E-Book, Deutsch, 552 Seiten
Busch Supernatural SWAT - Abteilung LOL
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96089-519-0
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 552 Seiten
ISBN: 978-3-96089-519-0
Verlag: dead soft verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Endlich hat er die furchtbare Zeit auf der Akademie überstanden und kann nun seinen ersten Posten als Chief Petty Officer einer militärischen Sondereinheit antreten. Holden Sawyer sieht der Zukunft in Baton Rouge mit einiger Aufregung entgegen und stellt sich mehr als einmal die Frage, mit was für Gestaltwandlern er es in seiner Abteilung zu tun bekommt. Als er es endlich erfährt, hält ihn lediglich sein Stolz davon ab, sofort seine Kündigung einzureichen. Obwohl ihr erster Einsatz völlig unspektakulär erscheint, stellt ihn seine Truppe vor eine ziemliche Herausforderung. Die nennt sich Jaxton ...
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Abteilung LOL - Willkommen in Baton Rouge
HOLDEN
Das Taxi kutschierte ihn vom Metropolitan Airway auf den Veterans Memorial Boulevard. Das Wageninnere roch aufdringlich nach Vanille, was an den sieben Wunderbäumen liegen musste, die strategisch im Fahrzeug verteilt worden waren. Der Fahrer gab sich wortkarg, worüber Holden nicht böse war. Er hatte eine schlaflose Nacht, einen anstrengenden Vormittag und einen dreieinhalbstündigen Flug von North Dakota nach Baton Rouge hinter sich. Als Alternative zu einem geschwätzigen Chauffeur dudelten Dixieland-Songs unanständig laut aus dem Radio. Holden konnte mit dieser Art Musik nichts anfangen, ahnte aber, dass er sie in Louisiana häufiger hören würde. Er stand auf Rock, insbesondere auf die Red Hot Chili Peppers oder Extreme.
Ein Straßenschild zeigte an, dass sie nun auf den Highway 190 abbogen.
Holdens Nervosität wuchs, je mehr er sich seinem Ziel näherte. Frisch von der Ausbildung kommend, sollte er den Posten als Chief Petty Officer und damit die Leitung einer Sonderheit des Militärs, die Supernatural SWAT Abteilung 101, übernehmen. Wobei er darauf durchaus vorbereitet war. Sein Problem bestand eher darin, dass es ihm meistens schwerfiel, sich in ein bestehendes Team zu integrieren. Einen Großteil der Nacht hatte er mit der Frage zugebracht, ob man ihn akzeptieren würde und wie er am besten auftreten sollte. Auf keinen Fall wollte er sich die eigenen Ausbilder zum Vorbild nehmen. Er war froh, dass dieser Lebensabschnitt hinter ihm lag.
Ab und an warf ihm der Fahrer über den Spiegel neugierige Blicke zu. Sicherlich fragte sich der Chauffeur, was für eine Bestie in diesem Moment auf dem Rücksitz hockte. Doch Holden gehörte nicht zu den Wandlern, sondern war ein ganz normaler Mensch. Zumindest was die Ansicht der meisten Amerikaner betraf. Für einige, zum Teil leider sehr einflussreiche Personen, war er nichts weiter als eine verdammte Rothaut. Scheiß drauf! Das vertraute Magenbrennen setzte ein, das ihn bereits während der Ausbildung begleitet hatte. Aus der Tasche seines Mantels, den er über einem grauen Anzug trug, kramte er ein Päckchen Famotidin gegen Sodbrennen hervor und schluckte eine der Tabletten trocken herunter. Unendlich langsam wanderte sie die Speiseröhre hinab.
Aus dem Radio plärrte Toot! Toot! Tootsie! als der Wagen über die Huey P. Long Bridge fuhr, die das schlammigbraune Wasser des Mississippis überspannte. Ein Nachbau der typischen Schaufelraddampfer ritt auf den strudelnden Fluten und beförderte Touristen nach New Orleans. Die Klimaanlage des Wagens kämpfte gegen die schwülwarme Luft an.
Sie erreichten die West Service Road und hielten wenig später vor einem weitläufigen Gelände, das von einem hohen Metallzaun gesichert wurde. Der Fahrer war immerhin so freundlich, die Gepäckstücke aus dem Kofferraum zu wuchten und sie Holden vor die Füße zu stellen. Nach der schweigsamen Fahrt bedankte er sich überraschend höflich für das Trinkgeld und ließ ihn danach allein vor seinem neuen Zuhause stehen. Ein unauffälliges, kleines Schild deutete darauf hin, dass sich hinter dem Zaun die Basis der Supernatural SWAT von Baton Rouge befand.
Holden trat zum Rolltor und bemerkte eine auf dem Torpfeiler installierte Kamera. Im Pfeiler selbst war ein Ziffernblock eingelassen, allerdings war ihm der Code unbekannt, der ihm Zutritt gewährt hätte. Aus diesem Grund drückte er die Klingel. Die Kamera bewegte sich und nahm ihn aufs Korn. Verkniffen lächelte er in ihre Richtung.
„Ja?“, meldete sich eine weibliche Stimme aus dem Lautsprecher.
„CPO Holden Sawyer.“
Er konnte regelrecht spüren, wie er durch die Kamera angeglotzt wurde. Wahrscheinlich war sogar mehr als ein Augenpaar auf ihn gerichtet. Und ja, die Neugier war verständlich. Sein Team wollte bestimmt erfahren, nach wessen Pfeife es zukünftig tanzen durfte. Das Tor geriet in Bewegung und glitt ein Stückchen zur Seite, um ihm Einlass zu gewähren. Holden atmete tief ein, packte die beiden Koffer und marschierte mit energischen Schritten aufs Gelände. Die dreihundert Meter lange Einfahrt führte ihn direkt zu einem Platz, auf dem mehrere Geländewagen und ein Bus mit getönten Scheiben abgestellt waren. Verschiedene Gebäude rahmten die Parkfläche ein. Da jede SWAT-Basis gleich aufgebaut war, wusste Holden, dass er ein Wohngebäude, eine Schießanlage, eine Sportstätte, ein Lager und eine Einsatzzentrale vorfinden würde. Zur Zentrale schleppte er nun die Koffer. Ein weiteres Mal holte er tief Luft, bevor er die Tür öffnete, sich samt Gepäck hindurchzwängte und positiv überrascht innehielt. Das Gebäude musste einst eine Produktionshalle gewesen sein. Die Wände waren unverputzt und zeigten blankes rotes Mauerwerk. Die offenliegenden Stahlträger waren dunkelgrün gestrichen und es gab einen beinahe spielerisch gestalteten Eisenbogen, der den riesigen Raum in der Breite überspannte. Das Dach war komplett aus Glas und erweckte den Eindruck, dass man unter freiem Himmel stand, sofern man nicht den elektronisch gesteuerten Sonnenschutz nutzte. Eine ebenfalls stählerne, grüne Treppe führte zu einer Galerie empor, wo sich hinter einer gläsernen Front ein Büro befand. Sicherlich war das früher das Domizil der Werksaufsicht gewesen. Das Gebäude war hell, luftig, ein Mix aus Moderne und Nostalgie … Holden fühlte sich sofort wohl. Schließlich richtete sich seine Aufmerksamkeit auf den gewaltigen Schreibtisch, der ihm den weiteren Weg versperrte. Gleich vier große Bildschirme wurden dort genutzt. Inhaberin dieses Arbeitsplatzes war eine Frau, deren Gesicht einen kleinen Schönheitsfehler in Form einer operierten Lippen-Kiefer-Gaumenspalte aufwies. Eine riesige, kreisrunde Brille und eine Menge silberblonder, extrem krauser Locken versuchten von dem unbedeutenden Manko abzulenken. Die Rundungen ihres Körpers waren etwas üppiger, was ihr hervorragend stand. Allerdings trug sie ein quietschegelbes Shirt, das sich mit den viel zu großen, pinkfarbenen Ohrringen aus billigem Plastik biss, und ihm beinahe die Netzhäute ablöste. Fünf große, breitschultrige Männer flankierten sie und scannten Holden mit den Blicken regelrecht ab. Prompt wurde sein Mund völlig trocken. Es gab Tage, da war es kein Geschenk, als schwuler Mann zwischen lauter zur Perfektion trainierten Bodys herumlaufen zu müssen. Heute war so einer. Angespannt wartete er ab. Natürlich registrierten die Kerle sein scharf geschnittenes Gesicht, die Tönung der Haut, die Adlernase und das lackschwarze Haar, das er kurz hatte schneiden lassen, nachdem man ihm während der Ausbildung gewaltsam Federn hineingesteckt hatte. Dass seine leuchtend blauen Augen einer rein indianischen Abstammung widersprachen, übersahen die meisten. Ergeben wartete er auf eine abfällige Bemerkung über seine Herkunft – die jedoch ausblieb. Vorerst ...
„Chief Petty Officer Holden Sawyer“, stellte er sich erneut vor, da niemand den Mund aufmachte. „Ich nehme an, dass ich die Supernatural SWAT Abteilung 101 gefunden habe.“
Die Worte riefen einen Mix aus Grimassen, verzogenen Lippen und resignierten Mienen hervor.
Einer der Männer trat vor und stand im nächsten Moment stramm. „Tanner Hobbs, Petty Officer First Class. Korrekt ist Abteilung 48, Sir.“ Er schien der Älteste der Truppe zu sein. Hellbraunes Haar war akkurat und militärisch kurz geschnitten und er trug wie seine Kameraden einen khakifarbenen Feldanzug. Die dazugehörigen Mützen steckten zusammengerollt in den Gürteln.
48? Holden runzelte die Stirn und zog aus der Seitentasche des Koffers den Einsatzbefehl hervor.
„Nein, es stand dort eindeutig IOI geschrieben“, murmelte er. Sollte er sich in der Adresse geirrt haben? Gab es in Baton Rouge etwa mehr als eine Basis?
Einer der Kerle kam um den Schreibtisch herum und spähte ihm über die Schulter. „Da steht lol, nicht 101. Laughing out loud. Abteilung LOL, unter der charmanten Bezeichnung sind wir im Allgemeinen bekannt.“
„Wie bitte?“ Irritiert blinzelte Holden in die frechsten Augen, die er je gesehen hatte. Dunkelbraun mit winzigen goldenen Sprenkeln unter wirren, straßenköterbraunen Haarfransen. Ein Drei-Tage-Bart verlieh dem Gesicht des Mannes etwas Schurkisches. Mit Rasieren und dem Verlangen nach einem der SWAT angemessenen Erscheinungsbild hatte der Wandler es wohl nicht so.
„Eine Art Spitzname.“
„Sie sind an der richtigen Adresse, Sir“, sagte der erste Sprecher schnell. Tanner Hobbs, wie sich Holden erinnerte.
„Darf ich vorstellen? Der vorwitzige Typ an Ihrer Seite ist Jaxton Parker. Dort drüben sind Reed Shoemaker, Sage Malone und Prince Palao. Unsere Perle am Schreibtisch ist Olivia West.“
„Wellman P. Palao.“ Der Mann mit einer schönen hellbraunen Hautfarbe sowie schwarzem Kraushaar, das seine kreolische Abstammung nicht verheimlichen konnte, reichte Holden freundlich die Hand, die er automatisch schüttelte. „Ich werde allerdings Prince genannt.“
„Prince“, wiederholte er perplex.
Der Kreole mit der Statur eines trainierten Schwimmers trat nickend zurück. „Genau, Sir.“
Okay, also von ihm aus ein Prince. Nacheinander musterte Holden die beiden übrigen Männer, die sich bisher zurückgehalten hatten.
Reed Shoemaker war der Kleinste aus der Runde. Die dunkelbraunen Haare hatte er nach hinten gegelt und zu einem kurzen Zopf gebunden. Die seitlichen Kopfpartien waren rasiert. Zur Begrüßung hob er lässig die Hand. Korrektes militärisches Verhalten gegenüber einem Vorgesetzten schien in dieser Abteilung eher Nebensache zu sein. Holden beschloss es zu tolerieren, solange die Männer nicht...




