E-Book, Deutsch, 236 Seiten
Busch Made for Loving
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-944737-31-7
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 236 Seiten
ISBN: 978-3-944737-31-7
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ursprünglich war Lars nur auf das schnelle Geld aus. Dass er sich in Phil verliebt, war nicht geplant. Dabei scheint Phil eine gespaltene Persönlichkeit zu besitzen, denn sein Verhalten ist alles andere als normal. Hängt dies mit Phils Angst zusammen, seine bibelbesessene Mutter könnte herausfinden, dass er ein erfolgreicher Schriftsteller ist ... oder schwul? Auf einmal meldet Phils Mutter ihren Besuch an. Wird Phil zu seiner Homosexualität und somit auch zu Lars stehen?
Autoren/Hrsg.
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2. Kapitel
Woody Allen:
Der Mensch besteht aus zwei Teilen – seinem Gehirn und seinem Körper. Aber der Körper hat mehr Spaß.
Die große Uhr am Bahnhof zeigte 10:45 Uhr. Wie ein unruhiger Tiger lief Lars auf dem Bahnsteig auf und ab. Nachdem er gestern einen etwas angespannten Tag mit Phil verbracht hatte, war ihm der spontane Gedanke gekommen, ebenfalls am Bahnhof aufzuschlagen. Er war am Vortag mit Phil einkaufen gewesen und hatte sich verzweifelt bemüht, seinen Freund wenigstens für wenige Minuten von den Gedanken an seine Mutter abzulenken. Trotzdem wurde Phil immer hibbeliger und panischer, bis er Lars sogar anschrie und sich gleich darauf völlig am Boden zerstört für seinen Ausbruch entschuldigte. Lars hatte keine Ahnung, wie Phil reagieren würde, wenn er ihn hier entdeckte. Doch das würde er sicherlich gleich herausfinden, denn Phil kam soeben auf den Bahnsteig gehetzt. Erleichterung machte sich auf dem sonnengebräunten, sommersprossigen Gesicht breit, als er feststellte, dass der Zug noch nicht eingelaufen war. Plötzlich entdeckte er Lars. Phils Schritt stockte. Einen Augenblick lang zeigte sich Panik in seiner Miene, schließlich eilte er auf Lars zu.
„Was machst du denn hier?“, zischte er anstelle einer Begrüßung.
„Ich dachte, ich könnte mit den Koffern helfen“, antwortete Lars. Er hätte Phil gerne solange geküsst, bis der sich einigermaßen beruhigt hatte. Angesichts der vielen Leute hier auf dem Bahnhof erschien ihm das als keine besonders gute Idee.
„Ich bin mit dem Auto hier. Lars, bitte geh“, flehte Phil. „Wenn meine Mutter uns zusammen sieht und herausfindet, dass wir … Oh, ich mag gar nicht daran denken. Sie wird einen Weinkrampf bekommen oder schlimmer, einen Herzinfarkt. Ihre Nerven sind ohnehin nicht die besten. Und dann bin ich schuld, dass es ihr schlecht geht …“ Sein Blick huschte an Lars vorbei. Der gefürchtete Zug näherte sich.
„Phil, beruhige dich. Stell mich einfach als einen guten Freund vor. Okay?“
„Sie wird dahinter kommen. Sie wird mir ansehen, dass ich dich liebe. Und das, wo sie mir meine Zukünftige vorstellen will. Es wird ihre wunderbaren Pläne über den Haufen werfen. Dabei will sie nur das Beste für mich und ich undankbarer …“ Phils aufgeregte Tirade ging in dem Kreischen der Bremsen unter. Lars verstand nur etwas von Scheißidee, nichts-erspart-bleiben und Katastrophe. Als sich die Türen des Zuges öffneten, wurde Phils Gesicht geisterhaft bleich.
„Phil? Geht es dir nicht gut?“ Lars begann sich allmählich Sorgen zu machen. Sein Freund war wie ausgewechselt und ein totales Nervenbündel.
„Mir geht es beschissen. Da drüben ist sie.“ Wie ein zu Tode Verurteilter ging Phil schweren Schrittes auf eine schwarz gekleidete Matrone zu, die einen altmodischen Koffer auf dem Bahnsteig abstellte und … Lars klappte die Kinnlade herunter, als er sah, wie Phils Braut – falls sich Mutti durchsetzte – den Zug verließ. Sie erreichte beinahe seine Größe, hatte wirres, lockiges Haar und eine Brille mit den dicksten Gläsern, die er je gesehen hatte. Ihre Schultern konnten locker mit den seinen mithalten. So wie sie ausschaute, war sie erst gestern mit einem Traktor über die Felder gebrettert und hatte vor dem Schlafengehen auf die Schnelle ein paar Rinder gestemmt.
„Oh shit, Phil!“, stöhnte er mitleidig und lief hinter seinem Freund her, der gerade mit steifer Höflichkeit seine Mutter und seine Zukünftige begrüßte.
„Das ist Annemarie“, stellte Mutti in diesem Moment den Trampel vor, der Phil neugierig durch die zentimeterdicken Brillengläser anschaute.
„Ich freue mich, dich endlich kennenzulernen“, kiekste sie mit einer Mäusestimme.
„Ich freue mich auch“, murmelte Phil. Seinem Gesicht nach allerdings auf die Abreise der beiden Damen.
„Und wen haben wir da?“ Dem energischen Tonfall nach hatte Mutti auf einem Kasernenhof gedient. Tapfer streckte ihr Lars die Hand entgegen und richtete dabei den Blick auf einen hölzernen Anhänger, den Mutti um den Hals trug. Ein schlichtes Kreuz war hinein geprägt worden. Annemarie trug den gleichen Anhänger, wie Lars feststellte.
„Lars Erlen. Guten Tag, Frau Ahnert. Ich wollte Phil ein wenig mit den Koffern helfen.“
Zögernd wurde seine Hand geschüttelt.
„Mein Sohn heißt Philemon, Herr Erlen, und nicht Phil. Sind Sie ein Kollege?“
Phil – pardon – Philemon sandte Lars einen warnenden Blick.
„Kein Kollege. Wir haben uns nach Phils Umzug kennengelernt.“ Lars flunkerte ein wenig.
„Etwa im Bibelkreis?“, fragte Mutti sofort eifrig nach. Da sich Annemarie bei Phil einhakte, konnte der Lars keine Zeichen geben. Dafür sah er aus, als würde er gleich ohnmächtig werden. Lars hatte nie ein blasseres Gesicht gesehen.
„Ich fürchte, ich habe mit der Bibel nicht viel am Hut, Frau Ahnert.“ Lars bemühte sich, das Thema abzuhaken und bückte sich nach einem der Koffer. Mutti war schneller und riss das alte Stück an sich.
„Aber Sie gehen doch in die Kirche?“, fragte sie nach und kniff die Augen halb zusammen, um ihn eingehend zu mustern.
„Nein, ich …“
„Ich fürchte, Sie sind kein guter Umgang für meinen Sohn. Guten Tag, Herr Erlen.“ Mutti drehte Lars rigoros den Rücken zu, um ihn demonstrativ zu ignorieren. Der wusste gar nicht, wie ihm geschah. Hatte ihn Phils Mutti eben wirklich eiskalt abserviert?
„Philemon, wie siehst du denn eigentlich aus? Annemarie muss ja völlig schockiert sein. Wo ist denn der hübsche Pullunder, den ich dir zum Geburtstag geschickt habe? Und diese furchtbare Frisur … Besitzt du keinen Kamm? Mit deinem Erscheinungsbild bringst du mich in Verlegenheit. Ich sehe schon, dass du ohne mich gar nicht zurechtkommst. Aber nun bin ich ja da und kann mich um dich kümmern. Gleich heute Abend werden wir für dein Seelenheil beten.“
„Phil“, sagte Lars, der nicht glauben mochte, dass Familie Ahnert ihn wie Inventar des Bahnhofs einfach stehenlassen wollte.
„Lars, bitte geh nach Hause“, flehte Phil in Annemaries vereinnahmendem Griff.
„Lass den Atheisten, Philemon, und komm endlich“, kommandierte Mutti streng. „Du wirst dich deiner guten Manieren entsinnen und deine Mutter sicherlich nicht warten lassen.“
„Phil!“, sagte Lars lauter und empörter.
Phil wandte sich hölzern ab und trabte wie ein dressierter Pudel seiner Mutter hinterher. Lars stand wie verdonnert am Bahngleis und glaubte sich im falschen Film.
„Gleich erscheint Kurt Felix mit seiner versteckten Kamera, wir lachen alle gemeinsam und dann gehe ich Arm in Arm mit Phil nach Hause“, sagte Lars leise vor sich hin. Er wartete zwei, drei Minuten. Kein Kurt Felix. Keine versteckte Kamera. Verdammt! Er war tatsächlich abgeschossen worden.
„Kaffee“, murmelte Lars. „Ich brauche einen Kaffee. Und ein paar Koffeintabletten, damit ich aus diesem Traum aufwache. Dringend.“
***
Zum wiederholten Male wählte Lars die Handynummer seines Freundes. Dreimal hatte Phil ihn einfach weggedrückt. Endlich meldete er sich mit einer ziemlich barschen und unterkühlten Stimme.
„Ja?“, fragte er kurz angebunden.
„Phil, erklär mir, was da auf dem Bahnhof abgegangen ist“, bat Lars.
„Du bist da ungefragt aufgetaucht, das ist passiert. Musstest du unbedingt eine Szene machen? Ich habe Stunden benötigt, um meiner Mutter zu erklären, wie ich an ein derart ungläubiges Subjekt geraten konnte.“
Lars schnappte nach Luft. „Welche Szene? Deine Mutti hat mich in den Wind geschossen. Und du hattest nicht einmal den Arsch in der Hose, mich als einen stinknormalen Freund zu verteidigen.“
„Wir haben darüber gesprochen“, zischte Phils Stimme in sein Ohr.
„Aber nicht darüber, dass ich von nun an dein unsichtbarer Freund bin“, beklagte sich Lars. „Du kannst dir doch als erwachsener Mann nicht von deiner Mutti vorschreiben lassen, welche Interessen deine Freunde haben dürfen.“
„Stattdessen muss ich mir von dir Vorschriften machen lassen, ja?“, schnauzte es.
Lars zog die Brauen zusammen. Sprach er gerade mit Psycho-Phil? Das war gar nicht gut.
„Weißt du was, Lars? Ich habe es satt, dass mir jeder sagt, was ich zu tun und zu lassen habe. Auf so etwas habe ich absolut keinen Bock. Dafür muss ich mir keinen Freund anlachen.“ Phils Stimme wurde immer aggressiver. Da war eindeutig Psycho-Phil. Kein Zweifel möglich. Lars’ Magen krampfte sich zusammen.
„Was soll das denn heißen?“, fragte er heiser.
„Dass ich dich nicht brauche“, sagte Phil prompt. „Ich bin auch ohne dich prima zurechtgekommen. Ist es dir eigentlich schon einmal aufgefallen, dass du die ganze Zeit versuchst mich umzukrempeln? Wenn du einen Partner Marke Eigenbau benötigst, geh in den Baumarkt und bastel dir einen. Ich habe die Schnauze gestrichen voll, von dir total auf den Kopf gestellt zu werden.“
Jetzt musste sich Lars setzen. Hatte er gerade einen Hörfehler oder durfte er seinen Ohren wirklich trauen?
„Phil, nur für den Fall, dass ich zu blöde bin und hier etwas gerade nicht kapiere. Machst du vielleicht gerade Schluss mit mir?“, fragte er ungläubig.
„Du hast es erfasst. Adieu, Lars.“ Mit diesen harschen Worten unterbrach Phil die Verbindung.
Langsam ließ Lars sein Handy sinken. Eine Weile saß er einfach nur da und versuchte zu verstehen, wieso er plötzlich der Ex war. Erst vor Kurzem war er mit Phil zusammengekommen...




