Capelli | Sternentänzer, Band 12 - Abschied mit Folgen | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 12, 192 Seiten

Reihe: Sternentänzer

Capelli Sternentänzer, Band 12 - Abschied mit Folgen


1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8332-3093-6
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 12, 192 Seiten

Reihe: Sternentänzer

ISBN: 978-3-8332-3093-6
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine freundliche ältere Dame verbringt ihre Ferien auf Lindenhain und freundet sich mit Sternentänzer an. Zunächst findet Caro nichts daran, bis sie eines Tages entdeckt, dass die

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Lindenhain – ohne Nick?


Der Himmel über dem Reiterhof war strahlend blau. Die Vögel zwitscherten, in dem kleinen Tümpel quakte ab und an ein Frosch, die beiden Hofhunde – Herr Maier und Carolina – dösten faul vor ihrer Hütte und Hofkatze Eulalia lauerte mucksmäuschenstill im Gras vor einem Mauseloch.

Carolin Baumgarten, genannt Caro, stand neben Nick Neuberg vor dem Eingang zum Stall, die Hände tief in den Hosentaschen. Nick ließ seinen Blick über Lindenhain wandern: von den großen alten Linden oben auf dem Hügel über die Koppel zum großen Paddock und der Reithalle, dann weiter zum Haupthaus und dem Ferienhaus mit den blumengeschmückten Balkonen bis zum langen, hellgelben Stall mit den blauen Türen.

„Willst du es dir nicht noch einmal überlegen, Nick?“, fragte Carolin hoffnungsvoll.

„Nein.“ Entschlossen riss sich Nick von dem Anblick los und marschierte mit großen Schritten am Stall vorbei in die Sattelkammer.

Carolin folgte ihm. Betrübt lehnte sie sich gegen die klapprige Holztür und nagte an ihrer Unterlippe, während sie Nick dabei beobachtete, wie er zwei Sättel schulterte. „Bleib doch einfach da!“

Nick schüttelte energisch den Kopf. „Nina hat schon alles in die Wege geleitet. Das Ding ist durch. Morgen geht’s ab in die Hauptstadt.“

Carolin schwieg. Was sollte sie auch sagen? Nick, Stallbursche und Mädchen für alles auf ihrem geliebten Reiterhof Lindenhain, war wie ein großer Bruder für sie. Wie viele Jahre hatte sie mit ihm verbracht? Wie viele Abenteuer hatten sie gemeinsam erlebt? Der Gedanke, dass er ab morgen nicht mehr da sein sollte, erschien ihr völlig absurd.

Nick legte die Sättel wieder ab, kam auf sie zu und zupfte einen Strohhalm aus ihren kurzen, widerspenstigen braunen Haaren, der sich dort verfangen hatte. „Ich werde Lindenhain ganz arg vermissen – meinen Job, die Pferde, aber vor allem dich, Caro.“

Carolin versuchte, die aufsteigenden Tränen wegzublinzeln. „Warum bleibst du dann nicht einfach hier?“

Nick lächelte leicht. „Weil ich Nina liebe und sie in Berlin wohnt. Und weil sich mein Leben auch mal verändern muss.“ Er knuffte Carolin leicht in die Seite. „Und jetzt ist Schluss mit Trauer. Schließlich geh ich nicht ans andere Ende der Welt, sondern nach Berlin. Du kannst mich dort jederzeit besuchen kommen.“ Er bückte sich und hob die Sättel wieder hoch.

„Aber das ist nicht das Gleiche“, entgegnete Carolin mit zitternder Stimme.

Nick zwinkerte ihr zu. „Ich bin sicher, wir finden auch in Berlin eine Sattelkammer, in der wir so einträchtig rumstehen können wie hier.“

Wider Willen musste Carolin schmunzeln.

„Na also. So gefällst du mir schon viel besser“, nickte Nick und stiefelte an ihr vorbei in den Stall. „Und außerdem“, fuhr er fort, „wer weiß, wenn mich alles total annervt, komm ich vielleicht schneller wieder zurück, als du trauern kannst!“

„Hoffentlich“, gab Carolin zurück. Ihre braunen Augen funkelten. Natürlich wünsche ich dir nicht, dass alles schiefgeht, fügte sie in Gedanken hinzu. Na ja, vielleicht ein bisschen ... Carolin Baumgarten, du bist verdammt unfair!, ermahnte sie sich sofort selbst. Nick soll glücklich werden. Das wünsche ich ihm von ganzem Herzen.

Ein lautes Wiehern riss Carolin aus ihren Gedanken: Sternentänzer. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, und sie eilte in seine Box. Mit peitschendem Schweif und großen, dunklen Augen blickte ihr der wunderschöne mondhelle Araberhengst entgegen. „Mein süßer Sternentänzer!“ Als sie ganz dicht vor ihm stand, knabberte er zuerst sacht an ihrem Arm, danach berührte er mit seinen Nüstern sanft ihre Wangen. Es war eine Berührung so zart wie ein liebevoller Hauch. Man konnte fast meinen, der Hengst wolle sie trösten und sagen: He, ich bin schließlich auch noch da.

Carolin lehnte sich gegen seinen Hals. Wie immer, wenn sie Sternentänzers Nähe spürte, durchströmte ein Gefühl der Ruhe und Geborgenheit ihren Körper. „Wir werden unseren Nick ganz schön vermissen, stimmt’s, Sternentänzer?“, murmelte sie dabei.

„Holla!“ Mit einem Mal wurde die Boxentür schwungvoll aufgerissen. Jan stand breitbeinig im Eingang und wedelte triumphierend mit einem Schlüsselbund. „Du glaubst nicht, was passiert ist!“, verkündete er freudestrahlend.

Carolin konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen. Jan war Nicks Nachfolger auf Lindenhain. Halblange, blonde Haare, blaue Augen, immer gute Laune und fast immer einen Kaugummi im Mund.

„Was denn?“, erkundigte sie sich.

„Nick hat mir gerade feierlich die Schlüssel zu seiner Maschine in die Hand gedrückt. Ich soll auf sie aufpassen, während er in Berlin ist. Ist das nicht gigantisch?!“, freute sich Jan.

„Super!“ Carolin nickte, ohne den Kopf von Sternentänzers Hals zu nehmen.

„Puh!“ Jan fuhr sich mit der rechten Hand durch seine blonden Haare. „Schon heftig! Gibt mir einfach das Teil. Ich könnte den Kahn gegen die Wand fahren oder vertickern oder sonst was.“

„Er vertraut dir eben“, erwiderte Carolin gelassen.

„Das ist ... boah! Ich mein, ich bin ja nicht gerade ein Klosterschüler.“ Jan war völlig überwältigt von Nicks Geste.

„Kann man wohl sagen“, meinte Carolin. Bevor Jan nach Lindenhain gekommen war, hatte er allerhand krumme Dinger gedreht.

„Nick ist echt der Hammer! So was hat noch nie jemand für mich getan“, sagte Jan ernst. „Ein super Kerl! Schade, dass er geht!“

„Das stimmt“, pflichtete Carolin ihm bei und spürte nun wieder den dicken Kloß in ihrem Hals.

„Ich werde sein Vertrauen ganz bestimmt nicht enttäuschen“, sagte Jan mehr zu sich selbst als zu Carolin. Er umschloss den Schlüssel ganz fest mit seinen Fingern und machte sich auf den Weg.

Carolin blickte ihm nach. Sie erinnerte sich noch genau daran, als sie Jan zum ersten Mal gesehen hatte. Als er Kaugummi kauend mit zerrissenen Jeans an der großen Linde gelehnt und sich nach dem Büro von Lindenhain-Chef Gunnar Hilmer erkundigt hatte, um sich für einen Job zu bewerben. Keinen Cent hätte ich damals darauf gewettet, dass Jan auch nur einen Tag bleiben würde, dachte Carolin. Doch inzwischen hatte Jan sich sehr gut eingearbeitet und sein früheres Leben in der Jugendgang total hinter sich gelassen. Sternentänzer hat ihn ja von Anfang an akzeptiert, überlegte Carolin weiter. Und ich mag ihn jetzt schon fast so gerne wie Nick. Gut, dass wenigstens Jan auf Lindenhain bleibt.

„He, Caro!“, unterbrach sie kurz darauf Nicks Stimme.

„Kommst du bitte mal her?“

Carolin schlüpfte aus Sternentänzers Box und legte die Hände wie einen Trichter um die Lippen. „Wo bist du denn?“

„Ich bin in Silbersterns Box“, kam die Antwort.

Carolin flitzte zum anderen Ende des Stalls, wo Silberstern untergebracht war. Die Tür zu seiner Box stand weit offen. Carolin blickte hinein und prustete laut los. Silberstern und Nick standen sich gegenüber wie zwei Boxer in einem Ring. Silbersterns schwarze Augen funkelten wild.

„Was soll das denn werden?“, grinste Carolin amüsiert.

„Ich will ihn satteln, aber dieser Sturkopf will heute absolut nicht still stehen“, erklärte Nick. „Kannst du ihn bitte mal kurz halten?“

Silberstern war der Sohn von Sternentänzer. Der junge Hengst war ein Ebenbild seines Vaters. Nur dass Sternentänzer mondhell mit einem kleinen schwarzen Stern auf der Stirn war und Silberstern pechschwarz mit einem weißen Stern. Der ungestüme junge Hengst war erst vor Kurzem eingeritten worden, was nicht ganz einfach gewesen war. Anfangs hatte sich Silberstern nämlich mit allen Kräften dagegen gewehrt, einen Sattel, geschweige denn einen Reiter auf seinem Rücken zu tragen. Inzwischen klappte das zwar problemlos, und er ließ sich von Nick und Carolin brav reiten. In ganz seltenen Fällen wehrte er sich allerdings noch kurz gegen den Sattel, um eine Kostprobe seiner Wildheit zu geben.

„Er muss heute anscheinend mal wieder zeigen, wer der Chef ist. Damit wir das auch ja nicht vergessen“, seufzte Nick.

Carolin fasste Silberstern am Halfter und kraulte ihn liebevoll zwischen den samtweichen Ohren. „Aber Silbersternchen, ganz ruhig, was ist denn mit dir heute los? Warum willst du denn den Sattel nicht?“

Der junge Hengst tänzelte noch ein paar Mal unruhig hin und her, dann hielt er still und legte seinen Kopf auf Carolins Schulter. „Siehst du, geht doch, mein Süßer.“

„Du hast echt das Zeug zum...



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