Brunner / Filippelli | Reboot | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

Brunner / Filippelli Reboot

Mit neuer Kraft nach vorne
3. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-9234-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Mit neuer Kraft nach vorne

E-Book, Deutsch, 222 Seiten

ISBN: 978-3-8192-9234-7
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie es wäre, eine zweite Chance zu bekommen? Einen Neuanfang, bei dem man alle Pläne, die man sich fürs Leben vorgenommen hat, anpacken und in die Tat umsetzen könnte? Marcello Filippelli ist genau das passiert. Aber nicht so, wie man es sich wünschen würde, sondern eher auf unfreiwillige Weise: Er wurde krank und schwebte in Lebensgefahr. Sein Weg, den er währenddessen und danach ging, ist inspirierend, emotional und erzählenswert.

Wolfgang Brunner wurde am 13. Dezember 1964 im bayrischen Freising geboren und verbrachte Kindheit und Jugend in München. 2001 zog er für 10 Jahre nach Berlin und lebt heute mit seiner Frau Marion, einem gemeinsamen Sohn und einem Hund in Hamminkeln am Niederrhein. Schon in früher Kindheit beschäftigte sich Brunner mit Literatur und Sprache. Das Aufeinandertreffen mit dem bekannten Schriftsteller Michael Ende, dem Erschaffer der »Unendlichen Geschichte«, kann ohne weiteres als Auslöser für Brunners Entschluss, selbst Autor zu werden, gewertet werden. Wolfgang Brunner unterwirft sich, wie auch einst sein literarisches Vorbild, keinem festen Genre und schreibt daher Geschichten in verschiedenen Richtungen. Brunner ist Mitglied im FDA - Freier Deutscher Autoren-verband (Schutzverband Deutscher Schriftsteller Landes-verband Nordrhein-Westfalen e.V.) Zusammen mit anderen Schriftstellern ist er als Freelancer in der von Ralf Isau gegründeten Agentur für Texterstellung »Phantagon« tätig. Außerdem arbeitet er als Lektor, Korrektor und Texter und verfasst Drehbücher.
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Kapitel 1
Home Coming


Im Hintergrund lief Home Coming aus Jerry Goldsmiths Partitur zu First Blood, in Deutschland als Rambo bekannt. Es waren wunderbare Klänge, die von Einsamkeit und Frieden erzählten, und die mir das Gefühl vermittelten, ich wäre dick in Watte eingepackt.

Ich lauschte der Musik eine Weile und fühlte mich geborgen, eins mit dem Universum, obwohl ich gar nicht genau wusste, wo ich mich befand. Es war dunkel und hell gleichzeitig, ich war vollkommen allein und trotzdem umgeben von Tausenden Seelen.

»Du musst natürlich vorher deine Hose ausziehen«, forderte mich eine Stimme auf, die mir bekannt vorkam. Noch wusste ich nicht, zu wem sie gehörte, aber als ich die Augen öffnete, entdeckte ich John Rambo neben mir. Zumindest sah er tatsächlich wie der von Sylvester Stallone dargestellte Vietnam-Veteran und nicht wie der Schauspieler selbst aus, der da neben meinem Bett, in dem ich lag, stand und mich mit seinem typisch schiefen Mundwinkel angrinste.

»Das offene Ende muss zu deinen Füßen zeigen«, erklärte er mir gerade und hielt die Bettpfanne vor sein Gesicht. Nach wie vor lächelte er und legte die Schüssel dann sachte neben mir auf das Bett. »Alles klar? Soweit verstanden?«

Ich nickte und überlegte verwirrt, wie es dazu kommen konnte, dass einer meiner Lieblingsschauspieler gerade neben mir stand und mir Anweisungen gab, wie ich eine Bettpfanne zu benutzen hatte.

»Ich … ähm, klar. Habe ich verstanden. Aber … wo bin ich?«

Ein leises Summen erfüllte den Raum. Es war angenehm warm, dennoch spürte ich einen leichten Schauer auf meinem Rücken.

»In Sicherheit«, sagte Rambo knapp und deutete mit dem Kinn auf die Bettpfanne. »Also, los geht’s. Nur zu, versuch’ es.«

Irritiert schloss ich die Augen und hörte einen Moment dem Filmscore zu, der noch immer an meine Ohren drang. Es fühlte sich an, als würde ich träumen. Aber irgendwie war es dann doch auch wieder wie eine Realität, allerdings eine falsche.

Wo bin ich? Was ist passiert? Wo kommt diese wunderschöne Musik her? Und, das Wichtigste und Absurdeste: Wieso steht ein Mann neben meinem Bett, der aussieht wie Sylvester Stallone?

Ich genoss einen Augenblick die Ruhe, die lediglich von den Streichern und sanften Gitarrenklängen untermalt wurde, verspürte eine befreiende Leichtigkeit in mir, fühlte mich glücklich und traurig zugleich. Ich war irgendwie zu Hause.

Home Coming …

In meinen Ohren rauschten die Herzschläge und ich zählte sie, als wäre es ein Spiel.

Eins, zwei, drei, vier …

»Jetzt nicht aufgeben, hörst du? Bloß nicht aufgeben. Du musst kämpfen, mein Freund«, drang die Stimme des Mannes an meine Ohren.

»Wofür?«, stöhnte ich, weil ich die Zusammenhänge immer noch nicht erkennen konnte.

»Na, wofür wohl? Das ist doch nicht so schwer. Für das Leben, für deine Familie …«

»Wer bist du?«

Der Vietnam-Kämpfer richtete sich auf und sah mir eine Weile lang tief in die Augen. »Das ist jetzt nicht dein Ernst. Du kennst mich nicht?«

»Doch, klar … aber … ich meine, du bist eine Figur aus einem …«

»Moment mal«, unterbrach mich der Mann. »Ich bin hier, du siehst mich doch. Also existiere ich. Auch wenn es nur hier in deinen Gedanken ist.«

»In meinen Gedanken?«

»Egal … nenn’ mich einfach John, okay?«

»John? Klar …«

»Und jetzt kämpfe, verdammt nochmal. Für dich, für deine Liebsten …«

»Ah, okay«, hauchte ich kraftlos und verspürte von einer Sekunde auf die andere starke Müdigkeit. Aber auch unendliche Liebe …

*

Mein Name ist Marcello. Ich bin verheiratet und Vater von drei Kindern: Die Große ist fünfzehn, fast sechzehn Jahre alt, die anderen beiden sind elf. Meine Frau Maria und ich nennen sie der Einfachheit halber ›die Große‹ und die Zwillinge.

Wir schreiben das Jahr 2025.

Ich sitze an meinem Schreibtisch und denke darüber nach, wie sich mein Leben seit meinem Krankenhausaufenthalt verändert hat. Und ich meine damit wirklich verändert. Fast sechzehn Jahre sind mittlerweile vergangen, dennoch kommt es mir vor, als sei es erst gestern gewesen, dass ich wiedergeboren wurde und eine neue Chance bekommen habe.

Das Ganze passierte im Dezember des Jahres 2009, sechs Tage vor Heiligabend. Zwei Monate nach der Geburt unserer Großen bekam ich eine beidseitige Lungenembolie, die mich von einem Moment auf den anderen sprichwörtlich von den Füßen gerissen hat. Meine Lunge, normalerweise etwa sechsundzwanzig mal fünfzehn Zentimeter groß, hatte plötzlich nur noch die Ausmaße einer Faust.

Als es anfing, hatte ich das Gefühl, dass jemand durch den Mund in meinen Brustkorb greift und versucht, mir die Lunge auf brutale Art und Weise aus meinem Körper zu reißen. Solche Schmerzen hatte ich bis zu diesem Moment noch nie in meinem jungen Leben gespürt. Es war eine unbeschreibliche Qual, der ich ausgesetzt wurde.

Eine Lungenembolie entsteht, wenn ein Blutgerinnsel, das sich irgendwo im Körper gebildet hat, ein Lungengefäß verstopft.

Plötzliche Atemnot, Brustschmerzen, Schwindel, Benommenheit und Herzrasen sind die Folgen. Eine solche Lungenembolie kann lebensbedrohlich sein und muss daher möglichst schnell in einem Krankenhaus behandelt werden.

Ich sollte aber vielleicht ein wenig ausholen, um zu schildern, wie es überhaupt dazu kam.

Es dauerte schon ein paar Wochen, dass ich mich nicht besonders wohlfühlte. Hinzu kamen seit geraumer Zeit dann auch noch heftige Rückenschmerzen. Ich dachte anfangs, letztere kämen von den Arbeiten auf der Baustelle, da ich zu dieser Zeit eine Wohnung sanierte und mich täglich körperlich sehr anstrengte.

Ich suchte meinen Hausarzt auf, der mir sofort eine Spritze in den Rücken verpasste, in der Hoffnung, sie würde meine Schmerzen lindern. Sowohl meine Frau als auch ich gingen davon aus, dass ich beim Heben eines schweren Gegenstands meinen Rücken überstrapazierte, nichtsahnend, dass ich mir zu diesem Zeitpunkt bereits eine versteckte Lungenentzündung eingehandelt hatte.

Da meine Lunge seit Geburt chronisch pfeifende Geräusche verursachte, war bei meinem Arztbesuch nicht klar ersichtlich, dass das Ganze etwas auffälliger als sonst war. Mein Arzt und ich dachten, es wäre alles normal, zumindest in dieser Hinsicht.

Als ich dann nach ein paar Tagen erneut beim Hausarzt vorstellig wurde, stellte dieser fest, dass meine Lunge doch extremer als sonst klang. Ich bekam Medikamente verschrieben und wurde wieder nach Hause geschickt.

Ich kann gar nicht sagen, was genau der Auslöser für die Lungenembolie war, jedenfalls passierte es in der darauffolgenden Nacht, dass mein Atmungsorgan kollabierte.

Wissen Sie, was das Schlimmste bei so einer Sache ist? Es geschieht ohne Vorwarnung. Wie aus dem Nichts wurde ich mit den schlimmsten Schmerzen konfrontiert, die ich bis dahin jemals verspürt hatte. Verzweifelt versuchte ich, nach Luft zu schnappen. Es fühlte sich an, als würde jemand, der sich in meinem Körper befand, meine Lunge fest zusammenpressen, um zu verhindern, dass ich atmen konnte. Ich wand mich in meinem Bett hin und her, krümmte mich vor Schmerzen zusammen und hoffte einfach nur, dass es gleich wieder besser werden würde. Doch mein Wunsch ging nicht in Erfüllung.

Irgendwann wurde meine Frau wach und ich flehte sie an, mich ins Krankenhaus zu fahren.

»Fahr mich ins Krankenhaus … sofort. Bitte, bitte … sofort. Ich halte das nicht mehr aus.«

Mit jedem Wort schien sich mein Brustkorb immer noch mehr zusammenzuziehen, und ich bekam langsam echte Panik.

Meine Frau – verängstigt und geschockt – reagierte wie in Trance. Sie kann sich rückblickend weder an die Hin- noch die Rückfahrt erinnern.

Sie stand in diesem Augenblick unter Schock und hätte mich in ihrem Zustand gar nicht fahren dürfen. Aber ich bettelte sie vehement an, mich ins Krankenhaus zu bringen, sodass sie gar nicht weiter überlegte und mir nur noch helfen wollte.

Ich wollte, musste diese Schmerzen unbedingt loswerden, sonst konnte ich für nichts mehr garantieren.

Maria fuhr mich also ins nächstgelegene Krankenhaus.

Wir hatten zu dieser Zeit Glück im Unglück, denn meine Schwester Stella wohnte damals noch mit uns zusammen im Haus und konnte daher auf unsere neugeborene Tochter, die vor knapp zweieinhalb Monaten auf die Welt gekommen war, aufpassen.

Im Krankenhaus angekommen, wurde ich, nach einer schnellen ersten Untersuchung und unzähligen Fragen, absurderweise zuerst einmal belehrt, dass ich vollkommen falsche Medikamente eingenommen hätte. Ich verstand die Welt nicht mehr, wollte nur noch diese verdammten Schmerzen loswerden und mir in diesem Augenblick nicht eine mögliche Fehleinschätzung meines Arztes durch einen anderen, mir fremden Arzt anhören. Vor allem machte es die Situation in diesem Moment absolut nicht...



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