E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Julia
Browning Geheimnisse des Herzens
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7515-2808-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-2808-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Aimi könnte glücklich sein: Jonas erwidert ihre Liebe! Sie verlebt wunderbare Wochen mit dem attraktiven Geschäftsmann, aber Jonas weiß nicht alles über sie: Wird er noch an ihrer Seite bleiben, wenn er erfährt, welche schreckliche Schuld sie auf sich geladen hat?
Amanda Browning ist ein überzeugter Single und lebt am Rande der englischen Grafschaft Essex in dem Haus, in dem sie auch aufgewachsen ist. Sie hat engen Kontakt zu ihrer Familie und ist begeisterte Großtante von insgesamt 18 Neffen und Nichten. Ihre absoluten Lieblinge sind die beiden Enkel ihrer Zwillingsschwester. Ihre Karriere als Autorin fing in dem Moment an, als sie ihre Arbeitsstelle in einer Bibliothek kündigte und überlegte, was sie nun machen könnte. Denn da fiel ihr eine Kollegin ein, die ihr bereits früher vorgeschlagen hatte, einen Liebesroman zu schreiben. Ihre ersten beiden Manuskripte wurden abgelehnt, das dritte jedoch gekauft und mit großem Erfolg veröffentlicht. Neben dem Schreiben investiert sie viel Zeit in die Ahnenforschung ihrer Familie. Erst kürzlich fand sie heraus, dass ein entfernter Zweig ihrer Familie in Kanada und den USA lebt. Ein unerlässliches Hilfswerk bei ihren Nachforschungen ist dabei das Internet.
Sie stickt leidenschaftlich gern nach historischen Vorlagen und verbringt bei schönen Wetter viel Zeit im Garten.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Die Welt verändert sich manchmal in einem einzigen Augenblick. Noch einen Moment zuvor ist das Leben so, wie man es geplant hat, und plötzlich liegt die gesamte Zukunft in Trümmern. So ging es Aimi Carteret an diesem denkwürdigen Sommerabend, und es war bereits das zweite Mal, dass ihr Leben in seinen Grundfesten erschüttert wurde.
Sie saß an dem langen Esstisch im Haus von Michael und Simone Berkeley und genoss das unterhaltsame Wortgeplänkel. Neben ihr saß Nick, der Sohn der Gastgeber, ein herzlicher Mann voller Wärme und Freundlichkeit. Er war ein bekannter Chirurg und führte damit eine lange Familientradition fort. Aimi gegenüber saßen Nicks Schwester Paula und ihr Mann, James Carmichael.
Seit einem halben Jahr arbeitete Aimi als Nicks persönliche Assistentin. Nicht nur als Arzt war er sehr gefragt, sondern auch als Autor und kompetenter Interviewpartner in den Medien. Zudem hatte er jetzt begonnen, die Familiengeschichte der Berkeleys aufzuschreiben.
Nachdem Aimis Leben vor neun Jahren vollkommen aus der Bahn geraten war, hatte sie sich entschlossen, Geschichte zu studieren. Doch es war schwierig, eine Anstellung zu finden. Deshalb hatte sie sich alle Fähigkeiten angeeignet, die eine Privatsekretärin benötigt, und arbeitete jetzt für eine erstklassige Agentur, die sie an Kunden vermittelte. Die Arbeit für Nick brachte es mit sich, dass sie ihre Grundkenntnisse in Geschichte verwenden und ihm bei den Recherchen helfen konnte. Endlich hatte sie eine Nische gefunden, die ihr eine persönliche Befriedigung verschaffte.
Wenn ihre alten Freunde sie so sehen könnten, sie würden sie nicht wiedererkennen, dachte Aimi. Sie hatte sich angewöhnt, schlicht und zurückhaltend aufzutreten. Früher dagegen hatte sie ihre großen grünen Augen stets mit Make-up betont, ihr schulterlanges, blondes Haar perfekt frisiert und sich stets nach der neuesten Mode gekleidet.
Die Erinnerung daran, wie hemmungslos sie früher mit Männern geflirtet hatte, schien ihr unendlich weit entfernt. Da sie die Attraktivität ihrer Mutter, einer Schauspielerin, geerbt hatte, war es Aimi nie schwergefallen, Männer für sich einzunehmen. Sie hatte es genossen, doch ernsthaften und tiefer gehenden Beziehungen war sie stets ausgewichen. Ihr Leben war eine einzige Party gewesen. Doch der entsetzliche Schicksalsschlag in Österreich hatte diesem Spaß ein Ende gesetzt. Seither versuchte sie, eine andere Saite ihres Charakters zum Klingen zu bringen: Aimi wollte zuverlässig sein, wertvoll.
Nicks Eltern hatten sie in ihrem Landhaus wie eine Freundin der Familie empfangen, obwohl sie eigentlich nur Nicks Assistentin war. Ursprünglich wollte sie nur die historischen Aufzeichnungen der Familie für das geplante Buch durchsehen, doch Nick schlug vor, sie solle mitkommen und auch die übrigen Familienmitglieder kennenlernen, die sich traditionell in jedem Jahr an diesem Wochenende versammelten.
Während sie nun an dem langen Esstisch saß und den Gesprächen folgte, war sie froh, seiner Einladung gefolgt zu sein. Gerade lachten alle über eine Bemerkung von Paula. Noch ahnte Aimi nicht, dass schon bald ihre Welt zum zweiten Mal aus den Fugen geraten würde.
Die Türglocke läutete. Simone Berkeley sah ihren Mann fragend an. „Wer kann das sein?“, fragte sie.
„Erwartest du jemanden, Mum?“, erkundigte sich Paula im gleichen Atemzug.
Ihre Mutter schüttelte den Kopf.
Kurz darauf hörten sie Schritte, und alle Anwesenden wandten erwartungsvoll die Köpfe zur Tür. Herein trat ein großer, dunkelhaariger Mann, der angesichts der auf ihn gerichteten Blicke verlegen lächelte.
„Hoffentlich habt ihr mir etwas übrig gelassen“, rief er fröhlich und ließ die Freudenschreie, von denen seine Ankunft begleitet wurde, über sich ergehen.
„Jonas!“
Die Familie umringte den späten Gast und ließ Aimi Zeit, Jonas Berkeley zu betrachten. Sie hatte natürlich von ihm, dem ältesten Sohn, gehört. Er war Eigentümer eines äußerst erfolgreichen Unternehmens und beruflich wie privat ständig weltweit unterwegs. Sein Name wurde regelmäßig in den Zeitungen erwähnt, gelegentlich im Zusammenhang mit der Firma, häufiger allerdings in den Klatschspalten, die ihn auf Fotos an der Seite schöner Frauen zeigten. Niemand in der Familie hatte erwartet, dass er zum jährlichen Treffen erscheinen würde.
Aimi war überrascht, wie sie selbst auf seine Anwesenheit reagierte. Sofort als sie ihn sah, wurde etwas in ihrem Innern vollkommen aufgewühlt. Ihre Nerven waren zum Zerreißen angespannt. Das Lachen, mit dem er seine Familie begrüßte, ließ sie erschauern, und das abenteuerlustige Glitzern in seinen aufsehenerregend blauen Augen warf sie aus der Bahn. Niemals zuvor hatte sie derart auf einen fremden Menschen reagiert. Plötzlich war ihr bewusst, dass das Blut in ihren Adern pulsierte und ihr Herz schneller schlug, seit er den Raum betreten hatte. Das Lächeln auf ihren Lippen erstarb, sie war von seinem Anblick gefesselt.
Aimi war wie elektrisiert. Für einen kurzen Moment traf sein Blick den ihren, ehe Jonas Berkeley das Wort an seine Schwester richtete. Doch diese Sekunde genügte, damit Aimi das Aufblitzen in seinen Augen erkannte. Erschrocken wandte sie sich ab.
O mein Gott, dachte sie wie betäubt. Was war das denn? Eine dumme Frage, Aimi, schimpfte sie mit sich selbst, du weißt es genau. Sie begehrte ihn, und diese Erkenntnis ließ sie am ganzen Körper erzittern. Die intensive Reaktion auf einen Mann war das Letzte, was sie jetzt und hier erwartet hatte. Schließlich arbeitete sie hart daran, jene Seite ihres Wesens zu verdrängen. Diese Schwäche ihres Charakters wollte sie auf keinen Fall wieder zum Vorschein kommen lassen. Kein Mann hatte es bisher geschafft, sie die Kontrolle über sich selbst verlieren zu lassen.
Bis zu diesem Moment. Ohne ein Wort war es ihm gelungen, ihre Abwehr zu durchbrechen und Gefühle in ihr zu wecken, die sie schon lange nicht mehr zulassen wollte. Sie zwang sich, ruhiger zu werden. Es musste ihr gelingen, zumindest äußerlich gelassen zu wirken, auch wenn in ihrem Innern ein Sturm der Gefühle tobte.
Eine sanfte Berührung am Arm riss sie aus ihren Gedanken. Sie blickte auf und sah Nick neben sich.
„Willst du meinen Bruder begrüßen? Ich bin sicher, er möchte dich gern kennenlernen“, lud Nick sie ein, und Aimis Herz setzte einen Augenblick lang aus, als sie sich vorstellte, dass sie gleich erneut in diese unglaublichen Augen schauen sollte. Doch ein Teil von ihr konnte es nicht erwarten – sie musste wissen, ob die Faszination, die sie im ersten Moment gespürt hatte, Wirklichkeit war. Daher lächelte sie, als sei sie vollkommen entspannt, und stand auf.
Während Aimi auf Jonas Berkeley zuging, umfing sie eine eigenartige Stimmung. Es war, als wittere sie Gefahr. Doch der Wunsch, diesem Mann gegenüberzustehen, war stärker. Als ihre Blicke sich trafen, schien die Luft zwischen ihnen wieder wie elektrisch geladen. Die Spannung nahm ihr den Atem.
Natürlich spürte Nick nichts davon. Völlig ungerührt stellte er sie einander vor. „Aimi, dieser kräftige Kerl ist mein Bruder Jonas. Groß, attraktiv und abscheulich reich. Sei gewarnt: Er ist ein Casanova. Und diese junge Frau ist meine unentbehrliche Assistentin, Aimi.“
Als Jonas sie anlächelte, blitzten seine makellos weißen Zähne. Er streckte seine Hand aus und sagte: „Hallo, Nicks unentbehrliche Assistentin. Ich freue mich, Sie kennenzulernen.“
Sie war überrascht, dass er eine so ruhige, angenehme Stimme hatte. Aimi atmete tief durch. Es war ihr unmöglich, sich seiner Ausstrahlung zu entziehen. Ein kurzes Zögern, ehe sie seine Hand ergriff und sich bemühte, kühl zu wirken.
„Ganz meinerseits“, entgegnete sie höflich und war erleichtert, dass ihre Stimme vollkommen normal klang. „Nick hat mir viel von Ihnen erzählt.“ Das stimmte. Nur hatte Nick niemals erwähnt, was für ein charismatischer Mann sein Bruder war. Gutes Aussehen bei Männern wusste sie durchaus zu schätzen, doch normalerweise ließ sie sich nicht davon blenden. Heute allerdings hatte sie die Situation überhaupt nicht im Griff, und das ärgerte sie.
Jonas musterte ihr förmliches Kostüm, das sie trotz der Sommerhitze trug. „Wie lange arbeiten Sie schon für Nick?“, fragte er interessiert.
„Seit ungefähr sechs Monaten“, antwortete Nick und lächelte Aimi an. „Ich versichere dir, mit einer Assistentin wie Aimi könnte jeder erfolgreich sein.“
Sein Bruder sah von einem zum anderen. „Tatsächlich? Enthülle ich hier etwa gerade eine Beziehung, die über das Berufliche hinausgeht?“
Das war keine harmlose Frage, vermutete Aimi. Jonas wollte wirklich wissen, wie Aimi und Nick zueinander standen.
Nick lachte und schüttelte den Kopf. „Nicht, was du denkst. Aimi sorgt dafür, dass das Chaos in meinem Leben wieder geordnet wird, nicht wahr, Aimi?“
„Ich versuche es“, stimmte sie unbehaglich zu. Nick gab seinem Bruder mit dieser Antwort zu verstehen, dass Aimi noch frei war. Sie fragte sich, ob ihm das klar war. Jonas jedenfalls hatte verstanden, das konnte Aimi im amüsierten Glitzern seiner Augen erkennen.
...



