus wurden die meisten von den Zünften gestiftet und sind anhand von Symbolen leicht zuzuordnen: die Brezel am Fenster der Bäcker, die Schere an jenem der Schneider usw. Aus der Reihe fallen an der Südwand die Fenster der schwerreichen Familie Tulenhaupt (mit Bergbaumotiven) und, links daneben, das Märtyrerfenster mit schauderlichen Folter- und Hinrichtungsszenen.
Prunkstück des Münsters ist der zentrale Flügelaltar (gemalt 1512-1516) aus der Werkstatt des Dürer-Schülers Hans Baldung, gen. Grien. Geöffnet zeigt er die „Krönung Mariens“, die vier Weihnachtstafeln des geschlossenen Altars erzählen mit „Mariä Verkündigung“, „Heimsuchung“, „Geburt Christi“ und „Flucht nach Ägypten“ die Menschwerdung Gottes. Auf der Rückseite ist die „Kreuzigung...