Camuzzi / Fiedler | Fast ne Geschichte | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 270 Seiten

Camuzzi / Fiedler Fast ne Geschichte

Finde Deinen wahren Traum und lebe ihn
2. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7519-2864-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Finde Deinen wahren Traum und lebe ihn

E-Book, Deutsch, 270 Seiten

ISBN: 978-3-7519-2864-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Thomas Kleinobst und Janik Räzznaton, die beiden Freunde aus dem Roman von Vincent Camuzzi Das Boot lernen sich kennen. Eine Jugendfreundschaft in den Achtzigern, zwei ungleiche Protagonisten und ein Roman über das Leben an sich. Ein Werk das Fragen stellt und zum Nachdenken anregt. Sind es nicht wir, die wir selbst unsere Realität erschaffen? Bei Zitaten von Sokrates, Ralf Bihlmaier, Konfuzius, Ugi Müller, Baruch Rabinowitz, Neville Goddard und vielen anderen, lohnt es sich die Zeilen immer mal wieder weg zu legen und über das Geschriebene zu sinnieren.

Vincent Camuzzi ist eine Phantasiefigur. Horst Fiedler, Mentaltrainer ist als Schriftsteller Vincent Camuzzi. Vincent Camuzzi kommt auch in der Buchreihe vor. Im Roman Fast ne Gesichte taucht er zum ersten Mal auf. Vincent Camuzzi ist im Buch ein berühmter Schriftsteller, welcher Janik kennenlernt, gefallen an ihm findet und ihn fördert. Als Pseudonym erblickte Vincent Camuzzi 2017 die Öffentlichkeit in dem Roman das Boot. Weitere Romane mit sind geplant unter anderem Tage des Lebens, welcher 2022 erschienen soll.
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Kapitel 1 Das Bekanntwerden


„Wenn du einen Menschen richtig kennenlernen und etwas

über sein Innerstes Wesen in Erfahrung bringen willst, so mach

dir nicht erst die Mühe zu analysieren, wie er spricht, schweigt,

weint oder von hehren Gedanken ergriffen wird. Du brauchst

ihn bloß beim Lachen zu beobachten. Hat er ein gutes Lachen,

ist er ein guter Mensch.“

Fjodor Michailowitsch Dostojewski

Sonnenschein draußen. Drinnen könnte die Sonne im Herzen sein, doch Thomas Kleinobst, einfach Tom genannt, ist müde. Erinnerungen schwimmen heran, die Weite der Gedankenkraft reicht jedoch häufig nicht bis in diese täuschende Unendlichkeit.

Von der Geburt bis zum dritten, vierten bei manchen gar dem fünften, sechsten Lebensjahr wirkt hier ein undurchdringlicher Dunst. Auch bei Thomas. Badezimmer in schöner Grünromantik anno 1960. Fliesen ohne Arglist. Bidet nachträglich eingebaut dem Stil, stillvoll angepasst. So die Bilder im Kopf. Dann die Tiefe der Rückschau, Wehmut im Nachklang.

Da sah er sich. Eine erste bewusste prägungsrelevante Impression, liegend auf dem Bett. Da lag er, »unser Junge«, wie ihn Mutter gerne nannte.

Er wollte nicht aufstehen. Magenschmerzen.

Klopfen, erst zaghaft dann bestimmt. Keine Äußerung von ihm, sodann wird die robuste Türklinge resolut heruntergedrückt und die Mutter kommt herein.

„Liebes!“

Zuckersüß die Worte.

„Heute ist doch dein großer Tag.“

„Mama, ich kann nicht …“

„Mein Junge, was ist denn los?“

Fragend blickte sie besorgt auf Ihren Sohn.

„Ich bin krank.“

Was wirklich los war konnte er jedoch nicht äußern. Angst wogte in ihm, eine grausame, stark zupackende Ungewissheit. ?

Seine Hemmungen zu schildern nicht im Stande. Zudem eine Sehnsucht, eine tiefe Wollust einfach nicht zu sein.

„Quatsch, Indianer kennen keinen Schmerz, das würde dir so passen, los raus aus den Federn!“

Die Frau Mama, dem Ereignis entsprechend die Kleidung dezent, jedoch würdevoll ausgewählt, stand in einem Kleid ausgehfertig an der Bettkante des Leidenden.

Die neuen Leiden des jungen W. ebenso der Urtext, der Mutter gänzlich unbekannt, dem Sohn noch nicht zugänglich, könnte eine passende Metapher für den Weltschmerz, die Not des wie einem Dahinsiechenden angemessen erscheinen.

Der Satz der Mutter beendete die leise Hoffnung auf Schonung.

Dagegen gab es keine Möglichkeit und obschon Thomas so gerne im Bett geblieben, beeilte sich nun, der Aufforderung zügig nachzukommen.

Endlich waren sie an der Schule. Hand in Hand. Der kleine Tom, peinlich berührt. Beide betraten den großen Hof. Er wollte seine Mutter nicht kränken und hielt fest. Trotz der Bloßstellung tat es gut. Die Hand gab Kraft. Der Vater war nicht zugegen, wie so oft hatte dieser keine Zeit. Durch die Arbeit reiste er viel und der Handfesthalter wusste gar nicht genau was sein Erzeuger beruflich trieb. »Montage« eines von vielen Wörtern, welche der kleine Tom nicht zuordnen konnte. Jedenfalls weilte der Vater dort und der Junge dachte es wäre eine andere Stadt, beziehungsweise ein Berg. Denn es hieß, der Vater sei »auf« Montage.

Im Nachgang der Erinnerung fühlte er Schwermut. Das große Gebäude verstärkte seine Angst. Düster, grob, den bröckelnden Putz aktuell vor Augen. Wie bei einer Nahaufnahme sah er die Mauern; innen wie außen bröckelte es. Ein Bild, bildhaft für die Bildung, wie sie stückchenweise von einem Schulsystem wegbricht. Bei dem der erste Teil der Bezeichnung wohl gar nicht mehr zu passen vermochte. Das Schlusswort umso mehr. Mit System rieselte die Bildung dahin wie der bröckelnde Putz.

Innen wie außen.

Allein unter Fremden war er dann im Klassenzimmer. Für ihn ein Graus. Die Lehrerin sagte Dinge, die er nicht verstand mit einem Vokabular, einem Duktus, dem er nicht folgen konnte. Die Gefühle wühlten. Gedanken verselbstständigten sich. Er wollte raus. Nicht drinnen sein, kein Gefangener. Rennen, raufen, spielen wollte er. Endlich: Die Glocke. Der Ton so klangschön, süße Erlösung. Alle stürmten hinaus. Wenig Beständiges dieser Tage. Doch an den ersten Schultag konnte er sich immer wieder gnadenlos erinnern. Und das im Wortsinne. Was für eine Qual für ihn. Genauso kam er sich just in dem Moment vor.

Es war aber nicht nur schlecht. Im Grunde ein Schicksalstag, denn er lernte Janik kennen. Janik, mittlerweile sein bester Freund. Bei aller Schwere, welche er öfter dem Leben gegenüber empfand, war die Wahrnehmung gegenteilig, wenn er an seinen Freund dachte.

Eben lag er müßig in der Badewanne. Den Kopf bis zum Mund im Wasser, die Augen geschlossen. Der Mensch schier vom Schaum bedeckt. Dachte er gerade.

Der erste Schultag kam ihm endlosartig in den Sinn. Das trostlose wie auch schmucklose Klassenzimmer. , früge ihn eine Person, so könnte er nicht antworten, einfach so. Aus den Weiten des Unbewussten nun wieder einmal bewusst geworden. Vielleicht wegen Janik.

Ja Janik, mit ihm wollte er sich heute noch verabreden. Gemeinsam ausgehen, was erleben. Mit ihm war es immer aufregend und spaßig. Daher taugte der erste Schultag doch zu etwas – ein bester Freund entstand. Sein bester Freund. Der anders, eben gleichwohl anstrengend ihm vorkam. Egal, nie wollte er diese Freundschaft missen.

Mit diesen Gedanken seifte er sich ein. Allmählich sollte er sich beeilen. Er beendete die Waschung und trocknete sich notdürftig ab. Noch ein wenig feucht vom Bad rannte er nackt durch die kleine Wohnung. Vom Badezimmer direkt in die Küche, die groß genug war um mit Freunden gemütlich ein Bier zu trinken, weiter in den kleinen Raum, in dem er nächtigte. Mehr Platz gab es nicht. Dafür seine eigene Wohnung. Mit Badewanne, dies ihm besonders wichtig. Seit er die Lehre erfolgreich abgeschlossen und vom Hab & Gut Konzern unbefristet eingestellt wurde, leistete er sich die kleine Wohnung. Er hastete zum Telefon, den Finger in der Wählscheibe, drehte in der logischen Reihenfolge um alsdann mit dem Freund verbunden zu sein.

Rasch zog er sich an. Schon wieder kam ihm der erste Schultag in den Sinn.

So selbstsicher, saß da der Junge, in diesem öden Raum. In diesem erbärmlichen Klassenzimmer. Kahl und leer wirkte der Saal mit den hohen Wänden. Was ihn, den Ängstlichen, maßgeblich beeinflusste. »Tom«, so nannten sie ihn damals, sprach den Selbstbewussten an und es kostete ihn kaum Überwindung. Es gab eine positive Schwingung zwischen den beiden. Wieder und wieder erlebte er diese erste Begegnung in seiner Vorstellung und er war schon stolz auf sich einen Menschen wie Janik Räzznaton in sein Leben gezogen zu haben.

„Wie heißt du denn?“

Die ersten Worte von ihm an Janik gerichtet, an die er sich sehr gut erinnern konnte.

„JR“ kam es wie aus der Pistole geschossen mit amerikanischer Betonung.

„Das ist doch kein Name.“ erwiderte Thomas irritiert.

„Janik Räzznaton, nenn mich einfach JR.“

Lange bevor diese Abkürzung ins Umgangssprachliche aufgrund einer Fernsehserie wandern sollte, reklamierte Herr Räzznaton feierlich diese zwei Buchstaben für sich.

!

Zu Janiks Missfallen setzte sich diese Bezeichnung für ihn nie durch. Jahre später, die Serie in aller Munde, da war er froh, damit nicht identifiziert worden zu sein. Gelegentlich verwendete er selbst diese Bezeichnung, doch nur so – just for fun. Wie er schmunzelnd bei Befragungen antwortete, weshalb diese zwei Buchstaben als Synonym für ihn standen. Dabei mochte Janik Räzznaton doch keine Anglizismen.

dachte Thomas ehrfurchtsvoll.

Thomas lud ihn zu sich, zum Spielen ein. Begeistert war er von seinem Freund seinen Sprüchen, welche dieser schon als Dreikäsehoch von sich gab:

„Wer begehrt, doch nicht handelt, brütet die Pest aus. Wilhelm Blake.

Schleuderte ihm damals der Selbstbewusste entgegen, als beide sich über das weibliche Geschlecht unterhielten und Thomas seine Schüchternheit und seine Sehnsüchte in spärliche Worte kleidete. Das war wohl in der fünften Klasse.

Vor den Gegenbesuchen freute er sich riesig. Die Unmenge an Spielsachen, die sein Kamerad zu bieten hatte, überstieg das bisher bekannte Maß. Dann noch dieses riesige Haus, indem die Familie damals residierte. Ewig konnte Verstecken gespielt werden.

Ein bisschen schämte er sich, da er nur eine kleine Mietswohnung sein zu Hause nennen konnte.

Und Janik beeindruckte ihn täglich. Hätte Thomas damals schon die Bezeichnung »Dandy« gekannt, er hätte diese passend für seinen Freund empfunden.

Bereits während der ersten Klasse hatte er Kontakte aus der Nachbarschaft. Ihm, dem...



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