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E-Book, Deutsch, Band 28, 192 Seiten
Reihe: Sternentänzer
Capelli Sternentänzer, Band 28 - Aufregung um Stute Aziza
1. Auflage 2015
ISBN: 978-3-8332-3109-4
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 28, 192 Seiten
Reihe: Sternentänzer
ISBN: 978-3-8332-3109-4
Verlag: Panini KidsBooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein edles Turnierpferd soll sich auf dem Reiterhof Lindenhain von einer Verletzung erholen. Ungeduldig erwartet Carolin Baumgarten den Neuzugang. Denn insgeheim hofft sie, dass ihr geliebter Hengst Sternentänzer an der schönen schneeweißen Aziza Gefallen findet. Sehr schnell aber stellt sich heraus, dass die wertvolle Stute an einer geheimnisvollen Krankheit
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Schrecksekunden und Seeigeleier
Den azurblauen Himmel schmücken ein paar Schleierwolken, so zart wie ein Hauch, ein laues Lüftchen weht, es duftet süß und intensiv nach Blüten. Es ist ein herrlicher Tag, wie gemacht zum Ausreiten. Ein traumhaft schöner Schimmel jagt ausgelassen über die Felder, sein mondheller Schweif flattert wie eine Fahne im Wind. Er galoppiert vorbei an den hohen Linden, wird immer schneller und schneller und …
„He, Caro!“
Carolin Baumgarten, genannt Caro, hörte wie aus weiter Ferne eine leise Stimme, spürte einen sanften Druck in der Seite, schreckte hoch. „Wie?“
Wieder dieser sanfte, aber bestimmte Druck in der Seite. Dann etwas lauter die Stimme von Lina Schniggenfittich, ihrer besten Freundin. „Achtung! Caro! Wo bist du denn mit deinen Gedanken?“
Bei einem genialen Ausritt mit meinem Sternentänzer, dachte Carolin verträumt. Sternentänzer war ein prächtiger weißer Araberhengst mit einem kleinen schwarzen Keilstern auf der Stirn und dunklen geheimnisvollen Augen. Doch Sternentänzer war nicht nur wunderschön, er besaß auch eine ganz außergewöhnliche Gabe. Eine magische Gabe.
„Caro!“
Carolin versuchte, sich zusammenzureißen. Ganz offensichtlich war sie in einem Tagtraum versunken gewesen. Hier standen weit und breit keine Linden. Und statt eines azurblauen Himmels spannte sich nur die mittlerweile schon etwas verschmutzte, ehemals weiße Klassenzimmerdecke über ihrem Kopf.
Vor ihrem Tisch baute sich gerade die Englischlehrerin in voller Größe auf. „Carolin, könntest du das bitte wiederholen“, kam es auch glatt von Miss Somerset.
Carolin hob den Kopf und schaute auf einen Bauch, den eine weiß-rot gestreifte Bluse umhüllte, vorsichtig sah sie ein wenig höher und blickte dann direkt in das verärgerte Gesicht der Englischlehrerin. Zwischen deren Augenbrauen hatte sich eine tiefe Falte gebildet. Vor ein paar Monaten hatte Miss Somerset sich diese mit Botox wegspritzen lassen, doch inzwischen war die Wirkung des Nervengiftes offenbar verflogen und die Falte wieder so tief wie eh und je. Und ziemlich Furcht einflößend.
Natürlich hatte Carolin überhaupt keine Ahnung, worüber die letzte Viertelstunde gesprochen worden war. Hilfe suchend schielte sie aus den Augenwinkeln hinüber zu Lina, die natürlich nicht eingreifen konnte.
„You have no idea?!“, stellte die Englischlehrerin auch gleich treffend fest, nickte vor sich hin, machte abrupt kehrt und schritt wieder nach vorne.
Wieder der sanfte Druck in Carolins Seite. Dann die Stimme von Lina. „Ey, pass bloß auf, die Somerset hat dich schon die ganze Zeit auf dem Radar!“
„Ich bin gerade so schön geritten …“, seufzte Carolin.
„Können wir doch heute Nachmittag in die Realität umsetzen“, schlug Lina vor. „Wir können doch zusammen ausreiten.“ Sie überlegte. „Ich bin seit unserem Pferdetrip neulich nicht mehr geritten und hab schon richtig Entzugserscheinungen.“ Carolin, Lina und Jennifer hatten in den letzten Ferien einen einwöchigen Wanderritt mit ihren Pferden gemacht und dabei jede Menge Abenteuer erlebt.
„Geht heute leider nicht.“ Carolin schüttelte den Kopf. „Ich hab meiner Mutter versprochen, ihr bei den Vorbereitungen für irgend so ein komisches Dinner für die Leute von ihrem Kochkurs zu helfen.“
„Und was bitte sollst du dabei machen?“, flüsterte Lina verwundert.
„Keine Ahnung!“ Carolin zuckte die Achseln. „Ich glaub eher, meine Mutter braucht ein bisschen Gesellschaft. Ich habe den Eindruck, sie fühlt sich momentan etwas im Stich gelassen und ist daher nicht besonders gut drauf.“
Schließlich gab die Schulglocke das Zeichen zum Schulschluss. Lina stand auf und streckte sich. „Echt schade, bei diesem Traumwetter!“
„Stimmt!“ Carolin nickte betrübt und räumte ihre Bücher zusammen. „Aber irgendwie schulde ich meiner Mam noch was, immerhin hat sie den Wanderritt erlaubt.“
„Na ja!“ Lina lachte. „Morgen ist auch noch ein Tag.“
Die beiden Freundinnen nahmen ihre Schultaschen, liefen zur Klassenzimmertür und wären dort beinahe mit Julia Schlupf zusammengestoßen, die sich auch gerade aus der Tür drücken wollte.
Julia war eine Mitschülerin, sie hatte lange blonde Haare, war sehr hübsch und mindestens ebenso arrogant und eingebildet. „Passt doch auf!“, herrschte Julia die beiden an. „Ich hab gleich noch ein superwichtiges Date und keine Lust, mich umzuziehen, weil ihr meine weiße Spitzenbluse beschmutzt.“ Sie musterte Lina verächtlich von oben bis unten.
Julia konnte das ungestüme Naturmädchen mit den wilden roten Locken und den leuchtend grünen Augen, das meist mehrere geblümte Röcke übereinander trug, dazu eine geschnürte Bluse und dicke Schnürstiefel, nicht ausstehen. Lina mochte die eingebildete Julia genauso wenig. Die zwei Mädchen waren schon oft aneinandergeraten. Julia hatte sich immer wieder üble Streiche und Gemeinheiten ausgedacht.
Lina tippte sich an die Stirn. „Ey, jetzt geht’s aber los! Ich hab dich nicht mal berührt, du Schnepfe!“
„Pah!“, machte Julia nur und rauschte davon.
Lina drehte die Augen zum Himmel. „Zimtzicke!“ Sie sah Julia wütend nach. „Möge dein superwichtiges Date doch der Reinfall des Jahrhunderts werden“, fauchte sie ihr noch hinterher.
Beruhigend legte Carolin den Arm um Lina. „Lass sie doch!“
Lina ballte die Fäuste. „Die schafft es immer wieder, mich zur Weißglut zu bringen.“
Carolin fasste Lina an der Hand und zog sie mit nach draußen. „Vergiss es, komm schon!“
Lina nickte, folgte dann Carolin. Gemeinsam schlenderten die beiden Freundinnen zu ihren Rädern und fuhren nach Hause.
Carolin wohnte zusammen mit ihrer Mutter Ines Baumgarten, ihrem Stiefvater, dem Tierarzt Dr. Joachim Sander, und dessen Sohn Thorben im Ahornweg 16 in Lilienthal – in einem schnuckeligen, hübschen gelben Häuschen. Die Fenster hatten grüne, schon etwas ausgeblichene Fensterläden. Neben der Eingangstür befand sich eine kleine Veranda, auf der eine Hollywoodschaukel stand, die schon bessere Tage gesehen hatte. Dazu gehörte ein kleiner Garten ums Haus, in dem ein paar knorrige Obstbäume und viele Sträucher wuchsen.
Als Carolin um die Ecke bog, kam ihr schon von Weitem eine dicke dunkelgraue Dampfwolke entgegen. Küchenfenster und Haustür standen sperrangelweit offen. Erschrocken hüpfte Carolin vom Rad, stellte es ab und rannte auf die Haustür zu. „Mam!“, schrie sie laut.
„Hier bin ich“, kam es etwas kläglich aus der Küche.
„Mam!“ Carolin legte ihre Schultasche ab und raste in die Küche. „Was ist denn? Brennt was? Soll ich die Feuerwehr rufen?“
„Ach was, Feuerwehr!“ Ines stand vor dem weit geöffneten Backofen, die Hände durch riesige Grillhandschuhe geschützt. Offenbar war sie bereits für den Abend angezogen, denn sie trug unter der Schürze ein Blümchenkleid, das Carolin noch nie an ihr gesehen hatte. Ihr Gesicht hatte eine unnatürliche, leicht rötliche Farbe, ihre Augen funkelten erbost. „Dieses bescheuerte, dämliche Teil!“, schimpfte sie.
„Was ist denn passiert?“, fragte Carolin nun schon etwas ruhiger nach. Offenbar handelte es sich nicht um einen akuten Notfall.
„Irgendwie hat es diesen blöden Bratschlauch zerrissen, und alles ist rausgelaufen. Jetzt ist der ganze Ofen verschmutzt, und der Hasenbraten verbrannt.“ Ines bückte sich und zog hektisch an dem Backblech. „Verdammt!“
Hasenbraten? Oje, der arme Hase! Carolin schüttelte sich. Igitt! Bloß gut, dass der verbrannt ist!, dachte sie, hütete sich aber davor, ihre Gedanken laut auszusprechen.
„Mist! So ein Mist!“ Ines war völlig aufgelöst, schien den Tränen nahe. Sie riss das Blech ganz heraus, inspizierte die verkohlte Hülle, die darauflag, und stellte alles neben der Spüle ab. „Was soll ich denn jetzt nur machen?“
„Ach komm, Mam! Dann kochst du halt was anderes“, schlug Carolin vor.
„Ach ja, und was?“ Ines war immer noch außer sich.
„Keine Ahnung, irgendwas! Schließlich kommen deine Gäste ja bestimmt auch, um sich zu unterhalten“, versuchte Carolin, ihre Mutter zu trösten.
„Das ist kein Konversationskurs, sondern ein Kochkurs“, gab Ines mit tränenerstickter Stimme zurück.
„Dann schauen wir halt im Kochbuch nach und suchen was anderes aus“, meinte Carolin.
„Nee“, schniefte Ines.
„Aber warum denn nicht?...




