E-Book, Deutsch, Band 570, 64 Seiten
Busch Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 570
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1956-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Liebe zählt die Jahre nicht
E-Book, Deutsch, Band 570, 64 Seiten
Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler
ISBN: 978-3-7517-1956-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als sich die Witwe Fiona Hollmann und Henning Adler sich auf einer Party kennenlernen, spüren sie sofort: Es ist Liebe. Für die Gesellschaft jedoch ist ihre Liebe ein Skandal. Nicht nur, dass Fiona bereits achtunddreißig ist und somit zehn Jahre älter als Henning. Sie ist zudem ungeheuer reich und mächtig, während Hennig zurzeit nicht einmal eine Stellung hat.
Tapfer ignorieren die Liebenden das gemeine Getuschel. Für Fiona und Henning steht fest, dass sie nicht mehr ohne einander durchs Leben gehen wollen. Und so feiern sie schon nach kurzer Zeit Hochzeit und teilen alles miteinander. Nur nicht das dunkle Geheimnis aus Fionas Vergangenheit ...
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Liebe zählt
die Jahre nicht
Zwei Menschen folgen
ihrem Herzen
Als sich die Witwe Fiona Hollmann und Henning Adler auf einer Party kennenlernen, spüren sie sofort: Es ist Liebe. Für die Gesellschaft jedoch ist ihre Liebe ein Skandal. Nicht nur, dass Fiona bereits achtunddreißig ist und somit zehn Jahre älter als Henning. Sie ist zudem ungeheuer reich und mächtig, während Hennig zurzeit nicht einmal eine einfache Stellung hat.
Tapfer ignorieren die Liebenden das gemeine Getuschel. Für Fiona und Henning steht fest, dass sie nicht mehr ohne einander durchs Leben gehen wollen. Und so feiern sie schon nach kurzer Zeit Hochzeit und teilen alles miteinander. Nur nicht das dunkle Geheimnis aus Fionas Vergangenheit ...
»Ich freue mich, dass ich Fiona endlich dazu überredet habe, die Arbeit mal sein zu lassen und zu uns zu kommen.«
Die Gastgeberin der Party gönnte sich eine kleine Verschnaufpause und stand neben ihrem Mann. Von hier aus hatte sie einen Überblick über alle anwesenden Gäste. Die Begrüßungszeremonie war vorüber, jetzt konnte sie nur hoffen, dass sich auch jeder gut unterhielt.
»Hm, deine Freundin ist wirklich eine wunderschöne, interessante Frau«, bestätigte Bankier Gerner nachdenklich.
Er beobachtete Fiona Hollmann, die mit etlichen Gästen zusammen an Tisch saß. Ihre vollen roten Lippen, die klassisch gerade Nase mit den oft bebenden Flügeln, die fein gemeißelten Gesichtszüge und die makellos gewachsenen Brauen rundeten das Bild einer schönen Frau ab.
»Wie alt ist Fiona eigentlich?«, fragte Werner Gerner sinnend.
»Warum interessierst du dich dafür?«, fragte seine Frau lachend.
»Weil ich sie beim besten Willen nicht einschätzen kann. Sie sieht noch sehr jugendlich aus, aber da ich weiß, dass ihr Mann im Alter von fünfundsechzig Jahren gestorben ist, kann sie sicher nicht mehr zwanzig sein.«
»Fiona zählt zu den Frauen, die zwar älter werden, aber nicht altern«, erwiderte Betty Gerner. »Sie behalten ihre Schönheit, ihren Charme und ihre Vitalität. Wenn ich mich nicht irre, hat Fiona neulich ihren achtunddreißigsten Geburtstag gefeiert.«
»Wer ist denn der junge Mann, der mit an ihrem Tisch sitzt?«, erkundigte sich der Hausherr interessiert. »Er ist ein verdammt männlicher Typ.«
»Die Willmers haben ihn mitgebracht. Er ist bei ihnen zu Besuch, ein Neffe, glaube ich. Warte, mir fällt auch bestimmt sein Name wieder ein«, sagte seine Frau. Dann strahlte sie und nickte. »Jetzt weiß ich es wieder. Adler heißt er, ich glaube Henning Adler.«
Das Gespräch wurde unterbrochen, als ein befreundetes Ehepaar auf die Gastgeber zukam.
Henning Adler war eigentlich nur stummer Zuhörer der angeregten Unterhaltung an seinem Tisch. Er war auf Drängen von Onkel und Tante mit auf diese Party gegangen. Er kannte Festlichkeiten dieser Art. In der Regel tat man so, als amüsiere man sich, und langweilte sich im Grunde genommen nur.
Heute war es anders. Ihn fesselte die Unterhaltung. Nein, eigentlich lauschte er nur einer einzigen, leicht kehlig klingenden Stimme. Er war noch nie von einer Frau auf Anhieb so gefesselt gewesen wie von der, die ihm gegenübersaß.
Dabei wusste er noch nicht einmal ihren Namen. Aber er hätte sie zeichnen können, so sehr hatte sich ihr Aussehen in sein Gedächtnis eingeprägt.
In diesem Moment blickte Fiona Hollmann ihn an. Henning gab den Blick zurück und genierte sich ein bisschen. Natürlich war der Frau aufgefallen, dass er sie über Gebühr lange und ausgiebig betrachtet hatte.
Frau Betty bat in diesem Moment um Ruhe.
»Nebenan ist ein kaltes Büfett aufgebaut«, sagte sie freundlich. »Wer also möchte, bediene sich!«
Viele der Anwesenden erhoben sich spontan. Der Tisch, an dem Henning und Fiona saßen, leerte sich. Bald waren sie allein.
»Haben Sie keinen Hunger?«, erkundigte sich Henning.
Sie lachte wieder jenes kehlige, aufreizende Lachen, und Henning spürte ein Prickeln auf seiner Haut.
»Ich möchte die Schlacht am kalten Büfett nicht mitmachen. Und wie steht es mit Ihnen?«
»Mir geht es ähnlich.«
»Dann sind wir zwei verwandte Seelen.« Sie suchte in ihrem Handtäschchen offenbar nach Zigaretten.
Henning griff in seine Jackentasche und holte ein Päckchen hervor.
»Mögen Sie meine Marke?«, fragte er.
Fiona stutzte und lachte erneut.
»Wir bevorzugen beide die gleiche Sorte. Vielen Dank.« Sie bediente sich. Henning gab ihr Feuer.
Fiona seufzte und betrachtete die brennende Zigarette.
»Eigentlich wollte ich heute Abend gar nicht rauchen, aber bekanntlich ist der Geist willig, aber das Fleisch so schwach.«
»Da kann ich Ihnen leider nur zustimmen. Ich habe auch schon mehrere Anläufe gemacht, aber bisher bin ich immer wieder rückfällig geworden.«
»Ich habe Sie noch nie gesehen«, wechselte Fiona das Thema.
Als ihr Mann noch gelebt hatte, waren sie oftmals abends ausgegangen und hatten daher natürlich viele Menschen kennengelernt.
»Ich Sie auch nicht. Aber da ich bei meinen Verwandten nur zu Besuch bin, ist das eigentlich ganz erklärlich.«
»Ach, Sie wohnen gar nicht hier?«, stellte Fiona überrascht fest.
»Nein.«
»Ehrlich gesagt, weiß ich noch nicht einmal Ihren Namen«, sagte Fiona.
»Da stelle ich wieder eine Übereinstimmung fest, mir geht es nämlich genauso.« Nun lachten beide sogar im Duett.
»Ich heiße Adler, Henning Adler!« Der junge Mann stand auf und verbeugte sich korrekt. Fiona reichte ihm über den Tisch ihre gepflegte, schmale Hand.
»Ich bin Fiona Hollmann.«
»Ein schöner und ein ungewöhnlicher Name«, sagte Henning bewundernd.
»Ja, er ist selten«, gab sie zu. »Meine Mutter hatte wohl einen Hang nach allem Ungewöhnlichen.«
»Demnach lebt sie nicht mehr?«
Über das schöne Gesicht der jungen Frau lief ein dunkler Schatten.
»Leider nicht.« Sie drückte energisch die nur halb aufgerauchte Zigarette aus. Irgendwie hatte Henning das Gefühl, sie wolle die Vergangenheit vergessen.
»Wie finden Sie unsere Stadt?«, fragte Fiona.
»Um ehrlich zu sein, habe ich noch zu wenig von ihr gesehen. Ich bin heute erst hier angekommen.«
»Dann steht Ihnen noch viel Schönes an Sehenswürdigkeiten bevor.«
»Das hat mir meine Tante auch schon prophezeit. Leider ist sie ein wenig gehbehindert. Als Fremdenführerin kann ich sie also nicht engagieren, und mein Onkel ist beruflich zu sehr eingespannt.«
»Dann biete ich mich an.« Kaum hatte Fiona spontan das Angebot gemacht, bereute sie es. Wie kam sie eigentlich dazu, diesem Fremden so entgegenzukommen? Das war doch sonst nicht ihre Art.
Sie wollte einen Rückzieher machen, aber angesichts des nun strahlenden jungen Mannes brachte sie es nicht über sich.
»Vielen Dank«, sagte Henning begeistert. »Mit so viel Glück hatte ich nach allem gar nicht mehr gerechnet.«
»Was heißt nach allem?«
Henning wurde ein wenig verlegen.
»Ich hatte beruflich ein bisschen Pech«, gestand er ihr. »Das hat mir einen tüchtigen Schlag versetzt.«
»Ach?« Fiona schien interessiert zu sein, von diesem Pech zu erfahren. »Wollen Sie darüber sprechen?«
Henning zögerte ein wenig, dann nickte er.
»Warum eigentlich nicht? Etwas Ehrenrühriges ist es schließlich nicht. Ich bin Diplom-Ingenieur und hatte das Glück, gleich nach meinem Abschluss nicht nur eine lukrative, sondern auch eine verantwortungsvolle Stellung zu bekommen. Die Firma ging leider in Konkurs, nun stehe ich auf der Straße und schreibe mir die Finger mit Bewerbungen wund.«
»Bisher ohne Erfolg?«
»Das ist vielleicht auch nicht ganz der Wahrheit entsprechend. Ich hätte schon zweimal eine Anstellung haben können, aber beide Firmen wackelten, so wäre ich wahrscheinlich vom Regen in die Traufe gekommen. Da habe ich lieber verzichtet. Es ist deprimierend, wenn man seine ganze Kraft in seine Arbeit steckt und letzten Endes nichts dabei herauskommt.«
»Ja, das kann ich gut verstehen.«
Henning wunderte sich, wie prüfend ihn die schöne Frau plötzlich ansah.
Die ersten Gäste kamen vom Büfett zurück, und nun wurden Schallplatten abgespielt. Die ersten Paare drehten sich nach den Klängen der flotten Musik.
»Darf ich bitten?«, fragte Henning und konnte es nicht erwarten, diese ungewöhnliche Frau im Arm zu halten.
Sie unterhielten sich bald lebhaft. Henning war erneut von dem Geist, dem Witz und der Schlagfertigkeit der schönen Frau gefesselt.
Fiona war wie ausgewechselt. Sie fühlte sich im Moment herrlich jung und unbeschwert, das war ihr schon seit Langem nicht mehr passiert. Was war schon dabei, wenn sie den kleinen Flirt weiter ausbaute?
Eigentlich war es ganz angenehm, von dem attraktiven jungen Mann so angehimmelt zu werden. Er wusste...




