E-Book, Deutsch, Band 23, 384 Seiten
Reihe: Historical Präsentiert
Camp Sturm über Cleybourne Castle
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-7337-6671-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 23, 384 Seiten
Reihe: Historical Präsentiert
ISBN: 978-3-7337-6671-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein Blick in die lockenden Augen der bezaubernden Jessica und um Richard, Duke of Cleybourne ist es geschehen! Doch die schöne Gouvernante stiehlt Richard nicht nur das Herz. Sie bringt ihm völlig überraschend auch ein Kind ins Haus, zu dessen Vormund er bestimmt wurde. Und damit stehen die Zeichen auf Sturm. Denn im Gefolge des Mündels kommt dessen geldgierige Verwandtschaft nach Cleybourne Castle - zu fast jeder Schandtat bereit! Als dann auch noch Jessicas ehemaliger Verlobter den Weg auf den Landsitz des Duke findet, ist nicht nur deren Liebe, sondern sogar ihr Leben in Gefahr ...
Bereits seit über 20 Jahren schreibt die US-amerikanische Autorin Candace Camp Romane. Zudem veröffentlichte sie zahlreiche Romances unter Pseudonymen. Insgesamt sind bisher 43 Liebesromane unter vier Namen von Candace Camp erschienen. Ihren ersten Roman schrieb sie unter dem Pseudonym Lisa Gregory, er wurde im Jahr 1978 veröffentlicht. Weitere Pseudonyme sind Kristin James sowie Sharon Stephens, heute schreibt sie nur noch unter ihrem Mädchennamen Candace Camp. Seit sie denken kann, bereitete ihr das Ausdenken von Geschichten viel Freude. Ihre Mutter war Reporterin, ihr Vater Geschäftsführer einer Zeitung, bereits in jungen Jahren dachte sich Candace Camp Geschichten aus. Als Kind ließ sie ihrer Fantasie beim Spielen mit kleinen Figuren freien Lauf und erfand dabei Geschichten. Bereits im Alter von zehn Jahren schrieb sie erste Geschichten auf, schnell wurde das Schreiben zu ihrer liebsten Freizeitbeschäftigung. Allerdings blieb es ein Hobby, sie studierte an der Universität von Austin in Texas und wurde Lehrerin. Später zog sie nach North Caroline, arbeitete bei einer Bank und entdeckte ihre Vorliebe für Romances, es sind moderne Liebesromane. Während ihres Jura-Studiums an der Universität von North Carolina schrieb sie ihren ersten Liebesroman. Noch heute ist sie davon überzeugt, dass sie die Disziplin, die zum Schreiben eines Romans benötigt wird, durch ihr Jura-Studium erhielt. Nach den ersten Erfolgen gab sie ihre Arbeit in der Anwalts-Kanzlei auf, widmete sich ganz dem Schreiben von modernen Liebesromanen und denkt sich mit Begeisterung neue Geschichten aus. Geboren wurde Candace Camp am 23. Mai 1949 in Amarillo in Texas. Seit 1980 ist sie mit Pete Hopcus verheiratet, sie haben eine gemeinsame Tochter.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Lady Leona Vesey war schön, wenn sie weinte. Und das tat sie jetzt ausgiebig. Glitzernde Tränen füllten ihre Augen und rollten dann langsam die gepuderten Wangen hinab, während sie die knochige Hand des alten Mannes umklammerte, der vor ihr im Bett lag. „Oh, liebster Onkel, bitte, bitte, stirb doch noch nicht“, flehte sie mit zitternden Lippen und halb erstickter Stimme.
Jessica Maitland, die auf der anderen Seite des Krankenbettes von General Streathern neben dessen Großnichte Gabriela stand, betrachtete die weinende Frau mit kühler Geringschätzung. Auf der besten Bühne Londons hätte sie mit dieser Vorstellung Erfolg, dachte sie. Sie musste sich eingestehen, dass Leona wirklich entzückend aussah, wenn sie in Tränen schwamm. Vermutlich hatte sie dieses Talent jahrelang perfektioniert. Nicht umsonst hieß es schließlich, dass Tränen bei Männern eine ganz besondere Wirkung hatten. Jessica ihrerseits vermied es nach Möglichkeit, zu weinen, und wenn es gar nicht anders ging, so tat sie es in ihrem Zimmer, wo niemand sie sehen konnte.
Obwohl sie selbst eine durchaus reizvolle junge Frau war, musste sie sich eingestehen, dass Lady Leona Vesey auch dann schön war, wenn sie ihre Tränen zurückhielt. Seit Jahren war sie eine der am meisten bewunderten Schönheiten der Londoner Gesellschaft, obwohl ihr der Zutritt zu den besten Familien wegen ihres zweifelhaften Lebenswandels verwehrt wurde. Wenn nun ihr Stern langsam zu sinken begann, so konnte das unstete Kerzenlicht in verdunkelten Zimmern doch immer noch weitgehend die Spuren verbergen, welche die Zeit und die Ausschweifungen in ihrem Gesicht hinterlassen hatten.
Lady Vesey besaß wohlgeformte üppige Rundungen. Aus dem tiefen Ausschnitt ihres Kleides, das besser in einem Ballsaal gepasst hätte als in das Krankenzimmer eines betagten Verwandten, quoll ihr sanft schimmernder Busen verführerisch hervor. Ihre Haut war zart und leicht honigfarben angehaucht, was hervorragend zu den aufgetürmten goldenen Löckchen und den wie Bernstein schimmernden Augen passte. Bei ihrem Anblick fühlte Jessica sich an eine gepflegte, verhätschelte Katze erinnert, obgleich Leona sich schlagartig in eine Art Löwin verwandeln konnte, wenn man sie ärgerte. Erst gestern hatte sie eines der Dienstmädchen geohrfeigt, das ihr versehentlich ein wenig Tee auf den Rock getropft hatte.
Jessica hätte Leona am liebsten auch eine Maulschelle versetzt, doch da sie nur die Gouvernante von General Streatherns Mündel war, presste sie lediglich schweigend die Lippen aufeinander. Sie führte zwar den Haushalt des Generals auf vorbildliche Weise, ungeachtet dessen stand die schluchzende Dame jedoch nicht nur im gesellschaftlichen Rang weit über ihr, sondern hatte als Frau seines Großneffen auch gewisse verwandtschaftliche Bindungen zu dem alten Herrn. Von dem Augenblick an, da Lord und Lady Vesey in das Haus gekommen waren, hatte Leona die Zügel ergriffen und Jessica wie einen einfachen Dienstboten behandelt.
„Oh, Großonkel“, stammelte sie gerade in weinerlichem Ton und tupfte sich die Tränen mit dem Taschentuch ab, „bitte, sprich doch ein Wort. Ich kann es nicht ertragen, dich in diesem Zustand zu sehen.“
Bei diesen Worten spürte Jessica, wie Gabriela an ihrer Seite zusammenzuckte. Sie wusste sofort, was das Mädchen dachte: Lady Vesey war nur eine angeheiratete Verwandte des Generals und weit davon entfernt, der Verzweiflung anheim zu fallen, nur weil der alte Herr offensichtlich an der Schwelle des Todes stand.
In den sechs Jahren, die sich Jessica nunmehr bereits im Hause des Generals aufhielt, hatten sich die Veseys nur sehr selten sehen lassen. Wenn sie denn doch einmal kamen, so war ihr Besuch immer mit der Forderung nach Geld verbunden gewesen. Zweifellos waren sie auch ausschließlich aus diesem Grunde jetzt an das Bett des Kranken geeilt. Vor einer knappen Woche hatte General Streathern die Nachricht vom Tode einer alten, sehr lieben Freundin erhalten. Mit einem lauten Schrei war er aufgesprungen, hatte sich dann an den Kopf gegriffen und war lautlos auf den Teppich gesunken. Die Diener hatten ihn in sein Bett getragen. Dort lag er seitdem wie erstarrt und scheinbar gefühllos für alle und alles um ihn herum. Schlaganfall hatte der Arzt mit einem bedauernden Kopfschütteln diagnostiziert und im Hinblick auf das vorgerückte Alter des Kranken nur wenig Hoffnung auf eine Genesung gemacht. Jessica war fest davon überzeugt, dass die Veseys nur hergekommen waren, damit der General sie in seinem Testament nicht überging.
Trotzdem hatte sie sich die ganze Zeit bemüht, ihre Antipathie gegenüber Lord und Lady Vesey zu unterdrücken. Schließlich waren sie neben dem General die einzigen Verwandten von Gabriela. Vermutlich würde Lord Vesey die Vormundschaft über das Mädchen zugesprochen werden, wenn der alte Herr seine letzte Reise antreten sollte, was von Tag zu Tag wahrscheinlicher schien.
Jessica hielt sich immer wieder vor, dass ihre Abneigung gegenüber Lady Vesey vor allem auf deren sinnlicher Schönheit beruhte, denn sie selbst war während der Schulzeit hoch aufgeschossen und ihrer eigenen Meinung nach dünn wie ein Besenstiel gewesen mit einer wilden Mähne fuchsroten Haares. Mund und Augen waren für das strenge, schmale Gesicht viel zu groß. Sie hatte alle anderen Mädchen und selbst viele Jungen überragt und sich deshalb neben all den sanften, zierlichen und schon leicht gerundeten Mitschülerinnen hoffnungslos unweiblich gefühlt. Und selbst als auch ihr Körper voller und reifer geworden war, das Gesicht weichere Züge bekommen und die Haarfarbe sich in ein warmes Rot verwandelt hatte, spürte sie immer noch leise Stiche von Neid und Hilflosigkeit gegenüber Frauen wie Leona Vesey, die ihre üppige Weiblichkeit wie eine Waffe einsetzten.
Hinzu kam das Vorurteil, dessen Ursache die Briefe von Viola Lamprey waren, der einzigen Freundin, die ihr nach dem Skandal um Jessicas Vater die Treue gehalten hatte. Viola war seit drei Jahren die Gemahlin von Lord Eskew und stand damit an der Spitze der Londoner Gesellschaft. Die beiden jungen Frauen hatten all die Jahre über miteinander korrespondiert, und Viola liebte es besonders, die Freundin mit ihren geistreichen und humorvollen Beschreibungen des ton, wie sich die oberen Zehntausend selbst zu nennen pflegten, zu amüsieren.
Lord und Lady Vesey waren sehr oft der Gegenstand des Klatsches gewesen. Es hieß, er habe eine gefährliche Schwäche für ganz junge Mädchen, während sie über zehn Jahre eine allgemein bekannte „geheime Affäre“ mit Devin Aincourt unterhielt. Vor ein paar Monaten waren Violas Briefe voll gewesen von den Geschichten über Aincourts überraschende Heirat mit einer reichen amerikanischen Erbin, die zurzeit in London umliefen, und ebenso von der gleichermaßen plötzlichen Beendigung der langjährigen Beziehungen durch Aincourt, nicht durch Lady Vesey. Die Damen der Londoner Gesellschaft waren darüber hoch befriedigt, denn Leona erfreute sich unter ihnen keiner großen Beliebtheit. In der Vergangenheit hatte sie nur zu gern demonstriert, wie leicht sie jeder von ihnen den Ehemann oder den Verehrer ausspannen konnte.
Jessica war sich durchaus bewusst, dass sie Lady Vesey nicht auf Grund der Gerüchte beurteilen durfte. Schließlich war sie selbst vor zehn Jahren der Gegenstand boshaften Geredes gewesen. Deshalb hatte sie sich bei der Ankunft der Veseys bemüht, Leona völlig vorurteilsfrei zu betrachten. Aber es wurde ihr sehr bald klar, dass der Klatsch eher zu glimpflich mit Lady Vesey umgegangen war. Leona Vesey war selbstsüchtig, eitel und launisch. Gegenüber all jenen, die ihrer Meinung nach einen niedrigeren Rang einnahmen, benahm sie sich verletzend geringschätzig, wohingegen sie bei Menschen vor Liebenswürdigkeit überfließen konnte, von denen sie glaubte, dass sie ihr von Nutzen sein konnten – vorzugsweise natürlich Männer. Obwohl das Ehepaar erst drei Tage im Haus war, konnte Jessica es jetzt schon kaum ertragen, mit den beiden im selben Raum zu sein.
Wieder spürte sie eine unterdrückte Bewegung bei Gabriela und fürchtete, das Mädchen werde seinem Ärger gegenüber Lady Vesey Luft machen. Rasch legte sie den Arm um seine Schulter und warf ihm einen warnenden Blick zu, denn sie machte sich Sorgen um die Zukunft von General Straetherns Mündel. Sollte der General wirklich sterben und Lord Vesey Gabrielas Vormund werden, so wäre ihr Leben schon schwer genug. Sie musste sich nicht auch noch Leona zur Feindin machen.
„Oh, bitte, bitte, Onkel“, erklang in diesem Augenblick wieder die zitternde Stimme, und Leona beugte sich über die starre Gestalt des Kranken, der in dem trüben Kerzenlicht bleich wie Wachs wirkte. „Sag mir doch noch ein Abschiedswort.“
Unvermittelt hoben sich die Lider des Alten. Leona stieß einen leisen Schrei aus, bevor sie entsetzt zurückwich. Mit seinen scharfen Habichtaugen starrte der General sie an.
„Was, zum Teufel, machst du denn hier?“, fragte er mit deutlicher Verärgerung, obwohl seine Stimme leiser und kratziger als sonst klang.
„Nun, lieber Onkel“, erwiderte Leona, die ein wenig die Fassung wiedererlangt hatte, immer noch etwas atemlos, „Vesey und ich kamen hierher, weil wir von deiner Krankheit gehört hatten und an deiner Seite sein wollten.“
Eine ganze Weile blickte der alte Herr sie schweigend an, bevor er spöttisch sagte: „Es erscheint mir wahrscheinlicher, dass ihr Angst um euren Anteil an meinem Vermögen hattet. Ich habe aber Neuigkeiten für euch. Ich werde noch nicht sterben. Und selbst wenn ich es tun würde, hinterließe ich nicht einen roten Heller für dich und deinen Lüstling von Ehegatten.“
...



