Burg / Moser Handbuch Verkehrsunfallrekonstruktion
1. Auflage 2008
ISBN: 978-3-8348-9412-0
Verlag: Vieweg & Teubner
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Unfallaufnahme, Fahrdynamik, Simulation
E-Book, Deutsch, 952 Seiten, Web PDF
Reihe: ATZ/MTZ-Fachbuch
ISBN: 978-3-8348-9412-0
Verlag: Vieweg & Teubner
Format: PDF
Kopierschutz: 1 - PDF Watermark
Vorwort Das vorliegende Buch tritt die Nachfolge des Handbuchs der Verkehrsunfallrekonstruktion unter der Herausgeberschaft Burg/Rau an. Dieses Buch erschien im Jahr 1981. In der Z- schenzeit hat sich die Verkehrsunfallrekonstruktion fast schon zu einer eigenen wissenschaft- chen Disziplin entwickelt. Immer mehr Personen forschen auf diesem Gebiet, machen Ver- che oder entwickeln Berechnungsverfahren und -programme. Obwohl die Verkehrsunfälle mit getöteten und schwer verletzten Personen ständig abnehmen, ist die Unfallrekonstruktion immer wichtiger geworden. Die Unfälle mit nicht ganz so schw- wiegenden Personenschäden oder mit Sachschäden nehmen zu und der Streit um insbesondere die zivilrechtliche Haftungsverteilung ist heftiger geworden. Man kann dafür verschiedenste Gründe aufführen, ohne dass konkrete Belege für deren Bedeutung oder Einfluss genannt w- den können. In der zweiten, jetzt vorliegenden Auflage des Handbuchs der Verkehrsunfallrekonstruktion wurde der oben erwähnten Entwicklung Rechnung getragen. Die Unterteilung in die Haupt- pitel A bis D wurde beibehalten, Daten wurden aktualisiert, zwischenzeitlich erschienene V- öffentlichungen und Bücher wurden berücksichtigt. Erweiterungen betreffen die Simulatio- programme und die Unfallforschung. Für das zweite Buch konnten Autoren gewonnen werden, die sich durch besondere Leistungen bei der Forschung, der Grundlagenentwicklung und der praktischen Arbeit hervorgetan haben. Ihnen gilt mein besonderer Dank. Die eigene langjährigen Forschung und Lehre im Fachgebiet der Verkehrsunfallrekonstruktion und meine Erfahrungen als Gutachter in gerichtlichen V- fahren haben ebenfalls Eingang gefunden. Dieses Buch soll mehr ein Nachschlagewerk für die Praxis sein als ein Grundlagenbuch.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Grundlagen.- Allgemeine Anmerkungen zum Sachverständigenwesen.- Unfallaufnahme und Datenerhebung.- Messtechnik.- Systematik der Fahrzeugtechnik.- Kinematik.- Kinetik.- Informationsaufnahme beim Kraftfahrer.- Vermeidbarkeitsbetrachtungen.- Kollisionsmechanik.- Fußgägerunfälle.- Unfälle mit Zweirädern.- Pkw-Pkw-Unfälle.- Unfälle mit Nutzfahrzeugen.- Unfälle mit land- order forstwirtschaftlichen Fahrzeugen.- Überschlagsunfälle.- Schienenfahrzeuge/Straßenbahnen.- Schadenaufklärung.- Insassensimulation.- Biomechanik.- Simulation und Animation.- Fallbeispiele.- Unfälle mit Tieren.- Unfälle mit Fußgängern.- Unfälle mit Zweiradfahrzeugen.- Unfälle mit motorisierten Zweirädern.- Unfälle mit Pkw.- Unfälle mit Kleintransportern.- Unfälle mit Nutzfahrzeugen.- Unfälle mit land- oder forstwirtschaftlichen Fahrzeugen.- Unfälle mit Schienenfahrzeugen.- Alleinunfälle.- Überschlagunfälle.- Beispiele zu Insassenverletzungen.- Sonderthemen.- Aktive und passive Sicherheit.- Sicherheitsgurte.- Airbag-Systeme.- Schutzhelme.- Reifen und Räder.- Glühlampen.- Fahrzeugschlüssel.- Mikrospuren, Mikrospurensicherung, Mikrospurenauswertung.- Elektronik im Kraftfahrzeug.- Zukünftige Methoden bei der Spurensicherung.- Biomechanische Daten.- Bemerkbarkeit von Kleinkollisionen.- Dunkelheitsunfälle.- Begriffe, Formeln, Tabellen.- Fachbegriffe nach DIN 75204 Straßenfahrzeuge.- Begriffe und Abkürzungen.- Medizinische Fachausdrücke.
C1 Aktive und passive Sicherheit (S. 711-712)
Dr. Florian Kramer
1 Die Fahrzeugsicherheit und das Risiko
Im Bereich der Fahrzeugsicherheit wird mit dem Begriff „Sicherheit" eine Situation beschrieben, bei der das erzielbare Risiko kleiner ist als das größte noch vertretbare Risiko (Grenzrisiko) eines bestimmten technischen Vorgangs oder Zustands. Dabei wird das Risiko durch eine Wahrscheinlichkeitsaussage beschrieben, d. h. durch die zu erwartende Häufigkeit des Eintritts eines zum Schaden führenden Ereignisses und das beim Ereigniseintritt zu erwartende Schadensausmaß. Auf Straßenverkehrsunfälle übertragen bedeutet dies beispielsweise die erwartete Häufigkeit von Unfällen nur mit Sachschäden oder die mit Personenschäden.
Die Wahrscheinlichkeitsaussage ist die erwartete Häufigkeit von Unfällen und das Schadensausmaß der Sach- bzw. der Personenschäden. Es ist nahe liegend, dass das Risiko, einen Unfall mit Sachschaden zu erleiden, ungleich höher ist als das Risiko für Unfälle mit Personenschaden. So wurden im Jahr 2005 in Deutschland insgesamt 1.917.373 Unfälle nur mit Sachschäden, jedoch nur 336.619 Unfälle mit Personenschäden registriert. Je größer aber das Risiko ist, desto geringer ist die Sicherheit, und umgekehrt gilt, je höher die Sicherheit gesteigert werden soll, desto geringer darf das Risiko nur sein.
Die Straßenverkehrssicherheit ist ausgerichtet auf den Menschen (Verkehrsteilnehmer), auf das Fahrzeug (Verkehrsmittel) und auf die Umwelt (Verkehrswege). Die Maßnahmen, die geeignet sind, Unfälle zu vermeiden, werden der aktiven Sicherheit zugeordnet. Handelt es sich dem gegenüber um Maßnahmen, die die Unfallfolgen mindern sollen, so werden sie der passiven Sicherheit zugerechnet. Im englischen Sprachgebrauch wird die aktive Sicherheit zutreffenderweise auch als primary safety gekennzeichnet, da es primär gilt, Unfälle zu vermeiden. Gelingt dies jedoch nicht, so greifen die Maßnahmen der sekundären Sicherheit (engl.: secondary safety) zur Minimierung der Folgen eines Unfalls. Während sich seit der Aufzeichnung der Unfallzahlen in Deutschland, also seit 1953, die aktive Sicherheit mehr als verdreifacht hat, erhöhte sich die passive Sicherheit etwas mehr als um das Sechsfache [1].
2 Die aktive Sicherheit
Die Maßnahmen zur Vermeidung von Unfällen, der aktiven Sicherheit also, zielen beispielsweise ab auf Verkehrsteilnehmer durch Verkehrspädagogik und -psychologie, Verkehrsmedizin und Rechtssicherheit, auf Verkehrsmittel durch Fahr-, Bedienungs-, Wahrnehmungs- und Konditionssicherheit, auf Verkehrswege durch Verkehrsfluss-Steuerung, Straßenführung und -bau, Unfallschwerpunkte und Verkehrsrecht.
3 Die passive Sicherheit
Diejenigen Maßnahmen, die geeignet sind, die Unfallfolgen zu mindern, wirken sich demgegenüber in der InCrash-Phase aus. Diese Phase reicht vom ersten Kontakt der Kollisionskontrahenten bis zum Stillstand der Fahrzeuge und der Ruhelage der Betroffenen und enthält mindestens eine Kontakt- und eine Auslaufphase, Mehrfachkollisionen sind dabei eingeschlossen. Genau genommen greifen aber auch noch im nachfolgenden Zeitraum, in der PostCrash-Phase, die Maßnahmen der passiven Sicherheit, wenn z. B. das Rettungswesen (Ausbildung des Rettungspersonals, Lage von Unfallkliniken, Einsatz von Rettungshubschraubern u. a.) einbezogen wird [2].
Die Maßnahmen, die der passiven Sicherheit zugerechnet werden, umfassen beispielsweise bei Verkehrsteilnehmern die Motivation zur Benutzung von Schutzeinrichtungen, die Erste- Hilfe-Ausbildung und den Versicherungsschutz, bei Verkehrsmitteln den Selbst- und den Kontrahentenschutz, letzterer oftmals auch „Partner"- Schutz genannt, bei Verkehrswegen die Straßenrand-Entschärfung, die Sicherung der Unfallstelle sowie das Rettungswesen. Herausragende Vertreter für Maßnahmen der passiven Sicherheit sind die als „Lebensretter Nummer 1" bezeichneten Sicherheitsgurte und die unterschiedlich eingesetzten Airbag- Systeme, auf die in Kapitel C3 einzugehen sein wird. Beide Einrichtungen sind Komponenten der dem Selbstschutz dienenden Insassenschutz-Systeme.




