Busch | Minus zwei Band 1: Into the dark | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 308 Seiten

Reihe: Minus zwei

Busch Minus zwei Band 1: Into the dark


1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-945934-91-3
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 308 Seiten

Reihe: Minus zwei

ISBN: 978-3-945934-91-3
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Einhornhöhle im Harz birgt unentdeckte Wunder. Eine Expedition macht sich auf den Weg unter Tage, um die Geheimnisse der Höhle zu erforschen. Darunter ist der schüchterne Petrograf Bernd Treiger, der eigentlich Angst vor der Dunkelheit hat. Aber in der Gruppe und mit erfahrenen Höhlenforschern kann ja nicht viel passieren. Oder? Die Chancen stehen bei minus zwei. Band 1 des Zweiteilers

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Montag, 27.04.2015


BERND

Unruhig zappelte Bernd herum, überprüfte bestimmt zum siebzehnten Mal seinen Rucksack, setzte den quietschgelben Helm erst ab und im nächsten Moment wieder auf. Es war windig, weshalb er den Reißverschluss seines Schlatzes bis ganz nach oben zog. Der extrem robuste, rote Overall war funkelnagelneu und wurde ihm von der Harzer Speläologie e.V. zur Verfügung gestellt. Noch nie zuvor hatte er ein derartiges Abenteuer unternommen. Mittlerweile war er sechsundreißig Jahre alt und endlich hatte sich ihm eine Gelegenheit geboten. Ohne groß zu überlegen hatte Bernd zugegriffen und sein Vater hatte ihn zusätzlich in dem Entschluss bestärkt.

„Wenn ich die Wahl zwischen einer zweiwöchigen Expedition und dem Sitzen an irgendwelchen Computern und Messgeräten im Landesamt hätte, müsste ich nicht lange überlegen. Das ist weit besser, als Steine von links nach rechts zu schieben“, hatte sein Vater gesagt und ihm anerkennend auf die Schulter geklopft. Bernd war völlig seiner Meinung gewesen. Seine Mutter betrachtete diese Expedition eher skeptisch. Aber Mütter hatten ja immer Bedenken.

Zappelig reckte er den Hals. Was dauerte das bloß so lange? Er begann unruhig an der Nagelhaut seines Zeigefingers herumzupuhlen.

„Ich glaube, es geht gleich los.“ Dorothea Pernheim schien nicht minder aufgeregt. Sie war Kartografin, Hobby-Alpinistin und ein zähes kleines Luder. Im Augenblick hüpfte sie an Bernds Seite von einem Fuß auf den anderen und lächelte ihm zu. Dabei entblößte sie eine deutliche Zahnlücke zwischen ihren Schneidezähnen. Unwillkürlich lächelte er, denn es sah niedlich aus.

„Hoffentlich hast du recht. Sonst muss ich noch mal aufs Klo.“

Sie lachten. Es hörte sich prima an, kameradschaftlich. Es ließ ihn vergessen, dass sie sich erst seit einer Woche kannten. Viel zu kurz, wie er fand. Gewöhnlich benötigte er eine Weile, bis er zu jemandem Vertrauen fasste. Mit Dorothea war er jedoch sofort warm geworden. Sie war eine tolle Frau.

Bernd atmete tief ein, um sich endlich etwas zu beruhigen, und musterte die Runde. Ihre Expedition bestand aus einem bunt zusammengewürfelten Team. Neben ihm und Dorothea gehörten auch Georg (Vermessungstechniker), Marianne (Biologin), Jonas (Klimatologe), Peer (Archäologe), Steven (Geowissenschaftler) sowie Christian, Martin und Lukas (Höhlenforscher) und Tiger (Survival-Spezialist) zu der auserlesenen Truppe. Er selbst war Petrograf von Beruf.

Tiger … Bernd hatte den Mund nicht mehr zubekommen, als sich der durchtrainierte Mann vorgestellt hatte, nachdem er gestern am späten Abend überraschend zu ihnen gestoßen war. Denn eigentlich hatte er die Expedition abgesagt. Einen Ersatzmann für Tiger hatte die Harzer Speläologie e.V. nicht gesucht, da er das Team der drei Höhlenforscher lediglich unterstützen sollte. Nicht einmal englisch ausgesprochen hatte er seinen Namen, sondern sich einfach Tiger genannt, als wäre er eine gefährliche Raubkatze.

Ein Spitzname, dachte sich Bernd. Und ein ausgesprochen blöder. Hält dieser Überlebenskünstler bestimmt für passend.

Tiger schien der Einzige zu sein, der in einer unbeschreiblichen Gemütsruhe auf den Startschuss wartete. Lässig saß er mit seinem Rucksack zwischen den Füßen auf einem großen Stein, ebenfalls in einen roten Schlatz gekleidet und mit einem leuchtend gelben Helm auf dem Kopf. Das Outfit stellte ihre Standardausrüstung dar.
„Ich bin echt gespannt, was wir entdecken werden“, sagte Dorothea. „Hoffentlich ist nicht schon nach ein paar kurzen Kilometern Schluss.“

„Zumindest haben wir etliche Gänge vor uns, die wir untersuchen können“, antwortete Bernd mit einer Mischung aus Zuversicht und kribbelnder, ängstlicher Nervosität. Es wäre ja wohl gelacht, wenn sein erstes unterirdisches Abenteuer gleich nach ein paar Stunden vorbei wäre.

„Das ist so aufregend.“ Dorothea drückte hibbelig seinen Arm. Vor ihnen kam Bewegung in die Gruppe.

„Es geht los!“, rief Lukas, der ihre Expedition anführen sollte, da er in den letzten Jahren mehrere Touren dieser Art geleitet hatte und entsprechende Erfahrung besaß. „Will jemand hierbleiben? Dann muss er sich jetzt entscheiden.“

Kollektives Kopfschütteln und ein paar dumme Sprüche beantworteten seine Frage. Natürlich würde keiner zurückbleiben, jeder von ihnen wollte dabei sein, wenn hoffentlich neue Wunder entdeckt wurden.

Sie schulterten ihre Rucksäcke und schritten einer nach dem anderen geradezu feierlich auf den mit Feldsteinmauern umsäumten Eingang der Einhornhöhle zu. Bernd blickte zu dem künstlichen Knochenskelett eines dieser Fabeltiere hoch, das rechts neben dem überdachten Eingang Wache stand.

Die Einhornhöhle lag in der Nähe von Scharzfeld und stellte eine der größten Karsthöhlen des Harzes dar. Sie war für die Öffentlichkeit freigegeben, eine sogenannte Schauhöhle. Im 16. Jahrhundert wurde sie zuerst erwähnt, wobei allerdings Vermutungen bestanden, dass sie schon lange zuvor als Kultstätte benutzt worden war. Der Eingang war ein künstlich angelegter Stollen am eigentlichen Ende der Höhle. Der 365 Meter lange Führungsweg, für den man etwa fünfundvierzig Minuten brauchte, leitete den Besucher an verschiedenen großen Hallen vorbei bis hin zur Blauen Grotte, wo der Ausgang lag. Ihren Namen hatte die Einhornhöhle von den zahlreichen Tropfsteinen, die gewiefte Schlitzohren vor dem 19. Jahrhundert als Hörner der mystischen Tiere ausgaben und für medizinische Zwecke verkauften.

Für die geplante Höhlenforschungstour hätte die Expedition natürlich abkürzend den Ausgang als Einstieg nutzen können, da ihr Ziel die Blaue Grotte war, die dort lag. Hier hatten wissenschaftliche Messungen die Vermutung bestätigt, dass weitere Höhlenräume vorhanden waren. Daraufhin erfolgten Bohrungen, die ein im Kreis Osterode für die Gipsindustrie tätiges Unternehmen für Sprengtechnik sowie eine weitere Firma bei Osterode-Ührde finanzierten. Und tatsächlich entdeckte man in circa elf Metern Tiefe eine weitere Höhle. Eine Kamera lieferte genauere Maßangaben über ihre Größe und es wurden Bärenknochen gefunden, die Spekulationen zuließen, dass diese Höhle entweder mit der bereits bekannten in Verbindung stand oder es weitere Wege ins Freie gab. Bei näheren Untersuchungen dieses Fundes stießen die Wissenschaftler auf einen schmalen Spalt, der tief in den Berg hineinführte, tiefer, als man zuerst geahnt hatte. Ihre Expedition sollte genau dort starten und die Geheimnisse des Berges enthüllen. Mehr noch, sie sollten die Gänge und Hallen vermessen, kartografieren, Gesteinsproben nehmen und die vorhandene Flora und Fauna vermerken.

Bernd stieg vorsichtig als Letzter hinter Dorothea und Georg die Stufen zum sogenannten Weißen Saal hinab. Es machte ihm nichts aus, das Schlusslicht zu bilden, er hielt sich ohnehin lieber im Hintergrund. Seine Erwartungen an diese Tour waren hoch. Was für Mineralien würde er entdecken? Welche wundersamen Gesteine und Kristalle warteten unter Tage auf ihn? Vielleicht ein prachtvoller Raum mit außergewöhnlich schönen Tropfsteinen? Auf unterirdische Welten mit sonderbaren Geschöpfen brauchte er sicherlich nicht zu hoffen, selbst wenn er abenteuerliche Geschichten wie Jules Vernes’ Die Reise zum Mittelpunkt der Erde gelegentlich gerne las.

Warte es ab und lass dich überraschen, dachte er, amüsiert über seine eigene Ungeduld. Trotz aller Vorfreude hatte er auch ein bisschen Angst, was sich in schweißnassen Händen äußerte, die er verstohlen an seinem Schlatz abwischte.

Ihre Wanderung über den offiziellen Führungsweg der Einhornhöhle sollte der Auftakt ihrer Expedition sein, sie auf das Kommende einstimmen und gleich als passender Auftritt für die in der Blauen Grotte wartenden Reporter dienen. Bis auf Tiger kannte längst jeder von ihnen die Höhle. Seitdem feststand, dass die Expedition starten sollte, waren sie häufig hier gewesen, um sich seelisch darauf vorzubereiten und ihre Vorgehensweise in passender Umgebung abzusprechen.

„Im Jahr 2010 hat man an diesem Ort Tom Sawyer neu verfilmt“, rief der vorausgehende Lukas, damit die ganze Gruppe ihn verstehen konnte. Er ahmte perfekt den Touristenguide nach und wartete nun mit allgemeinen Neuigkeiten auf. Bislang hatte jedes Gespräch um die Höhlen ihre Expedition zum Thema gehabt.

„Das war ein ungeheures Spektakel und hat die Einhornhöhle ein Stück weit berühmt gemacht“, fuhr Lukas fort. „Benno Führmann hat den Indianer Joe gespielt. Gebt also acht, damit ihr nicht versehentlich über ihn stolpert.“

Bernd grinste und fand, dass dieser Ort tatsächlich die geeignete Kulisse für den Film bot. Zwischen den gewaltigen Felsen zu kauern und auf das Erscheinen der schaurigen Figur des Indianer Joe zu warten, war einfach ideal.

„Aber das war nicht der einzige Film, für den die Einhornhöhle den Drehort bot“, fuhr Lukas fort. „Auch Das Geheimnis der Zwerge kam in diesen Höhlen in den Kasten. Und Andreas Kieling drehte eine Dokumentation über Eiszeit-Tiere. Dafür wurden lebensgroße Modelle von Bären und Höhlenlöwen herangeschleppt.“

„Nur uns filmt keiner“, sagte Peer mit einigem Bedauern.

„Keine Sorge. Die Reporter warten längst. Und selbstverständlich werden wir diesen bedeutsamen Moment festhalten. Vor dem Abstieg wird ein Gruppenbild gemacht.“ Lukas winkte sie weiter.

Da sie ja kein...



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