E-Book, Deutsch, 520 Seiten
Reihe: Edition PEREGRINI
Brühl / Frentzel August der Glückliche
5. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7562-9784-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Traum und Courage des Herzogs von Gotha - Eine Spurensuche
E-Book, Deutsch, 520 Seiten
Reihe: Edition PEREGRINI
ISBN: 978-3-7562-9784-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Olaf Brühl, in Gotha geboren, lebt seit 1984 in Berlin als Autor und Regisseur (div. Opern, Stücke, auch TV-Dokumentationen, u.a. »Händel in Rom« 2006 oder »Vom Gesang der Dinge - Der Komponist Siegfried Matthus« 2014); 2025 publizierte er Essays für das Jahrbuch der Peter-Hacks-Gesellschaft. - Brühl beschäftigte sich über drei Jahrzehnte lang und als Erster forschend mit der bizarren Erscheinung des nachhaltig verdrängten Herzogs August von Sachsen-Gotha-und-Altenburg, angeregt vom Interesse an dessen provozierender Thematisierung der Geschlechter-, Sozial- und Herrschaftsrollen, seiner sich der Wende widerstehenden Haltung sowie bedeutender Kunstsammlungen.
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ÆMIL LEOPOLD AUGUST
Æmil Leopold August, 1772, im Jahr des Regierungsantritts seines Vaters, Ernst II. von Sachsen-Gotha-und-Altenburg, geboren und 1804 dessen Nachfolger auf dem Thron2. – Er starb 1822 unter nie eindeutig geklärten Umständen3.
Als Regent in seiner Zeit vollzieht er den Schnitt zuerst, imzuge der Aufklärung Privates von staatlichem Amt zu trennen: so nennt er sich zum Zeichen als Herzog offiziell bzw. Französisch: privat aber bzw.
VON WÜSTEMANN:
Nur den allerengsten, intimeren Freundinnen und Freunden gegenüber nannte er sich, nicht frei von Humor und nur selten: 4! – Er wird in seiner Zeit (und in Dokumenten) daher grundsätzlich August (oder mit allen drei Namen), selten in späterer Zeit Emil August genannt (auch August Emil usw.). – Es gibt für uns weder Grund, noch Berechtigung, ihn anders zu nennen als August. – Einmal befragt, welchen Beinamen er für sich selbst als den passendsten wählen würde, antwortete er: AUGUST .
AUGUST:
Er war zweimal verheiratet und Vater eines Mädchens. Beide Ehen waren, soweit sich das für uns heute noch ersehen lässt, glücklich7. LOUISE VON MECKLENBURG-SCHWERIN, Mutter seines einzigen Kindes, starb infolge der Geburt mit erst 21 Jahren8. Auch Augusts zweite, sicherlich nicht einfache, Ehe mit KAROLINE AMALIE VON HESSEN-KASSEL, bestimmten offenbar bis ans Ende Zuneigung und Respekt – in den Ehen des Adels nicht eben die Regel. Jacobs bezeugt: sie wich bis zuletzt nicht von des Herzogs Seite. Der Fourier verzeichnet, dass sie am Sterbetag Augusts nicht zu Abend aß. Karoline starb 18489. Sie ließ sich auf der Gothaer Parkteichinsel an Augusts Seite beisetzen.
Herzogliche Gräber mit der Prinzensäule auf der Gothaer Parkteichinsel (Ernst und Ludwig, Ernst I., August, Friedrich IV. und Karoline)
1799 hatte August über seinen Onkel PRINZ August den mit diesem befreundeten Dichter JEAN PAUL kennen gelernt, Autor des Er ist begeistert.
JEAN PAULS Veröffentlichung einer Widmung an den Herzog von Gotha wurde von der Zensur der Jenaer Universität untersagt, eben der Herzog von Gotha wiederum hob das Verbot auf und es kam zu einem spöttischen Briefwechsel zwischen dem Dichter und dem Fürsten über die Herren akademische Zensoren, publiziert im
Vieles, was von Jean Paul gesagt wurde, hört man auch von August: Sonderlinge, etwas närrische Naturen, regiert von ihrer geistigen Überfülle. Es gibt hier eine Verwandtschaft des Humors, der Aufrichtigkeit, der Rastlosigkeit, der »Originalität«11, die mit tieferer Zeitgenossenschaft zu tun haben mag. Sie sprudeln über, die Gedanken jagen sich, bizarre Ideenfunken. JEAN PAUL schreibt schier manisch an einem riesigen Werk, AUGUST agiert sich habituell aus, lebt sich in tausend Gestalten, ein Redestrom. JEAN PAUL bemerkte über den Gothaer: er habe und nachdem dieser Herzog wurde: er sei
Das trifft zu. Ein Jahrzehnt später wird es empfindlich:
(...) (...)
Gewiss. Nur: ob das passendste Wort sein mag? So endet es. Jean Paul schreibt:
(...)12.
AUGUST liest weiterhin treu seine Werke. Er liest überhaupt viel und ist lebenslang von Büchern fasziniert13. Er beginnt neuerdings einen übersprudelnden Briefwechsel mit dem heute vergessenen Autor ERNST WAGNER, der aber bald stirbt14.
BETTINA VON ARNIM:
[Joh. Gottfr. Ebel, Arzt aus Frankfurt a. M. – O.B.] ! 15
AUGUST, witzig, phantasievoll, angriffslustig, immer offenherzig, bizarr, verwöhnt, kreativ, sarkastisch, geistreich, launig und launenhaft, gesellig, narzisstisch, auf Dauer wohl ziemlich schwierig, belastend, vielleicht für fast alle, oft bewundert16.
(...) (...)17.
Wenn er kein – in der Sprache der Zeit – war, was war er dann? – Einer der liebt geliebt sein will.
AUGUST:
(...) (...) 18.
AUGUST (am 19. Dezember 1806):
(...) (...)
(...)
Es ist die Generation der um 1800 Jungen, die, tragikumwittert, geboren im Aufschwung von Aufklärung, Revolution und Klassik, Fragen stellen und Alternativen andenken, die aus dem suchenden Elan der deutschen sehnsuchtsstark und ungeschützt in ein Leben losstürzen, das sie jedoch mit der Brutalität der Restauration in die Knie zwingt und im Biedermeier erstickt. – Die Begegnung AUGUSTS mit BETTINA VON ARNIM und der Dichtung der Günderrode ist dafür so bezeichnend, wie etwa die Nähe zu JEAN PAUL. Durch Stand von jenen entfernt20, wird uns der Herzog heute neu interessant, dank seiner spöttischen Unangepasstheit und Verweigerung, seine Ideale aufzugeben.
AUGUST:
(...)...




