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E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2704, 64 Seiten

Reihe: Fürsten-Roman

Campen Fürsten-Roman 2704

Der Stern von Nizza
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7517-6632-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Stern von Nizza

E-Book, Deutsch, Band 2704, 64 Seiten

Reihe: Fürsten-Roman

ISBN: 978-3-7517-6632-6
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die junge und bildhübsche Stella Martin ist entsetzt. Ihre Schwester hat sie als Geburtstagsüberraschung bei einem Modelcontest in Nizza angemeldet, um Geld für eine Forschungsreise zu gewinnen. Eigentlich eine süße Idee, ist Stellas Leidenschaft doch die Kunstgeschichte - deshalb nimmt sie die Herausforderung widerwillig an. Noch auf dem Flug lernt die Studentin die freche Victoria kennen, die sie in allen Belangen vor Ort unterstützt und ebenso am Wettbewerb teilnehmen wird.
Den jungen Baron Johann von Renventloh zieht es zur gleichen Zeit nach Südfrankreich, da er seinem Onkel Frederic, einem echten Charmeur und Lebemann, auf den Zahn fühlen möchte. Stella und Johann lernen sich kennen und haben beide mit ihren Gefühlen füreinander zu kämpfen, denn irgendwie scheint ihnen nichts vergönnt zu sein. Stella sieht sich immer wieder mit neuen Problemen konfrontiert, seltsame Dinge geschehen während des Wettbewerbs. Und auch Victoria scheint nicht die zu sein, die sie vorgibt ...

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Der Stern von Nizza

Liebe und Intrige an der Côte d'Azur

Von Carolin von Campen

Die junge und bildhübsche Stella Martin ist entsetzt. Ihre Schwester hat sie als Geburtstagsüberraschung bei einem Modelcontest in Nizza angemeldet, um Geld für eine Forschungsreise zu gewinnen. Eigentlich eine süße Idee, ist Stellas Leidenschaft doch die Kunstgeschichte – deshalb nimmt sie die Herausforderung widerwillig an. Noch auf dem Flug lernt die Studentin die freche Victoria kennen, die sie vor Ort unterstützt und ebenso am Wettbewerb teilnehmen wird.

Den jungen Baron Johann von Renventloh zieht es zur gleichen Zeit nach Südfrankreich, da er seinem Onkel Frederic, einem echten Charmeur und Lebemann, auf den Zahn fühlen möchte. Stella und Johann lernen sich kennen und haben beide mit ihren Gefühlen füreinander zu kämpfen, denn irgendwie scheint ihnen nichts vergönnt zu sein. Stella sieht sich immer wieder mit neuen Problemen konfrontiert, seltsame Dinge geschehen während des Wettbewerbs. Und auch Victoria scheint nicht die zu sein, die sie vorgibt ...

Stella Martin war Kellnerin in dem kleinen Restaurant Martini, doch jetzt saß sie mit übereinandergeschlagenen Beinen auf einer Bank im dämmrigen Innenhof des Lokals und unterdrückte ein Gähnen. Nur noch ein Tisch war an diesem warmen Juniabend besetzt, und die letzten Gäste zeigten weder Interesse an einer weiteren Bestellung noch am Aufbruch.

Der hagere Mann in dem löcherigen T-Shirt hatte nur Augen für seine etwas unscheinbare Freundin, obwohl deren einzige Zierde ihr grell geblümtes Kleid war.

Stella hingegen hatte er überhaupt nicht beachtet. Das kam nicht oft vor. Umso mehr Respekt empfand sie für dieses seltene Exemplar der Männerwelt und beobachtete die beiden Verliebten fast ein wenig neidisch.

Normalerweise zog Stella mit ihrer Größe von einem Meter achtzig und der schwarzen Lockenmähne die Blicke der Herren unweigerlich auf sich. Ein Umstand, auf den sie liebend gern verzichtet hätte.

Dennoch, bei aller Sympathie: Die Turteltauben an Tisch drei stellten Stellas Geduld auf eine harte Probe. Heute war nämlich ihr fünfundzwanzigster Geburtstag, und ihre Schwester Marina, die das Restaurant führte, hatte Stella nach Feierabend eine Überraschung versprochen.

Stella fragte sich gerade, ob sie ihr den Bildband über die französischen Expressionisten gekauft hatte, um den sie in der Buchhandlung schon seit Monaten herumgeschlichen war, da unterbrach endlich ein zaghaftes »Zahlen bitte!« ihre Überlegungen.

Erleichtert erhob sie sich, schnappte das Tablett und ging auf den Tisch zu.

»Das macht dann bitte neun Euro fünfzig«, sagte sie und schenkte den beiden ein warmes Lächeln.

Ihr Blick huschte über den blanken Teller, der aussah wie geleckt. In der ganzen Zeit hatte das Paar gerade mal ein einzelnes Glas Rotwein und eine einzige Portion der günstigsten Speise – Pasta al burro – bestellt. Außerdem hatten sie sich, so spärlich das Mahl auch gewesen war, einer ausgedehnten gegenseitigen Fütterung unterzogen, die von innigen Liebesbekundungen begleitet wurde. Sie erschienen Stella arm wie Kirchenmäuse, waren aber offensichtlich sehr glücklich.

Der junge Mann kramte umständlich seine Münzen hervor und bezahlte, ohne länger als zwanzig Sekunden den Blick von seiner Angebeteten zu wenden, die wiederum den blassen Hänfling ansah, als wäre er Adonis höchstpersönlich.

Sie verabschiedeten sich, und Stella ließ sie durch die kleine Pforte auf die stille Gasse hinaus, wo sie sich sofort leidenschaftlich küssten. Stella hob die Brauen, ging kopfschüttelnd zum Tisch zurück, räumte ab und löschte die Kerzen.

Über den schiefen Dächern blinkte schon der Abendstern und Stella sah träumerisch zum Himmel.

»Ciao, Mama, ciao, Papa«, flüsterte sie und betrachtete einen Moment den funkelnden Himmelskörper.

Ihre Eltern waren vor einigen Jahren gestorben, und der Gedanke, sie würden von diesem Stern aus über sie und Marina wachen, gefiel Stella, auch wenn es ihr gleichzeitig ein wenig albern vorkam.

Da steckte Marina den Kopf aus der Hintertür in den Hof. Sie trug noch ihre weiße Kochjacke und die Mütze. Die gute, fleißige Marina!

Stella wurde bei ihrem Anblick warm ums Herz. Sicher hatte sie, wie jeden Abend, schon die Gerichte für den nächsten Tag zubereitet.

Marina lächelte.

Sie sah bezaubernd aus, fand Stella. Wie sie selbst hatte Marina das dunkle Haar und die filigranen Gesichtszüge der Mutter geerbt, war aber von mittlerer Größe und hatte eine sehr weibliche Figur und volle Wangen.

Stella, die ein wenig zum Grübeln neigte, hätte in Bezug auf ihr Aussehen gern über das Selbstbewusstsein der Schwester verfügt. Marina fühlte sich mit ihren Kurven pudelwohl, während Stella sich mit ihrem Gardemaß und den endlosen Beinen oft genug wie ein Storch im Salat vorkam.

»Ich dachte schon, die beiden wollen hier übernachten«, meinte Marina schmunzelnd und zog eine dunkle Braue hoch. »Haben Sie wenigstens Trinkgeld gegeben?«

Stella grinste. »Ich war kurz davor, ihnen Trinkgeld zu geben.«

Marina kicherte. »Das fehlte gerade noch.«

Sie nahm der Jüngeren das beladene Tablett aus der Hand. »Jetzt bist du endlich dran, Geburtstagskind!« Liebevoll schob sie die Schwester hinein.

Wände und Dielen des gemütlichen Gastraums waren in hellen Farben gestrichen, und passend dazu hatten die Schwestern Möbel im Vintage-Stil ausgesucht. Nachdem Marina entschieden hatte, das elterliche Lokal weiterzuführen, hatten sie den Laden selbst renoviert. Es duftete tatsächlich schon herrlich nach allerlei frischem Gebäck.

Auf einem der weiß gestrichenen Holztische entdeckte Stella eine wunderschöne zweistöckige Torte, die passend zu Stellas Namen über und über mit glitzernden Zuckersternen bedeckt war. Fünfundzwanzig rosa Kerzen brannten darauf.

Neben der Torte lag eine kleine Schachtel mit einer roten Schleife.

»Oh, Marina«, flüsterte Stella und griff nach der Hand der Schwester. »Wann hast du das bloß gezaubert?«

Marina legte ihrerseits den Arm um Stellas Taille.

»Ich habe halt so meine Tricks. Wünsch dir was, kleine Schwester!«

Stella bückte sich über die Torte, der Kerzenschein wärmte ihre Wangen, und sie schloss lächelnd die Augen.

Sehnsüchtig dachte sie an ihren Herzenswunsch: Um den Laden hier zu unterstützen, hatte sie ihre Doktorarbeit in Kunstgeschichte auf Eis gelegt. Doch sie träumte davon, irgendwann doch noch zu promovieren.

Sie öffnete die Augen und pustete die Kerzen alle auf einmal aus.

»Bravo!« Marina klatschte in die Hände.

»Und jetzt ... Auspacken!« Sie reichte ihr die kleine Schachtel.

Der Kunstband ist es also nicht, stellte Stella fest. Ihr Herz schlug dennoch schneller, als sie den Deckel anhob.

In der Schachtel lagen eine Karte und ein Flugticket. Als Zielort war Nizza angegeben.

Stella sah ihre Schwester verblüfft an. »Côte d'Azur? Haben wir im Lotto gewonnen?«

»Lies erst mal, aber sei nicht sauer«, bat Marina.

Irritiert faltete Stella die Karte auseinander und überflog die Zeilen. Dann ließ sie das Papier sinken.

»Das ist nicht dein Ernst?« Das Lächeln war gänzlich aus ihrem hübschen Gesicht verschwunden.

»Jetzt hör mir doch erst mal zu«, beschwichtigte Marina ihre Schwester, hustete leise und schob einen Stuhl für sie zurecht.

Doch Stella schüttelte den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust.

Marina war offenbar verrückt geworden!

Ein Modelcontest? Etwas Schrecklicheres konnte sie sich überhaupt nicht vorstellen.

Finster sah sie Marina an, die sich vor ihr aufbaute und mit dem üblichen Ich bin deine große Schwester und weiß es besser-Tonfall auf sie einredete.

»Der Wettbewerb heißt L'étoile de Nice«, erklärte Marina mit gewichtiger Miene. »Der Stern von Nizza – wenn das kein Zeichen ist! Der erste Platz ist mit 10.000 Euro dotiert. Mit diesem Geld könntest du endlich deine Forschungsreise machen und deine Doktorarbeit beenden!«

Stella starrte sie an.

»Du hast Geld für Flugtickets ausgegeben, damit ich bei einem bescheuerten Wettbewerb mitmache? Du hättest es gleich zum Fenster rauswerfen können! Ich habe noch nie so einen Quatsch gehört. Erstens: Wieso sollte ausgerechnet ich da gewinnen? Und zweitens, und das ist das Wichtigste: Ich hasse es zu modeln, schon vergessen?«

Marina seufzte. Sie erinnerte sich natürlich an das unschöne Erlebnis, das Stella als Teenager gehabt hatte. Monatelang ihr eigenes Gesicht auf Plakaten einer Werbung für Pickelcreme sehen zu müssen ... Das hatte sie damals verständlicherweise furchtbar beschämt.

»Das ist doch schon Ewigkeiten her, und es ist doch auch etwas ganz anderes«, versuchte sie, Stella zu beschwichtigen, und machte sich betont ruhig daran, den Sekt zu öffnen, den sie bereitgestellt...



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