Busch | Der Eichhörnchenprinz | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

Busch Der Eichhörnchenprinz


1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-96089-633-3
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 560 Seiten

ISBN: 978-3-96089-633-3
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Verliert ein Mensch den Glauben an sich, verliert er auch seine Seele. Ein Kristall mitten auf der Stirn kennzeichnet solche Menschen als Seelenlose. Misstrauen und Furcht wird ihnen entgegengebracht. Trotzdem können sie Mitleid empfinden. Selbst für ein zerzaustes, verängstigtes Eichhörnchen, das von Dämonen verfolgt mitten in der Nacht in das Lager eines Seelenlosen stolpert. Als Charder Leyne das erschöpfte Tier rettet, ahnt er bereits, dass mehr in dem kleinen Tierchen steckt, als es den äußeren Anschein hat. Und so wird er bald schon in eine Rebellion verstrickt, denn er hat niemand anderen als den Prinzen von Branwhaite vor dem sicheren Tod bewahrt.

Busch Der Eichhörnchenprinz jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Vyn Branwhaite

Im behaglichen Dunkel des wollschalgepolsterten Beutels ließ sich Vyn durch den Tag schaukeln. Allmählich erholte er sich von der ausgestandenen Angst, die die Zarks in ihm ausgelöst hatten. Dafür sickerte die grausame Realität, dass er allein und auf sich gestellt war, immer tiefer in seinen Verstand. Charder Leyne schleppte ihn zwar mit sich, aber er hatte sich nicht darüber ausgelassen, ob er Vyn an den nächsten Häscher seines Bruders ausliefern oder ihn unterstützen würde. Doch welche Wahl war ihm geblieben? Er hatte sich Charder anvertrauen müssen. Seine Wandlungen wären dem wachsamen Mann nicht entgangen und außer ihm stand weit und breit niemand anderer zur Verfügung, der ihm hätte helfen können.

Eine Stunde war nicht ausreichend gewesen, um den Krieger für sich zu gewinnen. Dabei hatte er sich seine Worte so schön zurechtgelegt, nachdem sie das Abendlager aufgeschlagen hatten. Argumente, mit denen er den Seelenlosen überzeugen wollte, sich auf seine Seite zu schlagen. Nichts davon hatte er hervorgebracht, sondern sich mit seinem Halbwissen über Cor und Männer ohne Seelen lächerlich gemacht. Dafür waren all die grausamen Szenen der letzten Tage aus den Tiefen seiner Erinnerungen hervorgerufen worden. Zitternd drückte sich Vyn in die tröstende Wolle und kniff die Augen fest zusammen, obwohl dies kein Schutz vor den ungewollten Bildern bot.

Gardisten hatten ihn und Brira aus der Kerkerzelle gezerrt, in der sie fünf verstörende Tage verbracht hatten.

„Was habt ihr vor? Wo bringt ihr uns hin?“, rief Brira, während er selbst aufpassen musste, dass er nicht im Griff der Krieger über seine Füße stolperte. Niemand sprach mit ihnen, sodass sich sein Bruder in einer Tirade wüster Flüche erging. Dagegen wuchs der Klumpen reiner Panik in Vyns Bauch. Sicherlich würden sie nach der zermürbenden Kerkerhaft nicht mit einer gemurmelten Entschuldigung in die Freiheit entlassen werden. Seine Befürchtungen bestätigten sich, als sie den Burghof erreichten. Ein langer Tisch war dort aufgestellt und mit einer feinen Batistdecke geschmückt worden. Obst und süße Leckereien standen auf silbernen Platten zum Verzehr bereit. Wein wurde in edlen Pokalen eingeschenkt. Auf dem gepolsterten Stuhl an dieser Tafel saß Sanjorn und starrte ihnen finster entgegen. Statt seiner persönlichen Hexenmeisterin Pakela Khor, hatte heute Conles Cheltri zu Sanjorns Rechten Platz genommen. Der hagere Mann war zuvor der Hexenmeister ihres ermordeten Vaters gewesen. Wie üblich zeigte er sich kühl und mit steifem Gebaren. Der Goldreif in Form einer Schlange, als Zeichen seines Ranges, schmückte sein kahles Haupt. Was Vyn allerdings wirklich mit Furcht erfüllte, waren die rund zwanzig Soldaten, die einen Halbkreis bildeten, und die vier Ackergäule mit ihren Treibern. Die Pferde trugen Kummets, an denen Ketten befestigt waren.

„Was soll das?“, fauchte Brira ihren Bruder an. „Warum hast du uns unter Arrest stellen lassen? Und was soll diese Farce?“ Er wehrte sich erfolglos gegen den Griff der Gardisten. Vyn versuchte erst gar nicht, sich aufzulehnen. Die Finger der Männer bohrten sich ohnehin schmerzhaft genug in seine Arme.

„Es betrübt mich sehr, dass ihr euch offenbar darauf verständigt habt, die Unwissenden zu spielen“, sagte Sanjorn enttäuscht.

„Ich verstehe nicht“, entgegnete Brira.

„Ich spreche vom Hochverrat, Bruder. Von eurer Verschwörung gegen den Thron.“

Eiswasser schien über Vyns Rücken zu laufen, als er begriff, welch bösartiges Spiel Sanjorn mit ihnen trieb.

„Er will uns Vaters Tod in die Schuhe schieben“, sagte er leise und erntete dafür ein ungläubiges Stirnrunzeln von Brira.

„Vater ist vergiftet ...“ Brira wandte sich ihrem Bruder zu. „...wor…den ... Oh, du Drecksack!“, flüsterte er. „Du hast es getan. Du!“

Sanjorn schüttelte den Kopf. „Ich bin wirklich fassungslos.“

„Ich habe es Euch ja gesagt, Hoheit, dass die Prinzen alles leugnen und wie sie auf Eure Anschuldigungen reagieren werden“, meldete sich Meister Conles zu Wort.

„Ich hab’s nicht glauben wollen. Vyn, das war deine Idee, nicht wahr? Du hast es nicht ertragen können, der ewig Letzte in der Thronfolge zu sein. Keine Chance zu haben, jemals die Krone tragen zu dürfen.“

Der Vorwurf zog ihm beinahe die Beine unter dem Körper weg, so ungeheuerlich war er.

„Das ist nicht wahr!“, rief er. „Und du weißt das.“ Er wandte sich an den neben ihm stehenden Soldaten. „Das ist nichts weiter als ein mieses Ränkespiel.“

Ein Krachen ließ sie zusammenzucken. Sanjorn war aufgesprungen und hatte mit der Faust auf den Tisch geschlagen.

„Lügen!“, fauchte er, dermaßen wütend, wie Vyn ihn nie zuvor erlebt hatte. „Mir liegen Beweise eurer Verschwörung vor.“

„Beweise?“, fragte Brira tonlos. „Was für Beweise?“

„Mitverschwörer und Nachrichten, die abgefangen wurden“, antwortete Sanjorn, der die Hände auf den Tisch stützte.

„Es gibt keine Mitverschwörer!“, brüllte Brira. „Weil es keinen Verrat gibt!“

Nun erhob sich auch Conles. „Ihr solltet Eure Schuld eingestehen, denn die Hexenmeisterin des Königs, Pakela Khor sowie Eurer Hexenmeister Lathar Xior haben ihre Beteiligung am Verrat längst gestanden und Euch als Rädelsführer beschuldigt. Die beiden sind gestern hingerichtet worden. Joram Greatmark befindet sich noch auf der Flucht, aber wir sind ihm dicht auf den Fersen.“

„Lathar? Ihr… Ihr habt meinen Hexenmeister umgebracht?“ Briras Schultern sanken herab. Er wechselte mit Vyn einen entsetzten Blick. Ja, es gab ein Komplott, doch es richtete sich nicht gegen Sanjorn, sondern sie waren die Opfer. Sie hatten keine Chance, diese obskure Gerichtsverhandlung mit einem Freispruch zu verlassen. Vyn war sich sicher, dass ihr ältester Bruder auf jeden Einwand einen gefälschten Beweis vorlegen konnte. Wütend und voller Furcht starrte er Conles an, den er als Drahtzieher dieser mörderischen Intrige vermutete. Dessen Mundwinkel hoben sich kaum merklich und ein stiller Triumph lag in seiner Miene.

„Ihr werdet heute die Konsequenzen eures Verrats tragen.“ Sanjorn gab den Soldaten einen Wink, die sich daraufhin in Bewegung setzten und Brira zu den Pferden schleiften. „In meiner Gnade erspare ich euch ein öffentliches Spektakel. Beginnt mit der Hinrichtung.“

Brira wurde zu Boden gezwungen. Eiserne Schellen schlossen sich um Hand- und Fußgelenke.

„Beim Schnitter, nein!“, schrie der. „Das kannst du nicht tun! Das kannst du nicht tun!“

Vyn war wie erstarrt. Sie sollten sterben? Jetzt?

Die Pferdeführer brachten ihre Tiere dazu, langsam vorwärtszugehen, woraufhin Briras Körper, der in den Ketten hing, in die Höhe gezogen wurde.

„Verschone wenigstens Vyn!“, rief Brira, das Gesicht kreideweiß, die Augen in Todesangst aufgerissen. „Sanjorn, ver... Aaaaaah!“

Die Schreie waren schrecklich. Vyn konnte sich nicht einmal die Ohren zuhalten, da die Gardisten seine Arme nicht losließen. Er wandte den Kopf ab, wollte nicht zusehen müssen, wie Brira gevierteilt wurde. Wollte nicht beobachten, welches Schicksal ihn erwartete. Ein würgendes Schluchzen drang über seine Lippen. In dem Moment, in dem er glaubte, die Schreie nicht länger ertragen zu können und das Reißen von Muskeln und Sehnen ertönte, brachen die qualvollen Schmerzenslaute ab.

„Der Nächste!“ Sanjorns Stimme war eisig.

Vyn wurde vorwärts gezerrt, hin zum blutbefleckten Boden, wo Soldaten einen Arm mit zerfranstem, blutigem Stumpf von den Ketten lösten. Schon schloss sich die eiserne Schelle mit einem schrecklichen Klacken um sein Handgelenk. Er schnaufte vor Angst und versuchte nach dem Gardisten zu schlagen, startete einen letzten Versuch, um sein Leben zu kämpfen. Der Mann wich ihm mit Leichtigkeit aus.

Plötzlich ertönte ein gewaltiger Knall. Holzsplitter flogen wie Speere quer durch den Burghof, als das Tor explodierte. Die Pferde scheuten und rissen sich los, Bewaffnete rannten kopflos umher oder knieten blutend auf dem festgestampften Sand. Das wütende Gebrüll des Hexenmeisters schallte über den Hof. Vyn wurde hilflos hinter dem ängstlichen Gaul hergezogen, der panisch einen Fluchtweg suchte. Feuer regnete vom Himmel und trug zum allgemeinen Chaos bei. Er schrie und bekam die Kette mit beiden Händen zu fassen, was wenigstens sein Handgelenk und die Schulter entlastete. Trotzdem fand er keine Möglichkeit, auf die Füße zu gelangen oder das Pferd zu stoppen. Gleich darauf schleuderte er gegen einen abgestellten Karren voller Stroh. Der Aufprall presste ihm sämtliche Luft aus den Lungen. Endlich fiel jemand dem Pferd in die Zügel und brachte es mit einem groben Ruck zum Stehen. Die Handschelle öffnete sich unter einem hastig gemurmelten Zauber und abermals wurde er im Griff harter Finger mitgerissen.

„Lauf!“, brüllte ihm eine vertraute Stimme ins Ohr. „Beim Schöpfer, Vyn! Lauf!“

Er rannte, so schnell er es vermochte. Flitzte an Jorams Seite durch das zerstörte Tor, während Armbrustbolzen hinter ihnen einschlugen und sie nur knapp verfehlten. Ein weiteres Mal ließ Joram Feuer auf ihre Verfolger regnen, bevor er Vyn die Zügel einer nervösen Stute reichte....



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.