Brody | Mein Leben voller Fragezeichen | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 349 Seiten

Reihe: Baumhaus

Brody Mein Leben voller Fragezeichen


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7325-2385-6
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 349 Seiten

Reihe: Baumhaus

ISBN: 978-3-7325-2385-6
Verlag: Baumhaus
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



So kann es nicht weitergehen! Das beschließt die 15-jährige Brooklyn, nachdem sie durch ihre letzte vermasselte Aktion auf dem Polizeirevier gelandet ist. Sie ist einfach nicht in der Lage, vernünftige Entscheidungen zu treffen.

Die Lösung? Ein Blog, auf dem ihre Leser für sie entscheiden. Und zwar alles: Von der Wahl der Klamotten über die Lektüre für den Englischkurs bis zu 'Wer ist der Richtige für mich?'. Ob das wirklich gut geht?



Jessica Brody wurde in Los Angeles geboren und zog im Alter von 12 Jahren mit ihrer Familie nach Colorado. Neben "Fieses Karma" und "Mein Leben voller Fragezeichen" hat sie auch zwei Belletrisikromane geschrieben. Sie lebt abwechselnd in Kalifornien und Colorado, weil sie sich nicht entscheiden kann, wo sie leben will.
Brody Mein Leben voller Fragezeichen jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Echte Freunde lassen ihre Freunde keine Fajitas kochen


Es ist nicht so, als hätte ich den elterlichen Faktor in dieser Gleichung nicht in Betracht gezogen. Ich habe mich bloß mit voller Absicht entschieden, nicht daran zu denken. Und es vorgezogen, in einer Welt zu leben (wenn auch nur in meiner Fantasie), in der es Eltern einfach nicht gibt.

Es gibt ein Wort für so ein Verhalten, wisst ihr. Man nennt es verleugnen.

»Sie haben noch einen frühen Flug aus Boston erwischt«, erklärt mir der Officer, als er die Tür öffnet und mich durch eine Reihe von Gängen führt.

Boston. Es hat alles mit Boston, Massachusetts, angefangen. Oder, wie mich meine perfekte und vernünftige ältere Schwester, die nie ein Haus niederbrennen würde, schnell verbessern würde, mit Cambridge, Massachusetts. Heimat der Harvard-Universität. Einer Uni für Leute, die gute Entscheidungen treffen. Entscheidungen, aufgrund derer man nicht auf nach verbranntem Toast riechenden Polizeiwachen landet.

Mit anderen Worten, einer Uni für Leute wie Isabelle Pierce.

Und Anfang Oktober findet jedes Jahr ein Wochenende statt, das besonders den stolzen Eltern dieser herausragenden Musterexemplare, die nie ein Haus niederbrennen würden, gewidmet ist. Es nennt sich »Familienwochenende«. Aber man hätte es genauso gut »Elternwochenende« nennen können, denn ich kann mich als offizielles Mitglied der »Familie« nicht daran erinnern, eine Einladung erhalten zu haben. Nicht dass ich hingegangen wäre. Nicht dass es mir auch nur in den Sinn gekommen wäre, hinzugehen. Vor allem, als ich erfuhr, dass »Familienwochenende« auch »Brooklyn hat das ganze Haus für sich allein Wochenende« bedeutet. Obwohl ich mir vorstellen kann, dass irgendwann beide Bezeichnungen komplett gestrichen und einfach ersetzt werden durch »Das Wochenende, an dem Brooklyn ein Musterhaus niederbrannte«.

Ein Tag, auf den wir irgendwann einmal zurückblicken und gemeinsam darüber lachen können.

Alles klaaaar.

Ich gebe Izzy die Schuld. Wenn sie es nicht auf eine so angesehene und versnobte Uni geschafft hätte, wären meine Eltern nie übers Wochenende weggefahren, und ich hätte nie die Gelegenheit gehabt, Shaynes genialer Idee (jedenfalls schien sie das zu dem Zeitpunkt zu sein) zuzustimmen. Wenn meine Schwester einfach so eine tierische Versagerin wie ich wäre, würde sie vermutlich zu Hause wohnen, auf irgendein lahmarschiges Gemeinde-College im Stadtzentrum von Denver gehen, und nichts davon wäre passiert. Dann würde ich jetzt friedlich in meinem Bett schlafen und die letzten gesegneten Stunden des Wochenendes genießen, anstatt hier zu sitzen und die letzten paar Schritte zu meiner Hinrichtung zu machen.

»DU HAST MEIN MUSTERHAUS ABGEBRANNT?!«

Offensichtlich sieht mich meine Mutter, bevor ich sie sehe, und legt direkt los.

»Wie konntest du so etwas tun?«, brüllt sie, noch bevor ich mit beiden Beinen im Eingang stehe.

»Camille.« Mein Vater legt ihr sanft eine Hand auf die Schulter. »Wir haben uns versprochen, ruhig und vernünftig damit umzugehen.«

»Das war in einer Höhe von zehntausend Metern«, gibt meine Mom knurrend zurück. »Das hier ist der Eingang der Polizeiwache von Parker! Von vernünftig kann hier überhaupt nicht mehr die Rede sein!«

»Es war ein Unfall, ehrlich«, setze ich an, doch mein Dad bringt mich mit einem Blick zum Schweigen, der besagt: »Sei still, wenn du das überleben willst.«

»Ein Unfall?«, brüllt meine Mom. »Ein Unfall! Und in mein Büro zu schleichen, meine Schlüssel zu stehlen und einen Raver in dem Musterhaus meines bisher größten Bauprojekts abzuhalten, war dann wohl auch ein Unfall, ja?!«

Ich bin mir ziemlich sicher, dass meine Mom »Rave« meint, aber ich bin so schlau, sie nicht zu korrigieren. Vermutlich die erste kluge Entscheidung, die ich seit Langem getroffen habe.

Officer Banks räuspert sich, und wir drehen uns alle zu ihm um. Überraschenderweise scheint es ihn kein bisschen zu stören, unserem Familienstreit beiwohnen zu müssen. Vermutlich sieht er so was ständig. Schließlich ist es nicht so, als hätte die Polizei in dieser Stadt irgendetwas Besseres zu tun, als jugendliche »Ravers« zu beenden. Parker, Colorado, ist nicht gerade eine Hochburg des organisierten Verbrechens. Letztes Jahr wurde ein College-Student dabei erwischt, als er Gras aus dem Kofferraum des Geländewagens seiner Mutter verkaufte, und die ganze Stadt redet immer noch über diesen »unglaublichen Skandal«. Leider verheißt das nichts Gutes, was meinen Plan betrifft, diese ganze Angelegenheit einfach aus meinem Gedächtnis zu streichen.

»Lasst uns zu Hause darüber reden«, schlägt mein Dad vor und nickt dem Polizisten entschuldigend zu.

Ohne ein weiteres Wort wirbelt meine Mom herum und stürmt aus der Tür. Ich kann den Rauch praktisch sehen, den sie hinter sich herzieht.

»Wir werden Bob anrufen müssen«, sagt mein Dad, als er auf den Highway 83 fährt. Nachdem ich die ganze Nacht in der Polizeiwache eingesperrt gewesen bin, blendet mich die strahlende Morgensonne. Meine Mom starrt mit leerem Blick aus dem Beifahrerfenster. Eigentlich wirkt ihr Blick nur leer. Ich kenne sie gut genug, um zu wissen, dass Leere das Letzte ist, was gerade in ihrem Kopf herrscht. Diesen Gesichtsausdruck hat sie immer, wenn sie sich von jemandem hintergangen fühlt. Eine beunruhigende Mischung aus Wut, Traurigkeit und »Was habe ich getan, um das zu verdienen?«. Bei dem Blick möchte man sich regelrecht vor Schuldgefühlen übergeben.

»Wer ist Bob?«, melde ich mich mutig zum ersten Mal zu Wort, seit wir die Polizeiwache verlassen haben. Meine Mom hat zu meiner Überraschung noch keinen Ton gesagt.

»Unser Familienanwalt«, antwortet mein Dad.

»Oh«, murmele ich schwach, so niedergeschlagen und emotional erschöpft fühle ich mich. Aber was ich wirklich fragen will, ist: »Wir haben einen Familienanwalt?« Komisch, dass ich das bisher nicht wusste. Vermutlich, weil wir ihn bis jetzt nie wirklich brauchten. Vielleicht sollte ich vielmehr sagen … bis ich kam.

»Ich hoffe, dass er die Anklage wegen Brandstiftung abschmettern kann«, denkt mein Dad laut nach. »Aber die wegen unbefugten Betretens wird sich nur schwer abstreiten lassen. Außer dir hatte sonst niemand Zugang zu den Schlüsseln des Musterhauses. Und was die Anklage wegen Alkoholkonsums Minderjähriger betrifft, lässt sich nichts machen. Als sie dich auf die Wache gebracht haben, war dein Blutalkoholgehalt jenseits von Gut und Böse. Zum Glück ist niemand verletzt worden. Sonst hätten wir jetzt wahrscheinlich auch noch eine ernstzunehmende Klage am Hals.«

Glück.

Es rauschen gerade Millionen unterschiedlicher Gefühle durch mich hindurch, aber »Glück« ist bestimmt nicht dabei.

Mein Dad fährt durch das Labyrinth von Straßen in unserer Siedlung, bis wir schließlich in unserer Garage parken. Er hat den Motor noch gar nicht abgeschaltet, als meine Mom ihren Gurt löst, die Tür öffnet und ins Haus stapft. Manchmal kommt mir ihr Schweigen schlimmer vor als ihr Geschrei. Und in diesem Augenblick wäre es mir fast lieber, sie würde mich weiter anschreien. Zumindest wüsste ich dann, was sie denkt.

Mein Dad hingegen ist wie immer völlig gefasst. Gelassen. Ausgeglichen. Ich kann an einer Hand abzählen, wie oft er im Laufe meines Lebens die Beherrschung verloren hat. Alle Leute sagen, dass sich meine Eltern perfekt ergänzen würden. Wie ein Luftballon, der an einen Stein gebunden ist. Bis zu diesem Moment hatte ich nie richtig verstanden, was sie damit meinten.

»Was genau bedeutet Brandstiftung?«, frage ich meinen Dad, während ich mich losschnalle, ohne mich vom Platz zu rühren. Obwohl ich es eigentlich kaum erwarten konnte, endlich zu Hause zu sein, habe ich es gerade absolut nicht eilig, reinzugehen.

Mein Dad atmet tief durch. »Es bedeutet, dass sie glauben, du hättest das Feuer absichtlich gelegt.«

Ich spüre, wie mir Panik die Kehle zuschnürt. »Das hab ich nicht!«, kreische ich. »Ehrlich!«

Mein Dad sieht mich im Rückspiegel an. Trotz der Enttäuschung, die seine Miene unübersehbar zeichnet, ist da auch eine Spur von Mitleid. »Ich weiß, Brooks«, sagt er mit einer beunruhigenden Schärfe in seinem sonst herzlichen Tonfall. »Genau deshalb brauchen wir einen Anwalt.«

Genau genommen habe ich das Feuer gelegt. Aber ich lüge nicht, wenn ich sage, dass es ein Unfall war. Auch wenn ich entscheidungstechnisch eine Niete sein mag, bin ich definitiv kein Feuerteufel. Ich dachte bloß, dass Fajitas die Party noch viel besser machen würden. Okay, ich geb’s zu, ich war nicht ganz bei Sinnen, als ich zu diesem Schluss kam. Und ich habe wohl ein für alle Mal bewiesen, dass Punsch trinken und Fajitas kochen einfach nicht zusammenpassen. Vor allem, wenn sich herausstellt, dass das »frische Gemüse«, das man zum Kochen benutzt, aus Plastik ist, wie so viele andere Sachen in einem Musterhaus. Natürlich fingen die »grünen Paprika« und »Tomaten« ziemlich schnell an zu brennen, und die eleganten Stoffservietten, mit denen ich die verkohlten Requisiten aus der Pfanne holte, erwiesen sich als überraschend entzündlich. Und bevor ich wusste, was los war, rannten hundert betrunkene Teenager um das Haus herum und schrien »Feuer!«, und im nächsten Augenblick legte man mir auch schon Handschellen an.

So sollte es eigentlich nicht ablaufen.

Es sollte die Party des Jahrhunderts werden … des...


Jessica Brody wurde in Los Angeles geboren und zog im Alter von 12 Jahren mit ihrer Familie nach Colorado. Neben "Fieses Karma" und "Mein Leben voller Fragezeichen" hat sie auch zwei Belletrisikromane geschrieben. Sie lebt abwechselnd in Kalifornien und Colorado, weil sie sich nicht entscheiden kann, wo sie leben will.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.