E-Book, Deutsch, 448 Seiten
Brown Vertrau ihm nicht
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-641-29669-8
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Thriller
E-Book, Deutsch, 448 Seiten
ISBN: 978-3-641-29669-8
Verlag: Blanvalet
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
»Schlafende Hunde sollte man ruhen lassen.« Nach Meinung von Arden Wallace ist diese Lebensweisheit in ihrer Familie viel zu lange befolgt worden: Sie will endlich wissen, was in jener Nacht geschah, als ihr Vater nach einem Raubüberfall spurlos verschwand, und beginnt selbst zu ermitteln. Hat vielleicht Ledge Burnet etwas mit der Sache zu tun, der Ex-Soldat mit den stahlblauen Augen und dem Unendlichkeitstattoo? Immer wieder versucht er, ihre Nachforschungen zu sabotieren, trotz der explosiven Anziehungskraft zwischen ihnen. Dass sie der Wahrheit schon gefährlich nahegekommen ist, sie niemanden vertrauen kann, wird ihr erst viel zu spät klar ...
Spannung, Leidenschaft und unvergessliche Charaktere - lesen Sie auch die anderen Romane von Sandra Brown (Auswahl):
Verhängnisvolle Nähe
Sein eisiges Herz
Stachel im Herzen
Tödliche Sehnsucht
Sandra Brown arbeitete als Schauspielerin und TV-Journalistin, bevor sie mit ihrem Roman »Trügerischer Spiegel«auf Anhieb einen großen Erfolg landete. Inzwischen ist sie eine der erfolgreichsten internationalen Autorinnen, die mit jedem ihrer Bücher die Spitzenplätze der »New York Times«-Bestsellerliste erreicht! Ihr endgültiger Durchbruch als Thrillerautorin gelang Sandra Brown mit dem Roman »Die Zeugin«, der auch in Deutschland zum Bestseller wurde. Seither konnte sie mit vielen weiteren Romanen ihre Leser und Leserinnen weltweit begeistern. Sandra Brown lebt mit ihrer Familie abwechselnd in Texas und South Carolina.
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Kapitel 1
Gegenwart
»Mein Gott, Arden. Ich hatte ja erwartet, dass es heruntergekommen ist, aber …«
Lisa schauderte entsetzt, als sie durch die Hintertür in die Küche trat und sah, wie Arden in den letzten fünf Monaten gelebt hatte.
Arden folgte ihrer Schwester ins Haus und zog einen Stuhl unter dem Esstisch hervor. Der Tischplatte war nicht anzusehen, dass sie erst vor Kurzem poliert worden war, stellte Arden fest, während sie sich setzte. Vor dem gestrigen Tag hatte sie sich über die vielen Kratzer und Kerben geärgert. Heute konnte sie sich nicht vorstellen, dass sie irgendwie von Bedeutung sein könnten.
Lisa redete immer noch, und Arden hörte wieder zu.
»Hast du den Ofen auf Gaslecks prüfen lassen? Das könnte sonst gefährlich werden. Gibt es einen funktionierenden Rauch- oder Feuermelder?«
Das hatte ihr die Frauenärztin bei der letzten Vorsorgeuntersuchung erklärt.
Aber das gestern waren keine Vorwehen gewesen. Es war keineswegs nur eine Übung ihres Körpers gewesen, und in der Obstabteilung des Supermarkts hatte helle Aufregung geherrscht.
Angestrengt lenkte sie ihre Gedanken davon weg und auf Lisa, die in der Küchenmitte stand, mit angezogenen Ellbogen, als hätte sie Angst, sie könnte eine kontaminierte Oberfläche berühren.
»Du hast mir erzählt, dass du nur ein paar Zimmer im Erdgeschoss bewohnst. Was ist dadrin?«
Lisa trat an die offene Tür und schaute durch das Speisezimmer in das Wohnzimmer dahinter. Zwei Jahrzehnte zuvor waren alle Möbel daraus entfernt worden, abgesehen von dem Klavier, das immer noch an seinem angestammten Platz stand. Arden war überrascht gewesen, als sie es hier entdeckt hatte, aber wahrscheinlich stand es aus genau dem Grund noch hier, aus dem Lisa es nicht mitgenommen hatte, als sie ausgezogen waren. Wie soll man ein solch klobiges Musikinstrument auch fortschaffen?
»Die Zimmer oben sind genauso leer, nehme ich an«, bemerkte Lisa. »Sieht nicht so aus, als wärst du auch nur einmal hier drin gewesen.« Sie schaute kurz die Treppe hinauf und drehte sich dann wieder der Küche zu. »Und wo schläfst du?«
Arden nickte zu dem kleinen Zimmer hin, das von der Küche abging. Lisa stieß mit dem Fingerknöchel die halb offene Tür auf.
Es war ein rechteckiger, nichtssagender Raum mit einem rechteckigen, nichtssagenden Fenster. Ihre Mutter Marjory hatte ihn damals als Lagerraum genutzt, für Weihnachtsdekorationen, Sachen für die Altkleidersammlung, die selten gebrauchten Golfschläger ihres Mannes, eine tragbare Nähmaschine und Ähnliches.
Bei ihrem Einzug hatte Arden beschlossen, ihr provisorisches Schlafzimmer lieber dort einzurichten, als in ihrem alten Zimmer im Obergeschoss zu schlafen, denn auf diese Weise musste sie während der fortschreitenden Schwangerschaft nicht ständig die Treppe hinauf und hinunter.
Dieses Thema hatte sich erledigt.
Lisa kommentierte währenddessen ihr freudloses Schlafzimmer. »Ich verstehe beim besten Willen nicht, warum du unbedingt zurückkommen wolltest und so leben willst.«
Arden hatte das Zimmer mit einem Doppelbett, einem Nachttisch mit Lampe und einer Kommode ausgestattet, die sie während der letzten zwei Tage aufgebaut hatte. Sie musste daran denken, wie stolz sie sich danach gefühlt hatte und wie sie sich ausgemalt hatte, bald auch eine Wiege zusammenzuschrauben.
Im Spiegel, den Arden über der Kommode aufgehängt hatte, zeigte sich Lisas fassungslose Miene; dann drehte sich ihre Schwester um, schüttelte langsam den Kopf und studierte Arden wie ein nicht zu entzifferndes uraltes Manuskript.
»Hast du irgendwas zu trinken hier?«
Ohne eine Antwort abzuwarten, kehrte Lisa in die Küche zurück und schaute in den Kühlschrank. »Gut. Cola light. Oder hättest du lieber was anderes? Funktioniert die Eiswürfelmaschine?«
Arden versuchte, mit Lisas forschem Gedankengang Schritt zu halten, aber die lebhaften Erinnerungen hielten ihren Geist gefangen.
Lisa fand die Gläser in dem Küchenschrank, in dem sie schon immer gestanden hatten, und schenkte zwei davon voll. Sie brachte sie an den Tisch und setzte sich Arden gegenüber.
Sie nahm einen Schluck, beugte sich dann vor und deckte Ardens Hand mit ihrer zu. »Schwesterherz.«
Lisa flüsterte den Kosenamen voller Zuneigung, Fürsorge und Besorgnis. Alles davon empfand sie wirklich, das wusste Arden. Lisa ärgerte sich zwar über Ardens Lebensführung, vor allem aber war sie einfach nur fassungslos.
»Seit du mich gestern angerufen hast, hatte ich keine ruhige Sekunde mehr. Ich weiß nicht, wie viel dir vom gestrigen Abend im Gedächtnis geblieben ist, aber als ich ins Krankenhaus kam, warst du abwechselnd hysterisch und im nächsten Moment halb im Koma. Ich war völlig überfordert. Und als ich dich heute Morgen abholen wollte …«
Jetzt tupfte sie sich die Tränen aus den Augen.
Offenbar hatte Lisa es gemerkt, denn sie hörte auf, all die Hürden aufzuzählen, die sich vor Ardens Entlassung aus dem Krankenhaus aufgetürmt hatten. »Eigentlich will ich nur sagen, dass ich bis jetzt gar keine Gelegenheit hatte, dir zu versichern, wie leid mir das alles tut. Wie schrecklich leid, Arden.« Sie streichelte Ardens Hand.
Erneut schossen Arden Tränen in die Augen. Sie schaute in ihr noch unberührtes Glas, in dem die Bläschen der Oberfläche entgegeneilten, nur um dort zu zerplatzen. So vital und lebendig und im nächsten Moment ausgelöscht.
Doch wenn sie sich jetzt daran erinnerte, meinte sie schon in diesem Moment instinktiv und tief im Herzen gespürt zu haben, dass ihr Baby nie einen Atemzug tun würde.
»Wahrscheinlich wirst du es nicht glauben«, fuhr Lisa fort und massierte mit dem Daumen Ardens Fingerknöchel. »Aber ich habe dich dafür bewundert, dass du dich entschieden hattest, das Baby zu bekommen. Versteh mich nicht falsch. Ich war entsetzt, als du mir von dem Kind und von deinen Plänen erzählt hast. Hierher zurückzukehren und es allein großzuziehen? Ausgerechnet ?«
Sie sah sich um, als hoffte sie, auf der ausgeblichenen Tapete...




