E-Book, Deutsch, 404 Seiten
Busch Next Generation - Awaken
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-945934-46-3
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 404 Seiten
ISBN: 978-3-945934-46-3
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nachdem eine tödliche Grippe die Erde drastisch entvölkert hat, schwingt sich Curtis zum gefürchtetsten Mann in Awaken auf. Mit eiserner Hand herrscht der ehemalige Gladiator über eine Gruppe junger Diebe und Stricher. Bis einer von ihnen zu husten beginnt und damit sein Tod beschlossene Sache ist. Und ein anderer gegen den beschlossenen Mord aufbegehrt ...
Autoren/Hrsg.
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2. Freedom
Wenn Kopf und Herz sich widersprechen
Wenn Träume in die Seele stechen
Wenn aus Vertrauen trauen wird
Wenn das Gefühl den Geist verwirrt
Dann naht das Ende deiner Frist
Erkenne dich, so wie du bist
Erlösung liegt in dir allein
Fang endlich an du selbst zu sein
(Erwachen – Saltatio Mortis)
Er hatte sich wie ein Idiot überrumpeln lassen. Und das von dieser kleinen Kröte! Curtis kniff die Augen zu einem schmalen Schlitz zusammen.
Du wirst auf deine alten Tage unachtsam, schalt er sich und spuckte Blut in die Schüssel, die Heath ihm unters Kinn hielt. In der Arena wäre es aus mit dir gewesen. Und wäre Keegan ein kleines bisschen schlauer, würde ich mausetot im Fluss treiben. Zum Glück hatte der Junge offenbar Hemmungen gehabt, ihm den Rest zu geben. Sein Fehler …
„Bist du bald fertig?“, knurrte er Galen an, der mit Nadel und Faden in seinem Gesicht herumhantierte.
„Sir, ich habe doch erst angefangen“, stammelte der erschrocken. „Kleine Stiche, sagten Sie.“
„Aber nicht lediglich einen pro Tag, du Tölpel. Sieh zu, dass du fertig wirst. Ich habe nämlich eine Ratte zu jagen.“ Das hätte er wohl besser nicht gesagt, denn Galens Hände begannen zu zittern. Nicht, dass sie vorher besonders ruhig gewesen wären. Nun hätte er ihm beinahe das Auge ausgestochen. Fauchend vor Wut sprang Curtis in die Höhe, riss Heath die Schüssel aus der Hand und schlug sie Galen über den Kopf. Blutvermischtes Wasser spritzte über den Ältesten hinweg.
„Geh mir aus der Sonne, du Trottel! Und gib Heath die Nadel.“
Hastig tauschten die beiden die Plätze und Curtis setzte sich wieder. Sein Kopf dröhnte, dabei hatte ihn der Baseballschläger nicht einmal richtig getroffen. Dafür sollte er dem Schicksal dankbar sein. Hätte Keegan mehr Übung und weniger Skrupel gehabt, hätte er ihm den Schädel einschlagen können. Trotzdem hatte er einen heftig blutenden Riss an der Schläfe davongetragen, ihm fehlten drei Zähne und auch die Nase war zertrümmert. Die musste er unbedingt zu richten versuchen, damit er nicht zukünftig wie eine Bulldogge ausschaute. Sein Kiefer schien ebenfalls einen Knacks zu haben, die nächste Zeit würde es ausschließlich Suppe geben.
Kleiner Scheißer!
„Heath!“
„Ich gebe mir Mühe, Sir.“
Das tat er wirklich. Nur Curtis war zu ungeduldig. Am liebsten wäre er sofort aufgesprungen und hätte sich auf die Suche nach Keegan gemacht.
„Dem reiße ich den Arsch bis zu den Mandeln auf“, knurrte er und fixierte Galen, der inzwischen die Schüssel hielt. „Und du willst nichts von einer Freundschaft zwischen den beiden gewusst haben?“
„Nein, Sir, niemand von uns wusste davon. Keegan schien sich erst für Cian zu interessieren, als der krank wurde. Nicht wahr, Heath?“
Heath brummelte eine Zustimmung, konzentrierte sich aber auf seine Arbeit.
„Ich will es wissen, wenn einer der beiden Kontakt zu euch aufnehmen sollte. Sofort. Hast du das verstanden, Galen?“
„Ja, Sir.“
„Bekomme ich heraus, dass ihr diese Ratten unterstützt, dann drücke ich euch persönlich Schaufeln in die Hände und sehe zu, wie ihr eure eigenen Gräber buddelt.“
„Das wird nicht nötig sein, Sir.“
Der eingeschüchterte Blick, den Galen mit Heath wechselte, entging ihm nicht. Zufrieden verschränkte er die Arme vor der Brust und starrte den Ältesten, der von einem Fuß auf den anderen trat, durchdringend an. Irgendwie konnte sich Curtis nicht so recht vorstellen, dass Galen nichts von einer Verbundenheit zwischen Keegan und Cian gewusst hatte. Entweder tanzten die Jungs Galen auf der Nase herum, oder er verschwieg ihm etwas. Beides konnte Curtis nicht tolerieren. Wohin das führte, hatte er mitten ins Gesicht geknallt bekommen.
„Galen“, sagte er leise.
„Ja, Sir?“
„Blas mir einen.“
„Jetzt, Sir?“, fragte Galen verblüfft.
„Stellt das für dich ein Problem dar?“
„N… nein, Sir.“ Hastig stellte Galen die Schüssel auf dem Boden ab.
„Soll ich später weitermachen, Sir?“, erkundigte sich Heath, der etwas zur Seite weichen musste, damit Galen zwischen seinen Beinen niederknien konnte.
„Nein, sieh zu, dass du fertig wirst.“ Curtis lehnte sich gemütlich zurück, als kundige, flinke Finger seine Hose öffneten, den Penis befreiten und eilig ein Kondom überstülpten. Feuchte Lippen schlossen sich um seine glänzende Eichel und begannen ihr Werk, während Heath weiter die Wunde nähte.
Nach einer Weile dachte Curtis gelangweilt: Nicht einmal blasen kann er anständig. Es wird Zeit, dass Galen abtritt. Heath ist ohnehin findiger. Also, du blondes Elend, bring mich zum Schuss und danach ist es aus mit dir.
***
Zur Sicherheit war Keegan in einen anderen Stadtteil gelaufen und hatte sich dort eine Apotheke gesucht. Immerhin konnte Curtis tatsächlich auf die Idee kommen, dass er Medikamente für Cian besorgen wollte, und hatte seine Häscher auf die einzige Apotheke in der Umgebung angesetzt. Mit der, die Keegan aufgesucht hatte, hatte er Glück gehabt, denn er bekam dort alles, was er benötigte. Das war nicht selbstverständlich. Oft musste man ganz Awaken nach einer bestimmten Arznei absuchen.
Inzwischen war es dunkel geworden. Keegan trug mehrere Papiertüten, in denen sich Antibiotika, schmerz- und fiebersenkende Mittel sowie Halspastillen befanden. Nach kurzem Zögern hatte er auch Kondome und Gleitgel gekauft. Vielleicht musste er aus irgendeinem Grund wieder anschaffen oder Cian und er bekamen Lust aufeinander.
Blödsinn!, schalt er sich stumm. Warum sollten wir?
Dabei konnte er nicht leugnen, dass der Kleine ihn anmachte und der Gedanke, sich mit ihm eine Bettdecke teilen zu müssen, nicht gerade traurig stimmte.
In einem Supermarkt war Keegan ebenfalls gewesen. Dort hatte er einen Beutel Zwiebeln sowie Honig gekauft. Die Zwiebeln waren relativ günstig gewesen, für den Honig hatte er dagegen einige Scheine hinlegen müssen. Ein gesüßter Zwiebelsud würde Cian bestimmt helfen, die Husterei zu bekämpfen. Doch zunächst musste er zu dem Kleinen zurück.
An jeder Straßenecke blieb Keegan stehen und spähte vorsichtig um die Ecke. Mit Sicherheit hielten bereits Curtis‘ Genossen nach ihm Ausschau und sie konnten in jedem Winkel lauern. Vorsichtig bog er in die nächste Straße ein. In diesem Viertel kannte er sich nicht aus. Als kleiner Taschendieb war er lediglich in einem von Curtis festgesetzten Gebiet unterwegs gewesen. Diese Grenze zu übertreten hätte gewaltigen Ärger seitens der Konkurrenz bedeutet.
Plötzlich horchte er auf. Sein wachsames Getue hatte Aufmerksamkeit erregt. Aus einem Hauseingang lösten sich drei Schatten und versperrten ihm den Weg. Keegan blieb stehen und wog schnell seine Möglichkeiten ab, heil aus der Situation zu gelangen. Als er durch den Lichtkegel der Hausbeleuchtung gegangen war, hatten die Wegelagerer vor ihm sicherlich seine Blessuren bemerkt. Die Fremden mussten ihn für leichte Beute halten, denn es war deutlich zu erkennen, dass er erst vor Kurzem verprügelt worden und dementsprechend angeschlagen war. Mit den dreien einen Kampf aufzunehmen, war purer Schwachsinn und wegzulaufen hatte ebenfalls keinen Sinn. Die kannten die Gegend garantiert besser als er und die Tüten würden ihn zusätzlich behindern.
„Du bist in unserem Revier.“
„Nicht absichtlich“, entgegnete Keegan. „Ich bin sofort verschwunden.“
„Ohne dein Zeug da.“ Herausfordernd wurde er angestarrt.
„Meine Einkäufe nehme ich natürlich mit.“ Keegan wich und wankte nicht. Wenn er jetzt Schwäche zeigte, würden sie sich wie die Raubtiere auf ihn stürzen.
„Kennt ihr Curtis?“, fragte er betont gelassen, dabei hätte er beinahe hysterisch gelacht. Einerseits floh er vor seinem Zuhälter, andererseits benutzte er gerade dessen Namen, um sich freien Rückzug zu erkaufen. „Curtis, den ehemaligen Gladiator? Ich gehöre zu ihm.“
Tatsächlich zögerten die drei.
„Der macht euch platt, wenn ihr mich nicht passieren lasst, damit ich seinen Auftrag erledigen kann.“
„Curtis regiert in diesem Viertel nicht.“
„Aber möglicherweise ein Freund von ihm.“
„Her mit den Tüten! Wenn dein Curtis sie haben will, kann er sie bei uns abholen.“
Shit!
Unwillkürlich suchte Keegan mit den Augen nach einem Fluchtweg. Dann fiel ihm die Pistole ein. Ohne weiter zu überlegen riss er sie aus dem Hosenbund und richtete die todbringende Mündung auf die Gestalten vor sich, die mitten in der Bewegung erstarrten. Die Waffe machte tatsächlich Eindruck.
„Hey, Kamerad! Nicht aufregen. Das war ja nur ein kleiner Spaß“, sagte einer von ihnen und hob in einer beschwichtigenden Geste die Hand. Keegan richtete sich zu seiner vollen Größe auf. Mit der Knarre in der Hand fühlte er sich überlegen, der kalte Stahl versprach ihm Macht über seine Gegner.
„Zu dumm, dass ich überhaupt keinen Humor habe“, knurrte er. „Und nun geht mir aus dem Weg.“
Kaum hatte Keegan ausgesprochen, traf ihn etwas hart am Hinterkopf. Er taumelte ein paar Schritte vorwärts und ließ dabei die Pistole sinken. Im nächsten Moment stürzten sich die drei Kerle wie die Aasgeier auf ihn. Eine der kleinen Tüten wurde ihm entrissen, ehe er die Pistole vor einem ablenkenden Tritt...




