E-Book, Deutsch, 216 Seiten
Brose Farben, Formen, Fabulieren
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-497-61457-8
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Künstlerische Sprach- und Schreibförderung für Kinder von 5 bis 10
E-Book, Deutsch, 216 Seiten
ISBN: 978-3-497-61457-8
Verlag: Ernst Reinhardt Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Susanne Brose, Freiburg, ist Dipl.-Kunstpädagogin /Kunsttherapeutin, Museumspädagogin und integrative Lerntherapeutin. Sie arbeitet in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften und pädagogischen Fachkräften in Deutschland und in der Schweiz.
Zielgruppe
(Kunst-)PädagogInnen, (Kunst-)LehrerInnen, ErzieherInnen, LerntherapeutInnen, BerufsschullehrerInnen, MuseumspädagogInnen
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
3 Die Sprache der Farben
Können Farben eigentlich Geschichten erzählen?
Gibt es fröhliche und traurige Farben? Gibt es ruhige und aufgeregte Linien? Fragt man Kinder, wir haben es bereits zu Beginn gehört, so ist deren Antwort in den meisten Fällen eindeutig. Ja, Farben, Linien und Formen können Geschichten erzählen! Denn auch Bilder haben eine Sprache. Im Alter von ca. fünf Jahren – es ist das sogenannte Phantasiealter – beginnen gegenständlich-illustrative Erzählbilder zu wirklichen oder erdachten Erlebnissen nur so hervorzusprudeln (Wierz 2012). In leuchtenden Farbexplosionen wird gleichzeitig die Welt der Farbe erobert. Kinder baden förmlich mit Leib und Seele darin.
„Farben satt“
Farbmischexperimente, Aquarellmalen zu Farbgeschichten und großformatiges Malen auf Leinwand ermöglichen Kindern in den Kunstwerkstätten dieses Kapitels ein Eintauchen in die emotionalen Qualitäten der Farben und schult damit ihre Fähigkeiten, Bilder zu deuten und zu verstehen (Visual Literacy). „Gelb kann Glück malen und auch Schmerz. Es gibt Feuerrot, Blutrot und Rosenrot. Es gibt Silberblau, Himmelblau und Gewitterblau. Jede Farbe birgt in sich eine Seele, mich beglückend oder abstoßend oder anregend“ (Urban 2002, 16). So beschrieb der expressionistische Maler Emil Nolde, wie differenziert sich der emotionale Gehalt von Farben erleben lässt. Aus den drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau entstehen im Malprozess die Mischfarben Orange, Grün und Violett. Im Verlaufe der Malaufgaben entfaltet sich eine Farbenlehre für Kinder. Der sechsteilige Farbkreis wird vorgestellt. Auch die Komplementärfarben, hier „Freundschaftsfarben“ genannt, werden kindgerecht erklärt und bildnerisch umgesetzt.
Farbenlehre für Kinder
Grundvoraussetzung für eine lebendige Farbenlehre ist, Kindern eigene Erfahrungen mit dem Mischen und Herstellen von Farbtönen zu ermöglichen. Aus diesem Grund sollten beim Wasserfarbenmalen so oft wie möglich nur die Grundfarben Gelb, Blau und Rot angeboten werden, beim Malen mit Tempera-Farben die drei Grundfarben ergänzt durch Schwarz und Weiß. Aus diesem reduzierten Farbenspektrum lassen sich (fast) alle Farben selber anmischen – vorausgesetzt, man weiß, wie! Und genau das sollen die Kinder in diesem Kapitel lernen.
Erzählen zu und in Bildern
In den Erzählanlässen, Fabulierspielen und Fabulierwerkstätten des Farben-Kapitels liegt der Schwerpunkt auf der mündlichen Sprachförderung, denn das Erzählen zu und in Bildern ist wesentliche Vorbedingung für das spätere Schreiben und Lesen. Für Kinder mit ersten Buchstabenkenntnissen und Schreiberfahrungen werden –angeregt durch dialogische Bildbetrachtungen und phantasievolle Sprachspiele – Buchstaben, Wörter oder kurze Sätze als Schreibimpulse in entstehende Bilder, Gedichte oder Mini-Bücher einbezogen. Der Übergang von der logografischen zur alphabetischen Stufe der Schriftentwicklung wird so begleitet.
Malen mit flüssigen Aquarellfarben
Farberlebnisse ermöglichen – Malen mit Aquarellfarben: Einen idealen Einstieg in die Welt der Farben bietet das Malen eines Aquarells auf feuchtem Malgrund, die sogenannte Nass-in-Nass-Technik. Beim Malen mit flüssigen Aquarellfarben auf dem angefeuchteten Papier beginnen die leuchtenden und glänzenden Farben, sich miteinander zu vermischen. Farbschlieren bewegen sich im wässrigen Element, unerwartete Farbmischungen und Verwandlungsprozesse entstehen vor den Augen des Malenden. Besonders schön sind diese Farbklänge oft, solange sie feucht sind. Im Trocknungsprozess verlieren sie durch das verdunstende Wasser ihren Glanz. Erst hinter Glas leuchten sie dann wieder!
Wirkungen des Nass-in-Nass-Aquarellierens: Tiefes Farberleben, Entspannung und Konzentration können von Kindern in solchen Malprozessen erlebt werden. Auch kleine Kinder, schon ab dem Alter von drei Jahren, genießen im Allgemeinen, wie die Farbe sich auf dem wässrigen Grund verwandelt, ganz ohne eigenes Zutun. Kinder begleiten dies staunend und voller Begeisterung. Negativ kann das flüssige, nicht kontrollierbare Element Wasser in der Nass-in-Nass-Technik bei jenen Kindern (und Erwachsenen) wirken, die sehr unruhig sind oder ein starkes Kontrollbedürfnis haben. Für diese Menschen bietet es sich an,
a) auf trockenem Papier mit starken Farben (in geringer Verdünnung) zu arbeiten oder
b) auf malerische Mischtechniken mit „trockenen“ Farben auszuweichen. Dabei wird auf dem trockenen Papier zuerst mit fetthaltigen Wachs- / Ölkreiden, Kerzenwachs oder Buntstiften gezeichnet und die Zeichnung anschließend mit flüssiger Aquarellfarbe übermalt. Die wasserabweisenden Spuren der fetthaltigen Kreiden bleiben trotz Übermalung sichtbar und bieten Halt und Struktur. Diese Technik wird in diesem Buch „Zaubertechnik“ genannt und ist bei Kindern generell sehr beliebt (Durchführungsbeispiel Kap. 4.2 / 27).
Vorgehensweise: Die Kinder sehen der Lehrkraft bei den Vorbereitungen zu und machen anschließend die Handlungsschritte nach. Die Tischplatte wird mit einem nassen Schwamm befeuchtet, danach ein Aquarellpapier aufgelegt und von beiden Seiten mit dem feuchten Schwamm benetzt. Wichtig dabei ist, dass man den Schwamm schön glatt und sanft, ohne zu starken Druck, über das Papier zieht. Anschließend muss man prüfen, ob nicht zu viel Wasser auf dem Papier steht (Pfützen), denn sonst verschwimmt das Bild hinterher zu sehr. Gut erkennt man die optimale Papierfeuchtigkeit an dem leichten, spiegelnden Glanz der Papieroberfläche. Überflüssiges Wasser wird mit einem Schwämmchen abgetupft. Anschließend wird mit den flüssigen Aquarellfarben auf dem feuchten Grund gemalt. Dabei ist auch wichtig zu zeigen, dass man den Pinsel im Wasserglas abstreicht, auf dem Mallappen abtupft und dann ins Farbglas tunkt.
Papier, Pinsel und Pinselhaltung
Gemalt wird in der Nass-in-Nass-Technik auf günstigem Aquarellpapier, bei Tempera-Farben werden stabiles, weißes Zeichenpapier bzw. andere feste Malgründe wie Pappe oder Leinwand empfohlen. Als Pinsel bieten sich breite Borstenpinsel Nr. 10 oder Nr. 12 an. Der Pinsel wird locker zwischen Daumen und Zeigefinger im unteren Drittel des Pinselstiels gehalten.
Farbauswahl: Grundfarben Gelb, Blau, Rot
Beim Nass-in-Nass-Aquarellieren wird im Allgemeinen mit sehr farbintensiven, hochpigmentierten, flüssigen Aquarellfarben aus dem Fachhandel gearbeitet. Diese werden vor Gebrauch portionsweise mit Wasser weiter verdünnt. Dabei wird nur mit den drei Grundfarben Gelb, Rot und Blau gemalt, die in ihrer warmen (mit Rotanteil) oder kühlen (mit Blauanteil) Ausprägung als Set angeboten werden. Die Farbtöne heißen Goldgelb / Zitronengelb, Zinnoberrot / Karminrot, Ultramarinblau / Preußisch Blau.
Mischfarben
Mischt man zwei der Grundfarben oder Primärfarben miteinander, so entstehen die Mischfarben (Orange, Grün und Violett). Sie werden Sekundärfarben genannt. Mischt man zwei der Sekundärfarben miteinander, so entstehen verschiedene Braun- und Grüntöne, die sogenannten Tertiärfarben (Siena, Oliv, Aubergine).
3.1 Farbgeflüster
1 Gelb, Rot, Blau: Die Grundfarben
Abb. 9: Malexperimente auf feuchtem Aquarellpapier
Förderschwerpunkte: genau hinschauen / hinhören lernen, sich konzentrieren und entspannen
Material: Aquarellpapier, Wasserglas, kleine Farbgläser, Schwämmchen, Mallappen, Borstenpinsel, flüssige Aquarellfarbe (Goldgelb, Karminrot, Ultramarinblau)
Vorbereitung / Durchführung: Hinweise zur Gestaltung (Info-Box „Malen mit flüssigen Aquarellfarben“, Kap. 3)
Altersgruppe: ab fünf Jahre
So geht’s:
Die Farben baden lassen
Abb. 10: Die Farben berühren sich
Abb. 11: Der Pinselstiel hinterlässt zeichnerische Spuren
Heute malen wir mit Wasserfarben. Wie ihr euch denken könnt, heißen die Farben Wasserfarben, weil man mit sehr viel Wasser malt. Man nennt sie auch Aquarellfarben, denn „Aqua“ bedeutet Wasser. Nicht nur in den Farben ist viel Wasser, sondern sogar auf dem Papier! Damit es keine große Planscherei gibt, brauchen wir Schwämmchen und Lappen. Bevor es ans Malen geht, müssen erst mal die Farben, die Malpapiere und die Malplätze gut vorbereitet werden. Sobald euch gezeigt wurde, wie es geht, könnt ihr loslegen und die Farben baden lassen (Abb. 9, 10, 11)!
1. Versucht im ersten Bild einmal, ganz frei heraus, die drei Farben Gelb, Rot und Blau miteinander spielen zu lassen! Taucht den Pinsel in eins der Farbgläser und streicht zart über das feuchte Papier. Seht ihr, wie die Farbe sich ausbreitet? Wascht nun eure Pinsel aus und nehmt eine andere Farbe dazu. Seht ihr, wie schön sich die Farben mischen, wenn sie sich berühren? Könnt ihr spüren, wie die Farben miteinander flüstern und sich Geheimnisse verraten?
2. Versucht jetzt im zweiten Bild einmal, die Farben immer so nebeneinander zu setzen, dass sie sich nicht berühren. Da muss man ganz schön aufpassen und ein bisschen Abstand lassen! Ihr könnt anschließend eure Pinsel umdrehen und mit dem Pinselstil ein paar Linien ziehen! Seht ihr, dass sie dunkler...




