E-Book, Deutsch, Band 25, 192 Seiten
Reihe: Sternentänzer
Capelli Sternentänzer, Band 25 - Voller Einsatz für Lina
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8332-3106-3
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 25, 192 Seiten
Reihe: Sternentänzer
ISBN: 978-3-8332-3106-3
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Carolin Baumgarten versteht die Welt nicht mehr. Ihre Freundin Lina muss die Wohnwagenwiese verlassen, und niemanden außer ihr und Lina scheint dies zu interessieren. Ausgerechnet jetzt kann sie nicht mit ihrem wunderschönen Hengst Sternentänzer ausreiten, um mithilfe seiner magischen Gabe einen Blick in die Zukunft zu werfen. Oder sollte sie trotz seiner Verletzung einen Vollmondritt wagen? Aber noch bevor Caro eine Entscheidung treffen kann, meldet sich jemand, der behauptet, er habe Anspruch auf die Wohnwagenwiese ...
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Die Neue in der Klasse
Wenn man etwas unbedingt und aus tiefstem Herzen möchte, dann läuft man oft wie mit Scheuklappen durch die Welt und sieht die Wirklichkeit nicht mehr. So ging es Carolin jedenfalls nach dem Gespräch mit Lina.
In den Tagen danach war in Carolins Kopf kein Platz mehr für ein Problem, das Einkaufszentrum hieß. Sie wollte sich einfach nicht vorstellen, dass Lina von Lilienthal wegziehen würde, und blendete daher den Gedanken daran einfach aus. Zudem plagte sie immer noch die Sorge um Sternentänzers rechtes Vorderbein.
Wie jeden Morgen stand Carolin auch an diesem Tag schon in aller Früh auf und radelte noch vor der Schule nach Lindenhain zu ihrem geliebten Pferd. Wie jeden Morgen erwartete sie der wunderschöne mondhelle Hengst schon und blickte ihr mit seinen großen dunklen Augen entgegen.
„Hallo, mein Schöner!“ Müde lehnte Carolin ihren Kopf gegen sein warmes, weiches Fell und schloss die Augen. „Mann, wie gern würd ich jetzt noch eine Runde schlafen!“, murmelte sie dabei. „Wieso muss die Schule eigentlich so früh anfangen?“
Sternentänzer wandte den Kopf und schnupperte über Carolins Gesicht. Seine Tasthaare kitzelten sie. Carolin musste kichern und war auch gleich etwas munterer. „Alles klar, mein Süßer!“ Sie bückte sich, griff nach der Heilpaste und nahm eine fingerdicke Portion der gelblichen Masse heraus. Dann schraubte sie den Deckel wieder zu und stellte das Glas zurück in die Ecke.
Sie kniete sich neben Sternentänzer und strich sein rechtes Vorderbein behutsam mit der Paste ein. Sternentänzer hielt ganz still. Carolin rieb und rieb und schloss dabei wieder die Augen, als ein lautes „Hi!“ sie plötzlich aufschrecken ließ.
In der Boxentür stand Jan. Er hatte seinen dunkelblauen Arbeitsoverall an, stemmte sich auf die Mistgabel und formte mit seinem Kaugummi eine große Blase, die er dann geräuschvoll platzen ließ.
„Hast du mich erschreckt!“, beschwerte sich Carolin.
Jan betrachtete sie kopfschüttelnd. „Mensch, Caro! Das ist doch voll bescheuert, was du machst.“
„Was denn?“ Carolin richtete sich gähnend auf.
„Du gähnst, deine Augenlider hängen voll auf Halbmast. Auf Dauer kannst du das nicht durchhalten, jeden Morgen vor der Schule herzukommen.“
„Kann ich wohl!“, entgegnete Carolin. „Sternentänzer braucht seine Paste zweimal am Tag.“
„Hier!“ Jan streckte ihr ein Bein entgegen.
„Hä?“
„Du kannst deine cremeverschmierten Hände ruhig an meinem Overall abwischen. Der wird eh gleich komplett schmutzig sein.“
Carolin wischte ihre Hände ab. „Danke“, murmelte sie. Rasch drückte sie Sternentänzer einen Kuss auf die weichen Nüstern und verließ die Box.
„Caro!“, rief Jan ihr nach.
Carolin drehte sich um. „Ist noch was?“
„Warum lässt du mich das denn nicht erledigen! Hast du Angst, ich schmier das Zeug auf das verkehrte Bein? Ich massier es in seine Mähne? Oder ich misch es aus Versehen in sein Fressen?“
Carolin musste grinsen. „Nee, das nicht, aber ich mach das am liebsten selbst, das ist alles. Trotzdem danke für das Angebot.“ Sie winkte Jan noch kurz zu, dann flitzte sie aus dem Stall. Wenn sie zurückgeblickt hätte, hätte sie Jans trauriges Gesicht bemerkt.
Eine halbe Minute nach dem Klingelton flutschte Carolin an diesem Morgen ins Klassenzimmer. Alle anderen saßen schon auf ihren Plätzen. Dr. Hutmacher stellte gerade schwungvoll seine abgewetzte Ledertasche auf dem Tisch ab. Dr. Heribert Hutmacher war ihr Mathelehrer, ein älterer Herr, der die paar Haarsträhnen, die er noch hatte, immer fein säuberlich von rechts nach links über seine Glatze kämmte. Eigentlich war der Mathelehrer nicht allzu streng, aber manchmal machte er spitze Kommentare. So wie jetzt. „Das ist nun schon das dritte Mal, dass du zu spät in meinen Unterricht kommst, Carolin“, mahnte er und bedachte sie mit einem prüfenden Blick.
Stimmt, seit Tim die Paste morgens nicht mehr aufträgt, war ich ein paar Mal spät dran, ergänzte Carolin in Gedanken. „Sorry, tut mir leid!“ Sie beeilte sich, auf ihren Platz zu kommen.
„Gerade du kannst es dir bei deinem Notenstand nicht leisten, auch nur eine Minute zu versäumen“, erklärte Dr. Hutmacher weiter.
„Sorry, ich … mein Rad hatte einen Platten. Ich fuhr so dahin … und plötzlich war der Reifen platt … Daher musste ich schieben und so …“
„Immer eine andere Ausrede, Carolin!“, unterbrach Dr. Hutmacher sie kopfschüttelnd. „Wenn das so weitergeht, muss ich deine Mutter zu mir bestellen.“
Nein! Nein! Alles – bloß das nicht! Mam fällt aus allen Wolken. Vor allem, weil ich das Haus zurzeit so früh wie nie verlasse. Wenn sie erfährt, dass ich vor der Schule nach Lindenhain zu Sternentänzer radle, gibt’s ein Donnerwetter, das sich gewaschen hat. Und Lindenhain-Verbot!
Carolin räusperte sich. „Es kommt auch nicht mehr vor, Herr Hutmacher. Ich werd von jetzt an pünktlich sein, versprochen!“
Ohne einen weiteren Kommentar nahm Dr. Hutmacher sein Mathebuch. „Dann schlagt mal bitte Seite zweiundachtzig auf.“
Carolin zog das Buch aus ihrer Tasche, blätterte rasch zu der angegebenen Seite und blickte darauf. Mensch! Das wär echt blöd, wenn Ines erfährt, dass ich wegen Sternentänzer zu spät in die Schule komme! Dann besteht sie vielleicht wirklich drauf, dass ich Sternentänzer weggebe! Gerade jetzt! Mit Schrecken erinnerte sich Carolin an das Gespräch, das ihre Mutter und ihr Stiefvater, der Tierarzt Dr. Sander, vor einiger Zeit geführt hatten. Ines hatte davon geredet, dass Carolin Sternentänzer weggeben sollte. Damals hatte der Doc Ines davon überzeugen können, dass das keine gute Idee war. Verflixt! Carolin nagte an ihrer Unterlippe – wie sie es immer tat, wenn sie nervös war oder nicht mehr weiterwusste. Wenn Ines das erfährt, ist Schluss. Aus! Vorbei!
„Caro!“ Lina knuffte sie in die Seite.
Erst jetzt bemerkte Carolin, dass Dr. Hutmacher mit erwartungsvoll hochgezogenen Augenbrauen neben ihr stand. „Ich bin sicher, du kannst uns die Aufgabe aus dem Buch vorrechnen.“
Auweia! Welche Aufgabe?! Carolin hatte null Ahnung, wovon der Mathelehrer gerade sprach. Ich bin so was von geliefert. „Ich …“, stammelte Carolin.
In diesem Moment klopfte es kurz an der Tür, gleich darauf ging sie auf. Herein kam forschen Schrittes Margarete Hanselmeier, die Sekretärin des Schuldirektors, gefolgt von einem großen, schlanken Mädchen in Carolins Alter. „Entschuldigen Sie bitte die Störung, Herr Dr. Hutmacher“, begann Frau Hanselmeier.
Der Mathelehrer wandte sich um und sah sie fragend an.
Frau Hanselmeier deutete auf das Mädchen. „Das ist Jennifer Rust. Sie ist mit ihren Eltern nach Lilienthal gezogen und wurde dieser Klasse zugeteilt.“
Eine neue Mitschülerin! Neugierig richteten sich sofort die Blicke aller auf das Mädchen. Es hatte einen flotten Kurzhaarschnitt, strahlend blaue Augen, eine Himmelfahrtsnase mit Sommersprossen und ein sympathisches Lächeln. Es trug eine dunkelblaue Designerjeans, ein edles pinkfarbenes Shirt und Stiefel mit hohem Absatz.
„Soso, nun ja“, kommentierte Dr. Hutmacher und schaute sich im Klassenzimmer um. Sein Blick fiel auf den leeren Platz neben Julia Schlupf. „Dann setz dich doch am besten neben Julia.“
Der Platz neben Julia war frei, weil niemand freiwillig neben ihr sitzen wollte. Die hübsche blonde Julia Schlupf war stinkreich und stets tipptopp gekleidet. Ihrem Vater gehörte die Strumpffabrik Cecilia. Julia war verwöhnt und hochnäsig. Nur sehr, sehr selten hatte sie einen Anfall von Freundlichkeit. Niemand in der Klasse mochte sie wirklich, und auch sie mochte niemanden wirklich. Doch richtig feindselig zeigte sich Julia nur gegenüber Lina. Das ungestüme Naturmädchen, das am liebsten weite Röcke, Rüschenblusen und derbe Schnürstiefel trug, war Julias liebstes Spottobjekt.
„In der großen Pause kommst du bitte zu mir ins Sekretariat, dann klären wir den Rest.“ Damit verschwand Frau Hanselmeier wieder.
Jennifer setzte sich neben Julia.
Julia beugte sich gleich hinüber zu Jennifer und wollte sie ausfragen.
Doch Dr. Hutmacher unterbrach sie mit strenger Stimme. „Meine Damen, Befragungen aller Art können in der Pause erledigt werden. Ich würde nun gern mit dem Unterricht fortfahren.“
In der großen Pause stürmten alle aus der Klasse neugierig auf Jennifer zu.
„Wo kommst du denn her?“, wollte Tina Kuchberger...




