E-Book, Deutsch, Band 3, 115 Seiten
Reihe: Der Para-Bulle
Breuer DIE LEICHENKLINIK
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-2602-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
DER PARA-BULLE, Band 3
E-Book, Deutsch, Band 3, 115 Seiten
Reihe: Der Para-Bulle
ISBN: 978-3-7487-2602-9
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Dämonen existieren. Seit unzähligen Jahrhunderten schmieden sie im Verborgenen ihre Ränke und frönen ihren dunklen, abseitigen Leidenschaften. Niemand weiß dies besser als Martin Faust. Als bei Bauarbeiten in Köln der Geist eines uralten Dämonenfürsten freigesetzt wird, kommt der Reporter zum ersten Mal in Kontakt mit dem Übernatürlichen. Zwar gelingt es ihm, das Wesen unschädlich zu machen, doch dafür zieht er sich eine Infektion mit Dämonenblut zu. Die Folgen dieser Verletzung sind nicht absehbar. Nach dem Tod des Fürsten sinnen die Dämonen auf Rache... Faust taucht daraufhin unter, wird jedoch in Hessen in die Machenschaften eines lokalen Hexenkults verwickelt, den er mit knapper Not unschädlich machen kann. In Köln kommt derweil der brummige Kriminalkommissar Lehmann bei Ermittlungen in einem Mordfall den Machenschaften eines Pharma-Konzerns auf die Schliche. Als Lehmann das Gelände aufsucht, wird er in einer Fabrikhalle von einem Pförtner angegriffen, der sich wie ein Rasender gebärdet. Es kommt zu einem Brand. Rettungskräfte transportieren den verletzten Kommissar ab. Lehmann ahnt noch nicht, dass er sich bald in einem Alptraum wiederfinden wird... Mit Die Leichenklinik setzt Professor-Zamorra- und John-Sinclair-Autor Michael Breuer seine humorvoll-schaurige Roman-Serie um den Kölner Kommissar Lehmann fort - angereichert mit einer gehörigen Portion Lokal-Kolorit und sämtlichen Zutaten des Pulp-Horrors.
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Zweites Kapitel
Rumpelnd verließ der heillos überfüllte Regionalzug in Richtung Köln den Koblenzer Hauptbahnhof. Müde verstaute Martin Faust sein weniges Gepäck und ließ auf einen der spärlichen freien Plätze fallen. Der Reporter strich sich eine schwarze Haarsträhne aus dem Gesicht. Er war zu Recht erschöpft. Vor drei Stunden hatte er Idstein, ein kleines Städtchen im Rheingau-Taunus-Kreis, verlassen und sich auf den Weg zurück in seine Heimatstadt Köln gemacht. Die Fahrtstrecke, die über Limburg an der Lahn und Koblenz führte, schien sich unendlich hinzuziehen. Andererseits hatte dies auch sein Gutes. So konnte Martin immerhin die Gelegenheit nutzen, noch einmal die vorangegangenen Ereignisse in Ruhe Revue passieren zu lassen. Nachdenklich blickte der Dreiunddreißigjährige aus dem Fenster. Der Zug hatte den unmittelbaren Bahnhofsbereich mittlerweile hinter sich gelassen und bewegte sich durch die eher unschönen Randgebiete der Stadt. Es war jetzt etwas mehr als einen Monat her, dass Martin Köln verlassen hatte. Die Abreise hatte einer Flucht geglichen und genau genommen war es auch eine gewesen. Lebhaft erinnerte sich Martin an die Worte des mysteriösen Dämons Stregano: »Verschwinden Sie aus der Stadt! Ich würde Ihnen dringend raten unterzutauchen, denn Sie haben einen kleinen Einblick in die Geheimnisse der Nachtwelt getan und darum wird man Jagd auf Sie machen. Meine Artgenossen und Mit-Fürsten können es nicht dulden, dass man von ihrer Existenz weiß. Ich kann Sie nicht schützen.« Martin war es damals gerade gelungen, den wiedergekehrten Dämonenfürst Jeziroh auszuschalten, was ihm das Wohlwollen Streganos eingebracht hatte. Es war seine erste Erfahrung mit der Welt des Übernatürlichen gewesen. Die Ereignisse jener Nacht hatten daher sein ganzes Weltbild ins Wanken gebracht. Nach einem vergeblichen Versuch, über den Frankfurter Flughafen das Land zu verlassen, tauchte Martin also in Idstein unter. Doch auch dieser Zufluchtsort sollte ihm nur eine kurze Ruhepause verschaffen. Unwillkürlich schüttelte der Schwarzhaarige sich, als er an die Ereignisse um einen Hexenkult zurückdachte, der einem Dämon namens Balook grausige Menschenopfer darbrachte. Mit Hilfe der abtrünnigen Hexe Rahel war es ihm schließlich gelungen, den Kult zu sprengen, dessen Oberhaupt dabei ausgerechnet dem Appetit jenes Dämons zum Opfer fiel, den er selbst aus den tiefsten Tiefen der Hölle heraufbeschworen hatte. Eines war Martin m Zuge jener Geschehnisse allerdings klar geworden: Er konnte sich nicht verstecken! Dämonen und übernatürliche Mächte waren etwas höchst Reales und Gefährliches, das wusste er. Es brachte nichts, wenn er weiterhin den Kopf in den Sand steckte. Hier half nur die Flucht nach vorne! Und darum hatte er sich schließlich entschlossen, nach Köln zurückzukehren. Zu viele Fragen waren noch offen. Martin lehnte sich zurück und schaltete ab. Das monotone Geräusch des fahrenden Zuges hatte eine beruhigende, einschläfernde Wirkung auf ihn. Bereits nach kurzer Zeit klappten ihm die Augen zu und er verfiel in einen unruhigen, dämmrigen Schlaf... * Zwei Stunden später ließ Martin Faust durchatmend seinen speckigen Seesack von den Schultern gleiten und begann, nach seinem Hausschlüssel zu nesteln. Er fühlte sich völlig zerschlagen. Das kurze Nickerchen, das er sich auf der kurzen Strecke zwischen Koblenz und Köln, gegönnt hatte, war alles andere als erholsam gewesen. Martin stand vor einem unscheinbaren Mietshaus in der Roonstraße. Trotz des regen Verkehrs in der Kölner Innenstadt nahm er die Umgebungsgeräusche kaum wahr. Zuhause. Nach den Ereignissen der vergangenen Wochen besaß das Wort einen fremdartigen Beiklang. Zu viel war in der letzten Zeit auf ihn eingestürmt. Der Reporter hatte nicht damit gerechnet, so schnell heimzukehren. Immerhin wusste er nicht, ob sich die unheimlichen Nachtwesen noch immer auf seiner Fährte befanden. Streganos Warnung hatte an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig gelassen. Während Martin die Tür aufschloss und in den Hausflur trat, sinnierte er darüber nach, dass es besser wäre, hier gar nicht erst lange Wurzeln zu schlagen. Mit einem Hotelzimmer war er wohl fürs erste besser dran. Unter seiner alten Adresse saß er immerhin quasi auf dem Präsentierteller. Dennoch konnte es nicht schaden, einmal die eingegangene Post zu sichten.. Martin erreichte seinen Briefkasten. Ein Wust aus Werbeprospekten und Rechnungen quoll ihm entgegen. Eine Benachrichtigung über einen Millionengewinn im Lotto war leider nicht dabei, aber damit hatte er auch nicht ernsthaft gerechnet. Unwillkürlich verzog der Reporter das Gesicht und klemmte sich das Papierbündel dann achtlos unter den Arm, um sich auf den Weg in den dritten Stock zu machen, wo sich sein Apartment befand. Dort angekommen sah er sich zunächst in allen Räumen um. Die Polizei hatte die Wohnung gründlich auf den Kopf gestellt, aber damit war zu rechnen gewesen. Er kannte Lehmann schließlich lange genug. Martin grinste kopfschüttelnd und öffnete dann ein Fenster, um den muffigen Geruch zu vertreiben, der sich im Laufe der letzten vier Wochen in den Zimmern ausgebreitet hatte. Er entschied, sich eine kurze Dusche zu gönnen, bevor er sich wieder auf den Weg machte. Das heiße Wasser brannte auf seiner Haut, aber schon bald fühlte er sich wesentlich erfrischter und sah mit neuem Mut in den Tag. Als Martin gerade ein paar frische Sachen zusammenpackte, klingelte es unvermittelt an der Tür. Der Reporter fluchte leise. Seine Nerven waren zum Zerreißen gespannt, als er vorsichtig in den Flur trat und durch den Türspion blickte. Niemand wusste von seiner Rückkehr nach Köln. Ein Überraschungsbesuch konnte nichts Gutes zu bedeuten haben. Martin grinste unwillkürlich, als er draußen einen von Lehmanns Assistenten erkannte. Der junge Beamte sah nicht sehr gut gelaunt aus. »Machen Sie auf, Schmierfink«, ließ er sich einen Moment später vernehmen, »wir wissen, dass Sie da sind!« Das Grinsen des Reporters verbreiterte sich. Der bärbeißige Tonfall des Kommissars schien auf seine Assistenten abzufärben. Martin überlegte kurz und entschied dann, dass ihm kaum eine Wahl blieb. Er öffnete. »Das wurde auch Zeit«, begrüßte ihn der junge Polizist grimmig. Dunkel erinnerte sich Martin, dass sein Name Schulze lautete. »Sie sind verdammt schnell«, gab der Reporter zurück. »Haben Sie das Haus observiert?« Schulze nickte knapp. »Packen Sie ihre Sachen«, orderte er dann unfreundlich an. »Wir reden unterwegs weiter.« Martin seufzte. »Was will der Chef denn?«, erlaubte er sich zu fragen. »Ich wäre schon früh genug bei ihm reingeschneit.« »Das glaube ich Ihnen sogar«, erwiderte Schulze, ohne auf die Frage einzugehen. Seine Miene verlor ihren harten Ausdruck. Dennoch schien der junge Beamte gehörig unter Dampf zu stehen. Martin fragte sich, was ihm wohl unter den Nägeln brannte. Die Ereignisse, die den Reporter vor einem Monat zur Flucht aus Köln veranlasst hatten, schienen es jedenfalls nicht zu sein. Martin nickte dem jungen Beamten noch einmal zu, dann kam er Schulzes Aufforderung nach und packte. Gleich darauf verließen sie gemeinsam die Wohnung. * »Wir sind da, Frau Körtner!« Mit diesen Worten rückte der ergraute Chauffeur seine Schirmmütze gerade und ließ den dunklen Mercedes langsam vor dem Fronteingang der Klinikums ausrollen. Er blickte in den Rückspiegel. Helga Körtner blinzelte. Offenbar brauchte die Fünfundzwanzigjährige einen Moment, um seine Worte zu verarbeiten. Geistesabwesend nestelte sie an ihrer protzigen Perlenkette. Der Chauffeur unterdrückte ein Lächeln. Der auffallende Schmuck diente natürlich nur einem einzigen Zweck – nämlich von der Nase seiner Trägerin abzulenken. Nicht, dass dieses Unterfangen sonderlich erfolgreich gewesen wäre. Die feingeschnittenen Gesichtszüge der Blondine wurden geziert von einem grotesk anmutenden Riechorgan, welches in Form und Größe an eine durchschnittliche, schmackhafte Kartoffel erinnerte. Dies war auch der Grund des Besuchs in der Weidemann-Klinik. Helga Körtner wollte sich hier einer Nasenkorrektur unterziehen. Immerhin, dachte der Chauffeur bei sich, Geld genug hat sie ja. Als Tochter und Alleinerbin eines erst vor wenigen Monaten verstorbenen Großindustriellen verfügte Helga Körtner über ein nicht unbeträchtliches Vermögen. Und einen kleinen Teil davon wollte sie eben nun in eine neue Nase investieren Der Chauffeur fand, dass dies eine durchaus gute Idee war. Sonst stand er dem allgemeinen Schönheitswahn und den damit einhergehenden Schnippeleien am menschlichen Körper eher skeptisch gegenüber. In diesem Fall sah die Sache allerdings ein wenig anders aus. »Danke sehr«, ließ sich Helga Körtner mit leiser Stimme vernehmen. Sie klang ein wenig schüchtern. Der Chauffeur wusste nur allzu gut, dass sie wegen ihrer Nase unter großen Komplexen litt. Immerhin stand er schon seit Jahren im Dienste der Familie Körtner. Dabei sah die junge Frau, von der Nase einmal abgesehen, gar nicht übel aus. Er nickte ihr noch einmal aufmunternd zu und stieg dann aus dem Wagen, um ihr die Tür zu öffnen. Während Helga Körtner den Blick über das noble Klinikgebäude schweifen ließ, machte sich der Chauffeur daran, das Gepäck zu entladen. Wie sich herausstellte, hatte sie viel zu viel eingepackt, aber das schrieb er ihrer Nervosität zu. Auch wenn er nur der...




