E-Book, Deutsch, Band 19, 192 Seiten
Reihe: Sternentänzer
Capelli Sternentänzer, Band 19 - Achterbahn der Gefühle
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8332-3100-1
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 19, 192 Seiten
Reihe: Sternentänzer
ISBN: 978-3-8332-3100-1
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Caro vertraut ihrem geliebten Sternentänzer nun bedingungslos und könnte die Zeit auf Lindenhain eigentlich genießen. Doch neuer Ärger wartet auf sie: Freundin Lina bekommt anonyme Drohbriefe und Caros Mutter steht völlig Kopf, da ihr Exmann mit seiner Freundin zu Besuch kommen will. Als ob das nicht schon genug wäre, ist da noch der junge Referendar, in dessen Nähe Caro ein merkwürdiges Kribbeln im Bauch verspürt - ganz anders als bei Ferdi. In diesem großen Durcheinander hofft Caro darauf, mit Sternentänzers Hilfe Antworten auf ihre Fragen zu bekommen ...
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Glück auf Lindenhain
„Jippiiiieh! Schneller, Sternentänzer, lauf!“ Carolin juchzte vor Begeisterung, während sie auf dem Rücken ihres wunderschönen Araberhengstes über die Wiese nahe dem Reiterhof Lindenhain galoppierte. Sie hatte sich weit nach vorne gebeugt, sodass ihr die seidenweiche mondhelle Mähne des Pferdes ins Gesicht wehte. Ach, wie ist das herrlich! Endlich wieder so unbeschwert mit dir ausreiten zu können! So lange haben wir das nicht mehr gemacht, Sternentänzer!
Carolin Baumgarten, genannt Caro, gab ihrem Pferd das Kommando, langsamer zu werden. Sternentänzer fiel zuerst in den Trab und wechselte schließlich in einen gemächlichen Schritt. Während Carolin sich aufrichtete, legte sie ihre Stirn in Falten und grübelte. Einen Monat lang, zwei Monate, drei …? Ich weiß es nicht genau. Eigentlich nicht mehr, seit ich auf Mallorca war. Ja, genau! Seit ich sie gesehen habe. Diese Falak. Mit einer hastigen Bewegung fuhr sich Caro über ihr Gesicht – so, als könne sie damit die Erinnerung an Falak wegwischen. Eine wilde Stute, die Sternentänzers Mutter war.
„Huch, was ist das denn?“, rief sie plötzlich aus, als ein kleines, feuchtes und kaltes Etwas, das ganz sanft auf ihrer Nasenspitze Platz genommen hatte, sie aus ihren Gedanken riss. Schnee? Jetzt? Dafür ist es doch viel zu warm! Das kann nicht sein.
Doch als Caro aufschaute, merkte sie, dass es tatsächlich schneite. Dicke weiße Schneeflocken wirbelten wie Wattebällchen durch die Luft und fielen auf die Erde – doch sobald die Boten des Winters den Boden berührten, schmolzen sie dahin.
Carolin blinzelte kurz in den grauen wolkenverhangenen Himmel. Dann richtete sie ihre Augen wieder auf den wunderschönen weißen Araberhengst – und trotz des plötzlichen Wintereinbruchs und der Kälte durchströmte ein wohliges Glücksgefühl ihren Körper. „Mein lieber, süßer Sternentänzer“, seufzte Carolin und hätte am liebsten die ganze Welt umarmt, so glücklich fühlte sie sich in diesem Augenblick. „Ich bin ja so froh, dass nun wieder alles gut ist!“
Sternentänzer schien den Schnee ebenso zu genießen: Immer wieder reckte er seinen eleganten mondhellen Kopf den Flocken entgegen.
„Mein braver, lieber Sternentänzer“, wiederholte Carolin und leckte mit der Zunge eine vorwitzige Schneeflocke weg, die auf ihren Lippen gelandet war. Endlich konnte sie sich wieder unbeschwert an ihrem prächtigen Schimmel erfreuen. Vorbei war die große Angst, ihr geliebtes Pferd könnte böse und aggressiv werden. Inzwischen wusste Carolin, dass Sternentänzer nicht von sich aus böse wurde, sondern nur, wenn er mit bösen oder schlechten Menschen zu tun hatte. Oder wenn sie ihm nicht mehr vertraute. Es hatte lange gedauert, bis sie das herausgefunden hatte – und seither fühlte sie sich endlos erleichtert.
Alles hatte mit einem Besuch bei ihrem Vater, der auf Mallorca lebte, angefangen. Dort hatte sie Falak, Sternentänzers Mutter, entdeckt. Ganz im Gegensatz zu ihrem Sohn hatte sich diese Stute als sehr wild und böse entpuppt, und ihr Besitzer, ein alter Mann namens Carlos Garcia, hatte zudem behauptet, dass Falak erst so bösartig geworden sei, nachdem sie Sternentänzer geboren hatte. Carlos Garcia vermutete daher, dass auch Sternentänzer etwas Böses an sich haben müsse. Lange Zeit hatte Caro um ihren Hengst gebangt. Ihn genau beobachtet … und schließlich war das eingetreten, wovor sie sich gefürchtet hatte. Sternentänzer hatte sich mehrmals aggressiv verhalten. Das war echt schlimm, Sternentänzer! Ich war völlig verzweifelt und hatte keine Ahnung, warum du dich so aufgeführt hast!
Nur mit Schaudern erinnerte sich Carolin an die schreckliche Zeit, in der tiefe Sorgen sie geplagt hatten. Die ständige Angst, dass Sternentänzer vielleicht genauso werden würde wie seine Mutter Falak. Und dass sie ihn eines Tages vielleicht sogar weggeben müsse. Doch zum Glück hatte Ami dann das Rätsel gelöst und ihr den Grund für Sternentänzers seltsames Verhalten genannt. Ami war eine Hexe und Heilerin und die Großmutter ihrer besten Freundin Lina. Die weise alte Frau hatte Carolin schließlich erklärt, dass sie ihrem Pferd einfach vertrauen müsse. Dann würde alles gut werden – und so war es auch!
Überglücklich ließ Carolin kurz die Zügel los, breitete ihre Arme aus und reckte ihr Gesicht den Schneeflocken entgegen. Dabei stieß sie einen tiefen Seufzer der Erleichterung aus. Ich werde meinem Sternentänzer künftig immer vertrauen. Ganz bestimmt! Und mit bösen Menschen hat er ja auch nichts zu tun!
Carolin nahm die Zügel wieder auf und dirigierte ihr Pferd quer über den Hof von Lindenhain. Kurz vor dem Eingang zum Stall glitt sie aus dem Sattel und führte Sternentänzer in seine Box.
Während sie den Hengst absattelte und putzte, schweiften ihre Gedanken ganz automatisch wieder um die letzten Monate. „Mann, Sternentänzer, wie sehr hab ich dich damals vermisst!“, murmelte sie und schmiegte sich dabei ganz fest an den Hals des geliebten Pferdes. „Ich weiß gar nicht, wie ich es überhaupt ohne dich aushalten konnte.“ Obwohl die Zeit damals für Carolin unheimlich schwierig gewesen war, sie die vertrauten Stunden mit ihrem Pferd ganz arg vermisst hatte, so wurde ihr doch erst im Nachhinein so richtig bewusst, wie sehr sie eigentlich gelitten hatte. Aber nun war zum Glück alles vorbei.
„Vorbei!“, schrie sie lauthals und schnaufte tief.
„Ey, alles klar bei dir?“, hörte sie auf einmal eine Stimme hinter sich. Die Stimme gehörte ihrer besten Freundin Lina Schniggenfittich. Das Naturmädchen mit den leuchtend grünen Augen trug wie immer mehrere geblümte Röcke übereinander, eine bunte Bluse und dazu dicke Schnürstiefel. Ihre rote Haarmähne hatte sie locker zu einem Pferdeschwanz gebunden.
„Es war noch nie klarer.“ Carolins Lächeln vertiefte sich. „Ich bin so wahnsinnig froh, dass der ganze Spuk endlich vorüber ist.“
Lina lehnte sich gegen die Boxentür. „Und ich bin so froh, dass ich meine Freundin zurückhab. In der letzten Zeit warst du echt drauf wie ein Zombie.“
„Stimmt“, nickte Carolin. „Genauso hab ich mich auch gefühlt. Die Sorge um Sternentänzer hat mich fast wahnsinnig gemacht!“
„Aber zum Glück bist du ja nun wieder die Alte!“
Ja, das bin ich“, strahlte Carolin und strich zärtlich über das weiche Fell ihres Pferdes.
Wie zur Bestätigung stieß Sternentänzer ein leises Schnauben aus, hob den Kopf und schnupperte sanft über Carolins Gesicht. Seine Tasthaare berührten ihre Wangen.
„Puh, das kitzelt!“, kicherte Carolin und wich einen Schritt zurück.
Lina trat auf die Boxengasse. „Ach übrigens, Thorben hat erzählt, dass dein Vater und seine neue Freundin euch demnächst besuchen werden. Wie kommt das denn so plötzlich?“
Thorben Sander war Linas Freund und Carolins Stiefbruder. Sein Vater, der Tierarzt Doktor Sander, und Carolins Mutter hatten vor Kurzem geheiratet.
Carolin nickte. „Meine Schuld. Mam ist es natürlich nicht entgangen, dass ich seit Mallorca megaschlecht drauf war. Sie dachte, meine miese Stimmung würde mit Paps zusammenhängen. Deswegen hat sie ihn ziemlich spontan angerufen und eingeladen.“ Carolin schmunzelte. „Schätze, inzwischen bereut sie das schon. Aber sie kann ihn ja schlecht wieder ausladen. Steht allerdings noch nicht ganz fest, ob’s auch klappt.“
Lina rollte mit ihren schönen grünen Augen. „Da stehen dir ja möglicherweise ein paar turbulente Tage ins Haus.“
Carolins Grinsen wurde noch breiter. „Ich fänd’s klasse. Ich würd sie schon gern wiedersehen. Paps und auch seine neue Freundin Carmela.“
„Wie ist diese Carmela denn so?“, erkundigte sich Lina.
„Kaum älter als wir, echt hübsch und voll cool“, antwortete Carolin. „Ich hab mich richtig mit ihr angefreundet, als ich auf Mallorca war.“
„Und wie findet deine Mutter sie?“
Carolin zog eine Grimasse. „Mam hat keine Ahnung – weder wie sie aussieht, noch wie alt sie ist. Bin echt mal gespannt, wie sie darauf reagiert.“
Zum Abschied drückte Carolin ihrem Pferd einen Kuss auf die Nüstern, dann schlossen die Mädchen die Boxentür und gingen auf den Hof.
Lina warf eine Haarsträhne zurück, die sich aus ihrem Pferdeschwanz gelockert hatte und der Wind ihr nun ins Gesicht blies. „Da wird deine Mutter schon ziemlich überrascht sein.“
„Wenn sie tatsächlich kommen! Paps weiß nämlich noch nicht genau, ob er das arbeitsmäßig...




