E-Book, Deutsch, Band 2414, 144 Seiten
Reihe: Julia
Brock Spiel mit dem Feuer auf Kreta
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7337-1258-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2414, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7337-1258-7
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Kate starrt ihren Ex-Verlobten fassungslos an. Sie soll Nikos heiraten? Aber sein stählerner Blick erlaubt keine Zweifel: Der griechische Tycoon aus Kreta braucht unbedingt eine Ehefrau, um das Sorgerecht für seine Patentochter zu bekommen. Mit bangem Herzen lässt Kate sich darauf ein, denn Nikos verspricht, das traditionsreiche Süßwarenimperium ihrer Eltern zu retten. Dabei weiß sie, dass sie sich nicht zum zweiten Mal in ihn verlieben darf! Doch während der Flitterwochen muss sie sich verzweifelt eingestehen, dass es dafür längst zu spät ist ...
Schon als kleines Mädchen hatte Andie Brock eine blühende Fantasie. Während sie ihrer Familie erstmals im Alter von vier Jahren ihre unsichtbaren Freundinnen vorstellte, nutzt sie ihre kreative Energie inzwischen für ihre Romane. Die imaginären feenartigen Freundinnen sind längst ausgetauscht worden; im Mittelpunkt von Andies höchst emotionalen, romantischen Geschichten stehen heute temperamentvolle Heldinnen und sexy Helden, die sie in ihren Romanen gekonnt zum Leben erweckt. Mittlerweile hat die Autorin glücklicherweise nicht nur echte Freunde - sondern auch einen Mann, drei Kinder und eine Katze. Gemeinsam mit ihrer Familie lebt sie in Bristol, im Südwesten Englands. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten damit, auf Flohmärkten zu stöbern oder am Strand spazieren zu gehen.
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1. KAPITEL
Kate erstarrte. Aus der Flasche, die sie gerade entkorkt hatte, schäumte der Champagner. Oh, bitte nicht! Nicht er – nicht hier! Sie kniff die Augen zusammen und hoffte inständig, er werde auf wundersame Weise verschwinden. Fehlanzeige. Als sie die Augen wieder aufschlug, war er immer noch da. Der Schock, den ihr seine Anwesenheit versetzte, dröhnte ihr in den Ohren und blendete jeden anderen Menschen im Saal aus.
Wie eine Zeitlupe in einem Horrorfilm kam es ihr vor, als er sich zurücklehnte, um der extrem aufmerksamen Kellnerin etwas zu sagen. Unverschämt gut sah er aus mit seinen markanten Gesichtszügen und der olivfarbenen Haut. Er bewegte den langen breitschultrigen Körper mit einer athletischen Eleganz, die ihr vertraut war. Nikos Nikoladis. Ihre erste Liebe. Ihr Ex-Verlobter. Der Mann, der ihr das Herz gebrochen hatte.
„Hey Süße, Vorsicht mit dem Champagner.“ Ein Gast an Kates Tisch umschloss die Hand, mit der sie die Flasche hielt. „Wenn du wüsstest, was der kostet, würdest du ihn vielleicht respektvoller behandeln.“
Die anderen Männer am Tisch grinsten zustimmend. Kate zwang sich zu einer Entschuldigung und lächelte steif, während sie nachschenkte. Sie kannte den Preis der Flasche nicht genau. Allerdings wusste sie sehr wohl, dass der Champagner überteuert war und eher der Selbstgefälligkeit dieser Männer als ihren Gaumen schmeicheln sollte. Die aufgeblasenen Egos und das Testosteron dieser Geschäftsleute nahmen ihr fast den Atem.
Dabei war sie genau wegen dieser Typen hier. Ihretwegen arbeitete sie für eine Agentur, die sich auf Feiern für Topkunden von Unternehmen spezialisiert hatte. Ihretwegen hatte sie sich in einen kurzen schwarzen Rock gezwängt, der ihren Po nur knapp bedeckte, und in die grässliche Weste aus Lederimitat, die über ihren Brüsten spannte. Falls es auch nur die geringste Chance gab, dass sie einen dieser arroganten Trottel überreden konnte, in ihr schwächelndes Familienunternehmen zu investieren, wollte Kate sie beim Schopf packen. Wenn sie dafür die Kellnerin spielen, ein bisschen mit diesen Kerlen flirten und ihre Egos massieren musste, tat sie es halt. Solange den Männern klar war, dass sie sonst nichts massierte.
Verzweifelte Zeiten rechtfertigten nun mal verzweifelte Maßnahmen. Und Kate war verzweifelt. Schon vor dem demütigenden Auftauchen ihres Ex-Verlobten war sie es gewesen.
Sie senkte den Kopf, damit ihr die blonden Haare wie ein Vorhang ins Gesicht fielen. Verstohlen spähte sie in Nikos’ Richtung und weigerte sich, zur Kenntnis zu nehmen, dass ihr Herz schneller klopfte. Er unterhielt sich mit dem Geschäftsführer einer großen Firma und schien sie nicht bemerkt zu haben. Außerdem saß er zum Glück an keinem der Tische, die ihr in diesem Hotelsaal zugeteilt worden waren.
Vielleicht gelang es ihr ja, mit dem Rücken zu ihm zu stehen und unerkannt zu bleiben. Die neue Frisur würde ihr dabei helfen, denn die blonden Locken unterschieden sich sehr von der glatten kastanienbraunen Mähne jener Kate, die Nikos einst gekannt hatte.
Auf keinen Fall durfte sie in Panik geraten, also kämpfte sie den Impuls nieder, die Flucht zu ergreifen. Am liebsten hätte sie den Leuten von der Agentur gesagt, was die mit ihrem halbseidenen Job, dem entwürdigenden Outfit und den lüsternen Gästen machen konnten. Andererseits war es eine überaus naive Idee, einen dieser Männer als Investor für Kandy Kate zu gewinnen, räumte sie ein. Die Agentur zahlte gut, es bestand die Aussicht auf ordentliche Trinkgelder, und Kate brauchte das Geld.
Über dreihundert Gäste und mindestens dreißig Kellnerinnen waren heute Abend hier. Wenn sie nicht den Kopf verlor, sollte sie Nikos aus dem Weg gehen können. Sie würde ihm aus dem Weg gehen. Auf eine Begegnung mit ihm war sie nun wirklich nicht scharf, schließlich sah sie wie eine billige Prostituierte aus.
Was machte er überhaupt hier? Wieder spähte sie unter gesenkten Wimpern zu ihm hinüber. Sie hatte Nikos nie für einen Mann gehalten, der zu einem Event wie diesem ging – selbst wenn es sich um eine Benefizparty handelte. Allerdings hatte sie ihn auch nicht für einen Mann gehalten, der ihr Leben zerstören würde. Der so grausam sein konnte. Im Grunde wusste sie überhaupt nicht, was für ein Mensch Nikos war.
Hingegen wusste sie sehr wohl, dass sie ihr Herz an diesen Mann verloren hatte. An den hinreißenden griechischen Adonis, der an einem warmen Sommerabend vor drei Jahren auf Kreta als Kellner an ihren Tisch gekommen war. Der attraktive, charmante, bezaubernde Fremde, der mit ihr am Strand spaziert war, ihre Hand gehalten und sie unter den Sternen geküsst hatte. Mit ihm war plötzlich nichts mehr gewesen wie zuvor, denn er hatte eine überbordende Liebe in ihr geweckt, von der sie geglaubt hatte, es gebe sie nur in Büchern.
Jener Sommer – die wundervollste Zeit ihres Lebens. Und der Kummer danach war schmerzhafter gewesen als alles, was sie je für möglich gehalten hatte.
Warum überraschte es sie eigentlich, dass er bei einem Event wie diesem aufkreuzte? Reich genug war er zweifellos. Vermutlich konnte er die Firmen der meisten Gäste kaufen, ohne dass sein Vermögen nennenswert schrumpfte.
Kate hatte seinen kometenhaften Aufstieg aus der Ferne verfolgt. Der unbeschwerte, lässige und mittellose Mann, in den sie sich verliebt hatte, war fast über Nacht zu einem milliardenschweren Unternehmer geworden.
Während ihr eigenes Schicksal die entgegengesetzte Richtung genommen hatte. Durch Fehlentscheidungen nach dem Tod ihres Vaters war die alteingesessene Süßwarenfirma ihrer Familie, Kandy Kate, ins Schlingern geraten. Doch sie würde Kandy Kate retten, selbst wenn es das Letzte war, was sie tat. Schließlich ging es um das Erbe ihres Vaters, das obendrein ihren Namen trug. Das Geschäft hatte ihm alles bedeutet, deshalb bedeutete es auch ihr alles.
„Hey Baby, ich verdurste!“
Lautes Gelächter am Tisch riss Kate aus ihren Gedanken. Sie hatte einen Job zu erledigen.
„Beweg deinen hübschen kleinen Hintern hierher, und schenk mir nach.“
„Ja, Sir, selbstverständlich.“ Innerlich kochte sie, als sie sich um den Tisch herumschlängelte, darauf bedacht, Nikos den Rücken zuzukehren.
„Was ist los, Süße? Hast du etwa Angst vor mir?“ Der Mann legte ihr einen Arm um die Taille. „Das brauchst du nicht. Ich bin der netteste Mensch der Welt, da kannst du jeden fragen.“ Noch mehr Gelächter. „Warum setzt du dich nicht auf meinen Schoß, und ich zeige dir, wie nett ich sein kann?“
Kate trat einen Schritt zurück und schloss die Finger fest um den Hals der Champagnerflasche. Das war nur ein schwacher Ersatz für den Hals, den sie eigentlich gern gewürgt hätte, aber sie musste sich damit begnügen. „Ich werde nicht dafür bezahlt, mich zu setzen“, sagte sie und bemühte sich trotz zusammengebissener Zähne um einen heiteren Unterton.
„Nein? Tja, wir könnten dafür sorgen, dass es sich für dich lohnt. Was meint ihr, Jungs?“ Abrupt zog er sie näher, sodass sie das Gleichgewicht verlor.
Sie stolperte und fiel auf ihn, wollte zurückweichen, doch er war zu stark für sie. Bevor sie sich’s versah, hatte er sie rittlings auf den Schoß gezogen und spreizte die Beine. Sein Atem stank nach Alkohol. Ich muss mich übergeben, schoss es ihr durch den Kopf, als sie seine Erektion zwischen den Beinen spürte.
Kein Job war das hier wert. Keine Summe wog es auf, wie ein Stück Fleisch behandelt zu werden.
Menschenskind, wo bleibt deine Selbstachtung, fragte sie sich und holte tief Luft.
Sie durfte keine Szene machen, keine Aufmerksamkeit auf sich lenken – nicht mit Nikos in der Nähe. Vorsichtig wollte sie aufstehen. Ihr Magen rebellierte, weil sie den Mann dadurch offenbar nur noch mehr erregte. Sie stellte die Flasche auf den Tisch und stemmte sich hoch.
„Oh nein.“ Er zog sie zurück, und sie spürte seinen fauligen Atem an ihrem Ohr. „Ich fange gerade erst an, mich zu amüsieren. Das merkst du bestimmt …“
Auf der anderen Seite des glitzernden Saales verengten sich Nikos’ Augen. Er drehte sich auf seinem Stuhl, damit er die junge Frau besser sehen konnte. Irgendwie kam sie ihm bekannt vor. Er ertappte sich dabei, wie er sie anstarrte und sich sein Puls beschleunigte – was er nicht zugeben wollte. Sie konnte es nicht sein … Oder?
Er hatte beobachtet, wie sie die Gläser von Rüpeln füllte, die schon viel zu viel gebechert hatten. Aus dieser Entfernung konnte er nicht viel erkennen, zumal sie ihm den Rücken zukehrte. Die blonden Locken legten nahe, dass er sich irrte. Doch plötzlich hatte sie eine Hand gehoben und an ihrem Ohrläppchen gezupft – eine unbewusste Geste der Verletzlichkeit, die er schon hundert Mal bei ihr gesehen hatte.
In dieser Sekunde war Nikos sicher gewesen.
Sie ist es.
Kate O’Connor.
Er hatte sich zurückgelehnt und darauf gewartet, dass sich sein Herzschlag normalisierte. Ausgerechnet hier musste sie aufkreuzen! Es fühlte sich fast so an, als hätte er sie heraufbeschworen, denn in letzter Zeit hatte er sehr oft an Kate gedacht. War er nicht gerade erst fünftausend Meilen geflogen, um sie zu sehen? Die Aussicht, morgen früh in ihr Büro zu platzen, hatte eine merkwürdige Vorfreude in ihm ausgelöst, die seine Reise fast zu einem Vergnügen gemacht hatte.
Und nun war sie hier, direkt vor seiner Nase, ein Bild von einer Frau in den Klamotten einer Prostituierten. Nie hätte er damit gerechnet, Kate an einem Ort...




