E-Book, Deutsch, Band 8, 274 Seiten
Reihe: Séparée-Edition
Calaverno Hungrig auf Lust: Séparée-Edition - Band 8
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-95885-563-2
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Roman
E-Book, Deutsch, Band 8, 274 Seiten
Reihe: Séparée-Edition
ISBN: 978-3-95885-563-2
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Susanna Calaverno, geboren an einem kalten Wintermorgen und aufgewachsen in einer turbulenten, weiblich dominierten Großfamilie, sammelte bereits in jungen Jahren Auslanderfahrungen in Spanien und Nordafrika. Ihr Studium der Völkerkunde und Anthropologie schloss sie mit einer Magisterarbeit über die Initiationsrituale indonesischer Eingeborenenstämme ab - und wandte sich dann mit der erotischen Literatur ihr eigentliches Metier. Susanna Calaverno wohnt mit ihrer Familie seit vielen Jahren in einem alten Bauernhaus in der Nähe des Bodensees. Bei venusbooks erschienen bereits ihre Romane 'Verborgene Blüten', 'Hungrig auf Lust', 'Fantasien aus Samt und Seide' und 'Schule der Leidenschaft' sowie ihre Phantasiensammlung 'Feurige Küsse'. Weitere Titel sind in Vorbereitung.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Christoph
Hätte ich etwas merken müssen? Im Nachhinein grübelte ich verzweifelt, wieso ich dermaßen ahnungs- und arglos in solch einer Situation gelandet war. In endlos scheinenden Nächten, in der Schlange vor der Kasse am Supermarkt, bei geistlosen Tätigkeiten wie Kartoffeln schälen, überprüfte ich in Gedanken jedes Gespräch und jede Geste auf eine eventuelle, verräterische Offenbarung. Aber meine obsessive Beschäftigung mit der Vergangenheit mündete letztlich immer in der beschämenden Erkenntnis, nichts, aber auch gar nichts gemerkt zu haben.
Dabei fing alles so harmlos an: Als Christoph sich ein halbes Jahr vor dem entscheidenden Ereignis auf den ausgeschriebenen Direktorenposten seiner Großbank in Georgia beworben hatte, rechneten wir beide nicht ernsthaft damit, dass aus seinem Luftschloss etwas werden würde. Gut – er war schon als Azubi mit Abstand der Beste gewesen, ebenso wie der jüngste Vermögensberater, und seine Karriere verlief gradlinig aufwärts wie die Kurve der T-Aktien in ihrer Jugendzeit. Aber dies schien doch ein Griff nach den Sternen! Zu seinem Triumph und meinem Entsetzen bestand er das Assessment-Center aber mit Glanz und Gloria. Und nun wollte eine Entscheidung getroffen werden. Ein Umzug der Familie – von Weldingen im Bodenseegebiet in die Vereinigten Staaten – kam nicht in Frage. Lilli stand anderthalb Schuljahre vor dem Abitur und wir, beziehungsweise ich, hatten genügend Zeit, Nerven und diplomatisches Geschick aufwenden müssen, um sie bis hierhin zu bringen. Auch Alex hatte gerade den Sprung von der Realschule auf die Fachklasse »Kommunikation und Medientechnik« geschafft – stolz wie ein Spanier auf seine neue Zugehörigkeit zu einer handverlesenen Hoffnungsträgergruppe.
Wir hatten keine echte Wahl. Zeit auch nicht. Es ging alles so furchtbar schnell, dass man das Gefühl zu träumen gar nicht ablegen konnte. Die Bank gestand ihm neben einer Menge anderer Vorteile eine großzügige Heimflug-Regelung zu. Und ich fügte mich zähneknirschend in mein Schicksal als »grüne Witwe«. Mutter Bank sorgte für alles. Christophs Appartement war bereits gemietet und möbliert, die Formalitäten zu Visum und Aufenthalt liefen verdächtig schnell. In der Hektik der Organisation alles Nötigen kamen wir kaum zum Atem holen.
Unsere letzte Nacht war – zumindest aus meiner Sicht – ein Desaster. Um kurz vor halb zwölf lagen wir endlich in unserem Doppelbett mit den zwei verschiedenen Matratzen – Christophs gesunder Taschenfederkern- und meiner weniger gesunden, dafür gemütlicheren Latexmatratze. Christoph streckte einen Arm nach mir aus. »Komm, rutsch rüber!«
Ich unterdrückte ein Gähnen und schmiegte mich in die angebotene Armbeuge. Genieß es, du wirst es bald genug vermissen, erinnerte ich mich selbst. Meine Wange lag auf seinem Oberarm, dort, wo auch bei so haarigen Männern wie Christoph die Haut ganz zart und glatt ist, und ich sog tief seinen Geruch ein. Der orientalische Duft von Egoïste passte zu ihm, als wäre er für ihn komponiert, und gehörte zu ihm wie ein unverwechselbarer Geruchs-Fingerabdruck. Als ich ihm, acht Jahre zuvor, an Weihnachten das erste Mal eine Flasche Eau de Toilette davon geschenkt hatte, schaute er etwas bedenklich drein. Er fand die Marke zu exotisch, zu erotisch für einen Banker. Inzwischen hatte er sich daran gewöhnt und trug sie mit der gleichen Selbstverständlichkeit wie seine korrekten, ausgesprochen langweiligen (und saumäßig teuren) Seidenkrawatten. Und er passte fantastisch zu seinem raubtierhaften Charme! Vielleicht war er deshalb so wahnsinnig erfolgreich, weil alle reichen Kundinnen zu Wachs in seinen Händen wurden? In diesem Moment glitt seine freie Hand über meinen Oberschenkel und streifte Zentimeter für Zentimeter den Saum meines Schlaf-T-Shirts hoch.
»Dieses alte Ding könnte ich inzwischen aus einem Haufen Altkleider erfühlen! Warum wirfst du es nicht endlich weg?«
»Weil es mein Lieblingsnachthemd ist. Hilf mir doch mal ...«
Ich drehte und wand mich, einen Arm halb aus dem Ärmel gezogen. Christoph zog kräftig und plötzlich riss der Halsausschnitt mit einem dezenten Raaatsch. Das war mein Lieblingsnachthemd gewesen. Mit innerlichem Abschiedsseufzen entsorgte ich die armseligen Reste über die Bettkante und kuschelte mich wieder an die haarige Oberseite seiner Brust. Die dunklen, krausen Haare kitzelten mich an der Nase, als ich sie leicht darüber rieb. Ich musste niesen. Oh, Gott, Christophs Allergiemedikament! Ich hatte eine größere Menge davon bestellt, weil der Apotheker meinte, speziell dieses würde er in den Staaten nicht so leicht bekommen. Heute Nachmittag hätte ich es abholen sollen. »Wir müssen unbedingt morgen bei der Apotheke vorbeifahren. Ich habe völlig verschwitzt, dein Allergiezeug zu holen.«
»Mach dich nicht verrückt – im Notfall kriege ich auch in Georgia etwas in der Art. Ich gehe doch nicht auf Safari.«
Er hatte ja Recht. Ich versuchte, mich zu entspannen, und konzentrierte mich darauf, meine Handflächen über seine Flanken streifen zu lassen, entlang der Grenze, an der die drahtig-behaarte Brust in die verletzliche, weiche Haut an den Seiten übergeht. Ich kannte und liebte alle seine Körperregionen: Brust und Unterbauch mit den festen, gekräuselten Haaren, die Beine mit den längeren und glatten, die weichen auf den Unterarmen und die Stoppeln am Kinn, wenn er sich einmal nicht rasiert hatte. Die üppige Lockenpracht der Lehrzeit, auf zahlreichen Fotos dokumentiert, war schon vor Jahren dem geschäftsmännischen Haarschnitt gewichen. Er wurde alle vier Wochen nachgeschnitten und war allmählich mit vereinzelten grauen Exemplaren durchmischt. Christophs glatte Haut am Rücken unterschied sich deutlich von den Partien an den Flanken, Unterarmen und dem festen kleinen Po, auf dem sich die Nachhut der Oberschenkelbehaarung sammelte. Auf seiner linken Pobacke saß ein hemdenknopfgroßes, schokoladenbraunes Muttermal, aus dem ein dickes einzelnes Haar wuchs. Sein Teufelszeichen, wie er es nannte. Meine Hände waren unten angelangt und schoben sich vorsichtig unter seine Hinterbacken. Er gab ein grunzendes Geräusch von sich und warf sich mit mir im Arm herum.
»Es ist ziemlich spät geworden. Hast du was gegen einen Quickie? Du scheinst nicht ganz bei der Sache ...«
Wie denn auch, wenn mir hundert Dinge durch den Kopf gehen, lag mir auf der Zunge. Ich verkniff es mir. Es war tatsächlich spät. Aber ich würde mindestens einen Monat auf dem Trockenen sitzen. Wieso konnte ich mich einfach nicht der Lust überlassen, die ich so bald schmerzlich vermissen würde? Hirnrissig, aber ich kam nicht dagegen an.
»Tut mir Leid! Ich bin irgendwie total kribbelig. Ich werde dich so schrecklich vermissen.«
»Himmel, Elisabeth, du stellst dich wirklich an, als sollte ich auf Weltumseglung gehen! Der Monat wird so schnell vorbei sein, dass du gar nicht groß zum Vermissen kommst. Mach doch nicht so eine große Sache draus.«
Und damit senkte sich sein Mund auf meinen. Nach 17 Ehejahren war mein Körper gut konditioniert. Ein paar Küsse, ein paar Streicheleinheiten für die Brustwarzen, der vertraute Druck auf mir – mehr war nicht nötig, um mich ausreichend feucht werden zu lassen. Christoph war mit meinem Timing so vertraut, dass er genau wusste, zu welchem Zeitpunkt er sich zwischen meine Oberschenkel schlängeln und eindringen konnte. Manchmal bedauerte ich meine zuverlässige Reaktion. Es war deprimierend, zu funktionieren wie ein pawlowscher Hund. Aber bequem ...
Christoph seufzte zufrieden auf, sobald seine Eichel in der feuchten Öffnung ansetzte, und schob sich weiter in mich hinein. Genüsslich, Zentimeter um Zentimeter auskostend, füllte er mich mit seiner Härte. Ich versuchte, mich auf dieses Gefühl in mir zu konzentrieren. Ehe ich mich darauf eingestellt hatte, atmete er tief durch und die Muskeln unter meinen Händen spannten sich, um unmittelbar in die typische pumpende Rhythmik zu verfallen. Sein Atem wurde schneller, heftiger, steigerte sich zum Keuchen. An meinem linken Ohr pfiff sein heißes Hauchen geradezu vorbei, streifte dabei meine Wange. Die Haut am Rücken, feucht und glitschig, rutschte mir unter den Handflächen weg. Kühl wie ein Meeresgeschöpf bewegte sich sein Körper in mir, auf mir, versuchte, mich mitzureißen, und blieb doch der Schwerkraft unterlegen. Mit einem gutturalen Triumphlaut brach er auf mir zusammen. Ich schlang meine Arme fest um ihn, um die kurze Verschmelzung so lange wie möglich auszukosten. Aber er entzog sich mir sanft und griff nach dem Gästehandtuch, das ich gewohnheitsmäßig unter dem Kopfkissen platziere.
Manche nehmen Tempos, ich ziehe hübsche, kleine Frotteehandtücher vor. Seltsam, dass man in unserer angeblich so offenen Gesellschaft solche Dinge immer noch ignoriert. Ich erinnere mich gut, wie ich die harten Flecken im Laken verabscheute, als ich noch zu Hause lebte und die Bettwäsche alle zwei Wochen eingesammelt wurde. Sie waren peinliche Zeugen meines Intimlebens.. Wie viele Gästehandtücher wohl für diesen Zweck in deutschen Haushalten kursieren?
»Versuch einzuschlafen. Wir müssen morgen früh raus.« Christoph küsste mich auf die Nasenspitze und knipste seine Nachttischlampe aus.
»Gute Nacht, Elisabeth.«
Wir lagen Rücken an Rücken in der Dunkelheit und bereits nach ein paar Minuten verriet mir der regelmäßige, tiefe Atem, dass Christoph eingeschlafen war. Um seine Nerven war er wirklich zu beneiden! An seiner Stelle hätte ich seit Tagen nicht mehr einschlafen können. Tagsüber schien er voller Ungeduld, wie ein Rennpferd vor dem Start, ständig mit den Hufen scharrend, schnaubend und Mähne schüttelnd. Aber diese Nervosität wirkte sich erstaunlicherweise nicht auf seine Schlafgewohnheiten...




