E-Book, Deutsch, 220 Seiten
Reihe: HarperCollins
Bugla P.I.D. 1 - Im Visier der Vergangenheit
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-8158-3
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 220 Seiten
Reihe: HarperCollins
ISBN: 978-3-7337-8158-3
Verlag: HarperCollins
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Juliette Jennings steht ganz oben auf der Todesliste eines skrupellosen Killers. Plötzlich selbst des Mordes beschuldigt, will sie nur noch eins: die Hilfe ihres großen Bruders. Ein riesiger Fehler, wie sie bald erkennt. Wenn sie ihn retten will, muss sie von der Bildfläche verschwinden - und zwar sofort! Doch Nate Cooper, ehemaliger Army Sergeant und bester Freund ihres Bruders, macht all ihre Pläne zunichte. Er besteht darauf, sie in Sicherheit zu bringen. Trotz der Zweifel an ihm und seiner Organisation P.I.D. hat Juliette keine Wahl: Sie muss ihr Leben in die Hände eines Fremden legen! Denn ihre Verfolger sind mächtiger als vermutet - und das unerwartete Verlangen zwischen ihr und ihrem sexy Beschützer zieht sie immer stärker in seinen Bann...
Der Auftakt der neuen PID-Serie von Andrea Bugla.
Autoren/Hrsg.
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PROLOG
Es war ein Fehler.
Ein Riesenfehler!
Und der könnte sowohl Naomi als auch sie das Leben kosten.
Aber hatte sie eine andere Wahl? Ihre Freundin war verletzt und brauchte dringend einen Arzt. So wie ihr Schädel pochte, könnte Juliette vermutlich selbst einen gebrauchen. Sie wusste nicht, ob sie mehr als eine Gehirnerschütterung hatte und wie lange es noch dauerte, bis sie in Ohnmacht fiel. Die Hitze, die sich zwischen den Kisten, Gerätschaften und Regalen staute, machte es auch nicht gerade besser.
Die Sorge um ihre Freundin überwog die Angst, dass ihre Kidnapper sie erwischten. Deshalb nutzte Juliette die erste Chance, die sich ihr bot.
Kaum war Carl für einen Moment hinter den großen Regalen verschwunden, um die Lage zu checken, sprang sie auf und huschte an Kurt vorbei. Dankbar dafür, dass Naomis Wimmern ihn ablenkte, tauchte sie in einem der Gänge unter. Natürlich blieb das nicht unbemerkt, doch fürs erste war sie frei.
So schnell und so leise wie möglich bewegte sie sich weiter durch die Regalschluchten – auch wenn alles in ihr danach drängte, sich sofort in der nächstbesten Lücke zu verstecken, als Kurt die Suche nach ihr aufnahm.
Keine vier Meter von der rettenden Tür entfernt kauerte sie sich kurz darauf zwischen zwei Kisten und lauschte den Schritten ihres Verfolgers. Er machte Lärm für drei, während er einen Gang nach dem anderen absuchte.
„Wenn ich das Hirn deiner Freundin nicht über den Boden verteilen soll, beweg deinen Arsch hierher, du blöde Schlampe!“, ertönte Carls eisige Stimme.
Juliette zweifelte keine Sekunde daran, wie ernst er es meinte. Für ihn zählte Geld – und nur das. Die Entscheidung über Leben und Tod eines Menschen war reine Formsache und beschäftigte ihn nicht weiter, nachdem er sie erst getroffen hatte. Seine Kaltblütigkeit machte ihn gefährlich – genau wie die extreme Nervosität seinen Kollegen in eine tickende Zeitbombe verwandelte, die jederzeit explodieren konnte. Kurt war es auch gewesen, der auf Naomi geschossen hatte. Und das nur, weil sie über eine Holzlatte gestolpert und ihm entgegen getaumelt war …
„Ich zähle bis drei!“, rief Carl.
„Juliette!“, hörte sie Naomi schreien. „Hau ab! Renn…“
Ein Klatschen – dem Geräusch nach eine Ohrfeige – unterbrach ihre Worte. Im nächsten Moment drang ein leises Wimmern an ihr Ohr.
Juliette schluckte und kämpfte die aufsteigenden Tränen zurück. Sie wusste, dass sie Naomi nur helfen konnte, wenn sie es hinaus schaffte. Immer wieder hatte sie Juliette leise dazu gedrängt, wenn möglich zu fliehen. Wäre sie erst mal frei, könne sie Hilfe holen.
Tja, liebe Freundin, wenn du mir da mal nicht zu viel zutraust, dachte Juliette unsicher. Es behagte ihr nach wie vor nicht, ihre Freundin zurückzulassen.
Sie sah abwechselnd in die Richtung, aus der sie gekommen war, und zum Ausgang. Es waren nur noch wenige Meter bis zu der Tür, hinter der ihre Rettung wartete. Zahllose Polizisten und andere Einsatzkräfte hatten sich schon vor der Lagerhalle versammelt. Es musste eine ganze Armee sein, wie Juliette aus den unzähligen blau-rot flackernden Lichtern schloss, die hinter den viel zu hohen und viel zu schmalen Fenstern tanzten. Juliette fuhr sich über die Stirn und zuckte zusammen, als Schweiß in der Platzwunde brannte. Die beginnende Mittagshitze hatte die Halle schnell in einen Ofen verwandelt.
„Eins!“
„Werfen Sie die Waffen weg und kommen Sie mit erhobenen Händen heraus!“, rief eine weitere Stimme – diesmal von draußen und zweifellos durch ein Megafon verstärkt.
Nur einen Gang von Juliette entfernt schepperte etwas laut zu Boden. Vielleicht hatte sich einer der beiden von dem plötzlichen Polizeibefehl ablenken lassen und ist dabei gegen eine Kiste gelaufen? Juliette konnte ihren erschreckten Aufschrei gerade noch zurückhalten. Der Puls schlug ihr bis zum Hals und hämmerte erbarmungslos gegen ihre Schädeldecke.
Sie musste hier weg, ehe die Männer sie aufspürten!
„Zwei!“
Verdammt, was wenn er ernst machte? Sicher hatte er nicht den Auftrag, sie zu ermorden – sonst wären sie längst tot. Doch Carl machte nicht gerade den Eindruck, sich auf Biegen und Brechen ans Drehbuch zu halten.
„Das Lagerhaus ist umstellt. Sie haben keine Chance. Sie haben eine Minute, um sich zu ergeben!“
„Carl? Ich finde sie nicht! Ich glaube, sie ist weg!“
Kurt stand keine zwei Meter von ihr entfernt und spähte in die Richtung seines Komplizen, der offenbar noch Naomi bewachte. Panisch riss Juliette den Kopf rum, um auszumachen, wo sich Kurt genau befand, und schlug dabei hart gegen die Ecke eines Regalbretts. Neuer Schmerz jagte wie ein Speer durch ihr Gehirn, nahm ihr einen Augenblick lang Sicht und Luft. Es kostete sie alle Körperbeherrschung, stillzuhalten und sich nicht zu verraten.
„Die Minute ist fast rum. Treffen Sie die richtige Entscheidung und geben Sie auf!“, rief der Polizist eindringlich in das Megafon.
„Verdammt! Sie kann nicht weit gekommen sein, du dämlicher Trottel. Finde sie!“, fluchte Carl.
Plötzlich schrie Naomi auf, ein Stuhl kippte um und Carl forderte sie barsch auf, sich zu bewegen.
Juliette beobachtete, wie Kurt sich ein letztes Mal umschaute und sich dann überraschend entfernte.
Das war ihre Chance – vielleicht die letzte, die sie bekommen würde. Wenn das schiefgeht, Naomi, verzeih mir.
Juliette schlüpfte aus ihrer Nische und rannte zur Tür.
Weit kam sie nicht. Es war ein einfacher Riegel, der ihr den Weg in die Freiheit versagte. Verrostet und leicht verbogen wollte er sich einfach nicht bewegen lassen. Verzweiflung wallte in ihr auf. Das durfte einfach nicht wahr sein. Juliette zog und drückte, stemmte sich gegen die Tür, während sie weiter am Riegel rüttelte. Aber dieses blöde Ding wollte sich einfach nicht rühren. In einem Anfall von Wut und Frust trat sie heftig gegen die Tür – und wusste bereits in diesem Moment, dass das eine blöde Idee gewesen war. Der Knall hallte durch die ganze Halle.
Sich innerlich für diese hirnrissige Aktion maßregelnd, suchte sie die im Halbdunkeln liegenden Gänge ab. Gebannt horchte sie nach jeder noch so kleinen Regung, und ein leiser Schrei entfuhr ihrer Kehle, als Kurts Stimme die Stille zerriss.
„Du kannst dich nicht ewig verstecken, du Miststück! Ich weiß genau, wo du steckst. Wenn ich bei dir bin, dann Gnade dir Gott!“
Er klang alles andere als selbstsicher. Offenbar ließ ihn die Warnung der Polizisten doch nicht so kalt, wie er sie das glauben lassen wollte. Aber eben diese Unruhe machte ihn gleichzeitig unberechenbar. Und er würde sie finden. „Ich habe die Schnauze voll! Komm raus jetzt! Glaub mir, wenn ich dich erst holen muss …“
Seine Schritte hallten durch das Gebäude. Er gab sich keine Mühe mehr, leise zu sein – nicht, dass er damit bisher viel Erfolg gehabt hätte. Juliette konnte geradezu vor sich sehen, wie er mal rechts und mal links abbog, während er kontinuierlich näher kam.
Von draußen war wieder die fremde Stimme zu hören. Diesmal klang sie gedämpfter, wenn auch nicht mit weniger Nachdruck. Wieder wurde Carl aufgefordert, sich zu ergeben. Juliette hörte, wie er trocken auflachte. Kurz darauf vernahm sie einen dumpfen Schlag von Metall auf Metall – direkt hinter der Tür – und die Stimmen der Polizisten verstummten.
Der Krach hier in der Lagerhalle nahm indes immer weiter zu. Juliette tastete blindlings hinter sich. Wenn sie irgendwas fände, das sie werfen könnte, um ihren Verfolger wenigstens für einen Moment in eine andere Richtung zu lotsen …
Wenn sie nur mit irgendetwas Lärm veranstalten könnte … In Filmen klappte das doch auch immer.
Sie fand eine Latte, die jedoch unter dem Regal eingeklemmt war. Juliette sah sich unruhig um. Schließlich fand sie einen Backstein, der zu klobig war, um ihn hoch und weit genug werfen zu können, und ein armlanges, zeitungsdickes Metallrohr. Während Juliette noch überlegte, wie sie nun die Aufmerksamkeit ihres Verfolgers von sich ablenken könnte, entdeckte sie auf dem Boden einige verstreute Schrauben. Schnell sammelte sie sie auf und sog heftig Luft ein, als sich die Spitzen in ihre Handflächen bohrten. Juliette kniff einige Sekunden lang die Augen zu.
Der Schmerz, für sich allein harmlos, verbündete sich mit den stechenden Kopfschmerzen zu einem rot glühenden Schürhaken. Eine quälende Welle breitete sich in ihr aus, bis sich ihr der Magen drehte und sie sich fast übergeben musste. Nur mühsam konnte sie dagegen ankämpfen.
Juliette nahm einen letzten Atemzug und schleuderte die kleinen Behelfsgeschosse so hoch wie möglich – doch das war wohl zu viel des Guten, denn die Nägel prallten an der Kante des vorletzten Regalbrettes ab und prasselten ihr wieder direkt vor die Füße. Mit dem Wurf würde sie sicher auf Lebzeiten aus der MLB ausgeschlossen werden – nicht dass sie sich je groß für Baseball interessiert hatte.
Kurt lachte irre auf, schließlich kamen die Geräusche genau aus der Richtung, in die er ohnehin unterwegs war. Juliettes Hände zitterten, als sie nach dem Metallrohr griff und es über den Kopf hob.
Sie wollte das hier nicht. Das war nicht richtig.
Sie arbeitete als einfache Verkäuferin in einem Spielwarenladen. Ihr Job war es, Modellautos und Stofftiere in die Regale zu räumen, über die aktuellen Trends der Sammelkarten und – figuren Bescheid zu wissen und stets das...




