Byrne | Spuren der Vergeltung | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 544 Seiten

Reihe: LYX.digital

Byrne Spuren der Vergeltung


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8025-9837-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, 544 Seiten

Reihe: LYX.digital

ISBN: 978-3-8025-9837-1
Verlag: LYX
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Ein Serienkiller versetzt Portland in Angst und Schrecken: "John the Baptist" kreuzigt junge Frauen und lässt sie gnadenlos verbluten. Detective Luca Ramirez tappt im Dunkeln, bis ein weiteres Opfer gefunden wird - und plötzlich die Augen aufschlägt. Luca stellt Hero Katrova augenblicklich unter seinen persönlichen Schutz, auch wenn er dafür rund um die Uhr mit ihr zusammenbleiben muss ...

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Prolog

Der Mann, der nur ’ne Zung’ hat, ist kein Mann,

Des Wort nicht jedes Weib gewinnen kann.

William Shakespeare, Die beiden Veroneser

Vierzig Jahre zuvor

Die Russen verkauften seit jeher die besten Waffen.

Er prüfte seinen Abstand zu den Sprengladungen, die er an der Stelle im Boden vergraben hatte, wo die beiden Lieferwagen parkten. Eine falsche Bewegung, und sie würden alle zu Petrus auffahren, während ihnen von der Explosion noch die Ohren klingelten. Natürlich würde der himmlische Türsteher den alten »Danny Boy« durch die Pforte lassen, schließlich wäre er ein Märtyrer, gefallen im Heiligen Krieg.

Genau deshalb machte er solche Sachen lieber allein. Er wollte nicht schuld daran sein, wenn ein Bruder in Stücke gerissen wurde.

Er selbst? Nun, einen besseren Tod konnte er sich nicht vorstellen.

Die Russen? Nichts würde ihn glücklicher machen, als sie in kleinste Teilchen zu zerfetzen. Zumal sie sowieso versuchen würden, ihn zuerst zu töten.

Aber einen Sinn-Féin-Kameraden? Verdammt, der war es nicht wert, dass er seine Seele riskierte.

Das Treffen in der Schweiz stattfinden zu lassen war eine brillante Idee von ihm gewesen. Neutraler Boden und so. Außerdem hatte die Irish Republican Army hier jede Menge Konten, und für den unwahrscheinlichen Fall, dass der Deal tatsächlich wie geplant über die Bühne ging, musste er vielleicht rasch an mehr Geld herankommen.

Danny Boy ließ den Blick über die malerische bergige Umgebung wandern, dann öffnete er die Tür seines gemieteten Volkswagens und stieg aus.

Sein prallvoll mit Geld gefüllter Aktenkoffer war mit einer Handschelle an seinem rechten Handgelenk befestigt. Es überraschte die Leute jedes Mal, wenn er seine Waffe mit der linken Hand aus dem Holster zog. Lange hielt ihre Überraschung allerdings nie an. Er zog die Waffe nur, wenn er vorhatte, sie auch zu benutzen.

Linkshänder waren doch angeblich künstlerisch veranlagt, nicht wahr? Verdammt, da war echt was dran. Er war ein Virtuose. Ein Meister aller Dinge, die entflammbar waren. Sprengstoffe, Feuerwaffen, Motoren … Frauen.

Er streckte die Arme zur Seite aus und drehte sich langsam einmal um sich selbst, um ihnen den Aktenkoffer und die gefährliche Waffe in seinem Schulterholster zu zeigen.

Genau, ihr doppelzüngigen Idioten, schickt euren besten Mann, wenn ihr es mit mir aufnehmen wollt.

Die Beifahrertür des vorderen Wagens wurde geöffnet. Der Stiefel, der auf den steinigen Boden auftraf, schockierte ihn. Leder. Mit Absätzen, die mindestens acht Zentimeter hoch sein mussten.

In den kniehohen Stiefeln steckten die längsten Beine, die er je gesehen hatte. Und die Frau, die zu diesen perfekten Beinen gehörte? Sie hätte über einen der Pariser Laufstege stolzieren können statt über eine feuchte, Unheil verheißende Landstraße in den Alpen. Langes, glänzendes schwarzes Haar verschwand hinter schmalen Schultern. Es umrahmte ein vollkommen symmetrisches, zartes Gesicht mit makelloser, olivfarbener Haut.

War das etwa die sagenhafte Zoya? Der mörderische Arm eines korrupten KGB-Generals, der illegal Waffen an … nun ja, an Männer wie ihn verkaufte?

Die Hände hatte sie in den Taschen ihrer kurzen Lederjacke vergraben. Er hätte seinen Lieblingsrosenkranz darauf verwettet, dass sie statt einer Pistole etwas Scharfes in der Hand hielt.

Also musste sie nahe an ihn herankommen. Die Vorstellung entlockte ihm ein Lächeln.

Mit den Stiefeln war sie fast einen Meter achtzig groß, was bedeutete, dass sie ohne Stiefel zwei bis drei Zentimeter größer als er sein musste.

Egal – bei dem, was sie die meiste Zeit tun würden, wären sie sowieso in der Waagerechten. Außer, sie hätte diese fantastischen Beine um ihn geschlungen, während sie standen. Dann wären ihre Gesichter auf gleicher Höhe. Sein Körper reagierte sofort auf diese Vorstellung.

Er konnte es kaum erwarten.

Wenige Zentimeter vor ihm blieb sie stehen und betrachtete ihn aus dunklen Mandelaugen missbilligend von oben bis unten.

Er grinste, denn er wusste, was sie sah, schließlich rasierte er seine sommersprossige, rothaarige Visage jeden Morgen vor dem Spiegel. Was ihm an Größe fehlte, machte er durch Breite wett. Durch manche Türen passte er nur seitwärts. Seine kräftigen Arme hätten bei der Länge eigentlich zu einem viel größeren Mann gehört, aber seine riesigen, hässlichen Hände waren überraschend geschickt in Dingen, bei denen es auf Präzision ankam. Er war keine Schönheit, aber er wusste, dass seine grünen Augen funkelten, wenn er lächelte.

Und dieses Wissen setzte er jetzt schamlos ein.

»›Den Augenblick, da ich Euch sahe, flog mein Herz in Euern Dienst‹.« Danny Boy konnte nicht gut mit Worten umgehen. Nur der große Dichter konnte seine Gefühle in die richtigen Worte kleiden.

Verblüfft sah sie ihn an. Sie räusperte sich, schien aber unbeeindruckt. »Sie sind Daniel?«, fragte sie mit hartem russischem Akzent.

»Einfach Danny Boy, bei militärischen Operationen verwende ich nie meinen richtigen Namen.«

Bei dem Wort »militärisch« verzog sie ihre vollen, entzückenden Lippen. Sie gehörte zu denen, die die IRA eher unter dem Stichwort »terroristisch« als »militärisch« abgespeichert hatten.

Egal, so hatten sie wenigstens ein Thema für ihr Bettgeflüster.

»Ist das das Geld?« Sie deutete mit dem Kinn auf den Aktenkoffer.

»Ja.«

Ihre Blicke trafen sich. Vielleicht funktionierte das gute alte irische Funkeln ja? Er intensivierte es noch ein wenig.

Sie sah weg.

Ja, es funktionierte.

»Mein Auftrag lautet: das Geld nehmen und Sie töten«, informierte sie ihn. »Ich bin gut in meinem Job.« Ihr Pokerface war verdammt hinreißend. Allerdings gab es da ein Problem. Ihre schwarzen Augen waren alles andere als tot. Sie sprühten vor Leben. Vor Neugier. Vor Leidenschaft. Wenn sich die Gelegenheit bot, würde sie ihn töten. Daran zweifelte er nicht eine Sekunde.

»Ich weiß.« Er hob den Arm mit dem Aktenkoffer. »Nur ich habe den Schlüssel, und den gebe ich dir erst, wenn du mir die Ware ausgehändigt hast.«

Sein Blick war auf das lange Sägemesser gerichtet, das sie aus der Tasche gezogen hatte, deshalb sah er den vernichtenden Schlag in seine Magengrube nicht kommen. Er schnappte noch immer nach Luft, als sie ihm bereits mit irgendeinem Kung-Fu-Trick beide Hände hinter den Rücken gedreht und ihm von hinten das Messer an die Kehle gesetzt hatte.

»Ich könnte dir den Arm abschneiden, an dem das Geld hängt, und dich einfach verbluten lassen«, schnurrte sie ihm mit ihrem erotischen russischen Akzent ins Ohr.

Er hätte gern die Hände frei gehabt, um zurechtzuschieben, was sich in seiner Hose anbahnte. Aber dann würde sie aus seiner Halsschlagader eine Fontäne schießen lassen, also ließ er ihr den Spaß. Außerdem pressten sich ihre vollen Brüste bei jedem Atemzug gegen seinen Rücken, und das gefiel ihm.

Das Messer schnitt in seine Haut.

»Nur zu, dann werden die Sprengsätze unter euren Wagen den Skiläufern ein paar neue Abfahrten bescheren.«

Sie holte tief Luft und sprudelte eine Reihe russischer Wörter hervor, die vermutlich ihre Großmutter hätten erröten lassen.

»Wo ist der Zünder?«, fragte sie.

»In meinem Stiefel. Wenn ich den Zeh nach oben drücke, wird er aktiviert.«

»Wie hast du die Explosion verhindert, als wir eben gekämpft haben?« Sie klang beeindruckt. Gut. Er kam seinem Ziel näher.

»Wir Iren sind leichtfüßig. Ich bin beweglicher, als ich aussehe. Ich habe die absolute Kontrolle über jeden meiner Körperteile.« Er riskierte es, mit der rauen Spitze seines Daumens über ihr Handgelenk zu streichen.

Sie musste die Andeutung verstanden haben, denn sie verdrehte ihm den Arm so heftig, dass sie einem schwächeren Mann das Schultergelenk ausgerenkt hätte. Aber sie schnitt ihn nicht wieder. Also … ein Fortschritt.

»Das glaube ich kaum«, erwiderte sie trocken. »Im Moment kontrolliere ich einige Teile, stimmt’s?«

Machte ihn das nicht mehr an, als es sollte? Er hatte sich noch nie von einer Frau fesseln lassen, aber er würde sich mit Vergnügen jeder Folter unterwerfen, die sie sich ausdenken mochte.

»Noch nie hat es jemand bei mir mit Der Sturm versucht.« Sie klang, als würde sie lächeln.

Sie kannte Shakespeare? Danny Boy beschloss, den Rest seines Lebens mit ihr zu verbringen. Sie würden wunderschöne Kinder zeugen.

Eine Tür schlug zu. »Zoya?«, brüllte eine raue, männliche Stimme.

»›Ich folge dir und finde Wonn’ in Not, gibt die geliebte Hand mir nur den Tod.‹« Danny Boy beschloss, sich an das zu halten, was funktionierte. Bei Shakespeare fand man für jede Situation das passende Zitat.

Der Druck des Messers an seiner Kehle ließ etwas nach. »›Begegnet Lieb’ Euch rauh, so tut desgleichen!‹« Ein Zwicken an seinem Ohr unterstrich die Herausforderung.

»Meine Güte, wenn wir keine Gesellschaft hätten, hätte ich dich schon längst gegen die erstbeste harte Stelle gedrückt.« Okay, das hatte Shakespeare nicht gesagt, aber er hätte es sicher sagen wollen.

»Dann …« Sie ließ ihn los. »Schaff uns unsere Gesellschaft vom Hals.«

»Hast du den Sprengstoff dabei, den wir bestellt hatten?«

»Nein«, gestand...


Byrne, Kerrigan
Kerrigan Byrne arbeitete bei der Staatsanwaltschaft, bevor sie das Schreiben zu ihrem Beruf machte. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Töchtern am Fuß der Rocky Mountains.

Kerrigan Byrne arbeitete bei der Staatsanwaltschaft, bevor sie das Schreiben zu ihrem Beruf machte. Sie lebt mit ihrem Mann und drei Töchtern am Fuß der Rocky Mountains.



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