E-Book, Deutsch, 224 Seiten
Busch Schlachthaus
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-944737-88-1
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 224 Seiten
ISBN: 978-3-944737-88-1
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Vampyre schlürfen in Hamburg Blut und feiern makabere Orgien. Als es aus ihren Reihen einen Toten gibt, der mit skelettierter Hand im Schanzenpark gefunden wird, werden Bo und Robin ausgerechnet von dem Truppenführer Patrick Reinhold angeheuert, um den Täter zu ermitteln. Unter den Verdächtigen befindet sich Daan van Basten, der charismatische Anführer der Vampyre. Und Robin muss nicht nur einen Mörder ermitteln, sondern auch seine wahre Liebe.
Autoren/Hrsg.
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Montag, 06. Dezember
08:13 Uhr
Es ist Nikolaus. Unsere Detektei hat heute geschlossen und Louisa, unser Bürosonnenscheinchen, befindet sich mit ihrem Kriminalhauptkommissar in einem verlängerten Wochenende. Die Stimmung am Frühstückstisch ist angespannt. Patrick hofft natürlich, dass wir seinen Auftrag annehmen. Ich würde am liebsten sofort mit den Ermittlungen anfangen. Bo dagegen hängt mit dem Gesicht beinahe in seinem Müsli, um nicht auf die Vampyre oder die Skeletthand angesprochen zu werden. Deshalb herrscht eine ungewöhnliche Stille am Tisch. Nach einer Weile reicht es mir.
„Hast du ein Foto von deinem Neffen?“
Patrick unterbricht sein Kauen und nickt. Aus seiner Hosentasche zieht er ein Bild hervor. Aha, er hat sich also auf ein weiteres Gespräch eingestellt. Natürlich hat er auf eine Fortsetzung unserer gestrigen Unterhaltung gehofft. Wachsame grüne Iriden sind auf mich gerichtet. Ein Löffel, von dem Milch tropft, hängt eingefroren in der Luft. Ungerührt sehe ich mir das Foto an. Patricks Neffe Jan ist ein schlaksiger Bursche. Sein Haar ist weiß gefärbt, seine bleiche Haut sticht von der schwarzen, rüschenverzierten Kleidung ab. Dafür sind seine Augen derartig schwarz geschminkt, dass sie in dem hellen Gesicht wie Löcher wirken.
„Nicht gerade jemand, der auf Sonnenbankbräune steht, hm?“
Patrick lächelt verkniffen.
„Wie alt ist er?“, frage ich.
„Neunzehn. Er hat eine Ausbildung zum Industriemechaniker angefangen. Das Foto erweckt vielleicht einen falschen Eindruck von ihm. Eigentlich ist er sehr zugänglich, nett, fröhlich und selbstbewusst. Er macht bloß dicht, sobald man die Vampyre erwähnt. Bislang haben seine Eltern und ich diese Leute für eine harmlose Gruppe gehalten, die lediglich in einer Art harmlosen Rollenspiels aufgehen. Doch nun wurde Jan niedergeschlagen und sein Freund Tobias tot im Schanzenpark gefunden.“
„Dieser Tobias wurde im Park abgelegt oder dort auch getötet?“
„Abgelegt, wie die Polizei erklärte. Sie haben Jan stundenlang verhört. Mir oder seinen Eltern wollte er dagegen überhaupt nichts erzählen. Als ich ihn auf die Vampyre angesprochen habe, hat er seinen Mund nicht mehr aufbekommen. Auch über die Partys hat er kein einziges Wort verloren.“
„Dot …“
„Ich übernehme deinen Fall, Patrick. Falls du weißt, in welchen Clubs sich Jan herumtreibt, dann schreib mir das mal auf.“
„Was heißt das, du übernimmst den Fall?“ Bos Löffel klatscht milchspritzend in seine Müslischale zurück. Es ist mir ein Rätsel, wie man Zeug essen kann, das wie Hühnerfutter aussieht.
„Du kannst mir gerne helfen, wenn du magst.“
Bin ich nicht selbstlos? Eine Sekunde später werde ich am Kragen gepackt und von meinem Stuhl gezerrt.
„Entschuldige uns kurz, Pat.“ Bo schleift mich wie einen nassen Sack in den Flur.
„Robin, wir waren uns einig …“
„Du warst dir einig. Ich hatte nichts zu sagen. Aber ich treffe meine Entscheidungen selbst.“
Bo funkelt mich wütend an.
„Soll ich den Rest meines Lebens Fremdvöglern nachschleichen?“
„Nein. Wenn es nach mir ginge, würdest du zukünftig an deinem Rechner sitzen bleiben“, erklärt Bo in einem ziemlich machohaften Ton. „Sicher eingeschlossen in diesen vier Wänden.“
„Ich könnte einen Stromschlag bekommen.“ Der Sarkasmus kommt nicht gut, das merke ich an seinem Gesichtsausdruck. Spontan lege ich ihm die Hände um den Hals und ziehe ihn näher. Mein unerwarteter Kuss bringt ihn zum Schwanken und dass ich meinen Unterleib an seinen presse, lässt ihn auch nicht kalt. Hach, wie mich das freut, dass ich ihn so aus dem Konzept bringen kann.
„Dot.“ Bo stöhnt unterdrückt auf. Meine Finger schlüpfen in seine Jeans, was mir großen Spaß bereitet, da Bo wie üblich keine Unterwäsche trägt.
„Wir helfen Patrick oder ich bringe dich vor ihm in jedem möglichen Moment in eine richtig peinliche Situation.“
Mein Tweety sieht mich fassungslos an.
„Peinlicher als gestern Abend.“ Mutig setze ich einen drauf:
„Ich könnte mich nackt auf dem Küchentisch räkeln und zwar zusammen mit einer Salatgurke.“
„Das wagst du nicht.“
„Riskiere es“, schnurre ich.
„Das ist Erpressung“, zischt Bo.
„Und sie wirkt.“ Ich grinse. „Nicht wahr? Sag was, Bo.“
„Lass uns zurück in die Küche.“
„Und dann?“
„Werde ich dringend diese Gurke essen müssen, du mieser kleiner Schweinebuckel.“
14:26 Uhr
Den Vormittag über habe ich vor dem Rechner gesessen und Infos über Vampyre und ihre Donore eingeholt. Leider lässt sich nicht gerade viel zu diesem Thema finden. Die Szene trifft sich offenbar in sogenannten Feeding Circles, um mit Hilfe von Einwegspritzen und Rasierklingen Blut auszutauschen. Wirklich schlauer fühle ich mich mit dieser Info nicht.
Nach dem Mittagessen, das wir in Daniel Wischers Fischbraterei genießen, weil Patrick unbedingt einmal dort speisen wollte, nehme ich meinen Kleiderschrank in Augenschein.
„Was hast du vor?“, erkundigt sich eine Stimme von der Tür her. Ich ziehe eine schwarze Lederhose aus dem Schrank und werfe sie aufs Bett.
„Ich gehe heute Abend aus“, sage ich und wühle in einem Stapel Shirts herum.
„In einen von Jans Clubs?“ Bo trifft den Nagel auf den Kopf.
„Ich komme mit, Dot. Du gehst nicht alleine.“
Mit einem ärmellosen Shirt in den Händen drehe ich mich um.
„Ein Rauschgoldengel unter Vampyren?“, frage ich leise. Bo nimmt mir das Shirt aus den Fingern und wirft es in den Schrank zurück.
„Ich will nicht, dass dir etwas passiert.“ Ein Kuss unterstreicht seine Bemerkung.
„Bo, sei mir nicht böse. Aber optisch passt du zu einem Vampyr wie ein Segelschiff in die Wüste. Und falls wir Jan begegnen und er ein Foto kennt, auf dem du zusammen mit Patrick bist, fliegt unsere Scharade auf.“
„Ich lasse dich da nicht alleine hin.“ Bo schaltet endgültig auf stur und gegen diesen Dickkopf habe ich erfahrungsgemäß keine Chance.
„Dann stecke ich eine Wanze ein und du bleibst für den Fall der Fälle in der Nähe.“
Mein Tweety scheint zu überlegen.
„Also schön“, sagt er schließlich. „Mit der Wanze kann ich mich arrangieren. Und ich bleibe mit Pat an dir dran.“
Ich nicke erfreut, weil Bo endlich kooperiert.
„Sobald ich den Eindruck habe, dass es für dich gefährlich wird, hole ich dich da raus.“
„Jaja, in Ordnung.“ Ich widme mich wieder meinem Kleiderschrank. Habe ich denn nichts Schwarzes mit dezemberfreundlichen langen Ärmeln, was ein bisschen nach Friedhof aussieht?
„Es hilft nichts, ich muss shoppen.“
„Bitte was?“
„Ich habe nichts anzuziehen.“ Demonstrativ deute ich auf den Kleiderschrank.
„Dot, der quillt aus allen Nähten. Da wird bestimmt ein passendes Teil dabei sein.“
„Nichts, das wie attraktive Sargbekleidung wirkt. Schaaaahaaaatz, ich brauche deine Kreditkarte.“ Übertrieben schmachte ich Bo an.
Der schnaubt bloß. „Nimm deine eigene. Und vergiss die Quittung nicht, dann kannst du es als Arbeitsmittel von der Steuer absetzen.“
Jetzt bin ich ein bisschen verblüfft. Seit wann macht sich Bo Gedanken über die Steuererklärung? Bislang hatte ich immer den Eindruck, er wüsste gar nicht, dass es die Institution namens Finanzamt überhaupt gibt.
„Dot, ich halte es immer noch nicht für eine gute Idee, den Fall zu übernehmen“, murmelt Bo und tritt einen Schritt näher. Nun steht er direkt vor mir. Ich kann seine Körperwärme spüren und seinen aufregenden Duft riechen. Sein Mund befindet sich in verlockender Reichweite und ehe ich mich beherrschen kann, habe ich ihm schon die Arme um den Nacken geschlungen und mich an seinen Lippen festgesaugt. Küssend schmiegen wir uns aneinander. Hände finden ihren Weg unter meinen Pulli und fahren sinnlich an meinen Rippenbögen auf und ab. Der kleine Robin erwacht in seiner Boxer und bemüht sich, durch rapides Wachstum an das Licht der Welt zu gelangen. Meine Jeans spannt, und dass ich meinen Unterleib an Bo reibe, trägt nicht wirklich zur Erleichterung bei. Dieser Wahnsinnsmann macht mich heiß. Richtig heiß!
„Ich liebe dich“, flüstert Bo und haucht Küsschen über mein ganzes Gesicht. „Du bist mein Traumpünktchen, Dot, mein Ein und Alles.“
Meine Knie werden weich. Bestimmt beginne ich gerade wie Himbeereis unter einer Juli-Sonne zu schmelzen.
„Ich wünschte, du würdest die Finger von diesem Fall lassen.“
„Bitte, Tweety, ich möchte Patrick wirklich gern helfen.“
„Ich weiß genau, dass du dein Trauma vom letzten Fall noch gar nicht überwunden hast.“
Und er ebenfalls nicht. Seitdem wir aus dem Krankenhaus raus sind, hat er den Namen Rainer Böhle nicht einmal erwähnt. Bos Finger streicht sanft über den Messerschnitt auf meinem Jochbein.
„Und das werde ich auch nicht, wenn ich mich von meiner Angst beherrschen lasse und mich vor meiner Arbeit drücke. Eine Arbeit, die ich bislang sehr geliebt habe, Tweety.“
„Ha! Du hast also doch Angst.“ Triumphierend bohrt sich der Blick seiner unvergleichlichen Augen in die meinen.
„Natürlich.“ Das habe ich nie geleugnet. „Allerdings habe ich nicht vor, mich von ihr dominieren zu lassen. Das gelingt mir aber nur, wenn ich weiß, dass du...




