Broch | Esch oder die Anarchie | Buch | 978-3-96662-553-1 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 256 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 211 mm, Gewicht: 445 g

Broch

Esch oder die Anarchie

Die Schlafwandler Teil 2
Der Text des Neusatzes folgt der Ausgabe von 1931 und 1994 erschienen im Suhrkamp Verlag, Frankfurt.
ISBN: 978-3-96662-553-1
Verlag: Boer

Die Schlafwandler Teil 2

Buch, Deutsch, 256 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 211 mm, Gewicht: 445 g

ISBN: 978-3-96662-553-1
Verlag: Boer


Der zweite Roman der Trilogie spielt im mittleren Rheingebiet im Kleinbürger- und Arbeitermilieu. August Esch, 30 Jahre alt, Handlungsgehilfe und Buchhalter in der Weingroßhandlung Stemberg & Co. in Köln, ist angesichts »des anarchistischen Zustandes der Welt, in der keiner weiß, ob er rechts oder links, ob er hüben oder drüben steht«, auf der Suche nach einer Leitlinie für sein Leben. Es herrscht für ihn die Anarchie der Werte, eine elementare Orientierungslosigkeit, in der Lüge und Betrug expandieren. Esch selbst, das fühlt er immer wieder beschämt, ist ein Teil dieser widersprüchlichen Welt und hat deshalb ein Bedürfnis nach Sühne und Opfer und Neuanfang. Einerseits setzt er sich für Gerechtigkeit ein, leidet mit dem Gewerkschaftler Martin und dem vom Messerwurf bedrohten Varietémädchen Ilona, die er als Opfer des Systems ansieht, andererseits macht er im anrüchigen Vergnügungsbetrieb Geschäfte, verleitet Freunde mit hohen Gewinnversprechungen zu Geldanlagen im Frauenringkampf-Projekt, wirbt dafür Prostituierte als Kämpferinnen an und spielt mit dem Gedanken, die Truppe in einer Art Mädchenhandel nach den USA zu vermitteln. Einerseits ist er »wohlbewandert in Kneipen, Bordellen und Mädchen« und nutzt sexuelle Gelegenheiten auch im Freundeskreis aus, andererseits verachtet er dieses Leben als unsittlich und ist angetan von den Geradlinigen, z. B. dem inhaftierten Gewerkschaftler, der ihre Verehrer schroff zurückweisenden Witwe Hentjen und dem christlich tugendhaften Zigarrenhändler Lohberg. Zugleich spottet er über deren Begrenztheit und reagiert auf sie unbeherrscht grob und jähzornig, stellt an sie Forderungen, die er selbst in seinem Wankelmut nicht erfüllt. Vorurteile hat er auch gegen Künstler, Kapitalisten, Homosexuelle und Juden. Er fühlt sich als freier Mensch über den Niederungen des Lebens stehend, ist aber in seiner Einsamkeit befangen und im Grunde nicht bindungsfähig. So träumt er sich hinein in Phantasien von einer besseren gerechten Welt. Für ihn sind die USA das Land der Freiheit und des Rechts, symbolisiert durch die Freiheitsstatue. Dahin möchte er auswandern.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Broch, Hermann
1886-1951

Hermann Broch (1886-1951), österreichischer Schriftsteller jüdischer Herkunft, studierte nach der Matura Textiltechnik an der Technischen Hochschule in Wien sowie Textilmaschinenbau in Mülhausen. Danach trat er 1907 in die väterliche Textilfabrik in Teesdorf bei Wien ein. 1909 konvertierte er vom Judentum zum Katholizismus. Nach dem Verkauf der Fabrik (1927) studierte er Mathematik, Philosophie und Physik an der Universität Wien und wurde danach freier Schriftsteller. Nach der Machtübernahme der Nazis wurde er 1938 von selbsternannten Ordnungskräften im Bezirksgefängnis Bad Aussee inhaftiert. James Joyce und Stephen Hudson halfen, ein Visum für Großbritannien zu besorgen, wo Broch am 24. Juli eintraf. Mit Unterstützung von Thomas Mann und Albert Einstein konnte er in die USA emigrieren. Sein Schaffen ist durch die Einführung neuer Stilelemente gekennzeichnet. In der Romantrilogie »Die Schlafwandler« (1930-32) stellte er den Zerfall der Werte und der Persönlichkeit dar. Broch zeigt typische Reaktionen auf den Religions- und Sinnverlust der modernen Gesellschaft. Im ersten Teil der Trilogie (Pasenow oder die Romantik) wird die romantisch-nostalgische Sicht (bei Leugnung der faktischen Realität) gestaltet; im zweiten Teil (Esch oder die Anarchie) taumelt der Held orientierungslos von einem Wertesystem ins andere, ohne für seine religiösen Sehnsüchte einen Halt finden zu können; der dritte Teil (Huguenau oder die Sachlichkeit) führt ein sachlich-zynisches Verhalten vor Augen: alle Wertsysteme werden der obersten Maxime des kommerziellen Gewinns untergeordnet. Das Buch gehört zu den wichtigsten Werken des europäischen modernen Romans. Es ist in seinem Anspielungsreichtum, seiner Vielschichtigkeit und dichterischen Symbolstärke immer wieder eine Herausforderung für die Interpreten.



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