E-Book, Deutsch, 272 Seiten
Buchholz Kogi
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-89060-340-7
Verlag: Neue Erde
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Wie ein Naturvolk unsere moderne Welt inspiriert
E-Book, Deutsch, 272 Seiten
ISBN: 978-3-89060-340-7
Verlag: Neue Erde
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lucas Buchholz, Jahrgang 1989, hat nach seinem Schulabschluss in England ein Jahr lang Südamerika bereist und in Peru und Venezuela gearbeitet. Sein Studium schloss er mit einem Master in Friedens- und Konfliktforschung ab. Er arbeitete in internationalen Organisationen in Mosambik, Jordanien und Pakistan. Auf Einladung eines Kogi-Ältesten verbrachte er mehrere Monate bei diesem indigenen Volk in Kolumbien. Sie baten ihn, das vorliegende Buch zu schreiben. Heute hält er Seminare und Vorträge zu Themen wie: 'Die Genialität der Natur in der Wirtschaft von morgen', 'Anwendung der Weisheit der Naturvölker auf unsere heutige Welt' oder 'Wie eine natürliche Perspektive einen natürlichen Erfolg ermöglicht'. Er ist Co-Regisseur des Kino-Dokumentarfilms Success, der positive und inspirierende Beispiele eines neuen und lebendigen Verständnisses von Erfolg zeigt. Die erfrischende Sicht der Kogi ist ein Teil davon. Lucas Buchholz arbeitet an weiteren Büchern und ist Gründer der im Buch erwähnten Akademie. Er spricht fünf Sprachen und lebt in Frankfurt am Main.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Geleitwort von Little Grandmother Kiesha 9
Einleitung 12
Kapitel 1 – Die Erstgeborenen 21
Die Kogi sind wertvoll 21
Was sehen die Kogi? 27
Das Prinzip des Einen Gedankens 32
Lebendigkeit 38
Kapitel 2 – Alltäglichkeit und Wirklichkeit 45
Gedankliche Uniformität 45
Zwischen den Welten 54
Außenansicht 63
Kapitel 3 – Geschichten 67
Mytho-Logik 67
Die vielleicht wichtigste Frage 72
Narrativ des Lebendigen 74
Der Ursprung ist immer 79
Spirituelle Forstwirtschaft 82
Kapitel 4 – Mama 89
Erinnerung an das Wesentliche 89
Achtzehn Jahre in der Dunkelheit 96
Das Prinzip des Ausgleichs 104
Nach Hause telefonieren 112
Kapitel 5 – Hähne krähen, Hühner gackern 119
Ley de Sé – Das Gesetz des Ursprungs 119
Genehmigungen einholen 125
Das Eigene 131
Kapitel 6 – Von hier – von dort 145
Senénulang – Territorium 150
Kagui agzain – Heilige Orte 162
Esuama – Ort der Macht und des Wissens 170
Landwirtschaft und Kaffee 176
Kapitel 7 – Dunkelheit 181
Aluna – Die Welt der Gedanken 181
Durch Denken erschaffen 194
Das Prinzip der Annahme 201
Kapitel 8 – Ich-Menschen, Wir-Menschen 211
Gemeinsam lebendig 211
Gerechtigkeit 217
Autonomie 220
Abstammung 221
Aussprache 227
Kapitel 9 – Noch 80.000 Jahre 235
Lebendige Technik – Biomimetik als Anfang 240
Lebendige Organisation 251
Die Akademie 257
Epilog 262
Glossar 263 Endnoten 266 Über den Autor 270
Kapitel 1
Die Erstgeborenen
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Gustav Mahler
Die Kogi sind wertvoll
Beginnen wir am Anfang. Die Gespräche im Saal verstummten. Der Mamo fing an zu sprechen:
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pagamiento
Mama José Gabriel sprach immer weiter und nach etwa zwanzig Minuten wurde mir klar, dass ich mitschreiben musste, um nur ansatzweise in der Lage zu sein, das Gesagte zu behalten und es dann dem Publikum zu übersetzen. Ich hatte erwartet, dass er irgendwann einmal einen Punkt macht, aber so war es nicht. Ich begann fieberhaft, alles zu notieren. Der Veranstaltungssaal in Frankfurt war so voll, dass hinter den letzten Reihen noch manche standen, und alle warteten mit gespanntem Schweigen auf meine Übersetzung aus dem Spanischen.
Der Mamo sprach etwa 45 Minuten ununterbrochen. Ich hatte versucht, alles mitzuschreiben, und hatte auch das meiste erfasst. Viele Begriffe und Konzepte, die Mama José Gabriel erwähnte, nannte er auf , der Sprache der Kogi, und nicht auf Spanisch, und so hatte ich keine Vorstellung, was sie bedeuten könnten, da ich damals noch kein einziges Wort dieser Sprache verstand. Ich fragte des öfteren den Begleiter von Mama José: »Wer ist ? Wer ist ? Was bedeutet ?« Ich bekam einige Antworten, notierte sie schnell und versuchte, meine Notizen im Kopf so zu ordnen, dass ich eine halbwegs zusammenhängende und strukturierte Übersetzung der langen Rede wiedergeben konnte. Sein Begleiter half mir über die ersten Verständnishürden hinweg. Nachdem ich dann gesprochen hatte, setzte der Mamo seine Rede fort. So ging es den ganzen Abend. In den nächsten zwei Wochen sollte ich diese oder ähnliche Worte noch sehr oft zu hören bekommen.
Mama José Gabriel war nach Deutschland gereist, um die Botschaft der Kogi an uns, die Jüngeren Brüder, zu übermitteln. Vor Wochen hatte ich irgendwo gelesen, dass ein Ältester der Kogi nach Frankfurt kommen würde, und sofort war mein Interesse geweckt. Ich konnte gar nicht genau sagen, warum, doch ich hatte dieses eigentümliche Gefühl, das mich nicht mehr losließ. Kurzerhand schrieb ich eine Email und bot an, die Vorträge und Seminare aus dem Spanischen zu übersetzen. Und falls die Kogi noch einen Schlafplatz in Frankfurt bräuchten, könnten sie gerne bei meiner Familie übernachten. Beides wurde dankend angenommen. Damit war der Grundstein für meinen Aufenthalt anderthalb Jahre später in der Sierra Nevada de Santa Marta gelegt.
Der alte Mamo und sein Begleiter fuhren durch Deutschland und sprachen in vielen großen Städten: München, Berlin, Frankfurt, Hamburg, Köln. Manchmal waren es Vorträge, manchmal ganze Seminartage. Jedes Mal begann der Mamo mit einer kleinen Vorstellung und erzählte, woher er kommt, zu welchem Volk er gehört und was die Aufgabe des Volkes der Kogi ist: die Erde zu hüten und die Welt in den Fugen zu halten. Dann folgte immer eine Kurzversion der Schöpfungsgeschichte. Er erzählte vom Anfang der Welt und vom Ursprung der Dinge. Er sprach darüber, was zuerst war und was dann folgte. Er erklärte, dass es unerlässlich sei, zum Ursprung zurückzukehren, wenn wir verstehen wollten, wer wir sind, was in der heutigen Zeit geschieht, wovon wir fort-schreiten und warum wir die Dinge so tun, wie wir sie tun. Auch sprach er immer darüber, wie die Geschichte des Jüngeren Bruders mit dem Älteren Bruder bis dato verlaufen war und dass nun der Zeitpunkt gekommen sei, zusammenzuarbeiten und voneinander zu lernen. Seine aufrüttelnden, weisen, erkenntnisreichen und manchmal auch bedrückenden Worte sollte ich erst in Kolumbien und dann noch viel später beim Schreiben dieses Buches wirklich begreifen.
Mama José Gabriel war nach Deutschland gekommen, um uns zu einem Dialog einzuladen. Er kam als Vertreter seines Volkes, und für diese Aufgabe ist er von Kindesbeinen an ausgebildet worden. Die Kogi knüpfen mit ihrem Besuch an eine Tradition von Dialogangeboten an, die die Indianer des amerikanischen Doppelkontinents auf den Stränden der Insel...




