Brisbin | Sehnsüchtige Küsse unterm Mistelzweig | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 88 Seiten

Reihe: Historical

Brisbin Sehnsüchtige Küsse unterm Mistelzweig


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-7337-6449-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 88 Seiten

Reihe: Historical

ISBN: 978-3-7337-6449-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Seine Augen, seine Hände, sein Mund: Wie sehr hat sich Julia nach Iain gesehnt! Als er sie unterm Mistelzweig küsst, glaubt sie sich im siebten Himmel. Doch Iain ist bei einem Unfall schwer verwundet worden – und auch seine Seele wurde verletzt. Vermag Julias Liebe ihn zu heilen?



Das geschriebene Wort begleitet Terri Brisbin schon ihr ganzes Leben lang. So verfasste sie zunächst Gedichte und Kurzgeschichten, bis sie 1994 anfing Romane zu schreiben. Seit 1998 hat sie mehr als 18 historische und übersinnliche Romane veröffentlicht. Wenn sie nicht gerade ihr Leben als Liebesromanautorin in New Jersey genießt, verbringt sie ihre Zeit mit ihren drei Kindern und arbeitet als Zahnarzthelferin. Zudem engagiert sie sich im Vorstand der RWA (Romance Writers of America) und stand schon dreimal im Finale des begehrten RITA Awards, einer Auszeichnung für besondere Leistungen im Romance-Genre.

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2. KAPITEL

Wie üblich wachte Julia bei Tagesanbruch auf. Die Wintersonne stand noch tief am Horizont und schickte nicht viel Licht. Die bleichen Strahlen hatten kaum genügend Kraft, durch die Vorhänge ins Zimmer zu dringen, und so begrüßte Julia den neuen Tag mehr aus Gewohnheit als aus Überzeugung.

Während sie sich unter ihrer Bettdecke noch ein wenig reckte und streckte, überlegte sie, ob sie Iain an diesem Morgen wohl begegnen würde – was sie dann aus dem warmen Bett trieb.

Sie machte Morgentoilette, zog ein schlichtes Tageskleid und Stiefeletten an und legte sich einen Kaschmirschal um. Statt sich von der Zofe die Haare kunstvoll frisieren zu lassen, steckte Julia sie sich zu einem einfachen Knoten auf, wobei ihr Gesicht von ein paar losen Strähnen umrahmt wurde. Dann begab sie sich in das kleine Esszimmer im Erdgeschoss, wo das Frühstück serviert wurde und wo es ein wenig zwangloser zuging als im formellen Speisesalon im ersten Stock.

Vor dem Raum angekommen, blieb sie stehen und atmete tief durch, um den letzten friedlichen Moment zu genießen, der ihr an diesem Tag noch vergönnt war. Dann zog sie den Schal enger um sich, versicherte sich ihres formidablen Sinns für Humor und warf dem Lakaien, der vor der Tür stand, einen Blick zu. Über ein Jahr hatte sie gebraucht, bis sie es sich abgewöhnt hatte, die Türen selbst zu öffnen. Ein weiteres Jahr hatte es gedauert, bis sie mit ihren Bemühungen aufhörte, die Lakaien zum Lachen zu bringen. Und ein weiteres Jahr, bis es ihr gelang, offen vor all den vielen Bediensteten zu reden, als wären sie gar nicht da.

Sie gehörte nicht hierher.

Die gut fünf Jahre, die sie nun bei ihrer Schwester und deren Gatten, dem Earl of Treybourne wohnte, hatte sie dieses Gefühl in ihrem Herzen und ihrer Seele nicht zum Schweigen gebracht. Niemals könnte sie in der Welt der Aristokratie, des Reichtums und des schönen Scheins überleben. Ihre Schwester Anna hatte sich daran gewöhnt, denn die Liebe, die sie ihrem Ehemann entgegenbrachte, hatte ihr den Übergang von ihrer zwar prekären, aber auch freundlichen Existenz in Edinburgh in dieses sichere, elegante Leben auf dem Landsitz des Earls in Northumberland erleichtert.

Julia fand sich nur aus Liebe zu Anna und Trey darein.

Nun nickte sie dem Lakaien zu, die Tür zu öffnen. Sie dachte daran, wie viel sie ihrer Schwester und ihrem Schwager verdankte. Ohne Anna wäre sie längst untergegangen, schlicht und ergreifend. Und ohne Trey hätte sie weder die Erziehung genossen, die er ihr hatte angedeihen lassen, noch den Luxus und die vielen Möglichkeiten, die sein Reichtum und seine Stellung ihr und ihrer Schwester boten.

Julia betrat das Frühstückszimmer und blieb stehen. Sämtliche junge Männer, denen sie aus dem Weg zu gehen gehofft hatte, saßen um den großen ovalen Tisch versammelt. Nur der, dessen Anwesenheit sie sich gewünscht hatte, fehlte. Die Gentlemen erhoben sich bei ihrem Eintritt und verneigten sich höflich. Sie erwiderte den Gruß, sah sich nach einem freien Platz um und entdeckte, dass nur zwei, drei Frauen am Tisch saßen. Das Frühstück auszulassen wollte nicht recht zu Anna passen, und so war Julia von ihrer Abwesenheit überrascht.

Im nächsten Augenblick sprangen fast alle Herren um den Tisch herum, um ihr einen freien Stuhl herauszuziehen. Dann entdeckte sie Trey, der am anderen Ende des Tisches saß und sich augenscheinlich das Lachen verbeißen musste. Ohne zu zögern ging sie zu einem freien Platz in seiner Nähe und ließ sich von Mr. Sutton den Stuhl zurechtrücken.

„Guten Morgen, Trey“, sagte sie, als sie sich setzte. „Hast du gut geschlafen?“

„Guten Morgen, Julia.“ Er faltete seine Zeitung zusammen, legte sie auf den Tisch und schenkte ihr ein schalkhaftes Lächeln. „Na, was hast du heute vor?“ Er hielt inne, doch sie merkte, dass er noch nicht fertig war. „Hast du für unsere Scharaden heute Abend schon einen Partner gefunden?“

Löffel klapperten auf Porzellan. Die Unterhaltung kam zum Erliegen. Köpfe wandten sich zu ihr herum, und ringsum wurden die Ohren gespitzt. Julia lächelte Trey an – ein Lächeln, das ihm, wie sie hoffte, die verdiente Rache verhieß, nach außen hin aber freundlich wirkte. Er wusste, wie geschmacklos sie es fand, dass Weihnachten für den Heiratsmarkt herhalten sollte.

„Danke der Nachfrage, Trey. Ich habe einen Partner gewählt, aber ich würde es vorziehen, seinen Namen nicht zu nennen, um deine geschätzten Gäste nicht zu verärgern.“ Julia drehte sich um und lächelte die Männer, die ihr Gespräch aufmerksam verfolgten, sittsam an. Wenn sie noch lange so weitermachte, würden sich ihre Lippen dermaßen verkrampfen, dass sie zu einem Dauerlächeln erstarrten. Ein Lakai stellte einen Teller vor ihr ab, und so faltete sie ihre frische Leinenserviette auseinander und breitete sie auf dem Schoß aus.

„Danke, John“, sagte sie leise und wartete, bis er sich entfernt hatte, ehe sie weitersprach. Als sie sich Trey zuwandte, bemerkte sie seine verlegene Miene und ergriff sofort ihre Chance. „Und du, mein Lieber? Wen hast du dir denn heute Abend als Partnerin auserkoren?“

Trey nahm einen Schluck aus seiner Tasse, ehe er erwiderte: „Ich werde ein reiner Beobachter sein, Julia. Es wäre kaum fair, wenn ich gegen meine eigenen Gäste antreten würde.“

„Aber gewiss.“

Schweigend widmete sie sich den wunderbar gewürzten pochierten Eiern, dem Schinkenspeck und dem gerösteten Brot. Als der Lakai ihren Teller abräumte und ihr Tee nachgoss, lehnte sie sich zurück.

„Was hast du denn für heute geplant, Trey? Habe ich richtig gehört, dass du den Stallungen einen Besuch abstatten möchtest?“

„Ja. Lord Mac Lerie und ich haben in ein neues Rennpferd investiert. Es soll heute ankommen, und ich habe unsere männlichen Gäste eingeladen, bei der Ankunft dabei zu sein.“

„Wie aufregend!“ Sie betrachtete die jungen Männer, die um den Tisch saßen, und schenkte ihnen ihr liebreizendstes Lächeln. „Ich beneide Sie alle, aber ich muss nun nach Lady Treybourne sehen und ihr bei der Vorbereitung der abendlichen Festivitäten helfen.“

Julia gab ihnen keine Gelegenheit, Einwände gegen ihren Aufbruch zu erheben, und stand auf. Sie wartete, bis ein Lakai ihren Stuhl zurückzog. Trey erhob sich und verneigte sich höflich, ebenso die anderen Herren im Raum. Ihr Schwager hätte sie aufhalten können, doch anscheinend hatte er sie an diesem Morgen schon genug aufgezogen. Mit einem Nicken verließ sie den Raum, so schnell, wie es nur irgend ging, ohne unhöflich zu wirken, und begab sich zum Zimmer ihrer Schwester.

Als sie unterwegs den Duft der vielen Tannenzweige und Kränze einatmete, mit denen Türen und Fenster geschmückt waren, musste Julia lächeln. Trotz der beachtlichen Größe von Wesley Hall war es ihrer Schwester gelungen, den Herrensitz anheimelnd und gemütlich wirken zu lassen. Im Gegensatz zu dem einfachen Haus in Edinburgh, in dem sie die Weihnachtsfeste ihrer Kindheit verbracht hatten, oder dem Familiensitz der Mac-Leries im schottischen Hochland war Treys Herrenhaus überaus weitläufig und großartig. Durch Annas Veränderungen – bei Familienfesten wurden die kleineren Räume benutzt, sie hatte ihre Lieblingsmöbel aus Edinburgh heranschaffen lassen und ihre engsten Freunde und Verwandten um sich geschart – wirkte das Haus nun nicht ganz so überwältigend.

Als sie im ersten Stock angekommen war, ging Julia den Flur hinunter, der zu den Räumen der Familie führte, und passierte dabei Treys Suite. Wie alle wusste auch sie, dass ihre Schwester und ihr Schwager ein Schlafzimmer teilten, doch würde sie es sich nie herausnehmen, Anna dort aufzusuchen. An der letzten Tür blieb sie stehen, klopfte leise und wartete. Als niemand antwortete, öffnete sie sie einen Spalt breit und sagte den Namen ihrer Schwester.

„Anna?“ Als sie keine Antwort bekam, rief sie ein wenig lauter: „Anna?“

Die Geräusche, die aus dem Ankleidezimmer zwischen Mylords und Myladys Räumlichkeiten drangen, klärten sie über verschiedene Dinge auf. Erstens: Anna war es schlecht. Zweitens: Anna war es am Morgen schlecht. Drittens: Anna war wieder schwanger. Julia erinnerte sich an die Symptome der vorhergehenden zwei Schwangerschaften ihrer Schwester, und so war ihr klar, dass sie dem Frühstück in nächster Zeit noch öfter fernbleiben würde.

Mary, die Zofe der Countess, kam aus dem Ankleideraum ins Schlafzimmer, um das Bett zu machen, und entdeckte Julia.

„Ihrer Ladyschaft geht es gerade nicht so gut, Miss. Am besten kommen Sie später wieder. Vielleicht wenn sie mit Mrs. Herman die Pläne für heute Abend bespricht?“ Mary lächelte beruhigend. „Ich sage ihr, dass Sie da waren.“

Ah. Alles war bestens geregelt, wenn die fähige Mrs. Herman die Zügel in der Hand hatte. Die Haushälterin von Wesley Hall verfügte über Zauberkräfte, zumindest kam es Julia so vor, denn für diese Frau war nichts unmöglich. Jeder Bitte, egal ob von Familie oder Gast geäußert, wurde entsprochen. Jeder Sonderwunsch erfüllt. Wenn irgendwo Hilfe benötigt wurde – zum Beispiel von einem jungen schottischen Mädchen, das sich im Leben und Haus eines vornehmen Engländers nicht zurechtfand –, wurde sie gewährt, manchmal sogar ungefragt.

An diesem Vormittag hatte sie nun auf einmal Zeit für sich, und Julia entschied, dass die große, gut sortierte Bibliothek des Earls genau der rechte Ort war, um sich vor den enervierenden Zudringlichkeiten des männlichen Weihnachtsbesuchs zu verstecken. Zurück im Erdgeschoss, wandte sie sich in die dem Frühstückszimmer entgegengesetzte...



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