E-Book, Deutsch, Band 298, 320 Seiten
Reihe: Historical Gold
Callen Die falsche Braut des Highlanders
1. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7337-6339-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 298, 320 Seiten
Reihe: Historical Gold
ISBN: 978-3-7337-6339-8
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das Blut gefriert der schönen Riona in den Adern: Ein Mann ist in ihre Schlafkammer eingedrungen! Seine Hand auf ihrem Mund erstickt ihren Schrei, dann packt der wilde Barbar sie unbarmherzig - und entführt sie in die Highlands! Doch bald verwandelt ihre Angst vor dem verwegenen schottischen Entführer sich in Zorn. Denn egal, wie oft sie dem breitschultrigen, attraktiven Highlander beteuert, dass er die falsche Catriona Duff in seiner Gewalt hat: Hugh McCallum schwört, dass sie einander versprochen sind. Er will sie heiraten! Und er setzt auf heiße Verführung, um seine widerspenstige Braut von den Freuden einer Highland-Hochzeit zu überzeugen ...
Geboren und aufgewachsen in Erie, Pennsylvania, versuchte Gayle Callen sich als Teenager auf einer alten Schreibmaschine als Autorin. Erfolgreich wurde sie allerdings erst Jahre später mit ihren historischen Liebesromanen. Inzwischen finden sich ihre Werke auf den amerikanischen Bestsellerlisten und wurden in elf verschiedene Sprachen übersetzt. Gayle Callen hat drei erwachsene Kinder und lebt mit ihrem Mann in New York.
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1. KAPITEL
Großbritannien, 1727
Riona Duff schreckte benommen und mit einem unguten Gefühl aus ihrem tiefen Schlaf auf. Eine Kerze brannte in ihrem Leuchter auf dem Nachttisch und warf ein flackerndes Licht auf das Himmelbett und die Tür.
Das war nicht ihr Zimmer. Wo war sie?
Und dann erinnerte sie sich – sie war nicht mehr in London, wo sie den größten Teil ihres Lebens verbracht hatte. Sie war im Norden, in York, bei der Familie ihres Onkels, während ihre Eltern mit ihrer kränkelnden Schwester nach Südfrankreich gereist waren, damit diese sich erholte.
Es knarrte und Riona erstarrte, denn es klang, als ob eine Tür geöffnet wurde. Die neben ihr war geschlossen, was bedeutete …
Die große Hand eines Mannes bedeckte ihren Mund.
Riona riss die Augen auf und schrie, aber der Laut wurde durch die Hand erstickt. Sie roch Pferde und Schweiß und ihre eigene Angst. Sie versuchte, sich zu befreien, um zu flüchten, doch ihre Bettdecke hinderte sie daran, und dann legte der Mann seinen anderen Arm um sie und drückte sie nieder. In ihrer Brust klopfte das Herz, als wolle es zerspringen.
„Ich werde Euch nicht wehtun“, sagte er leise, aber schroff.
Er sprach mit dem gleichen schottischen Akzent, den auch ihr Vater nach all den Jahren in England nicht verloren hatte.
„Tut einfach, was ich sage“, fuhr er fort, „und ich werde die Hand von Eurem Mund nehmen, wenn Ihr mir versprecht, nicht zu schreien.“
Sie sah sich panisch um, aber die Kerze stand hinter ihm, sodass sein Gesicht im Schatten lag und sie nur die Silhouette seines Kopfes mit dem wilden Haar sehen konnte. Er ragte über ihr auf wie ein Berg; ein Fremder, der es gewagt hatte, vom Balkon aus in ihr Zimmer einzusteigen. Er könnte – alles wollen.
Er schüttelte sie ein wenig, und sie keuchte auf vor Angst.
„Habe ich Euer Wort, Mädchen?“
Da sie keine andere Wahl hatte, nickte sie. Die Hand glitt von ihrem Mund, aber mit dem Arm umfasste er sie weiterhin. Sie fühlte sich zerbrechlich unter dem bedrohlichen Gewicht.
„Was wollt Ihr?“, brachte sie zitternd mit erstickter Stimme hervor. „Ich besitze nichts von Wert. Man wird Euch fassen, wenn Ihr …“
„Ruhe!“ Obwohl er leise sprach, klang seine Stimme tief und drohend. „Ihr kommt mit mir.“
Er packte sie am Arm und zog sie hoch. In seiner riesigen Faust wirkte ihr Arm wie ein Zweig.
„Aber … wohin bringt Ihr mich?“, fragte sie entsetzt.
Er zog sie enger an sich und schüttelte sie erneut. „Ich werde all Eure Fragen später beantworten. Aber kein Wort mehr, bis wir fort sind.“
Er zog sie an den Armen hoch, als wäre sie eine Puppe. Und das ließ sie erkennen, wie groß er wirklich war. Er ragte hoch über ihr empor. Sein breiter Körper war von undurchdringlicher Schwärze. Sie zitterte so sehr, dass sie schwankte. Ihre einzige Hoffnung war, dass jemand kam, um sie zu retten, aber ihr Angreifer hatte keinen Lärm gemacht, und sie wusste, dass niemand nach ihr sehen würde. Sie war nur eine Nichte, die aus Pflichtgefühl der Familie gegenüber geduldet wurde, nicht mehr. Ihre Cousine Cat hätte sich um sie gesorgt, aber sie war mit Freunden auf dem Land.
„Ich habe Euch Kleider mitgebracht“, meinte der Fremde und drückte ihr ein Bündel gegen den Bauch. „Zieht sie an.“
Vor Entsetzen öffnete sie den Mund, schloss ihn aber gleich wieder und versuchte, tapferer zu klingen, als sie sich fühlte. „Ich werde mich vor Euch nicht ausziehen.“
„Oh, das verlange ich gar nicht von Euch. Behaltet Euer Nachthemd an und tragt das Kleid darüber. Ich habe Euch sogar einen Unterrock mitgebracht, da ich weiß, dass Damen so etwas brauchen.“
„Meine eigenen Sachen …“
„Sind zu gut und werden Aufmerksamkeit erregen. Beeilt Euch, wenn Ihr nicht wollt, dass ich Euch helfe.“
Für einen Moment hielt sie die Luft an, dann atmete sie aus, als er sie losließ. Sie nahm ihm das Bündel ab, drehte sich um und ließ es aufs Bett fallen. Es gab kein Korsett, was sie zu einem lockeren Frauenzimmer machen würde, aber sie wagte nicht, danach zu fragen. Sie zog den groben Leinenunterrock an und band ihn über ihren Hüften fest. Es gab keine Reifen, die darin festgenäht waren wie in ihren eigenen Unterröcken. Ihr Gesicht glühte, weil sie wusste, dass dieser Mann, dieser Fremde, hinter ihr stand und sie bei dieser intimen Handlung beobachtete. Ihre Zofe hätte die Kleidung vorsichtig über ihren Kopf gestreift. Riona war es nicht gewohnt, sich alleine anzuziehen.
Sie musste sich beeilen oder er würde seine Drohung, ihr zu helfen, wahr machen.
Sie fühlte, dass das Kleid aus einfacher Wolle gesponnen war und einen eckigen Ausschnitt hatte. Keine Öffnung vorne und kein Mieder, das man befestigen musste. Er hatte sich für ein praktisches Kleid entschieden. Nachdem sie es über ihren Unterrock gezogen hatte, war sie überrascht, seine Hände an der Schnürung in ihrem Rücken zu spüren. Zähneknirschend ertrug sie seine Vertraulichkeit.
Als er fertig war, legte er ihr beide Hände auf die Schultern und schob sie in Richtung Glastür, die auf den Balkon hinausführte. Sie machte zwei Schritte, dann stiegen Bilder vor ihrem inneren Auge auf, wie man sie entführte und ihr Gewalt antat – und ihr Leichnam niemals gefunden wurde. Vielleicht würde man ein Lösegeld von ihrem Onkel verlangen, doch dem war sie gleichgültig, und ihre Eltern waren zu weit entfernt, um zu reagieren. Besaß dieser Mann eine Waffe? Sie hatte keine gesehen, und dieses Wissen machte sie plötzlich kühn.
Riona ließ sich zur Seite fallen und überraschte ihn so, dass er sie losließ. Sie trat auf den Saum ihres Kleides, als sie versuchte, aufzustehen und zur Tür zu laufen, doch er umfasste mit einem Arm ihre Taille, hob Riona einfach hoch und drückte sie an seine Brust. Sie trat nach ihm, als er ihr wieder die Hand auf den Mund legte.
„Das reicht!“, zischte er ihr unfreundlich ins Ohr.
Er trug sie zur Glastür. Mehr als nach ihm zu treten konnte sie nicht tun, aber das schien ihn wenig zu berühren. Sie griff nach hinten, um mit ihrer freien Hand an seinen Haaren zu ziehen. Er fluchte und trug sie unaufhaltsam auf den Balkon hinaus in die kühle Sommerluft. Sie war den Lärm Londons gewohnt, wo Kutschen zu jeder Tages- und Nachtzeit fuhren und die Rufe der Straßenverkäufer schon vor Sonnenaufgang ertönten. Aber wenn man sich nicht mitten in der Stadt befand, war York so still wie eine Moorlandschaft; sie schienen hier die einzigen Menschen zu sein, die es auf der Welt noch gab. Schmerzlich wurde ihr bewusst, wie alleine sie war.
Als ihr Entführer zur Brüstung ging und sich darüberlehnte, schnappte sie nach Luft; der Halbmond beleuchtete den abschüssigen Garten. Ihr wurde so schwindelig, dass sich alles um sie herum drehte. Er konnte sie doch unmöglich gezwungen haben, sich anzuziehen, um sie dann in den Tod zu stoßen!
Plötzlich sah sie unten eine Laterne aufblitzen, die rasch wieder verdunkelt wurde, während sich in der Dunkelheit eine Kutsche in Bewegung setzte und von zwei schwarzen Pferden ins Mondlicht gezogen wurde und dort zum Stehen kam. Die gut abgerichteten Tiere verhielten sich vollkommen ruhig.
„Ich werde Euch zum Kutscher hinunterlassen“, flüsterte der Fremde ihr ins Ohr. „Wenn Ihr Euch wehrt, könntet Ihr fallen, und das wollen wir nicht. Verstanden?“
Sie nickte, aber als er die Hand von ihrem Mund nahm, sagte sie rasch mit heiserer Stimme: „Warum tut Ihr das? Ich bin für Euch nichts wert. Ein Lösegeld …“
„Ich will kein Lösegeld. Ruhig.“
Die ersten Tränen begannen, ihr die Wangen hinunterzulaufen, als er ein Seil emporzog, das an der steinernen Brüstung befestigt war. War er daran heraufgeklettert? Das konnte sie ihm unmöglich nachmachen!
„Unten am Seil befindet sich eine Schlaufe. Ihr stellt Euren Fuß dort hinein, und ich lasse Euch hinunter. Und jetzt los!“
Sie schnappte nach Luft, als er seine großen Hände um ihre Taille legte. Er hob sie hoch, sodass sie gezwungen war, sich auf die schmale Brüstung zu stellen, weil sie sonst riskierte zu fallen und sich das Genick zu brechen. Stöhnend schloss sie die Augen, schwankte und war tatsächlich dankbar, dass der Fremde sie an den Hüften festhielt.
„Schluss damit!“, befahl er streng. Dann seufzte er. „So geht es nicht, das sehe ich jetzt auch.“
„Dann lasst mich gehen, und ich werde niemandem verraten, was hier geschehen ist!“
Sie öffnete die Augen und taumelte, als der dunkle Garten sich unendlich auszudehnen schien und der Wind auffrischte. Vor Schreck war sie ganz benommen, sie konnte nicht glauben, was hier gerade passierte.
„Ich lasse Euch nicht gehen. Ihr seid meine Zukunft, Mädchen.“
Seine Zukunft? Aber sie hatte keine Zeit, darüber nachzudenken, was er damit meinte, denn plötzlich schwang er sich zu ihr auf die Brüstung. Obwohl er so riesig war, bewegte er sich mit der Geschmeidigkeit einer Katze.
„Dann werde ich Euch eben tragen müssen. Also haltet still, oder Ihr bringt uns beide um.“
Entsetzt begann sie: „Mich tragen …“
Doch er warf sie sich wie einen Sack voll Korn über die Schulter. Sie hing mit dem Kopf nach unten, die Welt drehte sich um sie, und sie spürte die grobe Wolle seines Umhangs an ihrem Mund und seine Arme an der Rückseite ihrer Schenkel, als er sich bückte, um das Seil zu ergreifen.
„Haltet Euch fest, Mädchen, oder es wird böse für Euch...




