Bruns | Königin Genevier 3 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 3, 167 Seiten

Reihe: Königin Genevier

Bruns Königin Genevier 3

Unter dem Banner der Göttin
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-86473-489-2
Verlag: Romantruhe-Buchversand Joachim Otto
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Unter dem Banner der Göttin

E-Book, Deutsch, Band 3, 167 Seiten

Reihe: Königin Genevier

ISBN: 978-3-86473-489-2
Verlag: Romantruhe-Buchversand Joachim Otto
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Während in den ersten beiden Bänden die wichtigsten Ereignisse aus dem Leben der ehemaligen Hochkönigin Genevier nach Artus' Tod geschildert wurde, gibt der letzte Band der Trilogie als Abschluss einen tiefen Einblick in die Riten des Gralsordens. Das spiegelt sich besonders in der Szene um Ygrains Tod wider. Auch fragt man sich, wie Genevier alle Schicksalsschläge verkraften konnte?! Sie musste den Tod der Männer miterleben, die sie liebte. Immer wenn sie einen Hafen der Ruhe gefunden hatte, schlug das Schicksal erbarmungslos zu. In ein völliges Seelentief fiel sie, als sie durch einen Sturz vom Pferd ihr ungeborenes Kind verliert. Der Kampf mit dem Usurpator Doran fordert dann noch einmal ihre gesamte Kraft.

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Wege des Schicksals
1

»Doran hat anderes mit ihr vor!«, ertönte eine Stimme.

Verdammt – durchzuckte es Genevier. Da war sie doch tatsächlich einer Vorhut dieses Usurpators in die Hände gefallen.

Sie spürte einen stechenden Schmerz zwischen den Beinen, dann wurde ihr Körper angehoben. Tränen traten ihr in die Augen, sie biß sich so heftig auf die Unterlippe, dass diese blutete.

»Na – wie gefällt dir das?«, kam es höhnisch.

Genevier war nicht fähig zu antworten. Der Schmerz im Vaginalbereich nahm ihr den letzten Atem.

Der plötzliche Lärm und die erschreckten Schreie führten dazu, dass sie sämtliche verbliebenen Kräfte aufwandte, um die Augen zu öffnen.

Was sie mit verschleiertem Blick sah, konnte sie nicht glauben. »Oh Diana…«, hauchte sie.

Ygrain fuhr wie eine Rachegöttin zwischen die Griechen. Ihr Schwert schlug tödliche Furchen in die Reihen der Männer, die kaum wussten, wie ihnen geschah. Dann ertönte mit mächtiger Stimme ein Schlachtruf, den Genevier nur zu gut kannte.

»Pelrapere!«

Einer Urgewalt gleich ritt Feirifis alles nieder, was ihm im Wege stand.

Ohnmacht umfing Genevier.

Als sie wieder zu sich kam, sah sie als erstes das besorgte Gesicht Arianes.

»Große Göttin – sie kommt zu sich!«

»Ygrain hat sie gerade noch rechtzeitig gefunden«, vernahm die Königin wie durch Watte die Stimme Sherazedas.

Sherazeda? – Das konnte doch nicht sein!

Genevier versuchte mit aller Macht einen klaren Blick zu bekommen. Da beugte sich auch schon das schöne, von pechschwarzen Haaren umrahmte Gesicht über sie.

»Hallo, große Königin. Eigentlich hatte ich mir den Besuch hier nicht so dramatisch vorgestellt.«

Genevier versuchte sich aufzurichten, doch die Muskeln versagten den Dienst.

»Langsam«, gebot Alyshia und zog die Decke wieder ordentlich über Geneviers Körper.

Die Stimme der Königin klang matt und rau, als sie fragte: »Wieso bist du hier?«

Da trat Ygrain vor. »Genau genommen hast du Sherazeda dein Leben zu verdanken. Sie begegnete einer griechischen Galeere vor dem Hafen vom Emporda. Das wäre zwar nichts Ungewöhnliches, aber sie glitten so nah aneinander vorbei, dass Sherazedas Steuermann den Schurken Orest erkannte. Er machte seiner Herrin Meldung und Sherazeda beschloss, Timaios darauf hinzuweisen. Im Palast traf sie auf Feirifis und Blanche. Nun Feirifis zählte eins und eins zusammen. Blanche nahm den geheimen Weg durch den Brunnen. Da wir wussten, dass du mit Erec an der Küste unterwegs warst, bin ich mit   einem Trupp los. Wir ritten das Ufer von Emporion aus an und trafen mit Feirifis zusammen. Keinen Moment zu früh.«

Genevier schloss ermattet die Augen.

Sherazeda sah die Tränen auf ihrem Antlitz. Sie beugte sich zu Genevier herab.

»Wo ist Sir Erec?« Sie ahnte etwas.

»Tot«, flüsterte Genevier.

Lastendes Schweigen hing über dem Krankenzimmer.

Alyshia gab der Königin ein Beruhigungsmittel. Kurz danach schlief sie ein.

Es war schon später Nachmittag, als sie wieder erwachte.

Sie fühlte zwar noch jeden Muskel, jede Sehne, aber sie konnte wenigstens wieder klar denken. Als sie aufstehen wollte, trat ihr eine äußerst energische Alyshia entgegen.

Erst zum Abend gestattete ihr die Ärztin einen kurzen Rundgang.

In der Vorhalle traf sie auf Ygrain. Genevier drückte sie fest an sich.

»Ich danke dir für mein Leben«, flüsterte sie.

Die Heerführerin wehrte ab. »Es ist nicht mein Verdienst. Danke Sherazeda, Feirifis und Blanche, die so rasch gehandelt haben.«

Genevier nickte. »Das werde ich noch tun. Aber nun müssen wir über die neue Lage beraten…«

Ygrain schüttelte den Kopf.

»Du schonst dich! Feirifis hat alles im Griff.     Außerdem ist da ja noch dein phönizischer Freund.«

Genevier lehnte sich nachdenklich an die Steinwand. »Ich hoffe, sein Plan gelingt.«

Dann richtete sie den Blick traurig auf Ygrain. »Habt ihr Erec gefunden?«, wollte sie leise wissen.

Die schöne Keltin schüttelte den Kopf. »Nein! Bist du sicher, dass er tot ist?«

»Der Pfeil traf ihn genau in die Mitte des Halses. Ich sah ihn vom Pferd stürzen.«

»Das bedeutet nichts. Erec ist robust. Mehr Sorgen bereitet mir, dass er Dorans Mannen in die Hände gefallen ist.«

In Genevier flammte ein Fünkchen Hoffnung. »Wie viele von den Bastarden haben überlebt?«

Ygrain zuckte die Achseln. »Ich hoffe keiner. Aber genau weiß man das nicht.«

Genevier fasste Ygrain fest am Arm. »Ihr Schiff! Was ist mit dem Schiff? Sie könnten Doran warnen!«

»Feirifis hat es verbrannt. Keine Sorge. Sie konnten höchstens in den Sumpf am Plimizol flüchten.«

Plötzlich überkam wieder Schwäche die Königin. Ygrain konnte sie eben noch auffangen.

Am nächsten Mittag fühlte sich Genevier wieder kräftig genug, den Kriegsrat einzuberufen. Daran nahmen auch Feirifis und Blanche teil.

Feirifis und Genevier begrüßten sich nun besonders herzlich.

»Ich war in dem Glauben, du seiest ermordet worden«, sagte die Königin unter Tränen.

Der schwarze Mann lachte. »Beinahe wäre es soweit gewesen. Aber die Götter wollten es anders. Auch hier hatte Doran seine Hand im Spiel. Weißt du übrigens, dass dieser Usurpator damals Childerich eine Flotte zur Verfügung gestellt hat?«

»Nein – das wusste ich nicht. Ich kannte bis vor kurzem nicht mal seinen Namen.«

Plötzlich ertönte vom Hauptturm das durchdringende Hornsignal.

Genevier zuckte zusammen. »Was hat das zu bedeuten?«

Die Antwort ließ nicht lange auf sich warten und kam laut und polternd.

»Was ist denn das hier für ein Kindergarten?! Kann man euch denn nie allein lassen? Genevier! Mein Wickelkind! Wo bist du?«

Genevier traute ihren Ohren nicht.

»Boltar!«, schrie es aus ihr heraus.

Wie ein Dinosaurier enterte der Wikinger trompetend die Halle. Unter dem rechten Arm trug er Fässchen Rum, dass er nun donnernd auf den Eichentisch stellte. Ein Wunder, dass das Fass nicht in tausend Stücke zerbarst. Dann wollte er Genevier an sich reißen.

Eine helle, aber keinen Widerspruch duldende Stimme ließ ihn mitten in der Bewegung erstarren.

»B o l t a r ! Wir hatten abgesprochen, dass du dich leise verhältst!«

Dann tauchte die kleine Gestalt der Sprecherin hinter dem Riesen auf.

»Sanderah!«, rief Genevier und eilte auf die Freundin und zweite Heerführerin zu. Sie umarmten sich ausgelassen.

Boltar räusperte sich, was sich so anhörte, wie ein mittleres Erdbeben. »Und ich?«

Mit einem Blick auf seine ihn ernst anschauende Gattin meinte er: »Ich bin ganz vorsichtig.«

Dann riss er die Königin an sich, dass man ihre Rippen knirschen hörte.

»Genevier! Mein Liebling. Ich hörte unten im Hafen, du seiest in Schwierigkeiten.«

Als er Genevier wieder auf den Boden herab ließ, musste sie erst einmal tief Luft holen. Ihr noch geschwächter Körper hatte mit dieser stürmischen – für Boltar sehr zart ausfallenden Begrüßung – zu kämpfen.

Da trat Sanderah vor.

»Wir trafen unterwegs einen uns bekannten Phönizier, der uns mitteilte, er solle zu Herbans Flotte bei den Inseln des Nebels stoßen. Er berichtete uns alles. Er war von Timaios unterrichtet. Da hat Boltar sogleich den Hafen von Emporion angelaufen.«

Genevier musste sich erst einmal setzen.

»Uiih!«, entfuhr es ihr. Dann strahlten ihre Augen. »Bei so viel Freunden, kann Doran uns nichts anhaben.«

Da fiel Boltars Blick auf Feirifis. Er kniff die Augen zusammen. Dann brummte er – was sich wie das entfernte Donnern einer Lawine anhörte: »Ich kenne euch nicht persönlich, aber der Beschreibung nach müsst ihr der Bruder des Ritters Parcival sein, den man nun den Priesterkönig Johannes nennt.«

»Ich bin es«, erklärte Feirifis und drückte Boltar so kräftig die Pranke, dass dieser laut auflachte.

»Ha! Endlich ein Mann, der einen Händedruck verteilen kann!«

Sanderah umarmte Genevier und meinte dann, in die Runde schauend: »Es sieht nach Kriegsrat aus.«

»Doran hat seine Vortruppen bereits unterwegs. Wir wissen nicht, von wo überall sie auftauchen werden oder bereits eingeschleust sind. Außerdem besteht der Verdacht, dass sie mit Chlodwig gemeinsame Sache machen.«

»Der Merowinger?« Boltar zog die Stirn kraus. Dann schlug er mit der linken Faust in die rechte Handfläche. »Diesem Bas…« – sogleich fing er sich und senkte die Lautstärke.

»Bastard – dem sollten wir das Fell gerben.«

Genevier legte ihm die Hand auf den mächtigen Arm. »Nicht so voreilig. geliebter Freund! Es gibt keine Beweise und an zwei Fronten können wir nicht kämpfen.«

»Also – was dann?«

Die Königin nahm an der großen Tafel Platz und forderte Boltar und Sanderah auf, sich gleichfalls zu setzen.

»Timaios von Emporion hat Patrouillen ausgesandt. Längs der Küste bis Escalla. Wir tun dies ab sofort in Richtung Cadaques und Rosaria. Jeweils Reitertrupps zu zwanzig Reitern – beziehungsweise Reiterinnen. Wir sind inzwischen so viele Verteidiger hier, dass dies kein Problem ist.«

Feirifis und Blanche stimmten zu.

Der König von Vorderindien blickte Genevier an. »Wenn es dir recht ist, stelle ich die Männer Sir  Erecs unter mein Kommando.«

Die Königin schwieg einen Moment, dann festigte sich ihr Blick wieder. »In Ordnung!«

Es wurden noch...



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