Butler | Zwischen Leben und Tod | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Butler Zwischen Leben und Tod

Ein biblischer Leitfaden zu lebenserhaltenden Maßnahmen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98963-534-0
Verlag: Christliche Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)

Ein biblischer Leitfaden zu lebenserhaltenden Maßnahmen

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-98963-534-0
Verlag: Christliche Verlagsgesellschaft
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)



Der Fortschritt in der Medizin rettet unzählige Leben. Doch trotz all ihrer Vorzüge haben die hochentwickelten Technologien auch eine beängstigende neue Dimension geschaffen, indem sie die Grenzen zwischen Leben und Tod verwischen. Der Sterbeprozess verbirgt sich oft hinter einem komplexen Geflecht aus medizinischer Terminologie, Statistiken und ethischen Entscheidungen, sodass Patienten und Angehörige kaum noch wissen, wie sie das Lebensende auf eine würdevolle, gottesfürchtige und vom Glauben erfüllte Weise angehen können. Dieses Buch rüstet die Leser aus, indem es den medizinischen Fachjargon erklärt, biblische Prinzipien erforscht, die sich auf alltägliche medizinische Situationen beziehen, und Anleitungen für kritische Entscheidungen bietet. Auf diesen Seiten finden die Leser das medizinische Wissen und die biblische Weisheit, die sie brauchen, um diesen schmerzhaften und verwirrenden Prozess mit Klarheit, Frieden und Unterscheidungsvermögen zu bewältigen.

Kathryn Butler (MD, Columbia University) ist Chirurgin und Intensivmedizinerin. 2016 verließ sie den Klinikalltag, um ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, und schreibt nun regelmäßig für desiringGod.org und The Gospel Coalition über Themen wie Glaube, Medizin und die Erziehung von Kindern zum Evangelium.
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Zielgruppe


Alle Christen, die sich mit Fragen zu Medizin, Ethik und dem Ende des Lebens beschäftigen


Autoren/Hrsg.


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Einleitung


Mit einem Flüstern geriet der Albtraum von Bluttransfusionen und Notoperationen in Vergessenheit.

Als die Narkoseärztin den Schlauch entfernte, der ihn an das Beatmungsgerät fesselte, begann er zu keuchen und zu husten. Dann kniff er die Augen zusammen. Der aus der Sauerstoffmaske austretende Nebel befeuchtete sein Gesicht, und er sah seiner Frau in die Augen. Zum ersten Mal seit zwei Wochen sprach er, seine heisere Stimme war kaum zu hören: „Hallo, Schatz.“

„Du hast uns gefehlt“, antwortete sie. Tränen schossen ihr in die Augen, und ihre Glieder entspannten sich wie straffe Blütenblätter, die sich entfalteten. In diesem Moment schien ihr die Last des Autounfalls und das Drama, das sie so viele Tage lang durchlebt hatten, wie Seide von den Schultern zu gleiten.

Die Krankenschwestern, die Pfleger und ich strahlten. Geschichten wie diese waren dafür verantwortlich, dass wir unseren Beruf auf der Intensivstation ausüben wollten. Nach langen Nächten, in denen wir über ihn gewacht, an Reglern gedreht, Medikamente eingestellt und unsere rasenden Herzen beruhigt hatten, bedrohten ihn seine Verletzungen – seine zerfetzte Leber, seine vor Blut schäumende Lunge – nicht mehr. Seine Tage wurden nicht mehr von Laborergebnissen und den Einstellungen des Beatmungsgeräts bestimmt. Mit einem Luftzug hatte Gott Mann und Frau wieder zusammengeführt.

Während das Pflegepersonal noch seine Genesung feierte, ging ich in ein Nachbarzimmer, um nach einem anderen Patienten zu sehen. Meine Freude verflog, als ich durch die Tür trat und den älteren Herrn erblickte, der verkümmert auf seiner Matratze lag. Er war auf die gleichen Maschinen angewiesen, die auch den Überlebenden des Autounfalls gerettet hatten, doch seine Krankheit hatte einen völlig anderen Verlauf genommen. Ein schwerer Schlaganfall hatte ihn gelähmt und sein Sprachvermögen ausgeschaltet. Die Gelbsucht färbte seine Haut gelb wie Kurkuma. Seine Arme waren mit blauen Flecken übersät, da das Blut überall ins Gewebe gesickert war. Obwohl ein gewaltiges Netz von Schläuchen und Leitungen pumpte und pulsierte, versagten seine Organe. Er lag im Sterben.

Als ich im Türrahmen stand, blickte ich auf seine Frau, die neben ihm saß und die Hände schlaff im Schoß ruhen ließ. Wir hatten bereits Stunden damit verbracht, über Zahlen und Statistiken zu brüten. Wir hatten über Prognosen, Perspektiven, Krankheitsverläufe und Forschungsarbeiten gesprochen. Und doch hatte ich es während dieser langen Stunden versäumt, die Angst anzusprechen, die in ihrem Herzen brodelte.

„Habe ich überhaupt das Recht, über sein Leben oder Sterben zu entscheiden?“, fragte sie, als mein Team und ich nachgefragt hatten, ob die lebenserhaltenden Maßnahmen fortgesetzt werden sollten. „Müsste das nicht Gott allein entscheiden? Ich glaube nicht, dass er [ihr Ehemann] das alles hier überhaupt gewollt hätte, aber ich weiß nicht, was richtig ist.“ Sie suchte in unseren Gesichtern nach der Bestätigung, die ihr fehlte, und als wir ihr keine gaben, legte sie eine Hand auf seine, um die Konturen zu streicheln, die ihr einst so vertraut gewesen waren und die die Krankheit bis zur Unkenntlichkeit aufgequollen hatte.

Als ich dieses Mal in der Tür stand, hob sie nicht den Blick, um mich zu begrüßen. In dem schwachen Licht konnte ich kaum die silbrigen Linien erkennen, die ihre Wangen befleckten. Sie musste schon eine ganze Weile geweint haben. „Normalerweise ist er derjenige, der mir bei solchen schwierigen Entscheidungen hilft“, sagte sie, den Blick immer noch auf die Vergangenheit gerichtet. „Ich wünschte so sehr, mit ihm reden zu können. Ich habe das Gefühl, dass ich diejenige bin, die stirbt.“ Schließlich sah sie mich an, ihr Blick war müde und flehend. „Ich wünschte, Gott würde mir einfach sagen, was ich tun soll.“

Unter den richtigen Umständen rettet die moderne Intensivmedizin Leben. Die Momente, in denen ich den Herrn am intensivsten und aufrichtigsten angebetet habe, ereigneten sich innerhalb der Mauern der Intensivstation, wenn ich Zeuge seiner Gnade und Barmherzigkeit wurde, die sich in der Genesung eines Kindes manifestierten, das gegen eine weit fortgeschrittene Infektion ankämpfte, in einem Mann, der nach einem Motorradunfall um sein Leben rang, oder in einer Frau, deren Herz nach einem Infarkt in Mitleidenschaft gezogen war.

Doch die Medizintechnik hat auch eine dunkle Seite. Wenn eine Krankheit nicht geheilt werden kann, verlängern aggressive Eingriffe das Sterben, verursachen Leiden und rauben uns die Fähigkeit, in unseren letzten Tagen mit unseren Angehörigen und mit Gott zu sprechen. Beatmungsgeräte stehlen unsere Stimme und unser Bewusstsein. Wiederbelebung hat große Ähnlichkeit mit Körperverletzung. Auf der Intensivstation wacht man oft voller Panik auf, nur um festzustellen, dass man an ein fremdes Bett gefesselt ist und der vertrauten, tröstlichen Umgebung des eigenen Zuhauses beraubt wurde. Wir ringen nach Luft, nur um zu begreifen, dass wir keine Freiheit und keine Stimme mehr haben.

Wenn unsere todkranken Angehörigen nicht mehr mit uns sprechen können, ringen wir mit der schier unmöglichen Entscheidung, ob wir die Therapie fortsetzen oder abbrechen sollen, während wir uns danach sehnen, eine geliebte Stimme wieder zu hören. Wie die Frau, die die Hand meines sterbenden Patienten hielt, stürzen uns solche Nöte in Trauer, Zweifel, Angst, Wut und sogar Schuldgefühle, wenn wir darum ringen, ein Geflecht von Krankenhausinstrumenten mit der Stimme einer Mutter, dem Lachen eines Vaters oder dem Lächeln eines Kindes in Einklang zu bringen. In diesem Ringen werden wir außerdem von Glaubensnöten gequält. Der Tod ist ein zutiefst geistliches Ereignis, das uns die Menschen entreißt, die wir am meisten lieben, und uns angesichts des großen Leids an der Barmherzigkeit des Gottes zweifeln lässt, dem wir dienen. , fragen wir uns. Solche Fragen betreffen unsere tiefsten Ängste und jenen Schmerz, der seinen Ursprung darin hat, dass wir als Ebenbilder Gottes von unserem Schöpfer losgerissen wurden. Der Tod ist der Lohn für unsere Sündhaftigkeit und der letzte Feind (vgl. Röm 6,23; 1Kor 15,26). Sogar Christus weinte angesichts des Todes (vgl. Joh 11,35).

Doch wenn Ärzte eine Hiobsbotschaft überbringen, ignorieren sie diese Nöte allzu oft und empfehlen in einem versöhnlichen Nachsatz die Krankenhausseelsorge – in diesem Punkt bin auch ich selbst schon schuldig geworden. Wir konzentrieren uns ausschließlich auf Monitore und Maschinen und verwandeln den Tod so von einem himmelwärts gerichteten Prozess in einen, der von Nomenklatur und Unsicherheit geprägt ist. Prozentzahlen trösten wenig, wenn wir uns nach Hoffnung sehnen. Medizinische Begriffe spenden keinen Trost, wenn die Seele nach Gott dürstet (Ps 42,2-3). Wenn die Medizin uns Entscheidungen über Leben und Tod aufbürdet, ohne sich dabei auf den Glauben und die Heilige Schrift zu stützen, haben wir keinen Halt und sind völlig orientierungslos. Wir stehen unter Zugzwang, ohne zu verstehen, wie die Katheter, Schläuche und Zahlen in Einklang mit der Wahrheit „Verschlungen ist der Tod in Sieg“ zu bringen sind (1Kor 15,54).

Der Wunsch zum Schreiben dieses Buch reifte in meinem Herzen während der zehn Jahre, die ich mich um Intensivpatienten kümmerte, zunächst während meiner Ausbildung in der Chirurgie und Intensivmedizin und dann als Unfallchirurgin, wo ich hauptsächlich auf der chirurgischen Intensivstation arbeitete. Im Laufe jenes Jahrzehnts hatte ich das Vorrecht, Menschen beizustehen, die sich in ihren schwersten Lebenssituationen befanden. Aber ich verabscheute die Diskrepanz zwischen den technischen Details, die ich erläuterte, und dem Schmerz, der mein Gegenüber zerriss. Wenn ich mich in meinem weißen Kittel vorbeugte, um über Wiederbelebung und Ernährungssonden aufzuklären, lastete das Gewicht der unausgesprochenen Fragen auf uns – Fragen nach Gottes Autorität, seiner Güte, der Heiligkeit des Lebens und dem Leid. Diese Fragen entsprangen den Grundsätzen des christlichen Glaubens, verbargen sich aber hinter der Routine und dem Ambiente eines säkularen medizinischen Systems.

Um Gott in der trostlosen Umgebung der Intensivstation zu ehren, müssen wir wieder mehr Klarheit über die Grenzen zwischen Leben und Tod schaffen, die durch den medizinischen Fortschritt verwischt wurden. Weil immer mehr Menschen im Krankenhaus sterben und nicht zu Hause, müssen wir die Möglichkeiten und Grenzen der Technologie, auf die wir uns stützen, anerkennen und sie in einer Weise nutzen, die das Evangelium in den Mittelpunkt stellt. Eine barmherzige, am Evangelium orientierte Beratung in der letzten Lebensphase erfordert, dass wir die medizinische Technologie durch die Linse des Himmels betrachten. Wir...



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