Busch / Gernt | Wanted Judd | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 216 Seiten

Busch / Gernt Wanted Judd


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-945934-09-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 216 Seiten

ISBN: 978-3-945934-09-8
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Mit der Aussicht auf ein lohnendes Kopfgeld jagt das Halbblut Casey Cat Caldwell dem Bankräuber von Cobb Town nach. Als er ihn jedoch endlich einholt, nimmt ihn Judd Barnes' Charme gefangen. Ehe sich Cat versieht, ist er zu einem Teil von Judds Traum geworden. Doch auch er hat Träume. Träume, die er sich mit dem Kopfgeld erfüllen könnte ...

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Kapitel 1


Mit einem Becher Kaffee in der Hand lehnte Casey Cat Caldwell lässig am Geländer vor dem Saloon und beobachtete das aufgeregte Hin und Her schräg gegenüber auf der anderen Straßenseite. Der Leichenbestatter brachte auf einem Maultierkarren einen grob gezimmerten Sarg gefahren, dem die sensationslüsternen Bewohner von Cobb Town bloß widerwillig Platz machten. Jeder wollte einen Blick in die Bank und auf den überlebenden Kassierer der Global Bank werfen und natürlich auch aus dessen Mund von dem Überfall erfahren. Andere dachten eher an ihr angelegtes Geld und schrien wild mit den Armen fuchtelnd auf den Bankdirektor ein. Der Sheriff und sein Deputy waren längst überstürzt mit einer Meute Freiwilliger auf der Jagd nach dem dreisten Räuber, der gemütlich in die Bank geschlendert war, um wenige Minuten und einen Schuss später mit einem prallen Geldsack zu flüchten.

Inzwischen hatte sich ein Künstler neben dem Kassierer niedergelassen und zeichnete eifrig nach dessen Angaben ein Phantombild. Tuschelnd beugten sich die Leute über seine Schulter, um sich nur ja keinen Kohlestrich entgehen zu lassen.

„Das ist doch dieser Judd“, rief plötzlich jemand aus. Cat spitzte die Ohren und nippte an seinem lauwarmen Kaffee.

„Genau.“

„Judd Darryl Barnes.“

„Wer hätte das gedacht.“

„… wohnt ein Stück weit raus beim Elk Creek …“

„… allein. Hat sich noch kein Frauenzimmer gesucht.“

„… sympathisch …“

„… hätte nie angenommen, dass er so einer ist.“

„… hatte geglaubt, er wolle wieder Vorräte kaufen.“

Ein junger Bursche schnappte sich die angefertigte Zeichnung und rannte damit rüber zur Cobb Town Daily, wahrscheinlich, um Steckbriefe zu drucken.

Cat gab seine lässige Haltung auf, tätschelte die Nase des vor ihm angebundenen hässlichen Pferdes und ging in den Saloon zurück. Bestimmt war seine Mahlzeit mittlerweile fertig. Und tatsächlich brachte der Wirt ihm sofort einen Teller mit Bratkartoffeln und Steak, sobald er sich an einen freien Tisch setzte. Unsicher wurde er gemustert. Wie immer. Cat hatte sich längst daran gewöhnt, dass die Leute ihm misstrauisch begegneten, denn sein Haar war schulterlang und blauschwarz. Er bändigte es mit einem blauen Stirnband, damit es ihm nicht ständig ins Gesicht fiel, das einen leichten kupferbraunen Teint hatte. Ein Erbe seiner indianischen Mutter, einer Absarokee oder Crow, wie die Weißen sie nannten. Dagegen hatte ihm sein Vater die grünen Augen vermacht.

„Das frische Gras Irlands leuchtet in deinem Gesicht“, hatte Dad stets spaßend gesagt. Sein Dad …

„Noch einen Kaffee?“

„Gern.“

„Sie sind auf der Durchreise?“ Der Wirt schenkte ihm nach und stellte die Kanne vor ihm auf dem Tisch ab, worüber Cat nicht böse war, denn der Kaffee war köstlich.

„Hmmhmm.“ Er begann hungrig Bratkartoffeln in sich hineinzuschaufeln.

„Geschäftlich?“

Cat zuckte mit den Schultern. Möglich, dass es nach diesem Vormittag geschäftlich werden würde. Aber das musste er dem neugierigen Wirt nicht auf die Nase binden. Ein Ziel hatte er eigentlich nicht gehabt, außer neuerlichen Ärger zu finden. Das war ihm offenbar gelungen.

„Über Nacht wollen Sie wohl nicht bleiben? Ich kann Ihnen ein bequemes Zimmer anbieten. Und nette Gesellschaft, falls Sie nette Gesellschaft mögen.“ Ein Augenzwinkern sollte ihm mitteilen, um welche Art netter Gesellschaft es sich handelte. Cat hatte sie bereits bemerkt, die leichten Damen, die in diesem Saloon arbeiteten. Auch sie umstanden den Kassierer, hungrig nach Abwechslung in ihrem langweiligen Leben in einer langweiligen Stadt. Begeistert würden sie nicht sein, falls der Wirt sie aufforderte, mit ihm anzubändeln. Schließlich war er doch ein Indianer. Komisch, denn für die meisten Indianer war er ein Weißer.

„Wo kann ich Vorräte kaufen?“, fragte Cat, nachdem er ein Stück Steak mit Kaffee runtergespült hatte. Der Wirt zog eine enttäuschte Miene, als ihm aufging, dass Cat nicht bleiben würde und auf das Weibsvolk ebenfalls keine Lust hatte.

„Der alte Higgins hat einen Laden gleich um die Ecke. Da bekommen Sie von der Bibel bis zum Frack alles, was Ihr Herz begehrt.“

„Eine Bibel brauche ich ganz dringend“, erklärte Cat trocken.

„Äh … ja.“ Der Wirt räusperte sich, da er offenbar nicht wusste, ob er scherzte oder nicht. Verlegen trollte er sich hinter seinen Tresen und begann dort herumzuräumen.

Cat aß in aller Ruhe auf, leerte seinen Becher und hinterließ ein paar Münzen, um seine Mahlzeit zu bezahlen.

In Higgins’ Laden hatte er sich bedächtig ein Proviantpaket zusammengestellt und auch neue Munition gekauft. Als er aus dem Krämerladen trat, kehrte der Sheriff mit seinen Begleitern auf staubigen Pferden zurück. Einen Gefangenen hatten sie nicht dabei. Cat war wenig überrascht, so planlos, wie sie losgestürmt waren. Sorgfältig verstaute er die Vorräte in den eingearbeiteten Taschen seiner bunten festen Decke, die er anstelle eines Sattels nutzte. Dabei bemerkte er den Jungen wieder, der die Zeichnung von dem Bankräuber in den Zeitungsverlag gebracht hatte. Dieses Mal war der Junge mit einem Armvoll Flugblätter beladen.

„Hey!“ Cat winkte der Burschen heran. „Gib mir eins von denen, ja?“ Er bekam einen der Steckbriefe ausgehändigt. Das Gesicht eines Mannes und zweitausend Dollar Belohnung stachen ihm entgegen.

„Sind Sie Kopfgeldjäger?“

„Sieht dieser Judd Barnes tatsächlich so aus?“, fragte er zurück.

„Als wäre er fotografiert worden, Sir. Mr. Hunt ist ein großartiger Künstler.“

„Und du weißt sicherlich auch, wo dieser Judd wohnt, richtig?“

Der Junge nickte eifrig. „Am Elk Creek in Richtung Süden. Er hat dort ein kleines armseliges Häuschen. Reich ist er nicht und man erzählt, dass er sich dort auf seinen Feldern ganz schön abrackert. Er ist allein … Na ja, da wird er das Geld aus der Bank bestimmt gebraucht haben.“

Cat schaute auf, da der Sheriff – jetzt bloß noch mit der Hälfte der Freiwilligen – erneut aus der Stadt ritt. Nach Süden …

„Die werden nun versuchen, Mr. Barnes in seinem Haus abzufangen“, sprach der Bursche seine Gedanken aus. „Oh, Mann, Mister! Sie könnten aber auch einen anständigen Gaul gebrauchen.“

„Der Gaul ist völlig in Ordnung.“ Cat streichelte kurz über das räudige Fell seines Falben. „Was weißt du noch über Judd Barnes?“

„Er ist vor drei Jahren einfach aufgetaucht und hat am Elk Creek ein Stück Land erworben. Es ist zu weit draußen, daher wollte es niemand sonst haben. In die Stadt ist er nur selten gekommen. Meistens hat er bei Higgins eingekauft und hinterher im Saloon ein Bier getrunken. Mehr kann ich Ihnen über Mr. Barnes nicht erzählen, Sir.“

Cat lächelte und steckte dem Jungen eine Münze in die Tasche. Der strahlte.

„Danke, Sir.“ Schon rannte er weiter, sicherlich, um die verlorene Zeit aufzuholen.

Cat dagegen schwang sich auf den Rücken seines knochigen Wallachs. Der-Tritt-Und-Beißt mochte kahle Stellen in seinem struppigen Fell haben, dazu eine Ramsnase und viel zu lange Ohren, doch er war das anständigste Pferd, das Cat jemals besessen hatte.

„Du erregst überall Aufsehen, mein Alter“, brummte Cat und lenkte Der-Tritt-Und-Beißt die Straße hinunter. „Ich verstehe gar nicht, woran das liegt.“

Der Wallach schnaufte und stakste munter auf seinen langen Beinen voran. Cat ließ ihm die Zügel locker. Er hatte es nicht eilig. Nachdenklich holte er das frisch gedruckte Flugblatt hervor und studierte aufmerksam das Gesicht des Bankräubers. Es war ein attraktives Gesicht und dieser Mr. Hunt hatte ihm etwas Verschmitztes gegeben. Künstlerische Freiheit oder reale Wiedergabe? Cat zuckte mit den Achseln. Ihm war es egal, ob die Verbrecher finstere Visagen hatten oder aussahen wie Schwiegermutters Liebling. Interessant waren allein die Belohnungen, die auf die Banditen ausgesetzt wurden. Seit drei Jahren verfolgte er Verbrecher – Betrüger, Falschspieler, Mörder, Diebe, Brandstifter – und kassierte dafür das Kopfgeld. Er sparte es eisern, denn eines Tages wollte er sich ein schönes Stück Land kaufen, ein gemütliches Heim darauf bauen und sesshaft werden. Dieser Wunsch war ebenfalls ein Erbe seines Vaters, der aus dem aufständigen Irland ausgewandert war, um eine neue Heimat und eigenen Grundbesitz zu finden. Cat lächelte versonnen. Sein Vater hatte ihm Fleiß und Sturheit in die Wiege gelegt und seine Mutter die Liebe zur Natur. Das war doch keine schlechte Kombination?

Nach ein paar Stunden des gemächlichen Dahinreitens kam ihm ein Trupp Reiter entgegen. Grimmige Mienen, leise Flüche und die altbekannten misstrauischen Blicke in seine Richtung … Die Pferde schwitzten wie verrückt. Der Sheriff und sein Gefolge! Erneut erfolglos. Cat unterdrückte ein Grinsen. Welcher Bankräuber setzte sich nach einem Überfall auch schon entspannt auf seine Veranda und wartete auf sein Exekutionskommando? Es war bereits verwunderlich genug, dass jemand mit Landbesitz eine Bank in der nächstgelegenen Stadt überfiel und dabei offen sein Gesicht zeigte. Jemand, der sich bisher sehr unauffällig verhalten hatte.

Gemütlich ritt Cat weiter, bis Der-Tritt-Und-Beißt durch grünes, wogendes Gras schritt. Er hatte den Elk Creek erreicht. Ein kleiner Hain tauchte vor ihm auf, genau in einem Bogen des Flusses gelegen. Und dort stand eine Blockhütte, mit einer angrenzenden...



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