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Buchholz | Perry Rhodan Neo 108: Die Freihandelswelt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 108, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

Buchholz Perry Rhodan Neo 108: Die Freihandelswelt

Staffel: Die Methans 8 von 10
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8453-4808-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Staffel: Die Methans 8 von 10

E-Book, Deutsch, Band 108, 160 Seiten

Reihe: Perry Rhodan Neo

ISBN: 978-3-8453-4808-7
Verlag: Perry Rhodan digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Im Jahr 2036 entdeckt der Astronaut Perry Rhodan auf dem Mond ein außerirdisches Raumschiff. Die Begegnung verändert die Weltgeschichte, sie leitet die Einigung der Menschheit ein. Nach einer Zeit des Friedens tauchen im Jahr 2049 beim Jupiter fremde Raumschiffe auf und eröffnen das Feuer. Rhodan setzt sich auf die Spur der Angreifer; er entdeckt eine riesige Kriegsflotte der Maahks. Hunderttausend Walzenraumer sind unterwegs, um Arkon mit einem neuen Methankrieg heimzusuchen. In dieser Situation erhält Rhodan den Hilferuf seines alten Mentors Crest. Mit dem mächtigsten Raumschiff der Menschheit will Rhodan sich nun nach Achantur begeben, um Crest zu retten. Rhodan weiß noch nicht, dass auf der Erde sein Sohn entführt wurde. Mit einer Schar alter Weggefährten ist seine Frau Thora aufgebrochen, um den Entführern nachzuspüren. Die Fährte führt zur Freihandelswelt ...

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»Alle Reisen haben verborgene Ziele.«

– Kalenderspruch der Pod-App TimeToGo,

Crest da Zoltral zugeschrieben,

30. März 2049 –

1.

Es regnete in Strömen.

Die Tropfen zerplatzten trommelnd auf den Wipfeln und Wedeln der Bäume, die dicht an dicht in den Gärten und längs der Wege der kleinen Insel standen. Das Wasser rauschte auch draußen auf die kurzen, kabbeligen Wellen des Goshun-Sees, wenn die Regenböen in Schwaden über die anderen Inseln des Tosoma Island Archipels hinwegfegten.

Es war Nacht, und trotz der Wolken stand ein verwaschener Mond voll am Himmel. In seinem fahlen Licht hoben und senkten sich die Äste der Bäume im Wind – wie die schwingenden Arme mystischer Wesen, die einen stummen Tanz zelebrierten. Ferner Donner über dem Festland rollte den Takt dazu.

Die meisten Bewohner der Insel schliefen, sahen weder das Wetterleuchten noch ...

In einem der großen Gärten war Bewegung.

Ein kleiner Junge hielt das Gesicht in den Regen, hielt die Augen geschlossen, hielt die Arme abgespreizt wie die langen Zweige der Weiden, die ihn umgaben. Wie wild drehte er sich im Kreis, völlig durchnässt und regenüberströmt.

Auch der Junge tanzte.

Sein Pyjama klebte ihm am Körper.

Die weißhaarige Frau schlug die Augen auf, hörte den Regen rauschen und erhob sich voller Unruhe. Sie schob den Vorhang zur Seite, trat dicht an das Panoramafenster. Sie sah hinaus, bemerkte etwas unten in ihrem Garten. Etwas, das dort nicht sein sollte. Sie erschrak zutiefst, als sie zuerst nur Umrisse, dann in den Umrissen einen Jungen und in dem Jungen ihren Sohn erkannte. Wieso schlief er nicht? Wieso war er dort draußen? Wieso tanzte er?

Ihr Herz schlug schneller.

Sie wollte die Fenstertür öffnen, doch der Durchgang zur Veranda war verschlossen. Sie ruckelte mehrfach am Griff, presste dann die Handflächen gegen die eiskalte Scheibe, über die dicke Schlieren rannen, die sogleich zerfächerten und ihr die Sicht nahmen. Der feuchtglänzende Junge im Garten wurde von diesen Schlieren verschluckt, verschwamm zu kaum erträglicher Undeutlichkeit.

Die Frau stieß sich vom Fenster fort, lief aus dem Schlafzimmer, rannte die Treppe hinab, querte den großen Wohnraum, sah die weit offen stehende Terrassentür, in der ein schwerer, triefender Vorhang klatschend im Wind schlug.

Das alles stimmte ganz und gar nicht, sie fühlte es.

Nur mit einem dünnen Nachthemd bekleidet, war der nächste Schritt wie ein Schock. Die weißhaarige Frau war schon bis auf die Haut durchnässt, kaum dass sie einen Fuß auf die Fliesen der Terrasse gesetzt hatte. Untermalt vom fernen Donnergrollen, hörte sie das Lachen des Jungen hinter den Blumenstauden hervordringen.

»Tom!«, rief sie voller düsterer Vorahnungen. Ihre bloßen Füße patschten vernehmlich. »Komm sofort rein! Du holst dir noch den Tod!«

Sie rannte weiter, rutschte auf den Fliesen weg, fing sich wieder und erreichte den Rasen. Klatschnass, zitternd, herzrasend hielt sie inne, blickte sich um. Wo ...?

Da war ihr Sohn. Er wandte ihr den Rücken zu. Er tanzte. »Tom? Hörst du nicht?«

Tom hörte nicht. Er tanzte weiter, lachte weiter sein eigenartiges Lachen, das gar kein Lachen war.

Er weinte.

Über ihm zerrte der Wind an den dünnen Zweigen der Weiden.

Ein deutlich näherer Blitz riss alles stechend kalkweiß und zuckend aus den Schatten. Der nachfolgende Donnerschlag war wie ein Fausthieb, der den Magen der Frau verkrampfte. Sie vermochte plötzlich keinen einzigen Schritt mehr zu tun.

Hilflos streckte sie die Arme aus. »Tom?«

Der Junge drehte sich endlich um, strich seine triefenden Haare aus der Stirn. Wasser rann ihm in dicken Bächen über das Gesicht.

Ein weiterer Blitz, ein noch infernalischerer Donner, der die Insel erbeben ließ.

Da sah die Frau, wie sich das Wasser vor ihren Augen verwandelte. Erst wurde es schattig, dann rötlich, dann strömte es hellrot hervor wie Blut, das ihm unter den Haaren hervorsprudelte.

Ihr Sohn blutete – nein, er verblutete!

Dicke Bäche verwandelten das Gesicht des Jungen im Nu in eine Dämonenfratze.

Sein Weinen wurde heller, schriller, wehklagender. Wieder drehte er sich, versuchte verzweifelt, die Blutfäden von sich zu schleudern – vergebens.

In seinen hervorgestoßenen Schluchzern verbargen sich mit einem Mal Wörter, abgehackte Silben, vom Wind halb fortgerissen. »Hilf – mir – Mom – bitte ...«

Thora fuhr wild schreiend auf und erwachte schweißgebadet.

Sie brauchte mehrere Minuten, bis sich ihr Herzschlag und ihre Atmung beruhigten. Als das Zittern einsetzte, eine Folge der nachlassenden körperlichen Anspannung, spürte sie, wie auch ihre aufgepeitschten Gedanken allmählich zu langsameren Bahnen zurückfanden.

»Wie spät ist es?«, fragte sie fröstelnd in die Dunkelheit hinein.

»Es ist sieben Uhr zwanzig am 31. März 2049 Bordzeit«, antwortete die Kabinenpositronik sofort.

»Licht!«, verlangte Thora. Warmes, indirektes Licht flutete von den Wänden herab, schuf halbkreisförmige Zonen über dem Mobiliar. Das Bett, in dem sie lag, war völlig zerwühlt, das Laken unter ihr war so nass, dass man es vermutlich hätte auswringen können.

»Schiffsstatus?« Die Frage war ein Reflex, ein Überbleibsel ihrer Zeit als Kommandantin, etwas, das sie wohl Zeit ihres Lebens nicht mehr würde ablegen können.

»Unverändert«, erfuhr sie. »Position: vierhundertachtzig Lichtjahre in Richtung des Sonnenleuchtfeuers Hela Ariela von der irdischen Sonne entfernt. Refraktionscountdown bis zur nächsten Transition: minus zwei Stunden vierzig Minuten. Keine anderen Schiffe in Reichweite. Schiffssysteme: einwandfrei. Besatzung: Alle zweihundert Personen der Stammcrew sind prinzipiell dienstfähig, davon sieben nur bedingt, derzeit vorsorglich vom Dienst freigestellt.«

»Wie geht es den Bordgästen?«

»Die Information unterliegt dem Recht auf Privatsphäre.«

»Na schön. Darfst du dann wenigstens verraten, wie es mir geht?«

»Ihr Gesundheitszustand ist körperlich unbedenklich, Ihre psychologische Gesamtkonstitution ist aufgrund erhöhten Stresslevels allerdings gegenwärtig bestenfalls mit ›labil‹ zu bezeichnen.«

»Treffender hätte ich es selbst nicht diagnostizieren können«, murmelte sie. »Vielen Dank auch.«

»Gern geschehen, Madam.«

Thora erhob sich kopfschüttelnd.

Sie enthielt sich jedes weiteren Kommentars. Obwohl ihr eine Menge dazu eingefallen wäre, was die Unterschiede auf arkonidischen und irdischen Raumschiffen im Allgemeinen und die Art und Weise, Kommunikationsroutinen zu programmieren, im Besonderen betraf. Menschen legten weitaus mehr Wert auf Höflichkeiten seitens ihrer Maschinen, als man es auf Arkon für nötig erachtete. Mitunter führte das zu lächerlichen Situationen wie dieser.

Immer noch verstört von der Intensität ihres Albtraums, betrachtete sie sich im wandhohen Reflexfeld. Diese aufgelöste Gestalt mit den zerzausten Haaren da sollte sie sein?

Angewidert zerrte sie ihr durchschwitztes Nachthemd vom Körper und flüchtete förmlich unter die heißen Schauer der Nasszelle. Minutenlang stand sie in dem auf Regenmodus geschalteten Wasserstrahl und wartete darauf, dass sich ihre Gedanken klärten.

Den Grund für ihren Albtraum glaubte sie zu kennen.

Während das heiße Wasser auf sie prasselte, bis ihre Haut kribbelte und das Zittern vergessen machte, wurden ihr die Zweifel an ihrem geplanten Vorgehen deutlicher. Eile, höchste Eile war geboten, um der JOKKLAS mit ihrem entführten Sohn raschestmöglich nachzusetzen – das spürte sie mit dem sicheren Instinkt einer Mutter.

Und einholen würden sie das schon vor fünf Tagen gestartete Mehandorschiff nicht. Jedenfalls nicht so, nicht auf dem üblichen Weg. Aber die LEPARD schickte sich an, genau diesen üblichen Kurs zu fliegen: noch mehr als 28.000 Lichtjahre entlang der Hauptebene der Milchstraße bis zum Sonnenleuchtfeuer Hela Ariela, um dann die Passage durch den Korridor nach Thantur-Lok zu nehmen.

Das wahrscheinliche Ziel der JOKKLAS, das mithilfe der Mutantin Rabeya Khatun hatte ermittelt werden können, war die Freihandelswelt Geesen im She'Tigasystem. Dieses Drei-Sonnen-System lag am Rande des sogenannten Korridors, noch einmal 7500 Lichtjahre weit von Hela Ariela und der Hauptebene entfernt im Leerraum. Zusammengerechnet waren das fast 36.000 Lichtjahre.

Alles in allem eine Konstellation, die ein rechtwinkliges Dreieck ergab, dessen 90-Grad-Winkel bei Hela Ariela lag.

Dampf beschlug die Abtrennung der Nasszelle, an der Tausende von haftenden Tröpfchen wie winzige Sterne schillerten.

Sie malte ein Oval mit dem Zeigefinger – die Milchstraße. Ein kleiner Kreis darüber – der Kugelsternhaufen Thantur-Lok, der Sitz des arkonidischen Imperiums. Eine gestrichelte Linie auf das Oval zu – der Korridor, der durch den Leerraum führte und die einzige sichere Verbindung zwischen den beiden Sternansammlungen war. Ein Kreuz – die Position von Geesen auf grob einem Drittel der Strecke, von der Milchstraße aus gesehen.

Ein waagerechter Strich entlang der Hauptebene beschrieb die A-Seite des Dreiecks: die Erde bis Hela Ariela. Ein senkrechter Strich hinauf ergab die B-Seite: Hela Ariela bis Geesen.

In Thoras Bewusstsein explodierte ein irrwitziger Plan. Wir müssen wagen, über unseren eigenen Schatten zu springen!, dachte sie und war zugleich erschrocken über die Ungeheuerlichkeit, die sich in ihrem Denken breitmachte.

Langsam zog ihr...



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