Büchner | Woyzeck | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 85 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

Büchner Woyzeck

(Fischer Klassik PLUS)
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-10-401966-6
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

(Fischer Klassik PLUS)

E-Book, Deutsch, 85 Seiten

Reihe: Fischer Klassik Plus

ISBN: 978-3-10-401966-6
Verlag: S. Fischer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit dem Werkbeitrag aus Kindlers Literatur Lexikon. Mit dem Autorenporträt aus dem Metzler Lexikon Weltliteratur. Mit Daten zu Leben und Werk, exklusiv verfasst von der Redaktion der Zeitschrift für Literatur TEXT + KRITIK. Was ist der Mensch? Knochen! Staub, Sand, Dreck. In Georg Büchners berühmtem Drama um den Soldaten Franz Woyzeck wird das Geschehen von Angst und Wahnsinn, Verrat und vergeblicher Liebe beherrscht. Von seinem Vorgesetzten schikaniert, von seinem Arzt zu Versuchen missbraucht und von seiner Geliebten betrogen, zerbricht Woyzeck schließlich an der klaustrophobischen Enge seines kasernierten Lebens und wird zum Mörder.

Georg Büchner, geboren am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt, studierte von 1831 bis 1833 in Straßburg und von 1833 bis 1834 in Gießen Medizin, Naturwissenschaften, Geschichte und Philosophie. Er gehörte der politischen Opposition an und gründete 1834 die ?Gesellschaft für Menschenrechte?. 1835 musste er wegen seiner politischen Flugschrift ?Der Hessische Landbote? nach Straßburg fliehen, wo er naturwissenschaftliche Studien verfasste und auch literarisch tätig war. Büchner starb am 19. Februar 1837 in Zürich.
Büchner Woyzeck jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Woyzeck

Entstehungsstufen


Woyzeck

Erste Fassung


Szenengruppe I

1 BUDEN. VOLK


MARKTSCHREIER vor einer Bude

Meine Herren! Meine Herren! Sehn Sie die Creatur, wie sie Gott gemacht, nix, gar nix. Sehen Sie jezt die Kunst, geht aufrecht hat Rock und Hosen, hat ein Säbel! Ho! Mach Compliment! So bist Baron. Gieb Kuß! Er trompetet. Wicht ist musikalisch. Meine Herren hier ist zu sehen das astronomische Pferd und die kleine Canaillevögele. Ist favori von alle gekrönte Häupter. Die rapräsentation anfangen! Man mackt Anfang von Anfang. Es wird sogleich seyn das commencement von commencement.

WOYZECK

Willst du?

MARGRETH

Meinetwege. Das muß schön Dings seyn. Was der Mensch Quasten hat und die Frau hat Hosen.

2 DAS INNERE DER BUDE


MARKTSCHREIER

Zeig’ dein Talent! zeig deine viehische Vernünftigkeit! Beschäm die menschlich Societät! Meine Herren, dieß Thier, das Sie da sehn, Schwanz am Leib, auf sei 4 Hufe ist Mitglied von alle gelehrte Societät, ist Professor an unse Universität, wo die Studente bey ihm reiten und schlage lerne. Das war einfacher Verstand. Denk jezt mit der doppelte raison. Was machst du wann du mit der doppelte Raison denkst? Ist unter der gelehrte Société da ein Esel? Der Gaul schüttelt den Kopf. Sehn Sie jezt die doppelte Räson? Das ist Viehsionomik. Ja das ist kei viehdummes Individuum, das ist eine Person. Ei Mensch, ei thierisch Mensch und doch ei Vieh, ei bête. Das Pferd führt sich ungebührlich auf. So beschäm die société. Sehn Sie das Vieh ist noch Natur, unideale Natur! Lern Sie bey ihm. Fragen Sie den Arzt, es ist höchst schädlich. Das hat geheiße: Mensch sey natürlich. Du bist geschaffe Staub, Sand, Dreck. Willst du mehr seyn, als Staub, Sand, Dreck? Sehn Sie was Vernunft, es kann rechnen und kann doch nit an de Finger herzählen, warum? Kann sich nur nit ausdrücke, nur nit explicirn, ist ein verwandelter Mensch! Sag den Herrn, wieviel Uhr es ist. Wer von den Herrn und Damen hat eine Uhr, eine Uhr?

UNTEROFFICIER

Eine Uhr! Zieht großartig und gemessen die Uhr aus der Tasche. Da mein Herr. (Das ist ein Weibsbild guckt siebe Paar lederne Hose durch)

MARGRETH

Das muß ich sehn. Sie klettert auf den 1. Platz. Unterofficier hilft ihr.

UNTEROFFICIER

3 MARGRETH ALLEIN


Der andre hat ihm befohlen und er hat gehn müssen. Ha! Ein Mann vor einem Andern.

4 DER CASERNENHOF


ANDRES singt

Frau Wirthin hat n’e brave Magd,

Sie sizt im Garten Tag und Nacht,

Sie sizt in ihrem Garte,

Biß daß das Glöcklein zwölfe schlägt,

Und paßt auf die Soldate.

LOUIS

He Andres, ich hab kei Ruh!

ANDRES

Narre!

LOUIS

Was meinst du? So red doch!

ANDRES

Nu?

LOUIS

Was glaubst du wohl, daß ich hier bin?

ANDRES

Weils schön Wetter ist und sie heut tanzen.

LOUIS

Ich muß fort, muß sehn!

ANDRES

Was willst du?

LOUIS

Hinaus!

ANDRES

Du Unfried, wegen des Menschs.

LOUIS

Ich muß fort.

5 WIRTSHAUS


Die Fenster sind offen. Man tanzt. Auf der Bank vor dem Haus.

LOUIS lauscht am Fenster

Er – Sie! Teufel! Er setzt sich zitternd nieder. Er späht, tritt an’s Fenster. Wie das geht! Ja wälzt euch übernander! Und Sie: immer, zu – immer zu.

DER NARR

Puh! Das riecht.

LOUIS

Ja das riecht! Sie hat rothe rothe Backe und warum riecht sie schon? Carl, was witterst du so?

DER NARR

Ich riech, ich riech Blut.

LOUIS

Blut? Warum wird es mir so roth vor den Augen! Es ist mir als wälzten sie sich in einem Meer von Blut, all mitnander! Ha rothes Meer.

6 FREIES FELD


LOUIS

Immer! zu! – Immer zu! – Hisch! hasch, so gehn die Geigen und die Pfeifen. – Immer zu! immer zu! Was spricht da? Da unten aus dem Boden hervor, ganz leise, was, was? Er bückt sich nieder. Stich! Stich! Stich die Woyzecke todt! Stich! stich die Woyzecke todt! Immer Woyzecke! das zischt und rumort und donnert.

7 EIN ZIMMER


ANDRES

He!

LOUIS

Andres!

ANDRES murmelt im Schlaf

LOUIS

He Andres!

ANDRES

Na, was is?

LOUIS

Ich hab kei Ruh, ich hör’s immer, wie’s geigt und springt, immer zu! immer zu! Und dann wann ich die Augen zumach, da blizt es mir immer, es ist ei groß breit Messer und das liegt auf eim Tisch am Fenster und ist in einer eng dunkel Gaß und ein alter Mann sizt dahinter. Und das Messer ist mir immer zwischen den Augen.

ANDRES

Schlaf Narr!

8 CASERNENHOF


LOUIS

Hast nix gehört?

ANDRES

Er ist da noch mit einem Kamraden.

LOUIS

Er hat was gesagt.

ANDRES

Woher weißt du’s? Was soll ich’s sagen. Nu, er lachte und dann sagt’ er: ein köstlich Weibsbild! Die hat Schenkel und Alles so heiß!

LOUIS ganz kalt

So hat er das gesagt?

Von was hat mir doch heut Nacht geträumt? War’s nicht von eim Messer? Was man doch närrische Träume hat.

ANDRES

Wohin Kamrad?

LOUIS

Meim Officier Wein holen. – Aber Andres, sie war doch ein einzig Mädel.

ANDRES

Wer war?

LOUIS

Nix. Adies.

9 DER OFFICIER. LOUIS


LOUIS allein

Was hat er gesagt? So? – Ja es ist noch nicht aller Tag Abend.

10 EIN WIRTSHAUS


BARBIER

Ach Tochter, liebe Tochter,

Was hast du gedenkt,

Daß du dich an die...


Büchner, Georg
Georg Büchner, geboren am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt, studierte von 1831 bis 1833 in Straßburg und von 1833 bis 1834 in Gießen Medizin, Naturwissenschaften, Geschichte und Philosophie. Er gehörte der politischen Opposition an und gründete 1834 die ›Gesellschaft für Menschenrechte‹. 1835 musste er wegen seiner politischen Flugschrift ›Der Hessische Landbote‹ nach Straßburg fliehen, wo er naturwissenschaftliche Studien verfasste und auch literarisch tätig war. Büchner starb am 19. Februar 1837 in Zürich.

Georg BüchnerGeorg Büchner, geboren am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt, studierte von 1831 bis 1833 in Straßburg und von 1833 bis 1834 in Gießen Medizin, Naturwissenschaften, Geschichte und Philosophie. Er gehörte der politischen Opposition an und gründete 1834 die ›Gesellschaft für Menschenrechte‹. 1835 musste er wegen seiner politischen Flugschrift ›Der Hessische Landbote‹ nach Straßburg fliehen, wo er naturwissenschaftliche Studien verfasste und auch literarisch tätig war. Büchner starb am 19. Februar 1837 in Zürich.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.