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E-Book, Deutsch, 109 Seiten

Breuer SCHLANGENKÜSSE

DER PARA-BULLE, Band 4
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7487-6668-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

DER PARA-BULLE, Band 4

E-Book, Deutsch, 109 Seiten

ISBN: 978-3-7487-6668-1
Verlag: BookRix
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Dämonen existieren. Seit unzähligen Jahrhunderten schmieden sie im Verborgenen ihre Ränke und frönen ihren dunklen, abseitigen Leidenschaften. Als zufällig der Geist eines uralten Dämonenfürsten freigesetzt wird, geraten der Kölner Kriminalkommissar Lehmann und der Reporter Faust zum ersten Mal in Kontakt mit der Welt des Übernatürlichen. Zwar gelingt es Faust, das Wesen unschädlich zu machen, infiziert sich jedoch mit Dämonenblut. Nach dem Tod des Fürsten dürsteten die Dämonen nach Rache. Während Faust kurzzeitig untertaucht, ermittelt Lehmann weiter. Er gerät in die Fänge eines Arztes, der mit einem Heer lebender Leichen die Macht in der Stadt an sich reißen will. Faust versucht, Lehmann zu befreien, was mit Hilfe des geheimnisvollen Stregano auch gelingt. Doch nun zeigt sich, dass der Reporter die Infektion nicht länger auf die leichte Schulter nehmen kann. Unaufhaltsam beginnt er sich zu verändern. Es scheint, als sei er auf dem besten Weg, selbst zu einem jener Wesen zu werden, die ihm unablässig nach dem Leben trachten... Mit Schlangenküsse setzt Professor-Zamorra- und John-Sinclair-Autor Michael Breuer seine humorvoll-schaurige Roman-Serie um den Kölner Kommissar Lehmann fort - angereichert mit einer gehörigen Portion Lokal-Kolorit und sämtlichen Zutaten des Pulp-Horrors.

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  Zweites Kapitel
  »Vergib mir, Vater, denn ich habe gesündigt!« Es handelte sich um die leicht bebende Stimme einer jungen Frau. Pater Wilkens schätzte sie auf Anfang bis Mitte Zwanzig. Unwillkürlich verzog der Priester die fleischigen Lippen zu einem sanftmütigen Lächeln. Unter den Schäfchen seiner Gemeinde befanden sich kaum junge Menschen. Die wenigen treuen Besucher der Gottesdienste standen fast ausnahmslos im Herbst ihres Lebens. Ein kleines Gitter trennte Pater Wilkens von seiner jungen Gesprächspartnerin, sodass er sie nur schemenhaft erkennen konnte, als er den Kopf zum Fenster wandte. Im spärlichen Licht des Beichtstuhls konnte er lediglich ihr blondes Haar ausmachen. Offenbar hielt sie demütig den Kopf gesenkt. »Sprich, mein Kind«, forderte er seine Besucherin freundlich auf, nachdem er das Kreuzzeichen geschlagen hatte. »Beichte und dir wird vergeben werden?« Pater Wilkens lehnte sich im Beichtstuhl zurück und wartete gespannt. Durch das Gitter hörte er ihre raschen Atemzüge. Bei Gott, sie klang wie ein scheues, gehetztes Reh. Geduldig ließ er seine Gedanken schweifen und fragte sich, welche Sünden dieses Kind wohl auf sich geladen haben mochte. Er feixte still. Gewiss waren es die wonnigen Sünden des Fleisches, begangen in Gedanken, Worten und Taten, welche das Herzelein des Mädchens drückten. Letztendlich ging es doch immer um die böse Fleischeslust. In seiner Eigenschaft als Beichtvater hatte Pater Wilkens schon so viele Dinge gehört, dass ihn längst nichts mehr schockieren konnte. Dazu kam seine eigene Lebenserfahrung. Immerhin war er, bevor ihn seine Berufung ereilt hatte, auch kein Kind von Traurigkeit gewesen. Wenn man es genau nahm, war er das immer noch nicht, auch wenn es in den letzten Jahren eher ganz spezielle und einsame Vergnügungen waren, denen er sich abends hingab, bevor er sich endgültig zur Ruhe bettete. Der Geist war willig, aber das Fleisch war, ach, so schwach. »Nur Mut«, ermunterte er das immer noch schweigende Mädchen. Seine Wangen begannen zu glühen, als er sich innerlich auf eine ordentlich gepfefferte Beichte einstellte. Sogleich schalt sich der Pater. Natürlich stand das Seelenheil des sündigen Schäfchens hier im Vordergrund. Mühsam versuchte er seine niederen Begierden zu bändigen und konzentrierte sich. Aus der anderen Kabine war ein unterdrücktes Kichern zu hören. In den Ohren des Priesters klang es fast ein wenig verlegen und dabei doch gleichzeitig auf hinreißende Weise verdorben. Der Priester seufzte in sich hinein, als er spürte, wie sein Körper auf ihre Stimme reagierte. Abermals schalt er sich. Er hätte sich am Nachmittag nicht auf seine gewohnt großzügige Art am Messwein bedienen sollen, dann würde er sich nun wohl besser unter Kontrolle haben. Plötzlich sprach das Mädchen weiter: »Vater, ich suche...« Pater Wilkens blinzelte. »Wen oder was suchst du, mein Kind?« Er überlegte einen Moment, bevor er weitersprach: »Suchst du nach deinem Glauben? Zweifelst du an Gott, mein Kind?« Wieder war das verdorben klingende Kichern zu hören. »Ich suche nach... einem Mann!« Der Pater biss sich auf die Lippen. Kaum hatte sie das letzte Wort hervorgebracht, spürte er, wie es unter seiner Soutane heftiger zu spannen begann. Ah, die süßen Versuchungen des Fleisches... Ungeduldig wartete er darauf, dass das Mädchen fortfuhr und konnte sich dabei nur mit Mühe davon abhalten, seine schwieligen Hände dorthin zu bewegen, wo er es jetzt am nötigsten brauchte. »Ich suche nach einem ganz bestimmten Mann«, sprach das Mädchen endlich weiter und ihre nächsten Worte ließen ihm das Blut in den Adern gerinnen: »Um ihm auf die Spur zu kommen, habe ich bereits zwei weitere Männer getötet, Pater. Und ich tat es mit großer Freude. Es hat mir Lust bereitet!« Pater Wilkens ballte die Fäuste, bis sich die Fingernägel tief in sein Fleisch bohrten. Der Schmerz verhalf ihm zu überraschender geistiger Klarheit. »Ich hoffe, du scherzt, mein Kind, aber dies ist kein Ort dafür«, schalt er sie. Ein leises Zischen war zu hören, bevor die junge Frau antwortete. »Ich scherze nie«, ließ sie wissen. »Zwei Männer und keiner von ihnen konnte mir die richtige Antwort geben, so sehr ich mich auch bemüht habe!« Abermals war das verdorbene, geile Kichern zu hören, doch diesmal wohnte ihm ein Unterton inne, der dem Pater einen Schauer über den Rücken jagte. »Wir sollten uns näher kennenlernen«, schlug das Mädchen vor. »Vielleicht wisst ihr ja die richtige Antwort, Vater, ihr würdet es nicht bereuen!« Sie wartete nicht auf eine Erwiderung. Stattdessen hörte Pater Wilkens, wie die Tür der Beichtkabine geöffnet wurde. Im nächsten Moment wurde er auch schon in gleißendes Licht getaucht, als seine eigene Kabinentür aufgerissen wurde. Eine wohlgeformte Silhouette zeichnete sich im Türrahmen ab. Der Pater blinzelte angestrengt, dann schließlich gewöhnten sich seine Augen an das Licht. Das junge Mädchen, welches hüftwiegend in der offenen Tür des Beichtstuhls stand, trug ein knapp geschnittenes, rotes Latex-Kleid, welches nur knapp bis über den zweifelsohne wohlgeformten Hintern reichte. Diese Art der Bekleidung war nicht ganz passend für die winterliche Jahreszeit. Auf jeden Fall war sie völlig deplatziert für das Innere einer Kirche. »Reden wir, Vater«, erklärte sie mit selbstbewusster Stimme. »Völlig offen und ehrlich. Wie Frau und Mann!« Sie tat einen Schritt nach vorne. In die Beichtkabine hinein. Pater Wilkens schluckte schwer. Überdeutlich war er sich ihrer Gegenwart  bewusst, schwebten doch ihre vollen, latexbedeckten Mädchenbrüste direkt vor seinem schwitzenden Gesicht. Einen Moment lang wirkte ihr Gesicht fast unschuldig, als sie einen weiteren Schritt tat und sich in völliger Selbstverständlichkeit auf seinem Schoß niederließ. Pater Wilkens erbleichte, nur um gleich darauf feuerrot zu werden. Immer noch trudelte ihre bizarre Beichte durch sein Hirn. Darüber hinaus musste sie im Gegenzug auch deutlich spüren, wie es ihm gerade ging. Sein Unterleib sprach eine überdeutliche Sprache. Es schien ihr zu gefallen. Der ältliche Pater gurgelte, als er spürte, wie das blonde Mädchen sein Becken an ihm wetzte. Samtweiche Hände streichelten über seine Soutane, glitten höher, um sich dann schraubstockgleich um seinen Hals zu schließen. Der niedlich-verdorbene Ausdruck auf dem Gesicht seines Beichtkinds verschwand. Die Züge wurden hart und unnachgiebig. »Reden wir«, wiederholte sie. »Sag mir, wo sich das Kloster befindet und du wirst diese Welt mit einem Lächeln auf den Lippen verlassen!« »Das Kloster?«, stammelte der Pater. Obwohl er insgeheim genau wusste, wovon sie sprach, stellte er sich ahnungslos. »Ich weiß nicht, wovon du redest!« Ein Kichern war zu hören. Die unheimliche Fremde glaubte ihn kein Wort. Fast sanft beugte sie sich zu ihm nach vorne. Im nächsten Moment leckte eine kleine rosige Zunge über seine Wange. Es war ein Moment, der intime Zärtlichkeit und unglaubliche Obszönität in sich vereinte. »Möchtest du sterben?«, fragte das zunehmend unheimlichere Beichtkind. »Möchtest du im Angesicht deines Herrn zu Tode gequetscht werden?« Pater Wilkens riss sich zusammen. »Nein«, stammelte er wahrheitsgemäß. Natürlich wollte er nicht sterben. Andererseits wusste er genau, wovon die Unheimliche sprach. Niemals würde er ihr die Lage des Klosters verraten! »Der Lazarus-Orden«, hauchte die Blondine. »Erzähle mir alles darüber. Und bedenke dabei, für jedes Detail, dass ich nicht von dir erfahre, werde ich einen deiner Brüder aufsuchen und ihm schlimmeres antun, als dies hier!« Bei diesen Worten spürte er, wie ihre zarte Hand unter seine Soutane kroch und sich hart um seine priesterliche Männlichkeit schloss. Trotz ihrer zierlichen Finger griff sie mit unglaublicher Brutalität zu. Ein gurgelnder Schrei bahnte sich den Weg durch seine Kehle. »Schrei ruhig«, vernahm er. Leiser Tadel schwang in ihren Worten mit. »Wir sind ganz unter uns. Niemand wird uns stören, solange ich mit dir beschäftigt bin.« Täuschte er sich, oder hatte sich ihre Hautfarbe in den letzten Minuten leicht grünlich verfärbt? »Weiche von mir, Satan«, flüsterte Pater Wilkens mit kräftigerer Stimme. All die Nichtigkeiten seiner Tätigkeit als braver Gemeindepfarrer waren von ihm abgefallen, seit die Unheimliche den Orden erwähnt hatte. Nun wusste er, dass er eine Kreatur des Nachtkönigreichs vor sich hatte. Gleichzeitig war ihm klargeworden, dass er das Gotteshaus nicht mehr lebend verlassen würde. Der Orden... er hatte Vorrang vor allem anderen. Seine Geheimnisse mussten gewahrt bleiben! Mit Grauen bemerkte der Geistliche, dass sich die zarte Haut der Teuflischen weiter verändert hatte. Schuppen bedeckten ihre vormals so anmutigen Züge. Die Augen hatten sich zu schmalen Schlitzen verengt, aus denen pure Bösartigkeit funkelte. Urplötzlich verstärkte sie ihren Griff. Heller, gleißender Schmerz pulste durch den Körper des Paters und mit einem Mal erkannte er, dass er zu schwach war. Er würde alles tun, damit diese furchtbare Qual ein Ende fand. Er würde reden! Und das tat er dann auch. Als die geheimnisvolle Blondine eine halbe Stunde später das Gotteshaus wieder verließ, war ihr nicht anzumerken, was sich zuvor darin abgespielt hatte. Ein heiteres Lächeln lag auf ihren Lippen, während sie sich unter die Passanten mischte und schließlich mit unbekanntem Ziel verschwand.   *   Die Rollladen des Wohnzimmers waren...



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