Brown | Und dann war es Liebe | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 332 Seiten

Reihe: Lübbe

Brown Und dann war es Liebe

Roman
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-0744-2
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 332 Seiten

Reihe: Lübbe

ISBN: 978-3-7517-0744-2
Verlag: Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Muss man sich manchmal verlaufen, um die Liebe zu finden?

Nach einem wunderschönen Urlaub mit ihrem Verlobten setzt sich Hannah im Nachtzug aus Versehen in den falschen Waggon und wacht am Morgen nicht wie geplant in Amsterdam, sondern in Paris auf. Der nächste Zug nach Amsterdam geht erst am Nachmittag. Wohl oder übel muss Hannah den Tag in Paris bleiben, aber was soll sie mit der Zeit anfangen, ganz allein?

Léo ist das gleiche Missgeschick passiert. Auch er ist aus Versehen im falschen Waggon gelandet, auch er muss am gleichen Abend geschäftlich in Amsterdam sein. Aber anders als Hannah kennt Léo Paris wie seine Westentasche.

Die beiden treffen sich am Ticketschalter und beschließen, den Tag zusammen zu verbringen ...



Lorraine Brown absolvierte zunächst eine Schauspielausbildung, bevor sie Psychologie studierte und in diesem Fach ihren Doktor machte. 2017 nahm sie an einem Schreibwettbewerb teil, aus dem ihr erster Roman Und dann war es Liebe hervorging. Lorraine Brown lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in London.

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In Waggon A fand ich schließlich zwei leere Sitze und glitt auf den Fensterplatz, sodass ich mich an die Scheibe lehnen konnte. Ich hatte eigentlich nicht vorgehabt, so weit nach vorn zu gehen, aber in dem Wagen vor uns hatten drei betrunkene Kerle einen Riesenlärm veranstaltet, und im nächsten roch es so muffig, als ob jemand seine Klamotten tagelang in der Waschmaschine hätte vergammeln lassen. Es war schon irgendwie albern, dass ich mich so anstellte – ich meine, wir saßen in einem Nachtzug quer durch Europa, was hatte ich denn erwartet? Wie auch immer – ich war jetzt hier, und Waggon A kam mir wie die unproblematischste Option vor, obwohl ich das Scheppern schlechter Dance-Musik ertragen musste, die aus den Kopfhörern eines Typen ein paar Sitze hinter mir dröhnte. Spielte er immer denselben Song in Endlosschleife? Ich sah über die Schulter nach hinten, um ihm einen bösen Blick zuzuwerfen, aber er war zur Seite gesunken und hatte die Augen fest geschlossen. Welcher Mensch konnte bitte bei so lauter Musik schlafen? Verzweifelt wühlte ich noch einmal in meiner Tasche. Ich würde einfach meine Musik als Gegenmittel zu seiner anmachen. Ich hätte beinahe einen Freudenschrei ausgestoßen, als ich statt meines Handys meine Ohrstöpsel in den Händen hielt. Ich hatte sie also gar nicht in Venedig vergessen. Sie klemmten in einer Broschüre, die geführte Touren durch die Galleria dell’Accademia bewarb. Ich drückte sie in meine Ohren, schlüpfte aus den Schuhen und versuchte, ein bisschen zu schlafen.

Als ich die Augen wieder aufschlug, durchflutete frühes Morgenlicht den Waggon. Verwirrt tastete ich nach Simon, weil ich vergessen hatte, dass er nicht neben mir saß, sondern irgendwo weiter hinten, und hoffentlich nicht ahnte, dass ich mich überhaupt umgesetzt hatte. Ich nahm die Ohrstöpsel heraus, legte den Kopf nach rechts und links und massierte mir den schmerzenden Nacken. Ich ärgerte mich über mich selbst, dass ich nicht so weit gedacht hatte, meine Strickjacke mitzunehmen – dann hätte ich sie wenigstens als Kopfkissen benutzen können. Ich schaute aus dem Fenster und fragte mich, wo wir waren, während ich zusah, wie die Welt stumm an mir vorüberglitt. Die Details waren verschwommen und verzerrt, wie in einem dieser altmodischen Amateurfilme, die auf einer Schmalfilmkamera gedreht worden waren. Die Sonne war fast vollständig hinter hoch aufragenden Wolken versteckt, die innen Elefantengrau und außen von einem brillanten, silbrigen Weiß umrahmt waren. Ich drückte die Nase gegen die Scheibe, als wir durch ein hübsches Dörfchen schossen, das aus fünfzehn oder zwanzig Häusern bestand, alle mit weiß getünchten Mauern und terrakottafarbenen Dächern. Der kleine, verlassene Bahnhof erinnerte mich an die Eisenbahn, die mir mein Dad zum siebten Geburtstag gekauft hatte.

Ich konnte mich noch immer an den Tag erinnern, als ich im Schneidersitz auf dem braunen Cordsofa im Wohnzimmer gesessen und darauf gewartet hatte, dass er von der Arbeit kam, damit wir uns über den Igel-Kuchen hermachen konnten, den meine Mum gebacken hatte. Ich erinnerte mich, wie Dad nach dem Tag auf der Baustelle durch die Tür getreten war, staubig und erschöpft und mit einer großen Schachtel, die in rotglänzendes Papier gewickelt gewesen war. Einige Wochen später hatte er uns dann verlassen, vermutlich hatte sich diese Erinnerung deshalb so tief in mein Gedächtnis eingebrannt. Geburtstage waren danach nie wieder dasselbe gewesen.

Ich ließ die Fußgelenke kreisen, um wieder etwas Leben in meine Glieder zu bekommen, und band mein Haar zu einem Knoten, wobei ich den ausgefransten Haargummi benutzte, der über Nacht einen hochroten Kreis in mein Handgelenk gegraben hatte. Auf der Suche nach den hautfarbenen Ballerinas, die ich irgendwann abgestreift hatte, tastete ich unter dem Sitz vor mir herum, bis ich sie endlich fand und hineinschlüpfte. Dann richtete ich mich gähnend auf, streckte mich und sah mich im Waggon um. Die meisten Passagiere schienen wach zu sein, blätterten in Reiseführern oder Zeitschriften und stopften sich dabei mit Sandwiches aus der Mikrowelle voll. Bei dem Geruch begann mein Magen zu knurren. Wenn ich zurück bei Simon wäre, würde ich kurz in den Speisewagen flitzen und Frühstück für uns besorgen. Er liebte Croissants mit Marmelade und Butter; ich würde ihm gleich zwei davon mitbringen und dazu einen schönen starken Kaffee.

Ich nahm meine Tasche und tappte den Gang hinunter, denselben Weg zurück, den ich in der Nacht gekommen war. Der Zug bewegte sich ruckartig voran, und ich musste mich sehr konzentrieren, um nicht zur Seite zu taumeln, wobei ich mindestens einmal kläglich versagte und die Schulter eines Mitreisenden rammte. Je weiter ich in die Mitte des Zuges vordrang, desto voller wurde es. Ich grub die Fingernägel in den Stoff der Sitzlehnen und lugte über Schultern, um zu sehen, was die Leute aßen, bis es irgendwann nicht mehr weiterging. Da war eine Tür im Weg, die weder ein Fenster noch einen Knopf hatte, auf den ich drücken konnte, um in den nächsten Wagen zu kommen.

Verwirrt starrte ich sie an. Vielleicht hatte der Schlafmangel mich in eine Art Wahnzustand verfallen lassen. Ich musste nachdenken. Ich war wohl zu weit gegangen und hatte meinen Sitz und das Gepäckfach mit meinem Koffer verpasst, in dem sich die frische Unterwäsche befand, nach der ich mich sehnte. Und mein Kulturbeutel, mit dem ich mich kurz auf die Toilette verziehen konnte, um mich zu waschen und mir die Zähne zu putzen.

Ich versuchte, den Griff an der Tür zu drehen, aber er bewegte sich nicht. Ich war nur durch vier Wagen gelaufen, und ich wusste – wusste –, dass der Zug länger gewesen war.

Ich drehte mich um und ging den Weg zurück, den ich gekommen war. Ich klammerte mich erneut an den Sitzen fest, während der Zug schwankte und schlingerte, drehte den Kopf nach links und rechts, suchte nach Simons Gesicht, seinem blonden Haarschopf, der schwarzen Strickjacke auf meinem Sitz. Mir war kalt in meinem dünnen Sommershirt. Immerhin befanden wir uns mittlerweile weiter im Norden, vielleicht in Frankreich, vielleicht auch schon in Holland. Die Klimaanlage funktionierte endlich, und ich hatte nicht annähernd genügend Schichten an. Ich kam an dem Sitz vorbei, wo ich geschlafen hatte, und gelangte zu einer weiteren grauen Tür. Die Aufschrift Kein Zutritt in drei Sprachen ließ vermuten, dass es sich um den Zugang zur Fahrerkabine handelte. Ich lehnte mich mit dem Rücken dagegen und schaute den Gang hinunter über ein Meer von Köpfen und ausgestreckten Füßen hinweg. Ich atmete tief durch. Ich war verwirrt. Ganz offensichtlich hatte ich etwas übersehen. Simon musste vorhin auf der Toilette gewesen sein, so einfach war das! Ich würde noch einmal bis zum letzten Wagen gehen und ihn finden. Ich sah auf mein Handy. 6:14 Uhr. Wir würden erst um neun Uhr irgendwas in Amsterdam ankommen, also hatte ich genug Zeit.

Ich setzte mich wieder in Bewegung und machte mich auf die Suche nach irgendeinem bekannten Gesicht. Nach der amerikanischen Familie oder dem niederländischen Paar, das hinter uns gesessen hatte – aber ich konnte niemanden entdecken.

Mein Herz klopfte bis zum Hals. Noch einmal kam ich am Ende des Zuges an, kehrte um und ging wieder nach vorn, immer auf der Suche nach Hinweisen.

Nach einer weiteren ergebnislosen Tour rutschte ich mit ineinander verkrampften Händen auf den Sitz, auf dem ich die Nacht verbracht hatte. Meine Handflächen waren schweißnass. Ich schaute aus dem Fenster, versuchte, etwas aus der Landschaft herauszulesen, herauszufinden, was unser nächster Halt war. Ich suchte nach irgendetwas, das mir bekannt vorkam, einem Gebäude, einem Straßenschild. Es gab Schilder mit Stationsnamen, aber sie flogen so schnell vorbei, dass ich sie nicht lesen konnte. In meinem Kopf regte sich eine ferne Erinnerung, ein kurzer Augenblick kam mir in den Sinn und war dann wieder weg.

Es nützte nichts, ich würde Simon aufwecken und ihn fragen müssen, wo er war. Ich holte mein Handy heraus, tippte mit ungeschickten Fingern auf dem Display herum, wählte seine Nummer, wartete auf seine Antwort. Er würde nicht erfreut sein, wenn er herausfand, was ich getan hatte. Es klingelte und klingelte, und schließlich ging die Mailbox ran. Ich hielt mich nicht damit auf, eine Nachricht zu hinterlassen. Offensichtlich schlief er noch. Am besten löste ich das Problem, bevor ihm überhaupt klar wurde, dass etwas nicht stimmte.

Ich warf einen Blick in den Mittelgang und überlegte, ob ich jemanden fragen sollte und was ich sagen könnte:

Entschuldigen Sie, aber wissen Sie, wo der Rest des Zuges geblieben ist?

Oder vielleicht: Hallo, ich glaube, ich habe meinen Freund verloren.

Plötzlich hörte ich jemanden auf Italienisch in ein knisterndes Funkgerät bellen und rutschte an den Rand meines Sitzes, bereit zum Sprung.

»Mi scusi, Signore«, rief ich, als ein Fahrkartenkontrolleur vorbeirauschte, den Kopf hocherhoben und bemüht, mit niemandem Augenkontakt aufzunehmen.

»Si, Signora?«, sagte er und zog das S in die Länge, wobei er mir ein breites Lächeln zuwarf. Er trug eine prächtige marineblaue Uniform und eine Kappe mit Goldrand. In den Händen hielt er ein tragbares Fahrkartengerät. Es war ihm anzusehen, dass er ein Paragrafenreiter war.

»Un … un problema«, stammelte ich. Vielleicht wusste er es zu schätzen, dass ich versuchte, seine Landessprache zu sprechen. Ich gab mir Mühe, mich an die wenigen Worte zu erinnern, die ich während des Ferienkurses am College aufgeschnappt hatte. Ich hatte nur mitgemacht, weil Ellie mich...


Brown, Lorraine
Lorraine Brown absolvierte zunächst eine Schauspielausbildung, bevor sie Psychologie studierte und in diesem Fach ihren Doktor machte. 2017 nahm sie an einem Schreibwettbewerb teil, aus dem ihr erster Roman Und dann war es Liebe hervorging. Lorraine Brown lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in London.

Lorraine Brown absolvierte zunächst eine Schauspielausbildung, bevor sie Psychologie studierte und in diesem Fach ihren Doktor machte. 2017 nahm sie an einem Schreibwettbewerb teil, aus dem ihr erster Roman Und dann war es Liebe hervorging. Lorraine Brown lebt mit ihrem Mann und ihrem Sohn in London.



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