E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
Burrows Überraschung in der Hochzeitsnacht
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6473-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 256 Seiten
Reihe: Historical
ISBN: 978-3-7337-6473-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Paris, Anfang des 19. Jahrhunderts: Wie kann die bezaubernde Heloise nur der Heirat mit einem grausamen französischen General entkommen? Spontan bittet sie in ihrer Not den attraktiven Engländer Charles Fawley, Earl of Walton, sie zu heiraten. Eine Vernunftehe, die ihr Leben rettet ? und seine Ehre, wurde er doch gerade von ihrer Schwester verschmäht. Doch schon in der Hochzeitsnacht scheint ihr Plan zu scheitern: Jäh wird Heloise von ungeahnt leidenschaftlichen Gefühlen für ihren frisch angetrauten Ehemann überrascht. Aber wird sie jemals in Charles? Armen die heiß ersehnte Erfüllung finden? Schließlich war von Liebe nie Rede ...
Annie Burrows wurde in Suffolk, England, geboren als Tochter von Eltern, die viel lasen und das Haus voller Bücher hatten. Schon als Mädchen dachte sie sich auf ihrem langen Schulweg oder wenn sie krank im Bett lag, Geschichten aus. Ihre Liebe zu Historischem entdeckte sie in den Herrenhäusern, die sie gemeinsam mit ihren Eltern und ihrer älteren Schwester besichtigte. Weil sie so gern las und sich Geschichten ausdachte, beschloss sie, Literatur zu studieren. An der Universität lernte sie ihren Mann, einen Mathematikstudenten, kennen. Sie heirateten, und Annie zog mit ihm nach Manchester. Sie bekamen zwei Kinder, und so musste sie zunächst ihren Traum von einer Karriere als Schriftstellerin vergessen. Doch ihr Wunsch zu schreiben blieb, und nach mehreren gescheiterten Versuchen wurde ihr Roman "His Cinderella Bride" angenommen und veröffentlicht. Inzwischen sind weitere Regency-Romane von ihr erschienen.
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2. KAPITEL
Charles erschrak, als Conningsby über die Fensterbank kletterte, nachdem Heloise den Raum verlassen hatte.
„Wenn ich doch nur gewusst hätte, dass dieser Raum oberhalb der Straße liegt und ich gezwungen sein würde, das ganze Gespräch abzuwarten, anstatt wie geplant durch den Garten zu entfliehen …“
„Und sicher haben die Vorhänge Sie nicht daran gehindert, jedes Wort zu verstehen, oder?“ Charles seufzte. „Ich nehme an, Sie wissen die Vertraulichkeit dieser Unterredung richtig einzuschätzen?“
„Ich arbeite im diplomatischen Dienst!“, brachte Conningsby dem Earl in Erinnerung. „Außerdem würde kein halbwegs vernünftiger Mann ein einziges Wort dieses absurden Vorschlags wiederholen!“
Obwohl Charles das Anliegen von Heloise selbst als abwegig empfand, sträubte er sich dagegen, dass ein Außenstehender darüber in dieser Weise urteilte. „Ich denke, es war ausgesprochen mutig von ihr, hierherzukommen, um ihrer Familie zu helfen.“
„Natürlich, Mylord, wenn Sie meinen“, stimmte Conningsby zögerlich zu.
„Außerdem dulde ich nicht, dass jemand meine Verlobte verunglimpft“, fügte der Earl mit Entschiedenheit hinzu.
„Sie werden doch nicht ernsthaft auf diesen skandalösen Vorschlag eingehen?“, fragte Conningsby und schnappte nach Luft.
Charles betrachtete eingängig seine Fingerkuppen.
„Sie werden wohl kaum bestreiten, dass diese Lösung eine Menge Vorteile besitzt.“
„Nun“, erwiderte Conningsby, der abgeneigt war, sich mit einem Mann von Lord Waltons Rang anzulegen, „die Kleine ist zweifellos bezaubernd und ziemlich amüsant. Überdies besitzt sie ein außerordentliches Schauspieltalent, sodass es mir selbst fast die Sprache verschlug. Ich musste mir die Hand auf den Mund pressen, um nicht laut loszulachen, als sie sich bemühte, Ihre Sprechweise zu imitieren!“
Der Earl starrte ihn an. Bezaubernd? Bis zu diesem Morgen hatte er sie kaum wahrgenommen. Wie ein winziger Zaunkönig hatte sie sich stets im Hintergrund gehalten. Und selbst dann, wenn er sie eines Blickes gewürdigt hatte, gab es wenig Bemerkenswertes. Sie hatte eine Stupsnase und schmale Lippen sowie ein etwas spitzes Kinn. Ihr Haar war schwarz, und es gab keine einzige Locke, die Aufmerksamkeit erregte. Ihre Augen allerdings …
Zuvor hatte sie stets zu Boden geschaut, wenn er in ihre Richtung geblickt hatte. Doch heute hatte er ein enormes Temperament in ihren Pupillen aufblitzen sehen.
„Was sie ist oder nicht ist, ist völlig unerheblich“, erklärte er kühl. „Sie zur Frau zu nehmen scheint mir eine geeignete Kampfansage an Du Mauriac.“
Conningsby lächelte beunruhigt. „Sind Sie sicher, dass Sie in der Lage sind, eine Frau zu heiraten, nur damit ein anderer sie nicht bekommt?“
„Sie erwartet keine besondere Zuneigung. Sie würde sogar Schläge über sich ergehen lassen, wie Sie bestimmt vernommen haben. Sie will sich lediglich aus ihrer misslichen Lage befreien. Meinen Sie nicht, dass ich ihr dabei entgegenkommen sollte?“
„Nun, ich …“ Conningsby fuhr sich mit den Fingern unter den Halskragen.
„Mal ganz ehrlich, ich kann doch nicht einfach zusehen, wie ihr Vater sie mit diesem Schlächter verheiratet, oder? Dieses Schicksal hat sie gewiss nicht verdient.“
Nein, bestimmt nicht, dachte Conningsby, aber einen Mann zu heiraten, der nur danach trachtet, Rache an ihrem Verehrer zu üben, und überhaupt nichts für sie empfindet, ist auf längere Sicht keine viel bessere Lösung.
Heloise nahm den Kohlestift und beugte den Kopf über ihren Zeichenblock. Sie versuchte, sich ganz auf ihre Tätigkeit zu konzentrieren, damit das Gejammer ihrer Mutter in den Hintergrund trat. Sie hatte nichts erreicht. Sie hatte sich umsonst auf die Straße gewagt, die Beleidigungen der Soldaten und den Spott des Earls ertragen. Wie habe ich nur hoffen können, ihn zu überzeugen? Wütend machte sie einige Striche über die ganze Seite. Sie hatte auf eine Spur Mitgefühl gehofft und war stattdessen auf Verachtung gestoßen. Das Beste an meinem morgendlichen Ausflug ist, dass niemand im Haus davon Notiz genommen hat, überlegte sie und zeichnete mit einiger Befriedigung eine wenig schmeichelhafte Karikatur des Earl of Walton in Gestalt eines Tigerkaters, der die Zähne fletschte. Sie hätte es nicht ertragen, wenn jemand erfahren hätte, wo sie gewesen war. Es war schon schlimm genug, dass ihre Mutter ihr die Schuld an Felices Flucht gegeben hatte – als ob sie je den geringsten Einfluss auf ihre eigensinnige und verhätschelte jüngere Schwester gehabt hätte!
Mit ein paar Strichen fügte Heloise eine verängstigte kleine Maus hinzu, die auf das Maul des Katers starrte. Es war töricht von mir, diesen Mann aufzusuchen und mich so vor ihm zu erniedrigen!
Jemand betätigte den Klopfer an der Haustür.
Madame Bergeron putzte sich die Nase, bevor sie in leidendem Tonfall rief: „Wir empfangen heute keine Besucher. Sie kommen alle nur, um sich über uns lustig zu machen …“
Heloise stand auf, um die Order an den Diener weiterzuleiten. Da ihr Stuhl sich am Fenster befand, wo es am meisten Licht zum Zeichnen gab, hatte sie einen guten Blick auf die Eingangstreppe.
„Es ist der Earl!“, japste sie, und die Zeichenkohle glitt ihr aus den zitternden Fingern.
„Das ist unmöglich!“ Ihr bis dahin regloser Vater sprang vom Sessel auf. „Was kann er jetzt noch von uns wollen?“, murmelte er beunruhigt und linste durch das Fenster. „Ich hätte wissen müssen, dass ein Mann seines Standes eine solche Kränkung nicht einfach auf sich sitzen lässt. Er wird uns wegen Wortbruchs verklagen“, prophezeite er, während Heloise ihren Kohlestift aufhob. „Ich werde mich erschießen. Das wir ihm als Satisfaktion genügen!“, verkündete er. Sie nahm wieder Platz und vertiefte sich erneut in die Zeichnung, denn sie wollte die Hoffnung verbergen, die sich zaghaft in ihrem Mienenspiel zeigte.
„Nein!“, jammerte ihre Mutter aus der Sofaecke. „Du darfst mich jetzt nicht verlassen! Wie kannst du mir so etwas antun, nach allem, was wir gemeinsam durchgestanden haben?“
Zerknirscht fiel Monsieur Bergeron vor seiner Frau auf die Knie, ergriff ihre rechte Hand und übersäte sie mit Küssen. „Verzeih mir, meine Teure.“
Heloise bewunderte ihre Eltern für ihre gegenseitige Hingabe, aber manchmal wäre ihr etwas weniger Theatralität lieber gewesen.
„Du weißt, dass ich dich immer verehren werde, mein Engel.“ Er gab ihr noch ein Dutzend Handküsse, bevor er sie leidenschaftlich an seine Brust zog. „Du bist viel zu gut für mich.“
Gerade daran hegte Heloise Zweifel. Zwar hatte die Mutter weit unter den Standeserwartungen ihrer Familie geheiratet, denn sie war eine Tochter des Großgrundbesitzers, der Vater jedoch ein unbedeutender Beamter. Demnach war es vielleicht verwerflich von ihrem Vater gewesen, eine Adlige dazu zu bringen, mit ihm durchzubrennen. Andererseits hatte gerade dies sich als das Vernünftigste herausgestellt, was ihre Mutter je getan hatte. Die Heirat hatte sie vor dem Schicksal bewahrt, das viele Frauen ihres Standes während der Revolution zu erleiden hatten.
Die ergreifende Szene wurde jäh unterbrochen, als der Diener den Earl of Walton ankündigte. Mit tragischer Geste richtete sich Monsieur Bergeron zu voller Größe auf und verkündete: „Um dir Kummer zu ersparen, mein Engel, werde ich ihn allein in meinem Arbeitszimmer empfangen.“
Doch noch bevor er die Tür erreicht hatte, spazierte Charles herein. Er verbeugte sich vor Madame Bergeron, die versuchte, sich aus einem Berg von Kissen zu erheben, und sagte: „Guten Morgen, Madame, Monsieur.“
Indem er sich dem Gast in den Weg stellte, erwiderte Monsieur Bergeron mit Märtyrermiene: „Ich nehme an, dass Sie mit mir sprechen möchten, Mylord? Lassen Sie uns in mein Arbeitszimmer gehen, damit die Damen ihren Frieden haben.“
Charles zog verwundert eine Augenbraue hoch. „Nun, wenn Sie es wünschen, warte ich natürlich mit Ihnen, bis Mademoiselle sich fertig gemacht hat. Oder haben Sie vergessen, dass ich Ihre Tochter heute auf eine Spazierfahrt mitnehmen wollte? Mademoiselle …“ Gelangweilt wandte er sich direkt an Heloise: „Ich hoffe, Sie brauchen nicht zu lange, um sich umzukleiden? Ich lasse die Pferde nicht gern warten.“
Bis sie ihm in die Augen gesehen hatte, war ihre Hoffnung mehr als vage gewesen. Aber jetzt war sie sich sicher. Er setzte ihren Vorschlag wahrhaftig in die Tat um.
„A…aber es war doch Felice“, stammelte Monsieur Bergeron. „Sie waren doch mit Felice verabredet. Mylord, sie ist nicht hier! Ich dachte, Sie hätten gestern erfahren, dass sie …“
„Ich bin heute mit Ihrer Tochter zur Spazierfahrt verabredet“, fuhr er ungerührt fort. „Also werde ich Ihre Tochter auch mitnehmen. Ich habe nicht vor, meinen Tagesplan zu ändern. In Felices Abwesenheit muss eben Heloise meine Gesellschaft ertragen.“
Einen Augenblick herrschte völlige Stille im Raum, als ob die Anwesenden den Atem anhielten.
Dann sprang Madame Bergeron von der Chaiselongue, stürzte durch den Raum und packte Heloise am Handgelenk. „Sie müssen nicht länger als zehn Minuten auf sie warten, Mylord.“ Dann forderte sie ihren Gatten auf: „Nun biete Seiner Lordschaft doch endlich einen Platz an. Und Wein – er muss unbedingt ein Gläschen Chambertin trinken, während er wartet!“ Sie zog Heloise aus dem Salon.
Während Monsieur Bergeron ihn noch immer anstarrte, ging Charles zum Tisch am Fenster, an dem...




