Cameron | Bailey findet ein Zuhause | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

Cameron Bailey findet ein Zuhause

Band 1
1. Auflage 2017
ISBN: 978-3-7336-5022-3
Verlag: FISCHER Sauerländer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Band 1

E-Book, Deutsch, 208 Seiten

ISBN: 978-3-7336-5022-3
Verlag: FISCHER Sauerländer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die zu Herzen gehende Freundschaft zwischen einem Jungen und seinem Hund - aus Hundeperspektive erzählt. Worin besteht der Sinn eines Hundelebens? Für den kleinen Golden-Retriever-Welpen Bailey gibt es keinen Zweifel: mit dem achtjährigen Ethan zu spielen, zusammen mit ihm den Wald zu erkunden und sein Geschirr »abzuspülen«, indem er den Teller sauberleckt (aber nur, wenn Ethans Mutter nicht hinsieht). Doch Bailey lernt auch, dass das Leben nicht immer so einfach ist, dass manche Menschen Böses im Schilde führen und schlimme Dinge passieren - und dass es keine größere Aufgabe für ihn gibt, als Ethan zu beschützen. Wie Bailey in Ethan seinen besten und treuesten Freund findet, wie sie gemeinsam Abenteuer erleben und wie er dem Jungen am Ende das Leben rettet, beschreibt Bruce Cameron in »Bailey findet ein Zuhause« wunderbar liebevoll und mit ganz viel Herz. Warmherzig, beglückend und fundiert - die Geschichte über den Hund Bailey aus »Ich gehöre zu dir« für Kinder neu erzählt

W. Bruce Cameron, geboren 1960, ist der New-York-Times-Bestseller-Autor von »Ich gehöre zu dir«, »Ich bleibe bei dir« und »Weihnachten auf vier Pfoten«. 2011 wurde er von der »National Society of Newspaper Columnists« als Kolumnist des Jahres ausgezeichnet. Als er ungefähr acht Jahre alt war, brachte sein Vater ihm eines Tages einen Labrador-Welpen mit. Die Augenblicke der uneingeschränkten Freude und grenzenlosen Zuneigung zu seinem ersten Hund überträgt er auf seine Bücher um Bailey, Ellie und Molly. W. Bruce Cameron lebt mit seiner Frau und seinem Hund in Kalifornien, USA.
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2


Die staubige Spur im Gras fühlte sich unter meinen Pfoten unglaublich gut an! Sie roch nach Gummireifen, nach all den Tieren, die sie überquert hatten, und nach dem Regen, der vor ein paar Tagen gefallen war. Ich trabte glücklich den Weg entlang und wedelte mit meinem kurzen Schwanz. Vor mir schwirrte eine Libelle umher, nach der ich schnappte. Ich stapfte durch eine Pfütze. Dann fand ich ein phantastisches Stöckchen und schleppte es mit, bis mir der Nacken weh tat. Ich ließ es fallen und flitzte vorwärts, weil mir ein neuer Duft in die Nase stieg. Ein leerer Napf! Nein, er war gar nicht leer! Ich fand noch etwas Süßes und Klebriges darin. Vorsichtig leckte ich ihn sauber. Dann ging es weiter.

Nach einer Weile endete der Weg an einer Straße, die sich so hart anfühlte, wie der Boden meines Käfigs. Ich beschnupperte sie, dann setzte ich behutsam eine Pfote darauf. Bald beschloss ich, der Straße zu folgen. Denn hier wehte mir der Wind entgegen und brachte im Sekundentakt neue Gerüche mit sich. Feuchtes, vermodertes Laub! Bäume! Wassertümpel! Eichhörnchen! Mäuse! Würmer!

Aufgeregt wollte ich mich ins Abenteuer stürzen, aber plötzlich hielt ich inne. In einem Laubhaufen vor mir bewegte sich etwas.

Argwöhnisch schlich ich darauf zu, pirschte mich näher und näher heran. Da brach es aus dem Laub hervor und surrte mir direkt ins Gesicht! Ein Käfer! So einen hatte ich noch nie gesehen. Ich machte einen Satz rückwärts und bellte ihn an, um klarzustellen, dass ich keine Beute war. Der Käfer wendete und flog die Straße entlang. Ich jagte hinterher. Dem würde ich schon zeigen, wer hier der Boss war!

Hinter mir hörte ich einen Laster, aber ich hielt nicht an, bis der Käfer in einen Baum flog. Wie unfair! Ich bellte missmutig. Dann fiel mir auf, dass der brummende Motor des Lasters verstummt war.

Eine Tür knallte. Ich wandte mich um. Der Laster hatte am Straßenrand gehalten, und ein Mann mit faltiger, sonnengebräunter Haut und schmuddeliger Kleidung war ausgestiegen. Er kniete sich hin und streckte mir die Hände entgegen.

»He, du, kleines Kerlchen!«, rief er.

Unsicher blickte ich ihn an. Was für ein Mensch mochte das sein? Was waren das für Hände? Würden sie mich beiseiteschubsen wie die des ersten Mannes? Oder würden sie geduldig und freundlich sein?

»Hast du dich verlaufen, Kleiner?«

Was die Hände anging, konnte ich noch nicht sicher sein, aber die Stimme klang nett. Und er sprach direkt mit mir. Das hatte der erste Mann nie getan. Und er hatte sich auch nie zu mir heruntergekniet, um mit mir zu reden.

Der Mann wirkte vertrauenswürdig. Ich lief auf ihn zu.

Dann nahm er mich in seine großen Hände, die mich ganz umfassten. Und die Hände waren freundlich. Obwohl er mich kurz hoch über seinen Kopf hob, war ich erleichtert. Es machte mir auch nichts aus. Er senkte die Arme auch sofort wieder und drückte mich an seine Brust. Er roch nach Rauch, Schweiß, Staub und Natur. Köstlich!

»Ein hübsches kleines Kerlchen bist du. Siehst aus wie ein reinrassiger Retriever. Wo kommst du her, Kerlchen?«

Ich leckte dem Mann über das von Bartstoppeln raue Kinn. Er lachte.

, beschloss ich, Bei diesem Mann konnte ich bleiben. Ich konnte sein Hund sein, tun, was er mir sagte, und ihm folgen, wohin er ging. So sollte es doch sein, oder nicht? Dass ich bei einem Menschen blieb? Da war ich mir ziemlich sicher. Es fühlte sich richtig an.

Der Mann trug mich zu seinem Laster und ließ mich auf den Beifahrersitz plumpsen. Dann kletterte er neben mir auf die Bank. Das gefiel mir! Noch besser wurde es, als er den Wagen startete. Das Fenster war einen Spalt breit offen, und tolle neue Gerüche wehten herein.

Ich stützte mich mit den Vorderpfoten gegen die Scheibe und versuchte, meine Nase möglichst weit in den kühlen Luftzug zu strecken. Das machte Spaß, auch wenn ich jedes Mal herunterpurzelte, wenn das Auto eine Bodenwelle traf oder eine Kurve nahm. Der Mann lachte und griff nach mir, um mich mit seiner warmen, großen, freundlichen Hand festzuhalten.

Dann bog er plötzlich scharf ab, und ich fiel auf den Boden des Lasters. Kein Problem. Hier unten roch es auch interessant. Mit quietschenden Bremsen hielt der Wagen, und der Mann schaute mich an.

»Wir stehen im Schatten«, erklärte er mir.

Ich legte die Vorderpfoten auf den Sitz und sah ihn an. Dann hüpfte ich auf den Sitz und warf einen Blick aus dem Fenster. Wir standen vor einem Haus mit vielen Türen. Der Mann deutete mit einem Nicken auf eine der Türen neben einem dunklen Fenster.

»Ich bin in ein paar Minuten wieder da«, versprach er und kurbelte die Fenster hoch. »Sei brav.«

Dass er ging, merkte ich erst, als er ausstieg und die Tür hinter sich zuwarf. Hey, warte mal! Was ist mit mir? War ich jetzt nicht sein Hund? Sollte ich ihm nicht folgen, wohin er auch ging?

Ich beobachtete, wie der Mann in dem Gebäude verschwand, und ließ mich dann auf den Sitz plumpsen, um zu warten. Ich fand einen Lappen und kaute eine Weile darauf herum, aber besonders gut schmeckte er nicht. Gelangweilt legte ich mich für ein Nickerchen hin. Die Sonne war gewandert und schien nun schön warm durch das Fenster auf meinen Rücken.

Als ich aufwachte, war die Sonne mehr als warm. Sie war .

Die Luft im Wagen war feucht und roch abgestanden. Ich fing an zu hecheln. Dann musste ich winseln. Ich legte die Pfoten ans Fenster, um zu sehen, ob der Mann wiederkam. Keine Spur von ihm! Und das Fenster war so heiß, dass es an meinen Pfoten brannte. Ich ließ mich zurück auf den Sitz fallen und lief auf der Bank hin und her. Das Hecheln half auch nichts. Es war unerträglich stickig.

Plötzlich verschwamm alles vor meinen Augen, und die Umrisse der Sachen im Auto wurden unscharf. Ich legte mich auf den Sitz und dachte an die Wasserschüsseln, die der Mann uns immer gebracht hatte, an die Pfütze auf dem Weg, an die kühlen, frischen Gerüche im Wind.

Die Zunge hing mir bald so weit aus dem Mund, dass sie den Sitz berührte, aber jeder weitere Atemzug, der meinen Mund mit mehr heißer Luft füllte, machte alles nur noch schlimmer. Ich zitterte am ganzen Körper.

Ich schaffte es nicht mehr aufzustehen und aus dem Fenster zu schauen. Ich konnte nur den Blick zu der Scheibe heben.

Da starrte ein Gesicht herein! Klar sehen konnte ich es nicht, und es drang auch kein Geruch zu mir durch. Aber bestimmt war es der Mann. Er würde eine Tür aufmachen. Er würde mich hier rausholen!

Das Gesicht verschwand.

Vor Enttäuschung sackte ich in mich zusammen. Mit einem Mal fühlte ich mich so schwer, es war, als würde ich gleich ganz in dem weichen Polster versinken. Ohne dass ich es wollte, zuckten meine Pfoten.

Plötzlich krachte es gewaltig. Der ganze Wagen wackelte auf den Rädern. Ein Stein landete neben mir auf der Sitzbank und durchsichtige, glänzende Kiesel regneten auf meinen Rücken. Ich hob den Kopf, und wie ein kühler Kuss wehte mir durch das zerbrochene Fenster ein Windhauch entgegen.

Hände griffen mich. Es waren nicht die Hände des Mannes; sie waren kleiner, weicher und sogar noch sanfter. Ich konnte mich nicht bewegen. Aber ich wurde hochgehoben und erkannte ein besorgtes Gesicht umrahmt von langen schwarzen Haaren. Das Gesicht einer Frau.

»Du armer Welpe. Du armer, armer Welpe«, flüsterte sie.

, dachte ich bei mir.

Ehe ich mich versah, lag ich auf weichem Gras, während mich ein Rinnsal aus kaltem, sauberem Wasser von Kopf bis Fuß benetzte. Die Frau stand über mir und hielt eine Plastikflasche in Händen. Nichts hatte sich je so gut angefühlt.

Ich erschauderte vor Wonne und hob den Kopf, um in den Strahl aus süßem Wasser zu lecken und zu beißen.

»So ist es gut, Welpe. So ist es gut«, ermutigte mich die Frau.

In der Nähe stand jemand – aber es war nicht der Mann, der mich im Auto zurückgelassen hatte. Ein anderer. Er musterte mich eingehend.

»Glaubst du, er wird wieder?«, fragte die Frau.

»Sieht ganz so aus, als würde das Wasser seine Wirkung tun«, antwortete er.

Beide schienen beunruhigt, aber ich spürte auch Fürsorge und Zuneigung in ihnen. Genau solche Menschen hatte ich finden wollen, als ich mich hinaus in die Welt gewagt hatte. Ich rollte mich auf den Rücken, damit das Wasser meinen heißen Bauch abkühlen konnte, und die Frau lachte.

»So ein süßer Welpe!«, rief sie. »Was für einer ist das wohl?«

»Sieht aus wie ein Golden Retriever«, erwiderte der Mann. »Und, ähm, es ist ein Junge.«

»Oh, du Welpe«, murmelte die Frau.

Ja, ich könnte Welpe heißen, oder Kerlchen, oder was auch immer sie wollten. Dann hob mich die Frau hoch, ohne den großen Wasserfleck, den ich auf ihrer Bluse hinterließ, zu beachten. Ich küsste ihr Gesicht, bis sie die Augen schloss und kicherte.

»Du kommst mit uns nach Hause, Kumpel«, erklärte sie mir. »Ich muss dir jemanden vorstellen.«

Sie trug mich fort von dem Laster und hinein in ein Auto. Während sie fuhr, lag ich auf ihrem Schoß. Schnuppernd kuschelte ich mich an sie. Sie roch sauber wie Seife und süß wie Blumen, und dann war da noch der Duft eines mir völlig fremden Tieres an ihrer Kleidung. Hin und wieder nahm sie eine Hand vom Lenkrad, um mich zu streicheln. Schön.

Einmal hielt sie an und ließ mich im Wagen. Ich lief unruhig auf und ab und winselte, aber sie hatte das Fenster einen Spalt breit offen gelassen und kam gleich wieder zurück. Ich rollte mich auf ihrem Schoß ein, bis ich mich besser fühlte. Schließlich raffte ich mich auf und schaute mich ein bisschen um. Aus zwei Schlitzen strömte kalte, reine...


Cameron, W. Bruce
W. Bruce Cameron, geboren 1960, ist der New-York-Times-Bestseller-Autor von 'Ich gehöre zu dir', 'Ich bleibe bei dir' und 'Weihnachten auf vier Pfoten'. 2011 wurde er von der 'National Society of Newspaper Columnists' als Kolumnist des Jahres ausgezeichnet. Als er ungefähr acht Jahre alt war, brachte sein Vater ihm eines Tages einen Labrador-Welpen mit. Die Augenblicke der uneingeschränkten Freude und grenzenlosen Zuneigung zu seinem ersten Hund überträgt er auf seine Bücher um Bailey, Ellie und Molly. W. Bruce Cameron lebt mit seiner Frau und seinem Hund in Kalifornien, USA.

W. Bruce CameronW. Bruce Cameron, geboren 1960, ist der New-York-Times-Bestseller-Autor von 'Ich gehöre zu dir', 'Ich bleibe bei dir' und 'Weihnachten auf vier Pfoten'. 2011 wurde er von der 'National Society of Newspaper Columnists' als Kolumnist des Jahres ausgezeichnet. Als er ungefähr acht Jahre alt war, brachte sein Vater ihm eines Tages einen Labrador-Welpen mit. Die Augenblicke der uneingeschränkten Freude und grenzenlosen Zuneigung zu seinem ersten Hund überträgt er auf seine Bücher um Bailey, Ellie und Molly. W. Bruce Cameron lebt mit seiner Frau und seinem Hund in Kalifornien, USA.

W. Bruce Cameron, geboren 1960, ist der New-York-Times-Bestseller-Autor von »Ich gehöre zu dir«, »Ich bleibe bei dir« und »Weihnachten auf vier Pfoten«. 2011 wurde er von der »National Society of Newspaper Columnists« als Kolumnist des Jahres ausgezeichnet. Als er ungefähr acht Jahre alt war, brachte sein Vater ihm eines Tages einen Labrador-Welpen mit. Die Augenblicke der uneingeschränkten Freude und grenzenlosen Zuneigung zu seinem ersten Hund überträgt er auf seine Bücher um Bailey, Ellie und Molly. W. Bruce Cameron lebt mit seiner Frau und seinem Hund in Kalifornien, USA.
Naemi Schuhmacher wurde 1993 geboren und lebt in Weiden in der Oberpfalz. Sie übersetzt erfolgreich Kinderbücher, Romane und Sachbücher aus dem Englischen.



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