Calaciura | Ich, der Sohn | Buch | 978-3-949558-20-7 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 302 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 210 mm, Gewicht: 351 g

Reihe: Edition Converso

Calaciura

Ich, der Sohn


Deutsche Erstausgabe
ISBN: 978-3-949558-20-7
Verlag: Friedenauer Presse

Buch, Deutsch, 302 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 210 mm, Gewicht: 351 g

Reihe: Edition Converso

ISBN: 978-3-949558-20-7
Verlag: Friedenauer Presse


Eine Geschichte aus Palästina, beinahe zeitlos: Besatzung, Hungersnöte, Frömmelei, Clangesellschaft, Fanatismus als Grundübel. Dreißigjährig blickt Jesus auf sein Leben zurück, das er als rebellischer Heranwachsender teils mit der Suche nach seinem verschwundenen Vater verbracht hat; eine Wanderschaft voller Abenteuer und Gefahren, samt dem glühenden Erwachen des Eros. Maria, die Mutter, war selbst noch ein Kind, als sie ihn bekam. Nun hat sie ein Geheimnis, einen unausgesprochenen Plan. Der ernüchterte, gleichzeitig getriebene Jesus spürt, dass er ihre Erwartungen nicht erfüllen kann, bis es zu einer letzten Wendung kommt ...

Die grausame Herrschaft der Römer (ab 64 v. Chr.), die moralische Allgewalt der Priester, die bittere Armut der Menschen bilden das Szenario, in das der Protagonist hineingeboren wird. Sein Name: Jesus, wie viele jüdische Jungen hießen. Seine Mutter, sehr jung und schweigsam, sein Vater Jahre älter, fürsorglich, ein Tischler. Um die Geburt des Jungen schwelt ein Geheimnis, das seine innere Unruhe anfacht; er ist sich selbst immer wieder fremd. Die Verwandten raunen, die Mutter könnte von Soldaten vergewaltigt worden sein. Sie verfolgt nun unausgesprochene Pläne für ihren Jungen, die über die handfesten Werte des Vaters – Bescheidenheit, Fleiß – hinausgehen, ihnen zu widersprechen scheinen. Schließlich verlässt der Vater die Familie. Und der Teenager verlässt die Mutter, schweren Herzens, geht auf Wanderschaft, sucht nach dem Vater und dem Leben. »Ich musste den von Menschen gespurten Weg verlassen – wäre das womöglich auch heute angebracht? –, mich von meiner Intuition querfeldein und durchs Dickicht leiten lassen, durch das Chaos der Vegetation, wo weder Gott noch Menschenhand je eingegriffen hatten und keinerlei Gesetz herrschte, kein niedergeschriebenes und auch kein mündlich weitergetragenes.«

Giosuè Calaciura bürstet bekannte Vorlagen gegen den Strich, formt daraus etwas vielseitig Schillerndes, wozu auch die halluzinatorische Kraft seiner Sprache beiträgt. Eine Geschichte mit großer Wucht, wie gemacht für unsere Zeit, da wir tagtäglich neuen Plagen, Katastrophen und Wahnsinn gegenüberstehen. Da wir die Zivilisationsdecke mit tausend kleinen Stichen und Bewegungen unseres Menschseins zusammenzuflicken suchen, gegen die hervorbrechende Rohheit.

»Ich baue darauf, dass die Lesenden (...) in meinem Jesus die Zweifel, die Wankelmütigkeit, die Hoffnungen, die Illusionen und Enttäuschungen wiedererkennen, wie sie uns allen gemein sind. Außerdem ist Jesus eine Figur, die aufgrund ihrer revolutionären Botschaft – den Letzten eine Stimme zu geben – aus meiner Sicht heute mehr denn je zu uns spricht, und das, politisch gesehen, auf unbequeme Weise. Ich glaube, dass wir eine solche Botschaft, auch abgesehen von ihren religiösen und rituellen Bedeutungsebenen, heute mehr brauchen denn je.« (Giosuè Calaciura in »Wie sehr die Schöpfung an Ungerechtigkeit krankt«, https://www.edition-converso.com/interviews/interview-einzelansicht/wie-sehr-die-sch%C3%B6pfung-an-ungerechtigkeit-krankt.html)

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Weitere Infos & Material


Krieg, Judith
Judith Krieg bastelte schon als Kind gern kleine Text-Anthologien für ihre Freunde, als Jugendliche wanderte sie mit ihrer Familie nach Mailand aus. Beides, die Bücher und Italien, zogen sich weiter als roter Faden durch ihr Leben. Nach ihrem Studium der Germanistik, Romanistik und Publizistik (unter anderem in Bologna) arbeitete sie fast 10 Jahre bei Reclam und Cornelsen, bis sie den Sprung in die Selbstständigkeit als Literaturübersetzerin, Lektorin und Herausgeberin unternahm und schließlich bei der Edition Converso andockte, wo sie seit Anfang 2020 unter anderem für die Pressearbeit, Social Media und Veranstaltungsorganisation zuständig ist und der Verlegerin zur Seite steht. Judith Krieg übersetzte Autorinnen und Autoren wie Maria Attanasio, Simona Baldanzi, Antonella Lattanzi, Alessandro Leogrande, Edoardo Nesi, Mario Soldati, und arbeitete für die Berliner Buchhandlung Dante Connection. Für Reclam betreute sie zahlreiche Titel der Roten Reihe, u. a. eine Anthologie mit italienischen Erzählungen des 20. Jahrhunderts oder Bände zu Natalia Ginzburg und Michela Murgia; bei Wieser erschienen in der Reihe „Europa erlesen“, in Zusammenarbeit mit Mario Desiati, Bände zu Apulien und zur Toskana, weitere sind in Planung. Im Büchermeer taucht sie beständig nach Perlen und versucht mit Leidenschaft, Leser*innen für lesenswerte Texte zu finden.

Calaciura, Giosuè
Ich heiße Giosuè Calaciura, bin in Palermo geboren und übe wie mein Großvater und mein Vater den Beruf des Journalisten aus. Nach der Schließung der sizilianischen Tageszeitung L’ORA habe ich als Koch gearbeitet. Auf den historischen Märkten in Palermo, Ballarò, Vucciria, Capo, habe ich begriffen, wie notwendig es ist, dass ich nicht mehr und nicht mehr nur als Journalist, von den Randexistenzen, dem Zerfall, der Ausgrenzung berichte, sondern einer Menschheit auf der untersten Stufe, die kein Gehör findet, als Erzähler eine Stimme gebe. Mein erster Roman Malacarne wurde kürzlich, fünfundzwanzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung in Italien neu verlegt. Auch meine Wege führten der Arbeit wegen nach Rom. In Sgobbo (2002) habe ich weiterhin von „meinen Helden“ erzählt: ein Heldenepos über die Migration mit den Augen einer Prostituierten. Mit AMREF, Afrikanische Ärztevereinigung, bin ich nach Uganda gegangen, wo La favola della figlia perduta entstand (2005); hier erzähle ich von den Erfahrungen afrikanischer Frauen in den Slums von Kampala. Ein Jahr später habe ich den Roman Urbi et Orbi publiziert, der von den letzten Tagen des Papsttums von Johannes Paul II. handelt. In Rom spielen zahlreiche meiner Erzählungen, veröffentlicht in Anthologien, und der kurze Roman Il tram die Natale. Mein Essay Pantelleria, l’ultima isola handelt vom Land des Mythos und der Grenze zwischen Europa und Afrika. Mit Borgo Vecchio (2019) habe ich das Erzählen über meine innere Heimat, zwischen Realität und Märchen, fortgesetzt, wo die Kleinsten versuchen, einem Schicksal zu entkommen, das bereits festgeschrieben scheint. Ebenso wie in La penitenza (2016), hundert Jahre Geschichte des Globalen Südens von einem Gefängnis aus gesehen. In Ich, der Sohn habe ich das Leben, die Abenteuer, die Sehnsüchte eines jungen Manns an der Peripherie des Römischen Reichs erzählt – und seinem dringlichen Begehren, die Regeln der Welt zu verändern. Ebenso wie in meinem letzten Roman Una notte: gemeint ist die erste Nacht von Weihnachten. Zu dem Stall, wo das Kind erwartet wird, das Gerechtigkeit verspricht, haben sich alle Ausgegrenzten auf den Weg gemacht, die auf einmal in die Weltgeschichte eingehen.

Ich heiße Giosuè Calaciura, bin in Palermo geboren und übe wie mein Großvater und mein Vater den Beruf des Journalisten aus. Nach der Schließung der sizilianischen Tageszeitung  habe ich als Koch gearbeitet. Auf den historischen Märkten in Palermo, Ballarò, Vucciria, Capo, habe ich begriffen, wie notwendig es ist, dass ich nicht mehr und nicht mehr nur als Journalist, von den Randexistenzen, dem Zerfall, der Ausgrenzung berichte, sondern einer Menschheit auf der untersten Stufe, die kein Gehör findet, als Erzähler eine Stimme gebe. Mein erster Roman wurde kürzlich, fünfundzwanzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung in Italien neu verlegt. Auch meine Wege führten der Arbeit wegen nach Rom. In (2002) habe ich weiterhin von „meinen Helden“ erzählt: ein Heldenepos über die Migration mit den Augen einer Prostituierten. Mit AMREF, Afrikanische Ärztevereinigung, bin ich nach Uganda gegangen, wo entstand (2005); hier erzähle ich von den Erfahrungen afrikanischer Frauen in den Slums von Kampala. Ein Jahr später habe ich den Roman publiziert, der von den letzten Tagen des Papsttums von Johannes Paul II. handelt. In Rom spielen zahlreiche meiner Erzählungen, veröffentlicht in Anthologien, und der kurze Roman Mein Essay handelt vom Land des Mythos und der Grenze zwischen Europa und Afrika. Mit (2019) habe ich das Erzählen über meine innere Heimat, zwischen Realität und Märchen, fortgesetzt, wo die Kleinsten versuchen, einem Schicksal zu entkommen, das bereits festgeschrieben scheint. Ebenso wie in (2016), hundert Jahre Geschichte des Globalen Südens von einem Gefängnis aus gesehen. In habe ich das Leben, die Abenteuer, die Sehnsüchte eines jungen Manns an der Peripherie des Römischen Reichs erzählt – und seinem dringlichen Begehren, die Regeln der Welt zu verändern. Ebenso wie in meinem letzten Roman gemeint ist die erste Nacht von Weihnachten. Zu dem Stall, wo das Kind erwartet wird, das Gerechtigkeit verspricht, haben sich alle Ausgegrenzten auf den Weg gemacht, die auf einmal in die Weltgeschichte eingehen.

Judith Krieg bastelte schon als Kind gern kleine Text-Anthologien für ihre Freunde, als Jugendliche wanderte sie mit ihrer Familie nach Mailand aus. Beides, die Bücher und Italien, zogen sich weiter als roter Faden durch ihr Leben. Nach ihrem Studium der Germanistik, Romanistik und Publizistik (unter anderem in Bologna) arbeitete sie fast 10 Jahre bei Reclam und Cornelsen, bis sie den Sprung in die Selbstständigkeit als Literaturübersetzerin, Lektorin und Herausgeberin unternahm und schließlich bei der Edition Converso andockte, wo sie seit Anfang 2020 unter anderem für die Pressearbeit, Social Media und Veranstaltungsorganisation zuständig ist und der Verlegerin zur Seite steht. Judith Krieg übersetzte Autorinnen und Autoren wie Maria Attanasio, Simona Baldanzi, Antonella Lattanzi, Alessandro Leogrande, Edoardo Nesi, Mario Soldati, und arbeitete für die Berliner Buchhandlung Dante Connection. Für Reclam betreute sie zahlreiche Titel der Roten Reihe, u. a. eine Anthologie mit italienischen Erzählungen des 20. Jahrhunderts oder Bände zu Natalia Ginzburg und Michela Murgia; bei Wieser erschienen in der Reihe „Europa erlesen“, in Zusammenarbeit mit Mario Desiati, Bände zu Apulien und zur Toskana, weitere sind in Planung. Im Büchermeer taucht sie beständig nach Perlen und versucht mit Leidenschaft, Leser*innen für lesenswerte Texte zu finden.



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