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Bürger | Sei von den Schülern Aarons | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 42, 312 Seiten

Reihe: edition pace

Bürger Sei von den Schülern Aarons

Ein Lesebuch über die Friedensliebe der Rabbiner
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-9054-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Ein Lesebuch über die Friedensliebe der Rabbiner

E-Book, Deutsch, Band 42, 312 Seiten

Reihe: edition pace

ISBN: 978-3-6957-9054-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



"Hillel lehrte: Sei ein Anhänger Aarons - der den Frieden liebt und ihn verfolgt, der Gottes Geschöpfe liebt und sie der Thora näher bringt." (Sprüche der Väter I, 12) Frühe Quellen zur Friedensliebe der Rabbiner erschließt der erste Hauptteil des hier vorgelegten Lesebuches. Das Imperium Romanum zerstört im Jahr 70 nach Christus den Tempel zu Jerusalem. Die jüdischen Weisheitslehrer antworten auf diese Katastrophe nicht mit einer Angleichung an das aggressive Programm Roms. Sie folgen vielmehr jener Wegspur, in der die Zivilisation der Gewalt als sicherer Erweis von Gottlosigkeit gilt. Das rabbinische Judentum imponiert als eine biophile Religion des Friedens: Gehörst du zu jenen, die das Leben lieben und bessere Tage zu sehen wünschen? Achte darauf, wo die Boten der Freude wirken und leuchtende Augen anzutreffen sind. Suche den Frieden und jage ihm nach . . . Eine weitere Abteilung der Sammlung enthält Texte von zwanzig Autoren - vornehmlich aus den Jahren 1896 bis 1929. Hier bestätigt sich Seite um Seite, dass das Friedensparadigma der frühen Rabbinen auch im "langen 19. Jahrhundert" unter Orthodoxen und Reformern noch nicht in Vergessenheit geraten war. Es beförderte bei Frauen und Männern aus jüdischen Familien gerade im Umfeld des Ersten Weltkrieges ein klares Sehen: "Alles Gewaltsame ist weglos, sinnlos, weil es ohne Ziel ist. Gewalt führt nie über sich hinaus zu einem Ziele hin, sie führt immer nur zu sich selber zurück" (Leo Baeck). Im Zeitalter der modernen Massenvernichtungswaffen ist die Friedensvision der Propheten Israels keine utopische Träumerei, sondern der einzige Schlüssel für eine Zukunft der Menschheit ohne unermessliche Leiden. "Es sprach der Heilige, gelobt sei er: die ganze Thora lehrt Frieden und wem übergebe ich sie? Dem Volke, das den Frieden liebt." (Talmudisch) edition pace. Regal: Pazifisten & Antimilitaristen aus jüdischen Familien, 15. Herausgegeben von Peter Bürger.

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Weitere Infos & Material


Er spottet der Kriegswagen, der schnaubenden Rosse und ihrer bewehrten Lenker …


Auszug aus: „Nationaljudenthum“ | 18971

[…] Die alten Völker sind recht eigentlich durch den Krieg entstanden, durch ihn gross geworden, und durch ihn wieder zu Grunde gegangen. Er füllte ihr Dasein von Anfang bis zu Ende aus. Die Kriegsfackel entflammte die nationale Begeisterung, an ihrem Feuer wurde das Band geschmiedet, welches die Massen einigte und zu einer Nation machte. Mit der Kriegsfackel steckte eine Nation das Staatsgebäude der anderen in Brand. Wie der Krieg dem einzelnen Menschen Gelegenheit gab, kraft seiner überragenden Stärke zum gefeierten Helden sich aufzuschwingen, so entzündete sich an ihm und in ihm bei der Menge das Nationalgefühl, das Volksbewusstsein, und demgemäss bildete sich bei ihr der Volksbegriff. Ganz im Gegensatze zu diesem turbulenten Vorgange entwickelten sich Volk und Volksbegriff in Israel. Sie sind nicht unter dem Zeichen des Schwertes entstanden, nicht aus Blut und Eisen geschmiedet. Nicht nach einem grossen Kriege, bei einer geräuschvollen Siegesfeier, angesichts eroberter Trophäen und gefesselter Kriegsgefangener, sondern bei einer stillen Bundesfeier in der Wüsteneinsamkeit war es, dass Moses Israel zurief: ,,Lausche und höre Israel, an diesem Tage bist du zum Volke geworden dem Ewigen, deinem Gotte“ (V. M[ose]. 27,9). In diesen Worten ist der Werde- und Entwicklungprocess Israels richtig so angegeben, wie wir ihn an der Hand der Geschichte verfolgen können. Der Volksbegriff war in Israel ein anderer als überall, denn er war unzertrennlich von seinem Gottesbegriff. Beide sind mit eins entstanden. Indem Israel ein Volk wurde, wurde es zugleich das Volk Gottes. Unmöglich konnten daher in ihm das bloss volksmässige Nationalbewusstsein und Nationalgefühl so stark vorschlagen, wie anderwärts im Alterthum und selbst in der Gegenwart. Sie hatten für Israel ihren Ursprung in Gott, aber auch ihre Schranke an Gott. Ohne seinen Gott wäre Israel seiner selbst als eines Volkes sich niemals bewusst geworden, er hat es zu Volke, und damit überhaupt zu einem gemacht.2

[II.] Fragen wir nun weiter: Wie hat sich bei diesem in der Vorstellung Israels herrschend gewesenen Volksbegriff sein Verhältniss zu den übrigen Völkern und zur Menschheit überhaupt gestaltet? Es liegt auf der Hand, dass es mit dem nackten, sozusagen physischen Nationalismus oder Nativismus der alten Völker diesen nicht entgegentreten konnte, weil er in ihm nicht vorhanden war, oder doch keinesfalls gezüchtet wurde, dahier, wie wir gezeigt haben, in dem Individuum das Persönliche, und in der Gesammtheit das Nationale vor dem Göttlichen, welchem beiden sich unterordneten, oder in welchem sie aufgiengen, zurücktrat. Eine unvoreingenommene Lektüre der Bibel führt zu der Erkenntniss, dass Israel an den heidnischen Völkern gerade diese ihre Accentuierung des nationalen Moments als das sie charakterisirende Merkmal, wovon es selber sich frei wusste, erkannte. Dies ist der Sinn der hebräischen Ausdrücke „Ammim“, „Leumim“, „Gojim“, womit die Völker, insofern sie als Völker, als nationale Individualitäten sich selbst betonten – es heisst deshalb häufig Völker, Nationen ohne bestimmten Artikel – im Unterschiede von Israel bezeichnet werden. „Im Unterschiede von Israel“ ist vielleicht nicht ganz erschöpfend gesagt, deutlicher und unmissverständlich wäre zu sagen: im Unterschiede von dem durch seinen Gottesbegriff bedingten Volksbegriff Israels. Denn Gott tritt hier überall, sozusagen, vor die Front, so dass nicht eigentlich Israel, sondern sein Gott den Völkern, und in diesen wiederum ihren Göttern gegenübergestellt wird. „Der Ewige regiert, es frohlocket die Erde, es freut sich der Inseln Menge.“ (Ps. 97,1.) „Der Ewige regiert, es zittern die Völker, er thront auf Cherubim, es wanket die Erde.“ (Ps. 98,1.) „Erzählet unter den Völkern seine Herrlichkeit, unter allen Nationen seine Wunder. Denn gross ist der Ewige und sehr gerühmt, furchtbar ist er über alle Götter. Denn alle Götter der Völker sind nichtig, aber der Ewige hat die Himmel geschaffen. Hoheit und Pracht ziehen ihm voran, Triumph und Ruhm sind in seinem Heiligthum. Spendet dem Ewigen, Völkergeschlechter, spendet dem Ewigen Ehre und Triumph. Sprechet unter den Völkern: Der Ewige regiert.“ (Ps. 96,1 f.) „Stelle, o Ewiger, ihnen eine Warnung hin, erfahren sollen die Völker, dass sie Sterbliche sind“. (Ps. 9,21.) „Höret dies, all’ ihr Völker, horchet auf, all’ ihr Weltenbewohner! So der Leute Söhne, wie der Herren Söhne, zumal reich und arm. Schafen gleich wandern sie in die Gruft, der Tod weidet sie, und auf sie treten Gerechte, ein Morgen- – und ihre Gestalt verwest, da die Gruft ihre Wohnung geworden. Aber Gott löst meine Seele aus der Hand der Gruft, denn er fasst mich an“. (Ps. 49,2 f.) „Was ist der Mensch, dass du seiner gedenkest, und der Menschensohn, dass du auf ihn siehest? Und lässest ihn um ein Geringes Gott nachstehen, und mit Ehre und Glanz krönest du ihn“. (Ps. 8,5 f.) „Heil dem Volke, dessen Gott der Ewige ist, der Nation, die er sich zum Eigenthum erkoren, vom Himmel blickt der Ewige, siehet alle Menschenkinder. Aus der Stätte seines Sitzes schauet er auf all’ die Bewohner der Erde. Der insgesammt ihr Herz gebildet, der merket auf all’ ihre Thaten. Nicht ist der König siegreich durch des Heeres Menge, ein Held wird nicht gerettet durch Fülle der Kraft. Eitel ist das Ross zum Siege, und durch die Fülle seiner Stärke führt es nicht von dannen.“ (Ps. 33,12 f.) „Diese vertrauen auf Kriegswagen, jene auf Rosse, wir aber preisen den Namen des Ewigen, unseres Gottes. Jene stürzen und fallen, wir aber stehen und halten uns aufrecht.“ (Ps. 20,8 f.) Dies sind einige Stellen aus den Psalmen, in welchen die Vorstellung Israels von den Völkern und seine Stellung zu den Völkern gekennzeichnet ist. Israel selbst ist hier gar nicht genannt, es handelt sich also nicht um ein selbstgefälliges Hervorheben und Herausstreichen des eigenen Volksthums, der eigenen Individualität – immer bleibt Gott im Vordergrunde, er ist es, in dessen Namen der israelitische Dichter zu den Völkern redet. Und was sagt er ihnen? Vor diesem Gott wird alle irdische Macht und Grösse, die den Stolz der Nationen ausmachen, zu nichte, er spottet der Kriegswagen, der schnaubenden Rosse und ihrer bewehrten Lenker, – aber bei seiner Grösse und Erhabenheit erweist er sich zugleich als den gütigen Vater seiner Geschöpfe, . Es ist nicht wohl denkbar, dass bei dieser Vorstellung von Gott und Menschen – in Israel Werth gelegt werden konnte auf die unterscheidenden Zufälligkeiten der Geburt, Abkunft, Heimat u.s.w., da sie doch nur schwache Grenzlinien sind, die vor der alles gleichmachenden, in dem erwähnten 49. Psalm mit erschütternder Gewalt geschilderten Macht des Todes vollends verschwinden. So erscheinen jene trennenden Zufälligkeiten als Hinfälligkeiten, denen gegenüber es nur ein Bleibendes, Unumstössliches gibt: Dies ist ebenfalls eine alle Unterschiede ausgleichende Thatsache, aber sie erdrückt den Menschen nicht, wie die Macht des Todes, sondern richtet ihn auf. Allerdings ist die Verschiedenheit der Völker nicht wegzuleugnen und von Gott, der jedem derselben sein Gebiet zugewiesen, selbst gesetzt. Dies gilt auch für Israel. „Da der Höchste den Völkern3 Besitz gab, da er schied die Menschensöhne, stellte er fest die Grenzen der Nationen4, entsprechend auch der Anzahl der Kinder Israels4“ (V. M[ose]. 32,8). Aber sofort wird, um dem Missverständniss vorzubeugen, als ob es sich für Israel je darum handeln könnte, seinen Lebenszweck vom Landbesitz abhängig zu machen, und es an die Scholle zu binden, hinzugefügt: „Denn des Ewigen Theil ist sein Volk, Jakob das Los seines Besitzes“ (das. 9). Unter diesem Gesichtspunkte, von welchem angesehen Israel nicht sowohl Besitzer, als vielmehr selbst Besitz, und zwar Gottes ist, konnte in ihm der mit der Scholle verwachsene Nativismus gar nicht aufkommen. Autochthonie oder Aboriginität hat Israel, wie andere Völker des Alterthums, nie für sich in Anspruch genommen. Hochmuth des Einheimischen gegen den Fremden gab es in Israel nicht, konnte es gar nicht geben, denn der Einheimische kam gar nicht aus dem in ihrer immer lebendig erhaltenen Bewusstsein, selbst ein Fremder zu sein, heraus. Ganz im Gegensatze zu der Sage von Antäus verschwand gleichsam der Erdboden, als eine vorübergehende Erscheinung, unter den Füssen des Israeliten. Er bot ihm keinen Halt, diesen suchte er anderswo. „Ein Fremdling bin ich bei dir, ein Beisasse, wie alle meine Väter“ (Ps. 39,13). „Ein Fremdling bin ich auf Erden“ (das. 119,19). In nicht weniger als neunundvierzig Variationen wird die Rechtsgleichheit des Einheimischen und Fremden, die Pflicht, den Fremdling wie sich selbst zu lieben,...



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