E-Book, Deutsch, 212 Seiten
Busch Show Me The Abyss
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-6957-8684-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 212 Seiten
ISBN: 978-3-6957-8684-8
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Lea Busch trat 2022 mit ihrem Debutroman "Sunflower" in die Öffentlichkeit. Show Me The Abyss ist die Fortsetzung des Kurzromans: "Meet Me At Midnight". Weitere Bücher sind aktuell in Arbeit, darunter der 3. Teil der Eishockey-Trilogie: "Lightning". Neben ihrer Tätigkeit als Autorin, ist Lea Busch Studentin und hat nach ihrem Bachelor in Kommunikations- und Multimediamanagement ihren Master in PR- und Unternehmenskommunikation begonnen. Du möchtest mehr über die Autorin erfahren? Schau hier vorbei: Instagram: autorin.leabusch TikTok: autorin.leabusch
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1. KAPITEL
Skeptisch sieht er ihn an. Er möchte nichts sagen und beißt sich auf die Zunge. Niemand mag Klugscheißer und er weiß, dass sein Freund sich wirklich Mühe gibt. Genau deswegen bleibt er still und sieht nur dabei zu. Sein Gesichtsausdruck hat er dabei allerdings nicht im Griff.
„Man sollte meinen, du wüsstest, wie man ein Pokerface aufsetzt“, hört er seinen Freund sagen.
„Gegenüber Verbrechern und Lügnern. Nicht gegenüber Kollegen, die versuchen, zu backen.“
„Kollegen?!“ Empört sieht Clint ihn an. „Wie war das gerade?“
Arlo schmunzelt. Er wusste genau, dass Clint darauf anspringen würde. Es ist so leicht, ihn zu provozieren. Eigentlich wollte er das nicht mehr machen, oder zumindest nicht mehr so oft, aber es macht ihm zu viel Spaß. Und vielleicht ist es inzwischen ein Stück zur Gewohnheit geworden, ihn dann und wann aufzuziehen. „Liebhaber“, korrigiert er sich. Clint schüttelt den Kopf. „Schon wieder falsch, Parsons.“
Arlo grinst und stellt sich neben ihn. „Freund“, sagt er schließlich und drückt Clint einen Kuss auf seinen Hals. „Aber Liebhaber stimmt auch“, flüstert er und küsst ihn noch einmal. Clint seufzt leise. In dem Moment rutscht ihm das Eigelb aus der Eierschale in die Schüssel. „Fuck. Das war deine Schuld.“
„Bitte was?“ Arlo sieht ihn irritiert an und schüttelt den Kopf. „Oh nein! Du wolltest die Eier trennen.“
„Und du wolltest, dass ich mit dir backe!“
„Eigentlich bin ich davon ausgegangen, dass du eher zugucken und Teig naschen wirst“, gibt Arlo nun zu. Clint versucht das Eigelb aus der Schüssel zu fischen, aber das klappt nicht. „Scheiße“, sagt er leise und versucht es mit einer Gabel, anstatt mit dem Löffel, den er bis gerade in der Hand hatte. „Das ist so bescheuert. Wieso muss man Eier trennen, wenn die eh wieder zusammen in einen Teig kommen? Das ergibt überhaupt keinen Sinn“, beschwert er sich.
„Ich könnte es dir jetzt erklären, aber ich glaube, es ist sinnvoller, wenn ich eben ein paar neue Eier trenne und du gleich mit dem Eischnee weitermachen kannst. Das hier wird sowieso nichts mehr.“ Er nimmt Clint die Schüssel ab und stellt sie weg. Dieser verschränkt die Arme vor der Brust.
„Und Eischnee soll was genau sein? Ei mit Koks?“ Er sagt das mit so trockenem Tonfall, dass Arlo einen Moment glaubt, er hat sich verhört. Er lacht und schüttelt den Kopf. „Scheiße, nein. Natürlich nicht. Ich zeige es dir gleich, okay?“ Er fängt an, die neuen Eier zu trennen.
„Bei dir sieht das so einfach aus“, bemerkt Clint und beobachtet Arlo. Dieser zuckt mit den Schultern. „Ich mache das auch öfter als du, schätze ich.“
„Ich habe das noch nie gemacht“, merkt Clint an. Das überrascht Arlo jetzt tatsächlich. „Noch nie?“
„Nein, wann?“
„Zu Geburtstagen? Du hast aber schon mal gebacken, oder?“
„Backmischungen. Da muss man keine Eier trennen“, erwidert Clint und Arlo schmeißt die leeren Eierschalen weg. „Das hättest du doch sagen können.“
„Ich bin erwachsen. Und ich bin ein Detective, ich werde ja wohl Eier trennen können.“
„Das haben wir ja gerade gesehen“, rutscht es Arlo raus. Er beißt sich auf die Zunge. Clint verdreht die Augen. „Wie funktioniert das jetzt mit diesen Schneeeiern?“
Arlo erklärt es ihm, ohne ihn zu ärgern, und hat die ganze Zeit ein Auge darauf, dass Clint nicht zu lange das Eiweiß aufschlägt. Noch mehr Eier hat er gerade nicht zuhause und die Supermärkte schließen bald. Abgesehen davon hat er keine Lust, heute noch einmal seine Wohnung zu verlassen. Sein Tag war lang und voller Papierkram. Er freut sich schon die ganze Woche darauf, diesen Abend mit Clint in seiner Küche zu verbringen. Arlo hat beschlossen Cupcakes zu machen. Er hat sich letztens in der Innenstadt in einer kleinen Bäckerei einen Cupcake geholt. Eigentlich wollte er nur mal ins Schaufenster sehen, aber die Auswahl sah so gut aus, dass er nicht widerstehen konnte. Da ist er auf die Idee gekommen, dass Clint und er mal zusammen backen sollten. Sie werden zwar keine Cupcakes mit Sonnenblumen darauf backen, aber normale Cupcakes schmecken genauso gut.
Natürlich hat Clint es sofort als kitschige Date-Idee betitelt, aber nun stehen sie gemeinsam in Arlos Küche und der Teig ist gleich hoffentlich fertig.
„So okay?“, reißt Clint ihn aus seinen Gedanken.
„Dreh das mal um.“
Clint dreht die Schüssel. „Und jetzt?“
„Nein, ich meine kopfüber.“ Arlo sieht ihn amüsiert an, als Clint die Schüssel in seiner Hand waagerecht gedreht hat. „Wieso das? Willst du, dass alles wieder rausfällt?“, fragt Clint ihn irritiert und schüttelt leicht den Kopf. Arlo nimmt ihm die Schüssel ab und kippt sie vorsichtig, bis er sie schließlich kopfüber hält. „Nein. Wenn du es richtig gemacht hast, fällt da nichts raus“, sagt er und stellt die Schüssel auf die Arbeitsplatte. „Das muss hier jetzt untergehoben werden.“
„Können wir das nicht auch einfach in deine Küchenmaschine packen?“
„Dann geht der Eischnee wieder kaputt. Nimm den hier.“ Arlo reicht ihm einen Teigschaber und macht sich dann daran, die Sahne aufzuschlagen. Clint steht hoch konzentriert neben ihm und hebt den Eischnee unter. Es dauert nicht lange und der Teig ist fertig.
„War’s das?“, fragt Clint, als das Blech mit den Muffins im Ofen ist. Gleichzeitig sieht er die Schüssel mit dem inzwischen fertigen Topping auf der Arbeitsplatte stehen. Er seufzt. „Vergiss die Frage.“ Arlo schmunzelt und stellt die Eieruhr an seinem Ofen an. „Wir haben noch ein bisschen Zeit“, bemerkt Clint und dreht sich zu Arlo. Wieder einmal denkt Arlo darüber nach, wie verrückt es ist, dass sie hier so in seiner Küche stehen. Clint und er. Das hätte er sich nie vorstellen können. Und doch sind sie hier. Es fühlt sich gut an. Solange er nicht zu viel darüber nachdenkt, fühlt es sich nicht seltsam an. Clint tritt einen Schritt vor und legt seine Arme um Arlos Taille. Dann küsst er ihn. Arlo lächelt ein bisschen. Er kann da nichts für, es ist eine automatische und nicht abwendbare Reaktion seines Körpers. Das passiert immer, wenn Clint ihn küsst.
„Wir müssen die Küche noch aufräumen“, sagt Arlo einen Moment später, als Clint seine Finger unter Arlos Shirt schlüpfen lässt. Er hält in seiner Bewegung inne. „Wir müssen die Küche aufräumen.“ Clint sieht ihn einen Augenblick mit hochgezogener Augenbraue an.
„Ja.“
„Daran denkst du, wenn ich dich küsse?“, will Clint wissen. Erst da bemerkt Arlo, dass das eine ziemlich unpassende Aussage war (auch, wenn sie stimmt). „Wir können das sonst auch gleich machen“, sagt er schnell und lächelt schief und nervös. Clint sieht ihn schon wieder so an. Letztens wollte Clint wissen, was Arlo damit meint, wenn er sagt, Clint würde ihn ansehen. „Ja, so eben“, war seine sehr aufschlussreiche Antwort. Und sieht Clint ihn genau jetzt wieder an. Arlo küsst ihn und lässt zu, dass Clint ihn gegen die Arbeitsplatte drückt. Arlo seufzt leise auf und zieht Clint enger zu sich heran. Scheiß aufs Aufräumen. Das können Sie später machen.
„Das wird nichts.“
„Doch, das klappt schon.“
„Wenn du das sagst“, murmelt Clint und nimmt Arlo die Tülle ab. Die Muffins sind abgekühlt und eigentlich wollten beide schon längst ins Bett. Also schlafen. Im Bett waren sie gerade schon. Wenn es nach Clint gegangen wäre, hätten sie dort gerne bleiben können, aber Arlo sieht das anders. Er hat garantiert nicht die letzten Stunden in der Küche verbracht und gebacken, nur damit, die Cupcakes nicht fertig werden und das Topping morgen früh zu nichts mehr zu gebrauchen ist, weil sie es nicht in den Kühlschrank gestellt haben. Arlo hat die ersten drei Cupcakes bereits fertig gemacht. Jetzt ist Clint dran. Arlo hat ihm schon zwei Mal versprochen, dass das wirklich nicht so schwierig ist, wie er befürchtet. Er wird das bestimmt hinbekommen.
„Das sieht schrecklich aus.“
„Die behalten wir hier“, beschließt Arlo und stellt alle Cupcakes in den Kühlschrank. „Sie schmecken auch, wenn sie nicht perfekt aussehen. Dafür, dass du das erste Mal Cupcakes gemacht hast, sind sie doch ziemlich gut geworden“, bekräftigt er. Clint schließt den Kühlschrank und schiebt seine Finger zwischen Arlos. „Du schleimst ganz schön, weißt du das?“
„Es ist die Wahrheit“, erwidert Arlo, küsst ihn kurz und zieht ihn dann in Richtung Badezimmer. Zu Abend gegessen haben sie vorhin schon, bevor sie angefangen...




