Buch, Deutsch, 256 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 211 mm, Gewicht: 445 g
Die Schlafwandler Teil 2
Buch, Deutsch, 256 Seiten, Format (B × H): 140 mm x 211 mm, Gewicht: 445 g
ISBN: 978-3-96662-553-1
Verlag: Boer
Der zweite Roman der Trilogie spielt im mittleren Rheingebiet im Kleinbürger- und Arbeitermilieu. August Esch, 30 Jahre alt, Handlungsgehilfe und Buchhalter in der Weingroßhandlung Stemberg & Co. in Köln, ist angesichts »des anarchistischen Zustandes der Welt, in der keiner weiß, ob er rechts oder links, ob er hüben oder drüben steht«, auf der Suche nach einer Leitlinie für sein Leben. Es herrscht für ihn die Anarchie der Werte, eine elementare Orientierungslosigkeit, in der Lüge und Betrug expandieren. Esch selbst, das fühlt er immer wieder beschämt, ist ein Teil dieser widersprüchlichen Welt und hat deshalb ein Bedürfnis nach Sühne und Opfer und Neuanfang. Einerseits setzt er sich für Gerechtigkeit ein, leidet mit dem Gewerkschaftler Martin und dem vom Messerwurf bedrohten Varietémädchen Ilona, die er als Opfer des Systems ansieht, andererseits macht er im anrüchigen Vergnügungsbetrieb Geschäfte, verleitet Freunde mit hohen Gewinnversprechungen zu Geldanlagen im Frauenringkampf-Projekt, wirbt dafür Prostituierte als Kämpferinnen an und spielt mit dem Gedanken, die Truppe in einer Art Mädchenhandel nach den USA zu vermitteln. Einerseits ist er »wohlbewandert in Kneipen, Bordellen und Mädchen« und nutzt sexuelle Gelegenheiten auch im Freundeskreis aus, andererseits verachtet er dieses Leben als unsittlich und ist angetan von den Geradlinigen, z. B. dem inhaftierten Gewerkschaftler, der ihre Verehrer schroff zurückweisenden Witwe Hentjen und dem christlich tugendhaften Zigarrenhändler Lohberg. Zugleich spottet er über deren Begrenztheit und reagiert auf sie unbeherrscht grob und jähzornig, stellt an sie Forderungen, die er selbst in seinem Wankelmut nicht erfüllt. Vorurteile hat er auch gegen Künstler, Kapitalisten, Homosexuelle und Juden. Er fühlt sich als freier Mensch über den Niederungen des Lebens stehend, ist aber in seiner Einsamkeit befangen und im Grunde nicht bindungsfähig. So träumt er sich hinein in Phantasien von einer besseren gerechten Welt. Für ihn sind die USA das Land der Freiheit und des Rechts, symbolisiert durch die Freiheitsstatue. Dahin möchte er auswandern.




