Bürgel | Deine größte Angst | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 375 Seiten

Reihe: beTHRILLED

Bürgel Deine größte Angst


1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-6038-6
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 375 Seiten

Reihe: beTHRILLED

ISBN: 978-3-7517-6038-6
Verlag: beTHRILLED
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Der Täter ist näher, als du denkst ...

Die Weihnachtszeit ist alles andere als besinnlich in Konstanz: Die Besucher des Weihnachtsmarkts erwartet ein grauenvoller Anschlag. Ein Amokfahrer fährt in die Menge und lässt viele Tote zurück - und acht Überlebende.
Eigentlich wollte Falk Hagedorn sich von den Ermittlungen fernhalten. Doch der Trauma-Therapeut und ehemalige LKA-Fallermittler soll den Überlebenden helfen, das grausame Attentat zu verarbeiten. Aber er gelangt bei der Arbeit mit der Selbsthilfegruppe an seine Grenzen, denn ihn holt seine eigene Vergangenheit ein. Auch bei den Teilnehmern tun sich ungeahnte Abgründe auf. Und der Täter ist ihm näher, als Hagedorn denkt ...

Abgründig, verstörend, hochspannend. Der letzte Fall für den Profiler Falk Hagedorn.

eBooks von beThrilled - mörderisch gute Unterhaltung!

»Ein echter Ermittler, der authentisch und auch noch verdammt spannend schreiben kann. Hut ab!« Leo Born, Spiegel-Bestseller-Autor

»Brutal. Schonungslos. Emotional.« Ivar Leon Menger



Matthias Bürgel, Jahrgang 1970, studierte an der Fachhochschule der Polizei Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Seit 1992 im Polizeidienst, versah er seinen Dienst als Kriminalhauptkommissar in unterschiedlichen Bereichen der Kriminalpolizei, zuletzt beim Kriminaldauerdienst. Aktuell ermittelt er als Sachbearbeiter beim Polizeirevier Donaueschingen. Trotz der menschlichen Abgründe, die er in seiner täglichen Arbeit erfährt, liebt er seinen Beruf. Seine langjährigen Erfahrungen inspirierten ihn zu seiner Reihe rund um den Fallanalytiker Falk Hagedorn. Matthias Bürgel ist Mitglied im Syndikat (Verein deutschsprachiger Krimiautoren).

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Autoren/Hrsg.


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Kapitel 2


Psychotherapeutische Praxis Hagedorn & Szegeny

8. Dezember, 17 Uhr 30

»Mein Mann hört mir nie zu. Ich kann ihm auch nie etwas recht machen. Ständig meckert er an meiner Haushaltsführung herum. Dabei rührt er im Haus keinen Finger, der Idiot«, jammerte die Frau seit vollen dreißig Minuten.

Eine einfach gestrickte, ungepflegte Mittvierzigerin, die seit vier Wochen zu ihm in die Therapie kam. Versuche, ihr Fragen zu stellen, wie sie sich damit fühle oder sie in der Vergangenheit mit den Konflikten in ihrer Ehe umgegangen war, hatte er schnell aufgegeben. Hagedorn war sich nicht sicher, ob nicht der Ehegatte der Bedürftigere von den beiden war. Unentwegt beklagte sie sich über ihn, fühlte sich dabei aber in der Opferrolle. Ohne ihn je zu Gesicht bekommen zu haben, empfand er beinahe Mitleid mit dem armen Kerl.

»Bitte, Frau Scholz«, entschuldigte sich Hagedorn. »Mir geht es heute nicht besonders gut. Ich würde unsere Sitzung gerne vertagen, wenn es Ihnen nichts ausmacht.«

»Wenn es sein muss«, quengelte die Frau genervt.

Ostentativ geschäftsmäßig, damit sie sein Augenrollen nicht mitbekam, wandte er sich dem Monitor zu und begann ihr Termine vorzuschlagen, um mögliche Einsprüche im Keim zu ersticken.

»Okay, Mittwoch geht es bei Ihnen nicht, sagen Sie. Passt es nächsten Freitag? Halb elf?«

Gleichmütig zuckte die Frau mit den Achseln. »Das geht«, erwiderte sie knapp.

»Gut. Und bis dahin möchte ich Sie bitten, über den weiteren Fortgang unserer Sitzungen nachzudenken.«

»Hä? Wie meinen Sie das?«

Gott, war die Frau begriffsstutzig!

»Na ja ...« Er überlegte kurz, wie er es ihr beibringen sollte. »Sie haben mir bislang nur von Ihrem Mann erzählt. Aber nur sehr wenig über sich selbst.«

»Wenn er aber doch das Problem ist? Ich habe den Eindruck, Sie wollen mir überhaupt nicht helfen«, meinte sie trotzig.

»Dann will ich es anders formulieren, Frau Scholz.« Hagedorn faltete die Hände, stützte das Kinn darauf und sah sie scharf an. »Sie vergeuden meine Zeit und verpulvern Ihr Geld. Was Sie brauchen, ist eine Eheberatung und kein Psychotherapeut. Und jetzt bitte ich Sie zu gehen.«

Hagedorn hatte keinen Nerv mehr für diese Frau.

»Dann sehen wir uns nächsten Freitag?«, erkundigte sie sich verschüchtert.

»Nein, tun wir nicht.«

»Jasmin?«, rief er in den Vorraum, nachdem die Frau beleidigt aus der Praxis gestapft war. »Bring mir bitte einen Kaffee und ein paar Aspirin.«

Jasmin war seit einem Jahr seine Praxis-Assistentin. Zu Beginn war sie ihm mit ihrer quirligen Art tierisch auf die Nerven gegangen, aber sie hatte sich als wahre Bereicherung entpuppt. Für seinen Partner Darius, die Praxis, aber auch für ihn persönlich.

Das Mahlwerk des Kaffeevollautomaten setzte sich in Bewegung.

»War sie wieder sehr anstrengend?« Jasmin brachte ein Glas Wasser mit zwei Aspirin und stellte beides vor ihm ab.

»Danke. Frau Scholz ist immer anstrengend.«

»Ich würde heute gern etwas früher gehen.«

»Aber erst wenn ich meinen Kaffee habe«, flachste er.

Jasmin deutete einen Knicks an. »Selbstverständlich, Mylord.«

»Los verschwinde«, sagte er lachend.

Für heute standen keine weiteren Termine an. Er rührte in seinem Kaffee und überlegte, ob er am Abend kochen oder essen gehen sollte. Schlagartig fiel ihm ein, dass in seinem Kühlschrank gähnende Leere herrschte, was die verbliebenen Optionen einschränkte. Morgen würde er dringend seine Vorräte auffüllen müssen.

Für einen Moment schloss er die Augen und genoss das Nachlassen des schmerzhaften Pochens in den Schläfen. Die beiden Aspirin begannen ihre Wirkung zu entfalten. Mit dem Daumen drückte er den Steuerhebel seines elektrischen Rollstuhls und fuhr zum Fenster, wo er die Gardine ein wenig zur Seite schob und kritisch den bleiernen Himmel betrachtete. Schneeregen verwandelte die Marktstätte, an der seine Praxis lag, in einen matschigen Sumpf. Nur wenige Hütten, die bei der Amokfahrt unversehrt geblieben waren, hatten geöffnet. Wobei er sich die Frage stellte, für wen eigentlich? Kaum einer war unterwegs. Der Schock saß tief in der Konstanzer Bevölkerung, und die Anteilnahme für die Opfer war beeindruckend.

Die wenigen Menschen, die sich trotz des Sauwetters auf die Marktstätte wagten, gingen mit gesenktem Kopf, legten Blumen nieder oder zündeten eine Kerze an. Tausende Teelichter, Kuscheltiere aller Art und Trauerkränze türmten sich auf den Stufen der Marktstättenunterführung. Die Konstanzer Kirchengemeinden wetteiferten mit Trauer- und Gedenkfeiern, während im Stadtrat die Fetzen flogen.

Man streite, so berichtete die Lokalpresse, ob es noch vertretbar sei, den Weihnachtsmarkt geöffnet zu lassen.

Letztlich, da war sich Hagedorn sicher, würden finanzielle Interessen die Oberhand gewinnen, und man würde den Weihnachtsmarkt bis zum 24. Dezember weiterlaufen lassen. Natürlich mit den gewohnt salbungsvoll um Mitgefühl heischenden Worten. Gerade schlenderte zum dritten Mal das Kamerateam eines großen deutschen Privatsenders über den Platz. Eine für die Witterung völlig unpassend gekleidete Reporterin streckte jedem, der ihr über den Weg lief, ein Mikrofon mit pelzigem Überzug unter die Nase.

Offenbar schien sie wenig Erfolg damit zu haben, da alle, bei denen sie es probierte, sich kopfschüttelnd abwandten und schnell das Weite suchten.

Hagedorn fuhr zusammen, als die Praxisklingel schrillte. Er musste ein Stück zurücksetzen, um an den Taster für den Türöffner zu gelangen, den er sich auf der Schreibtischplatte hatte installieren lassen.

Er spähte in den Empfangsbereich.

»Marius!«, rief er freudig. »Schön, dich zu sehen.«

Erster Kriminalhauptkommissar Marius Bannert stampfte sich übertrieben den Schneematsch von den Schuhen und schlüpfte aus dem Anorak, den er, ordnungsliebend, wie er war, akkurat an einen Bügel hängte.

Der Fall eines Serienmörders hatte sie vor vier Jahren zusammengeführt. Damals hatte der geistesgestörte Verwaltungschef der Konstanzer Klinik junge Frauen entführt, getötet, skalpiert und ihnen die Geschlechtsorgane entfernt, um sich damit zu schmücken. Ihn fröstelte bei der Erinnerung daran. Damals lebte er noch in Stuttgart, als Bannert völlig verzweifelt, eine Akte unter den Arm geklemmt, vor der Haustür seines Siedlungsreihenhauses gestanden und um seine Mithilfe gebeten, ja ihn regelrecht angefleht hatte.

Einem ersten Impuls folgend hatte er ihm die Tür vor der Nase zugeschlagen, mit dem freundlichen Hinweis, sich zum Teufel zu scheren. Heute dachte er freilich anders darüber.

Er würde es Marius gegenüber nie eingestehen, aber möglicherweise hatte er es ihm zu verdanken, dass er aus einer Lethargie befreit worden war, die er selbst vielleicht nie hätte überwinden können.

Nachdem der Fall erfolgreich abgeschlossen war, hatte er das Haus in Stuttgart verkauft und mit dem beträchtlichen Erlös dafür ein Häuschen im Konstanzer Musikerviertel erstanden, das er nach seinen Bedürfnissen umgestaltet hatte.

Nicht nur, dass er Bannert sein Leben verdankte, zwei weitere Fälle hatten sie noch enger zusammengeschweißt. Sie waren Freunde geworden und er Patenonkel von Bannerts Tochter.

Hagedorn griff nach dem Telefonhörer, als der Apparat klingelte, während er aus der Rezeption die Jura-Maschine erneut mahlen hörte.

»Ich schau derweil mal nach dem Kaffee. « Bannert ließ Hagedorn allein telefonieren.

»Hagedorn«, meldete er sich. »Guten Abend, Herr Oberbürgermeister.«

Hagedorn lauschte stumm.

»Ihre Anfrage ist zwar sehr schmeichelhaft, aber ich lehne dankend ab. Guten Abend!« Hagedorn legte auf.

Bannert hatte inzwischen wieder das Büro betreten, den Kaffeebecher mit beiden Händen umfassend.

»Was wollte denn der OB von dir?« Bannert ließ sich auf die Zweierledercouch fallen und nippte vorsichtig am heißen Kaffee.

»Ach egal. Was verschafft mir das Vergnügen deines Besuchs? Lass mich raten. Du warst den Bürokaffee leid und wolltest mal wieder eine gute Tasse Kaffee bei mir genießen. Hab ich recht?« Hagedorn grinste breit.

»Nein, ich wollte einfach mal sehen, wie’s dir geht.«

»Danke.«

»Wie danke?«, echote Bannert.

»Danke, dass du nach mir siehst.« Hagedorns Gesichtsausdruck wurde ernst. »Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, wie es mir geht. Ich habe viel zu tun, und das lenkt mich ab.«

»Hm, verstehe«, brummte Bannert. »Hast du mal darüber nachgedacht, selbst eine Therapie zu machen?«

Hagedorn warf mit gespielter Entrüstung die Arme in die Höhe. »Warum sollte ich eine Therapie machen?«

»Falk.« Bannerts Blick hatte etwas Bohrendes. »Deine Gefangenschaft in Burgers Jagdhütte, Karinas und Laras Tod, dein Erlebnis letzte Woche. Wären...


Bürgel, Matthias
Matthias Bürgel, Jahrgang 1970, studierte an der Fachhochschule der Polizei Rechts- und Verwaltungswissenschaften. Seit 1992 im Polizeidienst, versah er seinen Dienst als Kriminalhauptkommissar in unterschiedlichen Bereichen der Kriminalpolizei, zuletzt beim Kriminaldauerdienst. Aktuell ermittelt er als Sachbearbeiter beim Polizeirevier Donaueschingen. Trotz der menschlichen Abgründe, die er in seiner täglichen Arbeit erfährt, liebt er seinen Beruf. Seine langjährigen Erfahrungen inspirierten ihn zu seiner Reihe rund um den Fallanalytiker Falk Hagedorn. Matthias Bürgel ist Mitglied im Syndikat (Verein deutschsprachiger Krimiautoren).



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